XXXV.

Daß Ew. Wohlgeboren nicht schon längst auf Ihren werthen Brief

geantwortet, ist der verspätete Druck beykommenden Heftes eigentlich

Schuld. Nehmen Sie es freundlich auf und gedenken dabei vergangener

Zeiten.

_Briefe_, wie Sie solche wünschen, finden sich wohl unter meinen

Papieren. Leider verbrannte ich 1797 eine zwanzigjährige geheftete

Sammlung aller eingegangener Briefe, die ich mir bei meinen

biographischen Arbeiten sehnlichst zurückwünschte; die neueren, bis

auf wenige Jahre, stehen in Kisten geschlagen in Bodenkammern, wo

jetzt unmöglich zu arbeiten ist. Ferner habe ich eine schöne Sammlung

eigenhändiger Briefe der Schriftzüge wegen gesammelt,[267] auch diese

will ich durchgehen um etwas für Sie herauszufinden. Nur gegenwärtig

bitte um Geduld! Außer mancherley äußern Zudrang habe ich noch meinen

Divan auf die Messe zu bringen und was dergleichen mehr ist.

Nun noch eine vertrauliche Frage, die ich mir baldigst zu beantworten

bitte. Nach der augenblicklichen Erschütterung von Jena möchten wohl

auch die _Griechen_ daselbst, zwölf an der Zahl, auswandern. Ich

kenne mehrere davon, vorzügliche, fleißige und stille Menschen.[268]

Sollten sie wohl sämmtlich oder zum Theil in Leipzig Unterkommen

finden wenn sie sich gebührend meldeten? Sagen Sie mir, da Sie die

dortige Constellation kennen, wie Sie hierüber denken, es soll, was

Sie mir vertraulich äußern, niemand erfahren. Über die wunderlichen

Zustände des Tages kein Wort, jeder muß diese Vorfälle bei sich selbst

verarbeiten.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 179 / 214 题