Das Schweigen

Gingst du je beladen, ein Mensch, und suchtest

Eines Bruders, einer Schwester Schoß,

Auszuruhen, das stet und steil

Aufwärtsragte, das überbürdete Haupt?

Und vom Schweigen, im Lärm deine einzige Wehr,

Ach, vom Schweigen, der Lippen brennendem Siegel,

Einmal zu erlösen sehnsüchtiger Lippen Dürre

An kühlen Quellen, an geliebtem Mund?

Suchtest du lang, und sank nicht der Tag, ach sanken

Viele nicht? Doch als eines Abends dein Blut

Müde verging in die ruhige Röte und Nacht,

Fandest auch du; und immer gefaltete Hände

Lösten sich still, geliebter Geschwister gewiß.

Zuckte die Lippe auch schon? und ging euer Atem

Schwer von Verlangen inbrünstigen Worten vorauf?

Aber ihr schwiegt. Durch Stummheit, die sternhelle, gingen

Aller Fülle beglänzte Ströme

Lautlos, selig, zwischen euch hin und her.

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 136 / 240 题