LXI.

Erlauben Sie, theuerster Mann, die treuste lakonische Erwiederung.

Zur ersten Seite Ihres Briefes: jede Mittheilung soll mir angenehm

seyn, Erwiederung sey Tagen und Stunden überlassen.

Zur zweyten Seite, dem Postscript:

~ad~ 1.) mit der größten Theilnahme haben wir Ihre unerfreuliche

Rückreise vernommen und uns unterdessen aus unsern Unbilden auch

zu erholen gesucht. Dem, nach so viel Seiten hin thätigen, von

so viel Seiten her bedrängten Freunde Hrn. von Müller, ist eine

kleine Stockung des Briefwechsels wohl nachzusehen.

~ad~ 2.) Ich las jenes absichtliche Schreiben an Hrn. v. Müller

vorerst, und rieth ihm dasselbe niemand sehen zu lassen, gewisse

unangenehme Eindrücke befürchtend. Ich weiß nicht ob er mein

Gutachten befolgte.

~ad~ 3.) Möge das allgemeine Übel, wie man es auch nennen mag, das

uns alle bedrängt, so leise als möglich auf Sie wirken.

~ad~ 4.) Des „_Malitiösen_“ bedienen Sie Sich nur nicht gegen mich;

es hat mich, jung, mit den allerschönsten Mädchen auseinander

gebracht.

* * * * *

Was ich aber bey den Hindernissen Ihres Hierseyns, bey der für beyde

Seiten unbefriedigten Abreise, vorzüglich schmerzlich empfand, war

daß Sie, unmittelbar, an dem vorzüglichen Pianoforte gesessen hatten,

welches wir Ihnen schuldig sind, ohne daß meine Enkel Ihnen, auch

nur wenige Minuten, darauf vorgespielt hätten, um recht sinnlich

auszudrücken: daß dieses Organ zu unserm häuslichen Daseyn vollkommen

unentbehrlich ist.

Soviel für heute, einen freundlichen Gegengruß mir versprechend.

Weimar

den 30. Jun.

1831.

unwandelbar

J W Goethe

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 212 / 214 题