Bei dem alten Kairo liegt die älteste Moschee des Mohammetanismus,

nach ihrem Gründer A’mru genannt. Sie ist bereits verlassen, und

leicht wird den Andersgläubigen der Zutritt gestattet. Ich möchte

diese Moschee, von der noch zwei Thürme emporstreben, den Säulentempel

nennen; denn durch die Zahl der Säulen, welche auf 244 ansteigt, hat

sie etwas Ueberraschendes. In den Tempel getreten, und der Blick wird

gleichsam irre vor der Menge der Säulen. Die Eingangsseite, so wie die

östliche und westliche Seite sind zwar nicht sehr breit, wohl aber die

mittägliche, die allein über hundert Säulen zählt. Die Mitte zwischen

den Säulenhallen steht unter freiem Gotteshimmel, und in diesem

offenem Raume des Tempels bietet ein Kuppelbrunnen ein freundliches

Aussehen. Die Kuppel wölbt sich über ein Becken voll Wassers, und

den Brunnen umgibt außen eine Reihe kleiner Röhren, welche mit dem

Wasserbecken in Verbindung gebracht sind. Ich zog den Stöpfel einer

solchen Röhre und das Wasser quoll sogleich heraus. Dieser Brunnen

dient den Mohammetanern zu der religiösen Handlung der Waschungen.

In der Nähe des Brunnens erholt sich der trümmermüde Beobachter an

dem Grün einer Palme, und gleich daneben an den Blüthen eines andern,

in eine Mauer eingesperrten Baumes. Diese Bäume werden unzweifelhaft

für heilig gehalten. Vermag das Abendland auch unter freiem Himmel

aufwachsende Bäume in den Kirchen aufzuweisen? Die mittägliche Seite

der Gâma’ +A’mrus+ will als der eigentliche Tempel betrachtet werden.

Gegen den offenen Hofraum findet sich eine kleine Emporkirche von

mühsam gearbeitetem Holze. An der Mauer erhebt sich in der Mitte

eine Kanzel (Mambar) ebenfalls von Holz. Weiter greifen in die Mauer

etliche Nischen (Mahrab). Nach den Mahrab wendet sich das Volk beim

Beten, indem sie genau die Lage der Kâba in der großen Moschee zu

Mekka angeben. Vom platten Dache hängen Vorrichtungen zur Beleuchtung

herunter. Der Hauptkarakter der Kirche ist ein frohmüthiger, offener,

und der völlig entgegengesetzte mancher katholischer Kirchen, in

welche das Sonnenlicht erst fallen darf, nachdem es durch farbige

Scheiben gebrochen worden. Oder nicht zufrieden mit dem Düsterlichte

in der Kirche, welches zur Wehmuth stimmt, gräbt man sich Kapellen, um

während des Tages die Nacht heraufzubeschwören, welche man durch ein

künstliches, von vielen Seiten her zusammengebetetes Lichtchen erhellt.

Das Licht der Sonne, als Geschenk des Himmels, wird sonderbarerweise

ungern gelitten.

Um auf die Säulen zurückzugehen, so sind, wo nicht alle, doch die

meisten antik. An vielen haben sich die korinthischen Knäufe recht

schön erhalten. Von Säule zu Säule springt ein Bogen. Eine Reihe Säulen

ist am offenen Raume verwittert. Es scheint, der saumselige Vizekönig

erwarte eine Subskripzion von Seite abendländischer Christen, um die

älteste Moschee Egyptens vor gänzlicher Zertrümmerung zu retten.

Schwerlich macht der herschende Moslim das Vernachlässigte dadurch gut,

daß er mit den Großen, Beamteten und Offizieren des Reichs jährlich

einmal die greise Gâma’ des Helden A’mru besucht. Aeußerer Pomp wird

von der Welt oft für innige Herzlichkeit tausch- oder täuschweise

gegeben und genommen.

Der Garten Ibrahim-Paschas und der Nilometer auf der Insel Ruda.

Man geht durch die fruchtbaren Felder Gabel, ehe man zum Nilarme

gelangt, über den man setzt, um das Eiland Ruda zu erreichen.

