I.[217]

Sie sind überzeugt daß ich herzlichen Antheil an dem sonderbaren

Glückswechsel nehme, der Sie so unvermuthet betroffen hat. Da dieser

Faden gerissen ist so säumen Sie ja nicht andere wieder anzuknüpfen

und wäre es auch nur zuerst sich zu zerstreuen. Mögen Sie mir manchmal

schreiben, so soll es mir angenehm seyn. Ich bin zwar nicht der beste

und treuste Correspondent, indessen ließe sich ja wohl manchmal etwas

über dramatische Kunst verhandeln, in der Sie schon die artigen Proben

gegeben haben.

In eben dem Sinn wiederhole ich meinen Wunsch daß Sie um den

ausgesetzten Preis mit concurriren möchten.[218] Denn indem Sie das

thun, regt sich denn doch eine kleine Welt in Ihrer Einbildungskraft

und zieht Sie ab, von andern Gedanken, die sich Ihnen in der Zeit

vielleicht aufdringen würden.

Das kleine neue Stück[219] gedenke ich, ohne Nahmen, aufführen zu

lassen, nicht weil ich es für geringer halte als das vorige,[220]

sondern um desto reiner zu sehen welchen Effect es thut.

Ich werde einige kleine Veränderungen daran machen und Ihnen kürzlich

alsdann die Ursachen anzeigen.

Für das überschickte Geld folgt hierbey die Quittung. Unsere

Canzleyleute werden sich für den reichlichen Überschuß einen guten

Feyertag machen.

Manches was ich über Ihren Fall schreiben könnte weiß sich ein

gebildeter Mann selbst zu sagen, einiges, das ich aus meiner langen

Erfahrung wohl darüber sagen möchte, darf ich nicht schreiben.

Vielleicht treffen wir bald irgend wo zusammen und mein Vertrauen soll

dem Ihrigen von Herzen begegnen.

Gehen Sie, mit völlig wieder erlangter Gesundheit, ins neue Jahrhundert

hinüber und nehmen Sie, wie bisher, mit Geist und Talent an demjenigen

Theil was etwa den Menschen zunächst bescheert seyn mag und erhalten

mir eine freundschaftliches Andenken.

Jena am 25 Dec. 1800.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 106 / 214 题