Verzeihen Sie, werthester, daß ich erst spät auf Ihre Anfrage zur
Antwort komme; ich führe jetzt ein etwas unstätes Leben, und spiele
~rouge et noir~[265] zwischen Weimar und Jena[266], wo es an beiden
Enden zu thun giebt, zwar nicht außer meiner Sphäre, doch auch
innerhalb derselben nicht ganz erfreulich.
Haben Sie herzlichen Danck für alle Bemühung und Theilnahme, auch
für Ihre Betrachtung über mein Thun und Wesen. Das Liebste muß ich
immer liegen lassen, und für lauter Treiben und Arbeiten komme ich
zu keinem Genuß, am wenigsten zu einer Besinnung, was man erhalten,
fördern, fahren lassen, oder verbrennen soll. Wir wollen sehen wie
lange wir's treiben, und was wir noch vor uns bringen. Gönnen Sie mir
Ihre Theilnahme für und für, und erhalten mir und meinem Andenken guten
Willen in Ihrem Wirkungskreise.
Das übersendete Kupfer ist leider wie Sie selbst sehen, keineswegs
trostreich; dem guten Manne der so wunderlich aus dem Blättchen
heraussieht, wird das Denken äußerst schwer, und der Beschauer kann
sich einer peinlichen Empfindung nicht erwehren. Der Fehler, den die
Künstler durch Vergleichung selbst gefunden haben, ist freilich sehr
entstellend. Der Keim zu allen diesem, lag schon im Original, das ich
den wackern Boisseres übersendete, von Copie zu Copie ist es immer
schlimmer damit geworden.
Mögen Sie das mit Schonung an die guten Leute bringen, die mit so
vielem reinen Willen ihre Kunst geopfert haben, denn der Stich ist
wircklich verdienstlich. Ich selbst muß die Sache ignoriren, denn
als ich hier einigen Freunden das Blatt vorzeigte, wurde ich übel
angelassen. Dieses wenige zu sagen, finde ich in Jena gerade eine
ruhige Stunde; kommen Sie in Fall mir etwas zu schicken oder zu fragen,
so senden Sie es nach Weimar, und bleiben meiner Theilnahme und
Danckbarkeit versichert.
Jena
den 24 Novembr.
1817.
ergebenst
Goethe
Fußnoten:
[265] Briefw. m. Jacobi S. 262.
[266] Briefw. m. Zelter ~II.~ S. 415.