XXXIV.

Verzeihen Sie, werthester, daß ich erst spät auf Ihre Anfrage zur

Antwort komme; ich führe jetzt ein etwas unstätes Leben, und spiele

~rouge et noir~[265] zwischen Weimar und Jena[266], wo es an beiden

Enden zu thun giebt, zwar nicht außer meiner Sphäre, doch auch

innerhalb derselben nicht ganz erfreulich.

Haben Sie herzlichen Danck für alle Bemühung und Theilnahme, auch

für Ihre Betrachtung über mein Thun und Wesen. Das Liebste muß ich

immer liegen lassen, und für lauter Treiben und Arbeiten komme ich

zu keinem Genuß, am wenigsten zu einer Besinnung, was man erhalten,

fördern, fahren lassen, oder verbrennen soll. Wir wollen sehen wie

lange wir's treiben, und was wir noch vor uns bringen. Gönnen Sie mir

Ihre Theilnahme für und für, und erhalten mir und meinem Andenken guten

Willen in Ihrem Wirkungskreise.

Das übersendete Kupfer ist leider wie Sie selbst sehen, keineswegs

trostreich; dem guten Manne der so wunderlich aus dem Blättchen

heraussieht, wird das Denken äußerst schwer, und der Beschauer kann

sich einer peinlichen Empfindung nicht erwehren. Der Fehler, den die

Künstler durch Vergleichung selbst gefunden haben, ist freilich sehr

entstellend. Der Keim zu allen diesem, lag schon im Original, das ich

den wackern Boisseres übersendete, von Copie zu Copie ist es immer

schlimmer damit geworden.

Mögen Sie das mit Schonung an die guten Leute bringen, die mit so

vielem reinen Willen ihre Kunst geopfert haben, denn der Stich ist

wircklich verdienstlich. Ich selbst muß die Sache ignoriren, denn

als ich hier einigen Freunden das Blatt vorzeigte, wurde ich übel

angelassen. Dieses wenige zu sagen, finde ich in Jena gerade eine

ruhige Stunde; kommen Sie in Fall mir etwas zu schicken oder zu fragen,

so senden Sie es nach Weimar, und bleiben meiner Theilnahme und

Danckbarkeit versichert.

Jena

den 24 Novembr.

1817.

ergebenst

Goethe

Fußnoten:

[265] Briefw. m. Jacobi S. 262.

[266] Briefw. m. Zelter ~II.~ S. 415.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 178 / 214 题