Was aber weiter sich zugetragen, wird Jeder aus der Weltgeschichte
schon wissen, in der König Fedelint und König Franz eine so bedeutende
Rolle spielen. Nur einige Detail-Notizen sollen gegeben werden, die
ungerechter Weise von den Historiographen nicht angeführt worden sind.
Daß Fedelint keinen seiner alten Freunde vergaß, braucht wohl kaum
erwähnt zu werden. Der alte verrückte Kapellmeister verstarb noch in
selbiger Nacht; sonst hätte sich der junge König seiner gewiß ganz
besonders angenommen. Vor allen Dingen bezahlte dieser seine Schulden,
und zwar doppelt und dreifach, und gab allen Studenten in seinem Reich,
als seinen ehemaligen Genossen, einen famosen Wein-Commerce und sechs
Monate Ferien. Seine alte Wirthin aber, die Schneidersfrau, wurde zur
Hof-Thee-Köchin ernannt und bekam ein ganz unglaublich hohes Gehalt,
denn sie hatte dem weiland Studenten viel Gutes erwiesen.
Allen Nachtwächtern und Pedellen, die ihn so oft ins Carcer gebracht
hatten, verzieh Fedelint aufrichtig, versprach ihnen sogar Beförderung
und schenkte Jedem einen Fedelintd'or. Einem aber konnte er nicht
verzeihen, und das war der Professor Theophilus Sutorius. Bei der
Hochzeit ließ er vor dem Stadtthor ein großes Schauspiel vorstellen,
und dem mußten bei Strafe alle Bürger ohne Ausnahme beiwohnen. Als es
nun eben recht im Gange war, verließ Fedelint die Loge, ging in die
menschenleere Stadt zurück und warf dem Professor alle Fensterscheiben
ein, und zwar mit harten Thalern, damit er sie wieder machen lassen
könne. Der letzte Thaler aber war in einen Zettel gewickelt, darauf
stand:
Weil du Undula betrogst
Und die ganze Welt belogst,
Hast du's selbst auf dem Gewissen,
Sind die Fenster dir zerschmissen.
Bessre dich und kehr noch um!
Sonst nimmt Fedelint es krumm.
Dieses droh' ich dir zum Schluß,
Theophilus Sutorius!
Ob der Professor sich diesen schönen Vers wirklich zu Herzen genommen
hat, weiß ich nicht zu sagen. Fedelint aber und Funzifudelchen
lebten in einer sehr glücklichen Ehe; und wenn ja einmal eine kleine
Verstimmung eintrat, schrieb Fedelint ein Billet an seinen Bruder,
dessen Königreich dem seinen benachbart war, und der ließ anspannen und
fuhr mit seiner Gemahlin herüber. Wenn er dann da war, ging er zu den
schmollenden Eheleutchen, zog die Fiedel hervor und spielte und sang:
Will mich ein Harm beschleichen,
Ich weiß wohl, was ich thu';
Ein Liedlein thu' ich streichen,
Und sing' mir eins dazu.
Gleich hat der flinke Takt
Die Beine mir gepackt;
Ich muß dazu auch tanzen,
Und fort ist, was mich zwackt.
Und da fingen Fedelint und Funzifudelchen auch an zu tanzen und tanzten
einander in die Arme, und dann war Alles vorbei, und diese Geschichte
auch.
Epilog.
Ein Krämer und ein Schneider
Die kamen zur Lorelei,
Zwei fromme, verständige Seelen,
Und war noch ein Dritter dabei.
Der Krämer hub an zu sprechen:
Ich habe viel sagen gehört,
Es säß' eine Hexe dadroben,
Die singend die Schiffer bethört.
Es spielt die liebe Sonne
Um Fels und Ufer so klar,
Und wär's mit der Hexe richtig,
Wir würden sie jetzt gewahr.
Der Schneider sprach: Einst hab' ich
So manches Meßgewand
Zu Cölln für die Priester geschneidert;
Die klärten mir auf den Verstand.
Die Mähr von der singenden Lore
Ist eitel Lug und Wahn,
Vom leidigen Teufel ersonnen,
Die armen Seelen zu fahn. --
Der Dritte ging daneben,
Sah staunend hoch empor,
Dann in die Brandung nieder
Und horchte mit halbem Ohr.
Wehmüthig blickt' er auf Jene,
Sang leise vor sich hin:
»Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin!«
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Wenn wir heutzutage aus den Staubwirbeln der Parteiungen plötzlich
in's Freie hinaustreten, so überrascht, ja erschreckt es uns
fast, wie die Natur draußen in unberührter Keuschheit den ihr von
Gott gemessenen Gang ruhig fortgeht. Die Blumen und Bäume blühen,
als wäre nichts geschehen, die Wipfel rauschen ihr uraltes Lied
und wir ahnen den Gottesfrieden, von dem die Wälder und Ströme
träumerisch reden. Einen ähnlichen erfrischenden Eindruck machen
die nachstehenden Lieder in dieser Zeit. Mögen sie, wie frühzeitige
Lerchen, den neuen Frühling anbrechen und dem liebenswürdigen
Dichter auf seiner Wanderschaft noch viele freundliche Gesellen
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Diese beiden Bücher haben bei der jungen Lesewelt ein
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=Karl Eitner=, Die Abenteuer in der Weihnachtskrippe. Mit
Titelkupfer. 8. eleg. geb. 1⅙ Thlr.
Ein anerkannt vortreffliches, das jugendliche Gemüth überaus
ansprechendes Buch.
* * * * * *
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend
korrigiert.
Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.
Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen):
S. 3: »sich« ergänzt
schauen {sich} nicht mehr viel nach mir um
S. 52: Glüspilzchen → Glückspilzchen
Mein erster Gedanke war gleich an {Glückspilzchen}
S. 104: luftige → lustige
Es war eine überaus {lustige} Gegend
S. 108: ganz → ganzes
da hätte ein {ganzes} Regiment Dragoner
S. 109: Luft → Lust
sich nach {Lust} zu bewegen und herumzuwälzen
S. 124: follten → sollten
aber was {sollten} sie thun