XL.

Nichts Angenehmeres hätte vor meiner Abreise nach Carlsbad bey mir

einlangen können als ein Brief von Ihrer Hand, mein Theuerster,

überschrieben. Die Lesung des Vorigen erregte mir ein Gefühl das ich in

ähnlichen Fällen mehrmals empfand, das nämlich, daß mich keine Furcht

für Sie anwandlen wollte. Eben aber, die Reise nach Böhmen anzutreten

endlich bestimmt, wollte ich, zu meiner Beruhigung bey andern anfragen

und in demselben Augenblick erfahre ich, von freyen Stücken, durch Sie

selbst, Ihre Genesung. Lassen Sie mich dazu aufrichtig Glück wünschen

und nach einem solchen Sturze eine dauerhafte Gesundheit hoffen. Der

vielfache Drang vor meiner Abreise verbietet mir mehr zu sagen, deshalb

ich auch auf Ihren ferneren geneigten Antrag zu antworten bis auf meine

Rückkunft verschiebe: denn dergleichen überraschende, wohlmeynende

Gesinnungen anzunehmen oder abzulehnen ist gleich bedenklich. Leben

Sie inzwischen recht wohl und empfangen meinen aufrichtigen Dank,

sowohl für baldige Nachricht Ihrer Beßerung, als die sogleich gegen uns

gewendete Neigung Ihres lieben Gemüthes.

Möge ich bey meiner Rückkehr das Gute und Beßere von Ihrem Befinden

vernehmen.

Jena

den 23. August.

1819.

treulichst verbunden

Goethe

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 189 / 214 题