Meine liebe Freundinn

Wahrhafftig es war mein ganzer Ernst da ich meinen letzten Brief

schrieb, keine Feder wieder anzusetzen, Ihnen zu schreiben; Aber,

es war sonst auch offt mein ganzer Ernst, etwas nicht zu thun, und

Käthgen konnte mich es thun machen wie es ihr beliebte, und wenn die

Frau Docktorinn eben die Gabe behält, nach ihrem Köpfgen die Leute zu

gouverniren, so werd ich auch wohl an ~Mad. Canne~ schreiben müssen,

und wenn ich es auch tausendmal mehr verschworen hätte, als ich es

gethan habe. Wenn ich mich recht erinnere so war mein letzter Brief

einigermassen in einer traurigen Gestalt, dieser geht schon wieder

aus einem noch munterern Tone, weil Sie mir biss auf Ostern Aufschub

gegeben haben. Ich wollte Sie wären kopulirt und Gott weiss was

noch mehr. Aber im Grunde schiert mich's doch, das können Sie sich

vorstellen.

Ich weiss nicht ob Sie die Bücher von mir bekommen haben. Es war nicht

zeit sie einbinden zu lassen. Und das kleine französische lassen Sie

sich rekommandirt seyn. Sie haben eine Uebersetzung davon, und ich

weiss doch dass Sie ein bissgen Französisch lernen.

Dass ich ruhig lebe, das ist alles was ich Ihnen von mir sagen kann,

und frisch und gesund, und fleisig, denn ich habe kein Mädgen im

Kopfe. Horn und ich sind noch immer gute Freunde, aber wie es in der

Welt geht, er hat seine Gedancken, und seine Gänge, und ich habe meine

Gedancken und meine Gänge, und da vergeht eine Woche und wir sehen uns

kaum einmal.

Aber alles wohl betrachtet, Frankfurt binn ich nun endlich satt, und zu

Ende des Merzens geh ich von hier weg. Zu Ihnen darf ich nun noch nicht

kommen das merck ich; denn wenn ich Ostern käme so wären Sie vielleich

noch nicht verheurahtet. Und Käthgen Schönkopf mag ich nicht mehr

sehen; wenn ich sie nicht anders sehen soll, als so. Zu Ende Merzens

geh ich also nach Strasburg, wenn Ihnen daran was gelegen ist, wie ich

glaube. Wollen Sie mir auch nach Strasburg schreiben? Sie werden mir

eben keinen Possen thun. Denn Käthgen Schönkopf -- nun ich weiss ja am

besten, dass ein Brief von Ihnen mir so lieb ist als sonst eine Hand.

Sie sind ewig das liebenswürdige Mädgen, und, werden auch die

liebenswürdige Frau seyn. Und ich, ich werde Goethe bleiben. Sie wissen

was das heisst. Wenn ich meinen Nahmen nenne, nenne ich mich ganz, und

Sie wissen, dass ich, so lang als ich Sie kenne, nur als ein Theil von

Ihnen gelebt habe.

Ehe ich von hier weg gehe, sollen Sie das restirende Buch bekommen; und

einen Fächer und ein Halstuch bleibe ich Ihnen schuldig biss ich aus

Franckreich zurückkomme.

In Strasb. werde ich bleiben, und da wird sich meine Adresse verändern

wie die Ihrige, es wird auf beyde etwas vom ~Doctor~ kommen.

Von Strasb. ziehe ich nach Paris, und hoffe mich da sehr wohl zu

befinden, und vielleicht eine gute Zeit da zu bleiben. Und hernach

-- das weiss Gott, ob daraus was wird. Nun auf Ostern wird dann

hoffentlich Ihre Verbindung vor sich gehen. Eh nun wenn es Ostern nicht

ist so ist's Michael, und wenn es ja Michael nicht geschähe, so häng

ich mich gewiss nicht.

Wenn ich Ihnen den Fächer und das Halstuch selbst brächte, und noch

sagen könnte ~Mdlle. S.~ oder Käthgen S. wie sich's nun weissen würde.

Eh nun da wär ich auch Docktor und zwar ein französcher Docktor.

Und am Ende wäre doch Fr. Dockt. ~C.~ und Fr. Dockt. G. ein herzlich

kleiner Unterschied.

