XLI.

Nun möchte denn doch auch wieder einmal Zeit seyn bey Ihnen, mein

werthester Herr und Freund, theilnehmend anzuklopfen nach Ihrer

Thätigkeit zu fragen, damit man doch wieder als mitlebend erscheine.

Seit dem August vorigen Jahrs hab' ich mir viel auferlegt und ist mir

viel auferlegt worden, so daß diese Zeit, ob ich gleich gar keiner

Zerstreuung Raum gebe und der entschiedensten Einsamkeit genieße,

auch Tag und Stunde zu nützen suche, ich dennoch immer in Rückstand

verbleibe. So schleicht sich denn auch die Erfahrung ein, daß das Alter

weniger fördert als die Jugend und man nicht mehr von einer Thätigkeit

zur andern so schnell übergehen kann.

Nehmen Sie ein Exemplar meines Divans als Zeichen des Zutrauens und

der Hochachtung. Da ich mich einmal in jene Regionen gewagt, so hab

ich, wie es auf Reisen zu gehen pflegt, mich länger verweilt, mehr

Zeit und Kräfte verwendet, als billig, auch zuletzt keine Anstrengung

gescheut um nur endlich wieder nach Hause zu kommen. Sagen Sie mir

nun auch etwas von sich und wie es mit Ihren literarischen- und

Kunstbeschäftigungen geht? Herr Weigel schreibt mir mit Entzücken von

den Abenden, wo Sie Freunden eine Beschauung Ihrer Schätze gewähren.

Möcht ich doch auch Theil daran nehmen können!

Weimar

den 3. April

1820.

treulichst

Goethe

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 190 / 214 题