Nichts Angenehmeres hätte vor meiner Abreise nach Carlsbad bey mir
einlangen können als ein Brief von Ihrer Hand, mein Theuerster,
überschrieben. Die Lesung des Vorigen erregte mir ein Gefühl das ich in
ähnlichen Fällen mehrmals empfand, das nämlich, daß mich keine Furcht
für Sie anwandlen wollte. Eben aber, die Reise nach Böhmen anzutreten
endlich bestimmt, wollte ich, zu meiner Beruhigung bey andern anfragen
und in demselben Augenblick erfahre ich, von freyen Stücken, durch Sie
selbst, Ihre Genesung. Lassen Sie mich dazu aufrichtig Glück wünschen
und nach einem solchen Sturze eine dauerhafte Gesundheit hoffen. Der
vielfache Drang vor meiner Abreise verbietet mir mehr zu sagen, deshalb
ich auch auf Ihren ferneren geneigten Antrag zu antworten bis auf meine
Rückkunft verschiebe: denn dergleichen überraschende, wohlmeynende
Gesinnungen anzunehmen oder abzulehnen ist gleich bedenklich. Leben
Sie inzwischen recht wohl und empfangen meinen aufrichtigen Dank,
sowohl für baldige Nachricht Ihrer Beßerung, als die sogleich gegen uns
gewendete Neigung Ihres lieben Gemüthes.
Möge ich bey meiner Rückkehr das Gute und Beßere von Ihrem Befinden
vernehmen.
Jena
den 23. August.
1819.
treulichst verbunden
Goethe