Erlauben Sie, theuerster Mann, die treuste lakonische Erwiederung.
Zur ersten Seite Ihres Briefes: jede Mittheilung soll mir angenehm
seyn, Erwiederung sey Tagen und Stunden überlassen.
Zur zweyten Seite, dem Postscript:
~ad~ 1.) mit der größten Theilnahme haben wir Ihre unerfreuliche
Rückreise vernommen und uns unterdessen aus unsern Unbilden auch
zu erholen gesucht. Dem, nach so viel Seiten hin thätigen, von
so viel Seiten her bedrängten Freunde Hrn. von Müller, ist eine
kleine Stockung des Briefwechsels wohl nachzusehen.
~ad~ 2.) Ich las jenes absichtliche Schreiben an Hrn. v. Müller
vorerst, und rieth ihm dasselbe niemand sehen zu lassen, gewisse
unangenehme Eindrücke befürchtend. Ich weiß nicht ob er mein
Gutachten befolgte.
~ad~ 3.) Möge das allgemeine Übel, wie man es auch nennen mag, das
uns alle bedrängt, so leise als möglich auf Sie wirken.
~ad~ 4.) Des „_Malitiösen_“ bedienen Sie Sich nur nicht gegen mich;
es hat mich, jung, mit den allerschönsten Mädchen auseinander
gebracht.
* * * * *
Was ich aber bey den Hindernissen Ihres Hierseyns, bey der für beyde
Seiten unbefriedigten Abreise, vorzüglich schmerzlich empfand, war
daß Sie, unmittelbar, an dem vorzüglichen Pianoforte gesessen hatten,
welches wir Ihnen schuldig sind, ohne daß meine Enkel Ihnen, auch
nur wenige Minuten, darauf vorgespielt hätten, um recht sinnlich
auszudrücken: daß dieses Organ zu unserm häuslichen Daseyn vollkommen
unentbehrlich ist.
Soviel für heute, einen freundlichen Gegengruß mir versprechend.
Weimar
den 30. Jun.
1831.
unwandelbar
J W Goethe