+Der Garten Ibrahim-Paschas+, welcher von einem Engländer angelegt

ward, gewährt einen paradiesischen Anblick. Manches, welches der

Okzident und der Orient spenden, findet man hier geschmackvoll

zusammengestellt. So schön der Schwarzenbergische und Lichtensteinische

Garten in Wien sind, so gewiß erscheinen sie als Gerippe, wenn man

sie dem Garten +Ibrahims+ entgegenhalten wollte. Datteln, Sykomoren,

Pappeln, Maulbeerbäume, Birken, Aloe und so viel einjährige Pflanzen

sind alle in einen Rahmen gefaßt. In den Armen dieser schwelgerischen

Natur beneidete ich, ich darf bei meiner Treue versichern, den

Nordländer um seinen Herbst nicht im mindesten. Einzig die gepflückte

Rebe vergilbte zum Theile, trieb indeß neben dem gelb gewordenen Laube

die schönsten grünen Schosse. Die Rebe wächst zahlreich, und wird

ebenso wenig an Pfählen aufgezogen wie in Lossin.

Das Lusthaus im Garten birgt eine künstliche Grotte, die mit prächtigen

Muscheln vom rothen Meere ausgekleidet und eine wahre Augenweide ist.

Manche, welche den Garten besuchen, denken jedoch nicht billig genug;

schon sind mehrere Muscheln weggerissen, weil diese zum Andenken

mitgenommen wurden. Der Selbstsüchtige zerstört Andern, was er selbst

bewundert. In dem Haupttheile des Gebäudes, gegen Mittag, steht ein

großes Wasserbecken. An den Wänden desselben befinden sich mehrere

Oeffnungen, wodurch das Wasser fließt, um das Becken zu füllen. Es

stand leer, und mir schien das Pavillon nicht ganz ausgebaut zu sein.

Mich zog noch ein ungemein poetischer Gegenstand an, wenn man anders

für des Abbate +Casti+ ~gli animali parlanti~ Begeisterung fühlt; ich

meine, ~sit venia verbo~, den -- Viehstall. Eine Mauer schließt das

Vieh ein; kein Dach schützt vor Sonnenhitze. Der Viehstall ist daher

nur eine Art Viehhof oder eine Art Pferch. Zwei Krippen liegen neben

einander, von einer Mauer getrennt, welche die Höhe des Viehes hat.

Ich zählte im Hofe fünf und zwanzig Ochsen, welche die erforderlichen

Eigenschaften besessen hätten, ein Küheharem zu bewachen. Alle Ochsen

waren mit einem Stricke um den Hals an die Krippe gebunden. Durch diese

drang zu solchem Zwecke an der Vorderwand eine längliche Oeffnung.

Der Stallboden war die Erde und zwar so trocken, als unsere hölzernen

Stallböden. Als Futter erhält das Vieh gehacktes Stroh, welches in

einem Winkel des Hofes unter freiem Himmel aufgespeichert war. Das Vieh

scheint mit dem Häcksel zufrieden zu sein. Die europäischen Viehärzte

dürften sich hier nicht darüber ärgern, daß die zu sparsame Lüftung der

Ställe eine Menge Krankheiten hervorrufe.

Der +Nilometer+ oder +Mekia+, auf der Spitze der Insel Ruda, liegt

+Altkairo+ gegenüber. Ehe ich den eingefangenen Nil zu sehen

bekam, mußte ich mich zu einem Effendi verfügen, um von ihm die

Erlaubniß auszubitten. Ein graubärtiger, schöner Mann hockte auf dem

Diwan, die Pfeife im Munde; daneben mehrere Männer, wahrscheinlich

Schreibgesellen. Ich zog den Hut ab, wozu mich der Dragoman anwies, und

dieser fragte mich, was ich wünsche? Ich möchte den Nilometer sehen,

antwortete ich ihm ohne Titel und Komplimente. Es bedurfte des Weitern

nicht, noch der Bezahlung einer Gebühr, die Erlaubniß ward ertheilt,

und der Dragoman ging mit mir von hinnen.

Wir kamen an der polternden Pulvermühle und an der Salpeterfabrik

vorbei. Ich schüttelte beinahe ungläubig den Kopf, als der Dragoman

mir eröffnete, daß wir beim Nilmesser waren, so wenig wurde meine

Erwartung befriedigt. Ueberspannte Erwartungen schaden gerne der

treuen Anschauung des Gegenwärtigen; denn von der Höhe stürzt die

Phantasie in die Tiefe, und verfehlt so die rechte Mitte. Der

Nilmesser wird von zerfallenen Mauern umgeben, welche einen sehr übeln

Eindruck hervorbringen und zurücklassen. Er sieht wie ein viereckiger

Brunnenkasten aus. Der Mitte entsteigt eine nicht sehr dicke,

achteckige, maurische, mit einem ganz kunstlosen Vierecke bedeckte

Säule. Diese bezeichnen, wie einen Zollstab, regelmäßig von einander

entfernte, jedoch nicht mehr sehr scharfe Kerben. Das Wasser in dem

Nilmesser steht mit dem Wasserspiegel des Nils in gleicher Höhe, und

darum kann man an der Säule das Steigen und Fallen des Nils genau

beobachten. Früher soll der Aufseher über die Nilmessung sein Leben

im Spiele gehabt haben, wenn er die bestimmte Höhe nicht sogleich

verzeigte. Man leitete meine Aufmerksamkeit auf den hohen Stand des

Wassers, welcher der Befruchtung des Nilthales günstig sei.

Man glaubt hie und da in Europa irrig, daß je höher der Nil steige,

desto mehr Vortheil dadurch Egypten erwachse. Gerade in einem

der letzten Jahre verstieg sich der Nil, und die Ernte einiger

Bodenerzeugnisse fiel minder ergiebig aus.

Der Nil fängt in der Mitte Brachmonates an zu schwellen, und Ende

Herbstmonates nimmt er seinen höchsten Standpunkt ein, wo dann viele

Gegenden unter Wasser gesetzt sind[25].

Die Goldader Egyptens gibt zum größten Volksfeste Anlaß, wenn sie am

stärksten angelaufen ist. Früher soll die barbarische Sitte geherrscht

haben, daß man, zu Erhöhung des Festes, allemal eine Jungfrau in den

Nil warf. Von der Sitte blieb nur noch die reich ausgeschmückte Barke

übrig, in welcher man auf dem Flusse herumfährt.

Ausflug nach Heliopolis und Abusabel.

Es war Frühlingsanfang, der letzte Tag des Weinmonates und der erste

des Wintermonates.

Verläßt man auf der Morgenseite die Stadt, da stellt sich der stattlich

emporsteigende Mokatam, und selbst der Schweizer muß diese Kuppe des

arabischen Gebirges der Aufmerksamkeit würdigen. In der Nähe hörte man

zur Linken das Rauschen der Marktleute, zur Rechten das Trommeln und

Trompeten der Kriegsknechte; zur Linken sah man hier ein Kaffeezelt,

einen Garkochofen, dort für ein Soldatenweib eine Hütte von solcher

Höhe, daß es darin weder stehen, noch gehen, sondern nur kriechen kann,

manche Wohnung selbst ohne Obdach, und zur Rechten eine Menge Zelten,

unter denen das Kriegsvolk gelagert ist, zur Linken den dornreichen

Kaktus in üppiger Zahl, und zur Rechten weiterhin das Nichts der

Sandwüste. Mein schauendes Auge wetteiferte mit dem horchenden Ohre,

und der Nebel, welcher jenem die Seheweite streitig machte, konnte den

Wetteifer nicht lähmen.

Kaum hatte ich das Freie gewonnen, so wendete ich mich links. Die

noch nicht gänzlich zurückgetretenen Wasser der Überschwemmung

erschwerten mir ein wenig das Reiten. Ich lustwandelte in einem

Walde von Zitronenbäumen, auf denen, selbst auf dem gleichen

Baume, wohlriechende Blüthen mit grünen und reifen, gelben Zitronen

wechselten, und schon stand ich +in Mattarieh vor dem Baume, wo die

heilige Familie ausgeruht haben soll+. Ich dachte zum Voraus, die

Araber werden mich nicht täuschen können, weil die geschäftigen

Christen ohne Zweifel ihre Namen in den Baumstamm eingeschnitzt

haben würden. Und dem war also. Frömmigkeit, mit Eitelkeit gepaart,

hinterließ mehrere Denkmäler, welche dießmal übrigens den Nutzen

stiften, daß sie den Baum den Neugierigen kenntlich machen. Mitten

in einem Zitronenwalde erhebt sich ein sehr dicker, ein gespaltener,

leicht zu ersteigender Strunk. Darauf trieb ein dünner, kaum zehn Fuß

hoher Stamm mit frischem, grünem Laube, eine Sykomore. Das ist +der

Marienbaum+. Der Schatten desselben zerfließt in den Schatten der

umstehenden Zitronenbäume, und verbreitet angenehme Kühlung. Ich möchte

sein hohes Alter nicht bezweifeln.

Außer dem Walde erblickt man gleich nordwärts den Obelisken bei Samur

Baosbeh oder in der verschwundenen Stadt +Heliopolis+ (On)[26]. Elende

Hütten stolziren jetzt auf einer Stätte, die so reich an Erinnerungen

ist. Das Hinschwinden der aus den Händen der Menschen hervorgegangenen

schönsten Werke quälte auch hier meine Seele mit bittern Gefühlen.

Wie werden die Werke unserer Tage nach Jahrhunderten zerschlagen und

zerstört sein? Der einzige heliopolitanische Ueberrest von Bedeutung

ist ein Obelisk, dem ich mich mit geflügeltem Fuße näherte. Derselbe

steht aufrecht, scheint mir aber etwas niedriger, als die Nadel der

+Kleopatra+. Die Hieroglyphen sind auf allen vier Seiten deutlich,

zumal diejenigen auf der nördlichen und westlichen Seite. Die südliche

Seite wurde von der Sonne etwas gebleicht. Sogar der Farbstoff im

rothen Granit des Obelisken vermag sich nicht in die Länge unverändert

zu erhalten. Die Stabilität kann vor den immermehr sich erneuernden

und häufenden Lehren der Wandelbarkeit nicht +bestehen+; allein dieß

hindert sie nicht, sich recht bequem zu machen und niederzulegen,

und so vegetirt sie, wenigstens in der Einbildung, doch fort. Die

Hieroglyphenfurchen auf der östlichen Seite sind mit Sand vollgeblasen.

Der Regen bildete mit dem Staube eine Paste, welche sich in jenen

Furchen ansetzte. Die Nordseite hat die frischeste Farbe und ist

am schönsten. Vergleicht man die Obelisken der +Kleopatra+ und der

Heliopolis, so fragt man sich: Warum hat das Denkmal zu Alexandrien im

Laufe der Zeit weit mehr gelitten als letzteres? Es wird einleuchten,

daß der an der Küste, häufiger als in Heliopolis, fallende Regen

zerstörender wirken mußte. Die Erhaltung mancher Alterthümer in dem

guten oder erträglichen Zustande hat Egypten dem seltenen Regen zu

danken. Es rettet manchmal, wenn man so sagen darf, ein blindes

Geschick, indeß vor den offenen Augen der Vorsicht und Sorgfalt etwas

zu Grunde geht. Hätten die egyptischen Denkmäler, z. B. die Pyramiden,

Europa gehört, so wären sie viel unscheinbarer, manche wohl nicht mehr.

In 2000 Jahren wird der Obelisk von Luxor in Paris von dem Gesagten

Zeugniß ablegen. In Egypten gab es einen wunderbaren Zusammenfluß

günstiger Umstände, um der spätern Nachwelt so Vieles zu überliefern.

Der Obelisk stand so einsam als ehrwürdig mitten in halbgroßem Mais.

Eines Fellahs konnte ich nicht so leicht los werden. Er meinte,

ich sollte ihn dafür beschenken, daß ich einen Stein im Freien der

Welt Gottes betrachtete. Wären derlei Leute Gebieter, so würden sie

vielleicht einen jährlichen Tribut von dem Mitmenschen dafür erpressen,

daß er sich am Scheine der Sonne erquicken dürfe. Wo die Leute im

blindesten Despotismus erzogen werden, da verschließt sich auch ihr

Sinn, wie des Despoten selber, für die natürlichen Rechte der Menschen.

Dieser Sehenswürdigkeit wegen mußte ich einen kleinen Abstecher machen.

Bald aber hatte ich den breiten Weg der Wüste wieder eingeholt. Ich

dachte an unsere wohllöblichen Straßenbaukommissionen und Baumeister,

an unsere Zölle und Zöllner, an unsere Straßenbüreaukraten und Bauern,

welche den Schweiß ihres Angesichtes wie den Kies auf die Straße

schütten u. dgl. Zwischen Kairo und Abusabel nichts von Allem. Die

Wüste ist die breite Straße für Jedermann sonder Hinderniß eines

Schlagbaumes. Ohne den Staat oder die Ortschaft mit Kosten zu belasten,

treten die Kameele in ihren langen Zügen gleichsam Geleise in den Sand,

und das Abfordern des Zolles wäre eine Stimme in der Wüste.

Ich kam nach El-Mark. Hier steht ein Kaffeehaus ~alla Turca~. Ich

sprach zu. Die arabischen Kaffeehäuser stellen einen, um es schlicht

zu nennen, offenen Schuppen vor. Das Wandwerk ist von Mauer. Vom

irdenen Boden des Kaffeehauses genießt das Auge Freiheit bis ans --

Dach hinauf. Auf einer Seite sieht man die Kaffeeküche, auf der andern

den mit Strohteppichen belegten Diwan, welcher wie ein Sims die Mauer

begleitet. Da hocken denn die arabischen Kaffeetrinker, deren lange

Pfeife bis auf den Boden herabsteigt.

In El-Mark beginnt ein bedeutender Wald schattenarmer Dattelpalmen.

Darauf erreichte ich den belebten Ort Chanka. Von da führte mich

der Weg durch eine wüste Gegend, die häßlichste Einöde, nach der

egyptischen medizinischen Fakultät Abusabel; das biblische Gosen zur

Rechten.

Der in Egypten angekommene Abendländer ist in der ersten Zeit von

mancherlei Aengstlichkeiten befangen. Er glaubt sich unter die Araber

kaum recht mischen zu dürfen; mit Unrecht. Der Weg von Kairo nach

Abusabel beträgt vier Stunden, und ich ritt unbedenklich allein, und

man hat überhaupt weder bei Tage, noch bei Nacht Lebensgefahr zu

befürchten. Ich fand den Weg durch die vielen wandernden Menschen,

die Kameele, Esel, Pferde so lebhaft, wie irgend eine europäische

Hauptstraße, sogar in der Nähe einer Stadt. Im Vergleiche mit Europa

bewegen sich weit mehr Leute auf den Straßen als auf den Feldern.

Wegen der Lebhaftigkeit ergötzt auch die Straße nach Abusabel, man

durchmustert die fremdartigen Gesichter und Geberden, Trachten und

Ladungen u. s. f. Stolz sitzt der Beduine auf dem Pferde, einen kurzen

Säbel und Pistolen im Gürtel. Zuerst macht der Anblick dieser Waffen

einen unangenehmen Eindruck; bald aber gewöhnt man sich so vollkommen

daran, daß man sie nicht mehr beachtet. Uebrigens tragen die wenigsten

Leute Waffen. So bestellt der Bauer (Fellah) unbewaffnet sein Feld.

Erinnern sich alle Europäer, daß vordem, sich mit einem Säbel zu

versehen, auch bei ihnen Sitte war?

Wenn man auf diesem Wege durch topfebene und wüste Gegenden, in

denen selten ein kleiner Garten prangt, wandert, so wird man

sich überzeugen, daß ein Theil der Wüste lediglich auf Rechnung

menschlicher Nachlässigkeit fällt; er könnte bald in ein lachendes

Gelände umgeschaffen werden. „Sorgfalt ersetzte oft, was hie Natur

versagte (+Strabo+)“. Wirklich erblickt man hin und wieder Spuren von

Bewässerungskanälen, den unwidersprechlichen Zeugen einer vormaligen

Bodenkultur. Würde der Pascha geruhen, den Bauer dadurch aufzumuntern,

daß dieser seiner Ernte sicher und froh werden könnte, große Striche

Landes müßten in kurzer Zeit der Wüste abgedrungen werden. Ueberdieß

verkündigen die +angebauten+ Felder nicht allenthalben Fleiß und

Sparsamkeit. Wahr ist, daß z. B. das Delta die Arbeit des Fellah

mit schweren Ernten lohnt; allein ein so fruchtbares Land muß etwas

hervorbringen, wenn man damit auch nur ein wenig sich bemühen mag;

etwas im Feldbaue müssen die Leute jenes unermüdlichen Landes doch

wohl verstehen, auf welchem so viele Jahrtausende hindurch unaufhörlich

Früchte gediehen. