Renate gewann sich erst wieder, als sie schon das Rasenoval in der
Richtung zum Hause überschritt, und gewahrte sogleich von rechts her auf
dem unter der Terrasse einherführenden Wege drei Gestalten, langsam
schlendernd in kleinen Abständen wie schaulustige Fremde: zwei in
schwarzen Lodenumhängen, von denen Einer sehr groß war, der Andre
schwarzbärtig. Der Dritte in einem glänzend braungelben Ölmantel sah
sich um, gewahrte sie und blieb stehn, indem er mit einer leicht
zurückfahrenden Bewegung die Hände ausstreckte.
Nur flüchtig erkannte Renate in diesem Bogner. Denn sie stand,
angewurzelt in einer betäubenden Dumpfheit, die schmerzhaft ihren Kopf
und auch ringsum vor ihren Augen alles zusammenzog und verdunkelte,
gespensterhaft anzusehn, da dennoch der Mittag glühte, wie eine
Sonnenfinsternis. Und während sie inständig an der Frage nagte, wer
jener große Mensch da vorn sei, zuckten mit blitzhafter Schnelle und
Leichte Bilder des Tages durch sie hin: Das schmerzhaft dumpfe Sitzen
und Reden beim Frühstück, Bennos betrübtes Gesicht; dann: wie sie auf
der Bank gesessen hatte am Weiher, nun erleichtert, in einer süßen und
trauervollen Hingegebenheit an das Licht und den Anblick der
Grabesinsel, wo mehr als die eine Tote sich ausschlief. Die Wanderung
mit Georg und ein heiliges Leichterwerden, immer leichter, ihrer Brust
mit jedem ihrer Worte in der seltsamen Kapelle des Eichbaums. Und sie
sah noch Georg in der Allee vor ihr stehn. Einen Augenblick später war
all dies erloschen; sie spähte mit heißer Angst links und rechts, wohin
sie noch entfliehn könnte, sah die Gestalten fern wie Gestalten eines
Traumes und setzte sich jetzt schwer in Bewegung, gehend, ohne es zu
spüren, und Schritt um Schritt mehr entleert von Bewußtsein. Sie sah die
zwei Andern und sah sie auch nicht; sie ging auf den großen zu, auf
Erasmus, der entgegenkam, den Hut in die Hand nehmend. Ihn starr
anblickend fragte sie:
»Heut kommst du, Erasmus?«