Mit vielem Danke, mein Werthester, sende ich den mitgetheilten
Aufsatz zurück. Wer das deutsche Publicum kennt, dessen selbstische
Eigenwilligkeiten Sie so gut schildern, wer zunächst erfahren hat,
daß sie vor allem Neuen, so sehr sie darnach gierig sind, wenn es
einigermaßen problematisch ist, eine ängstliche Apprehension fühlen,
und daher den Miswollenden freyes Spiel geben, um sich nur jener
Furcht entledigt zu sehen -- der weiß gewiß dankbar anzuerkennen,
wenn ein Freund als Mittelsperson auftreten mag, damit die Menschen
sich geschwinder mit dem befreunden, was ihnen fremd und wunderlich
erscheint.[246] Besonders in den letzten zwanzig Jahren mußte man
große Geduld haben: denn mehrere meiner spätern Arbeiten brauchten
zehn und mehr Jahr, bis sie sich ein größeres Publicum unmerklich
erschmeichelten; wie denn ja mein Tasso über 20 Jahr alt werden mußte,
ehe er in Berlin aufgeführt werden konnte. Eine solche Langmuth ist nur
dem zuzumuthen, der sich bey Zeiten den ~Dédain du Succès~ angewöhnt
hat, welchen die Frau von Staël in mir gefunden haben will.[247]
Wenn sie den augenblicklichen leidenschaftlichen ~Succès~ meint, so
hat sie recht.[248] Was aber den wahren Erfolg betrifft, gegen den
bin ich nicht im mindesten gleichgültig; vielmehr ist der Glaube an
denselben immer mein Leitstern bey allen meinen Arbeiten. Diesen Erfolg
nun früher und vollständiger zu erfahren, wird mit den Jahren immer
wünschenswerther, wo man nicht mehr viel Stunden in Gleichgültigkeit
gegen den Augenblick zuzubringen und auf die Zukunft zu hoffen hat.[249]
In diesem Sinne machen Sie mir ein großes Geschenk durch Ihren Aufsatz
und bethätigen dadurch abermals die frühere mir schon längst bewährte
Freundschaft. Doch darf es mich nicht einmal überraschen, daß Sie
in meine Intentionen auch bey dieser Arbeit so tief eindringen,
da Sie unter diejenigen abwesenden Freunde gehören, die ich mir
vergegenwärtige, wenn ich mir meine alten Mährchen in der Einsamkeit
zu erzählen anfange; und ich darf wohl versichern, daß der nächste und
eigentliche Zweck ist, gegen solche auf indirectem Wege wieder einmal
laut zu werden, da die directe Communication so manches Hinderniß
erfährt.[250]
Daß Sie meine asiatischen Weltanfänge[251] so freundlich aufnehmen, ist
mir von großem Werth. Es schlingt sich die daher für mich gewonnene
Cultur durch mein ganzes Leben, und wird noch manchmal in unerwarteten
Erscheinungen hervortreten: wie ich denn von Ihrem liebevollen Glauben
hoffen kann, daß Sie überzeugt sind, der erste Theil sey mit Bewußtseyn
und mit Absicht geschrieben, und enthalte auch nicht das kleinste
geringfügig scheinende, was nicht künftig einmal nach seinem Geschlecht
und Art in Blüthe und Frucht hervortreten soll. Freylich, das Publicum,
wenn man es an ein Saatfeld führt, bringt gleich die Sicheln mit, und
bedenkt nicht, daß noch mancher Monat bis zur Erndte hingeht, ja wohl
noch das ganze grüne Feld eine schöne Zeit unter einer Schnee- und
Eisdecke zu ruhen hat.
Es würde mir unendlich interessant seyn, wenn Sie mir mittheilen
wollten, was Sie über die Farbenlehre aufgesetzt haben. Die Wirkung von
dieser wird noch mehr retardirt, als die Wirkung meiner andern Sachen.
Denn hier kann man das Publicum am leichtesten irre führen, indem man
mir anderes Verdienst wohl läßt, aber in dieser Sache, die ja nicht in
mein Fach schlage, ein verzeihliches ~Travers~ Schuld giebt. Indessen
macht es mich schon glücklich, daß ich diese Arbeit, die ich so lange
mit mir herumgetragen, endlich losgeworden. Was für eine große Übung
es für mich gewesen, diesen Gegenstand durchzuarbeiten, ermessen Sie
selbst; und welche wichtigen Bemerkungen ich mache, indem ich meine
Gegner beobachte, wage ich kaum auszusprechen. Doch ist es ja kein
Geheimniß, daß Niemand überzeugt wird, wenn er nicht will.
Warum sollte ich nun nicht auch wünschen, meine Freunde kennen zu
lernen und besonders Ihre Ansicht, die mir in so mancher Betrachtung
werth seyn muß.
_Mich zu daurendem Wohlwollen empfehlend_
W. d. 30 Jan.
1812.