Sie aßen dann schnell und schweigsam an der für zehn Personen gedeckten
Tafel, an der außer ihnen nur noch Benno, Schley und Rieferling
erschienen. Georg empfand wie eine Wohltat das Fehlen Renates. Einmal
fragte ihn Anna, ob er am Nachmittag Zeit für sie habe. Sie habe ihn ja
eigentlich für sich eingeladen und ihn noch den Tag über kaum gesehn.
Auf Georgs Erwiderung, daß er nur Bogner seinen Besuch versprochen habe,
aber erst gegen Abend hingehen wolle, bat sie ihn, sie in einer kleinen
Stunde nach dem Essen in seinem Zimmer zu erwarten und mit ihr Tee zu
trinken; sie möchte nur vorher etwas ruhn. -- Gleich darauf wagte Benno
eine bescheidene Frage nach einem Beisammensein mit Georg und war
hocherfreut, daß Georg ihn gleich nach dem Essen mit sich nehmen wollte.
Zwar fühlte Georg sich müde und schlafbedürftig, brachte es aber nicht
über sich, weder Benno abschlägig zu bescheiden, noch ihn mit der Anna
zusammen zu bitten, denn an eine stille Stunde mit ihr dachte er mit
weicher Erwartung, -- davon abgesehn, daß sie ein Recht hatte, mit ihm
allein zu sein. Auch sagte sie selber nichts, um Benno aufzufordern.
Allein hinter den Türen saß noch der ruhige Tote, umringt von seinen
nicht mehr geträumten Träumen, die ihn lächelnd und weinend bekränzten
...
Georg legte die Hand auf die neben ihm liegende Annas und fühlte ihre
Finger sich schließen. Bald darauf hob sie die Tafel auf, nickte Georg
zu und ging sicher zur Tür. Er schob seinen Arm in Bennos, schüttelte
Schley, der sich zu verabschieden kam, die Hand, und sie gingen.