am 7. Oktober
Mein Geliebter!
Siehe da, ich schreibe und weiß nicht wohin. Der Gedanke, daß Du
augenblicks in die Welt aufbrechen solltest, um das Tal und das Haus zu
finden, in dem wir bis in alle Ewigkeit wohnen würden, war preiswürdig,
als wir ihn dachten, nun aber jammert mich seiner, er hat gar so viel
Ähnlichkeit mit einem halb ersoffenen Kätzlein. Legen wir es auf den
guten warmen Ofen bis übermorgen, und trösten wir uns derweil mit der
süßen Speise Wiedersehn und dem klaren Weine, der Dann-niemals-mehr
heißt.
Ach, mein ewiger Geliebter, wenn es in der Welt etwas giebt, das anders
ist als alles Leben und alle Dinge dieser Welt, und das Liebe heißt, was
kann denn dieses anders sein als die Vollkommenheit? Und wenn sie die
Vollkommenheit wirklich ist, so ist doch alles, was geschieht, in der
Liebe geschehn, was der oder die Liebende tut, was sie nur denken und
anfangen, es muß alles in der Liebe sein und vollkommen. Demnach ist ein
jedes verständlich und ganz klar, und daß Du dort bist und ich hier,
auch dieses muß Vollkommenheit genannt werden, ich sehe es vollkommen
ein und begreife es, bloß: sie ist nicht so leicht zu ertragen, diese
Art von Vollkommenheit, und sicher ist Übermorgen gar nicht, aber Du
kommst ja erst Freitag.
Freitag, das soll auch so was heißen! Morgen ist Dienstag, übermorgen
ist Mittwoch, überübermorgen Donnerstag, und was über überübermorgen
geht, das kann schon kein Mensch mehr aussprechen, also was fang ich an?
Soviel im Hinblick auf die Vollkommenheit ...
Übrigens: