am 11. April
Meine liebe Anna!
Dank für Deine Zeilen! Um Birnbaum sei unbesorgt! Ich sage die Wahrheit,
indem ich die Aussage des Arztes an Dich weitergebe, daß es »einer der
leichtesten Schlaganfälle ist, die ihm je vorkamen«, und daß er
voraussichtlich nahezu spurlos bleiben wird. Übrigens fand ich ihn in
der letzten Zeit so innerlich freudlos geworden, daß es ihm kaum leid
tun würde, diese Welt zu verlassen, die ihm seit Papas Tode nur ein
zerbrochenes Ding ist, an dem er müde herumflickt. Wie ich den Ausfall
seiner Arbeitskraft ertragen sollte, ist mir unbekannt, aber wenn es
erst so weit ist, wird sich, wie alles andre, auch das tragen lassen.
Verzeih die allzu geschwind hingewischten Zeilen! Ich glaubte schon, Dir
auf dem Klosett schreiben zu müssen, weil ich nicht wußte, woher die
Zeit nehmen. Nichts für ungut, Anna, und ich komme nach Helenenruh, um
das alte Trio zu hören, >nicht die ganze, doch die halbe< Charwoche,
mehr wird nicht möglich sein, sagen wir Mittwoch, vielleicht erst
Donnerstag, vielleicht würg ich den Dienstag heraus, aber versprechen
kann ich nichts. Sei versichert, daß ich überaus gern komme, Deinetwegen
und natürlich auch meiner selbst wegen. Der verruchte Zustand, in dem
ich herumschnaube, muß ein Ende nehmen, ich will mich noch einmal vor
den Göttern von Helenenruh niederwerfen und -- aber wozu, wozu das? Lebe
wohl! Hab gute Tage am blauen See, grüße Renate, auf Wiedersehn, lebe
wohl!