Inzwischen leben Sie schöne wohl und grüssen Sie mir Vater Schönkopf

und die l. ~Mutter~ und Freund Petern.

Mit Breitkopfs binn ich fast aus aller Connexion, wie mit aller Welt.

Ich habe zwar, erst kurz Briefe, aber es ist mir nicht um's Herz zu

antworten.

Stenzel liebt noch den Riepel den Pegauer[56] zum Sterben, mir kömmt

es einfältig vor, und ärgerlich, Sie können Sich dencken warum. Die

Trauben sind sauer sagte der Fuchs. Es könnte wohl noch gar am Ende

eine Ehe geben, und das wär ein Specktackel, aber ich wüsste doch noch

eine Ehe, die im noch ein grösserer Specktackel wäre. Und doch ist sie

nicht unmöglich, nur unwahrscheinlich.

Wir haben uns hier schön eingericht. Wir haben ein ganzes Haus, und

wenn meine Schwester heurahtet, so muss sie fort, ich leide keinen

Schwager, und wenn ich heurahte so theilen wir das Haus, ich und meine

Eltern, und ich kriege 10 Zimmer alle schön und wohl meublirt im

Frankf. Gusto.

Nun Käthgen, es sieht doch aus als wenn Sie mich nicht möchten, freyen

Sie mir eine von Ihren Freundinnen, die Ihnen am ähnlichsten ist.

Denn was soll das Herumfahren. In zwei Jahren binn ich wieder da. Und

hernach. Ich habe ein Haus, ich habe Geld. Herz was begehrst du? Eine

Frau!

Adieu liebe Freundinn. Heut war ich einmal lustig, und habe schlecht

geschrieben. Adieu meinen beste.[57]

[Illustration: Radirung von Goethe, s. S. 45.]

In Mercks Briefen (~III.~ S. 13) ist folgendes französische Gedicht

mitgetheilt, welches ~Dr.~ Wolff in Darmstadt von Goethes Hand

geschrieben besaß und als von ihm herrührend bezeichnete.

~.... Que l'amour soit mon Maître

J'écouterai lui seul, lui seul doit me guider

Au sommet du bonheur, par lui je veux monter,

Au sommet de la science monté par l'industrie.

Je reviens, cher ami, pour revoir ma patrie

Et viens voir, en dépit de tout altier censeur,

Si elle est en état d'achever mon bonheur.

Mais il faut jusques-là, que votre main m'assiste.

Laissés parler toujours ce docte Moraliste.

Ecrivés moi. Que fait l'enfant autant aimé?

Se souvient-il de moi? ou m'a-t-il oublié?

Ah! ne me cachés rien, qu'il m'élève ou m'accable,

Un poignard de sa main me seroit agréable;

Ecrives. C'est alors que, de mon coeur chéri

Comme elle est mon amante, vous sérés mon ami.~

~ Cher ....

Leipzig, le 2 Juin 1769. le votre

Goethe.~

Daß die Unterschrift falsch ist, liegt zu Tage. Denn am 2. Juni 1769

war Goethe nicht in Leipzig, sondern in Frankfurt, und der obige

Brief vom 1. Juni 1769 läßt es nicht glaublich scheinen, daß er den

Tag darauf dieses Gedicht geschrieben habe. Ist es in Leipzig gemacht

und die Jahreszahl unrichtig, so wird es schwer sein die Situation

auszufinden, in welcher er es schreiben konnte.

Fußnoten:

[56] _Horn_ wurde im Scherz der _Pegauer_ genannt; _Stenzel_ ist

_Constantie_.

[57] Am 5. März 1770 schrieb Horn: „Goethe läßt Sie diesmal grüßen.

Er geht nach Straßburg;“ und am 9. April: „Goethe ist vor 8 Tagen

in Straßburg angekommen. Ich habe ihn bis nach Maintz begleitet. Er

wird Ihnen wohl bald einmal schreiben.“ Dies geschah freilich nicht,

obgleich er sie nicht vergessen hatte.

Goethes Briefe an Adam Fr. Oeser und seine Tochter Friederike.

[Illustration: Friederike Oeser.]

_Adam Friedrich Oeser_[58] wurde am 17. Febr. 1717 in Preßburg geboren,

und zeigte in früher Jugend Neigung und Talent zur Malerei. Im J.

1730 ging er nach Wien, besuchte die dortige Akademie und bildete

sich unter _Donner_ in der Modellir- und Bildhauerkunst. Durch ein

Bild, das Opfer Abrahams, erwarb er sich in seinem achtzehnten Jahr

die goldene Prämie. Gegen Ende des Jahres 1739 begab er sich nach

Dresden. Hier wurde _Winckelmann_ mit ihm bekannt, der, nachdem er

Nöthenitz 1754 verlassen, in Dresden bei ihm wohnte,[59] und dem

er, als er in Italien war, für mancherlei Geschäfte der Vermittler

war;[60] er nennt ihn seinen einzigen Freund, der es auch bleiben

werde.[61] _Oeser_ hatte, wie Winckelmann selbst dankbar anerkennt,

auf die Ausbildung seines künstlerischen Sinnes (den er nach seiner

Unterweisung auch durch Zeichnen zu schärfen suchte),[62] großen

Einfluß, den man in der Schrift über die Nachahmung der alten Kunst

vielfach wahrnehmen konnte[63], und zum Schlusse der Erläuterung sagt

er selbst: „die Unterredungen mit meinem Freunde, Herrn Friedrich

Oeser, einem wahren Nachfolger des Aristides, der die Seele schilderte,

und für den Verstand malte, gaben zum Theil hiezu (zu der Schrift)

die Gelegenheit. Der Name dieses würdigen Künstlers und Freundes soll

den Schluß meiner Schrift zieren.“[64] Namentlich soll er auch auf

Winckelmanns Schrift über die Allegorie, die von ihm schon in Dresden

begonnen war, bedeutenden Einfluß gehabt haben,[65] und dies ist um

so wahrscheinlicher, als die Neigung für das Allegorische bei Oeser

so sehr vorherrschend war, daß sehr häufig das, was er sich nebenher

dachte, vor dem eigentlich Künstlerischen seiner Werke hervortrat und

jenes als das unwichtigere erscheinen ließ. Sein Freund _Kreuchauff_

schrieb über Oesers neueste Allegoriegemälde (Leipzig 1783), wie früher

auch über Gellerts Monument (Leipzig 1774).

Während des siebenjährigen Krieges lebte Oeser mehrere Jahre mit seiner

Familie -- er war seit 1745 verheirathet -- in _Dahlen_ und ging

gegen das Ende desselben nach _Leipzig_, wo er 1763 durch Hagedorn,

welcher sich Weißes als Vermittler bediente,[66] zum Director der neu

errichteten Kunstakademie ernannt wurde. Zugleich war er Professor an

der Dresdner Akademie und Hofmaler.

Wie anregend und nachhaltig sein Unterricht und Verkehr auf _Goethe_

während seines Aufenthalts in Leipzig wirkte, das berichtet dieser

selbst und noch lebhafter sprechen es die von Frankfurt an ihn

geschriebenen Briefe aus. Auch in Straßburg[67] blieb er mit ihm in

Verkehr; als er auf der Rückkehr in Mannheim zuerst einen Gipsabguß

vom Laokoon sah (in Leipzig war nur ein Abguß des beckenschlagenden

Fauns[68]), theilte er die Ansichten, welche ihm dabei aufgingen, Oeser

in einem Briefe mit, der freilich auf seine Auslegung nicht sonderlich

achtete, sondern den guten Willen mit einer allgemeinen Aufmunterung

erwiederte.[69] Auch später schrieb er von Frankfurt aus an ihn[70];

doch ist aus dieser Zeit leider nichts erhalten. Als aber Goethe nach

Weimar gekommen war, wurde wiederum ein persönlicher Verkehr mit Oeser

angeknüpft.

Die Veranlassung dazu gaben die Reisen, welche der Herzog ziemlich

jedes Jahr, gewöhnlich zur Zeit der Messe, nach Leipzig machte, auf

welchen ihn Goethe zu begleiten pflegte, wo denn Oeser stets aufgesucht

wurde. Schon im März 1776 kam Goethe nach Leipzig und blieb mehrere

Tage dort, sah seine alten Freunde, Käthchen, Oeser wieder und lernte

Corona Schröter jetzt näher kennen;[71] gegen Ende desselben Jahres

wurde wieder ein Ausflug dahin unternommen.[72] Im Mai 1778 kamen

sie wieder nach Leipzig[73] und gingen von da nach Dessau, Berlin

und Potsdam; Wieland schreibt von dieser Reise: „Alle Lande, wo sie

gewesen, sind ihres Ruhmes voll.“[74] Mit dem Herzog war Goethe auch im

April 1780[75] und im Mai 1781[76] in Leipzig und wiederholte seinen

Besuch im September desselben Jahres mit dem jungen Friedrich von

Stein.[77] Im folgenden Jahr reiste Goethe wieder Ende December mit

dem Herzog nach Leipzig, blieb aber, nachdem dieser am Weihnachtsabend

fortgereist war, bis in den Anfang des nächsten Jahres, und machte sich

nun mit der Stadt, die ihm eine neue kleine Welt war, auf neue Weise

bekannt, indem er außer dem Kreise seiner alten Freunde viele neue

Bekanntschaften machte. Auf einem Balle waren ungefähr 180 Personen

zugegen, schöne Gesichtchen mitunter und gefällige Menschen; er dachte

dabei: „warum hast du nun die Menschen vor 15 Jahren nicht so gesehen,

wie du sie jetzt siehst? und es ist doch nichts natürlicher, als daß

sie sind, was sie sind.“ Daß aber seine Liebe und Verehrung gegen Oeser

die alte blieb, beweist die schöne Schilderung, welche er Frau v.

Stein von ihm entwirft, wie der herzliche Brief, welchen er nachher an

ihn schrieb.[78] Aus den folgenden Jahren wissen wir von keiner Reise

nach Leipzig, erst Ende Decembers 1796 hören wir, daß Goethe wieder

mit dem Herzog nach Leipzig reiste, wo er eine Menge Menschen, unter

ihnen einige recht interessante, auch die alten Freunde und Bekannte

sah, und auf einem großen Ball von den Herrn Dyk und Comp., und wer

sich sonst durch die Xenien verletzt und erschreckt hielt,[79] mit

Apprehension wie das böse Princip betrachtet wurde.[80] Die letzte

Reise, die uns bekannt ist, fällt ins Jahr 1800 nach Oesers Tode.[81]

Bei diesem Aufenthalt in Leipzig besuchte er _G. Hermann_ und forderte

ihn nach einem langen Gespräch über Metrik auf, eine Deutsche Metrik

zu schreiben, worauf dieser erwiederte, ehe das geschehen könne, müsse

Goethe die Deutsche Verskunst schaffen.

Oeser wurde durch Goethe auch mit dem Weimarschen Hofe bekannt, der

Herzog lernte ihn in Leipzig kennen und verkehrte gern mit ihm;[82]

er sah den alten _Forster_ zuerst bei Oeser und freute sich, wie die

beiden Männer mit einander umgingen. „Oeser stallt ganz vortrefflich

mit ihm; er hat eine hohe Freude an dem tollen Seefahrer. Wie sich nun

der alte Oeser leicht imponiren läßt in gewissen Studien und viel aufs

Amüsiren hält, so vergißt er scheints Alles bei ihm und läßt sichs

herzlich wohl sein.“[83]

Die nächste Folge waren Einladungen nach Weimar, welchen Oeser schon

im Jahr 1776 folgte.[84] Diese Besuche wiederholten sich im folgenden

Jahr[85] und später kam Oeser ziemlich jedes Jahr wenigstens einmal

nach Weimar. Dort finden wir ihn im Januar,[86] im Juni[87] und

nachdem er mit der Herzogin Amalie eine Reise nach Mannheim gemacht

hatte, im Herbst des Jahres 1780,[88] im Frühjahr[89] und im Herbst

1782,[90] im Juli 1783[91] und im selben Monat 1785.[92] Er war nicht

nur als erfahrner Kenner, dessen Rath und Vermittelung bei Erwerbung

von Kunstsachen man gern in Anspruch nahm, in Weimar willkommen,[93]

sondern nahm an allen künstlerischen Unternehmungen dort thätigen

Antheil. „Oeser ist hier und gar gut,“ schreibt Goethe, „schon habe ich

seinen Rath in vielen Sachen genützt. Er weis gleich _wie's_ zu machen

ist, das _was_ bin ich wohl eher glücklich zu finden;“ und nachdem

er fort ist, meint Goethe: „Wenn ich ihn nur alle Monat einen halben

Tag hätte, ich wollt' andere Fahnen aufstecken.“[94] Er malte für das

Liebhabertheater einen Vorhang und Decorationen, namentlich für die

Vögel, welche am 18. August 1780 in Ettersburg aufgeführt wurden.[95]

Ebenso half er durch Rath und That bei den Anlagen, welche im Park und

in Tiefurt gemacht wurden, und verfertigte das Monument, welches die

Herzogin Louise dem Herzog Leopold von Braunschweig errichten ließ. In

einem Briefe an Knebel vom 25. Jan. 1780 theilt er ihm einen Entwurf

dazu mit, welchen er mit einigen Bemerkungen erläutert; dann schließt

er charakteristisch genug: „Ich denke nicht, daß ich mich dieser Idee

zu einem Monument zu schämen habe, meines Wissens ist der Gedanke neu

und ich hoffe den Beyfall der Kenner zu erhalten. Die, so der Herr

General Superintendent angegeben, kan ich unmöglich verdauen, es kommt

mir vor, als wenn es sich so ausnehmen würde, daß der Hr. G. S. und ich

die Erwartung des Publicums mit nichts Besserm zu befriedigen wüßten,

als daß er aus einem alten Autor eine Stelle herläse und ich das Buch

dazu hielte, anstatt daß er und ich was neues sagen sollten, und uns

den gerechten Vorwurf müßten gefallen lassen, daß das Publicum die

Stelle selbst aufschlagen und lesen könnte und nicht brauchte danach

zu gehen. Die Alten studiren oder copiren ist nach meinen Begriffen

zweyerley.“

Der Mann voll Geschmack und Geist, der stille Künstler von Weltmanns

Klugheit, wie ihn Goethe bezeichnet,[96] gefiel gar sehr durch

seine heitere Laune und anziehende Unterhaltung und erwarb sich die

allgemeine Zuneigung. In ganz vorzüglichem Maaß gewann er die Gunst

der Herzogin _Amalie_, zu deren Geburtstag (24. October) ihr alter

Oeser, wie sie ihn zu nennen pflegt, sich gewöhnlich mit mancherlei

schönen Gaben einstellte.[97] „Die Herzogin,“ schreibt Goethe,[98]

„war sehr vergnügt, so lang Oeser da war, jetzt geht's freilich

schon ein wenig einfacher zu. Der Alte hatte den ganzen Tag etwas

zu kramen, anzugeben, zu verändern, zu zeichnen, zu deuten, zu

besprechen, zu lehren u. s. w., daß keine Minute leer war;“ und sie

selbst schreibt:[99] „Unterdessen, daß Sie und fast Alles von hier

diesen Sommer herumschwärmten, habe ich mich in mein kleines Tiefurt

zurückgezogen, und meine Gesellschaft war der alte Professor Oeser von

Leipzig, der 5 Wochen bei mir wohnte, und bei dem einem auch bei dem

unfreundlichsten Wetter, womit uns dieser Sommer heimsuchte, keine

Stunde zu lang wird.“[100] Mit gewohnter Liberalität unterstützte sie

ihn auch bei der Erziehung seines Sohnes, wovon folgendes Billet von

ihr an den Steuerrath _Ludecus_ (im Album des Schillerhauses in Weimar)

Nachricht giebt.

„Erinnern Sie sich nicht mehr, wie viel ich voriges Jahr dem jungen

Oeser versprochen habe zu seiner weiteren Vorsetzung in der Welt. Der

alte Vater hat sich wieder an mich gewandt zwar nur durch die dritte

Hand. Ich bin es auf eine gewisse Art dem Alten schuldig, der Sohn

verdient es nicht, aber der Vater. Wenn ich nicht irre so sind es 50

oder 100 fl. Wenn Sie sie haben, so bringen Sie sie selber an Goethe,

der sie übermachen wird an den alten Vater. Leben Sie wohl.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 15 / 214 题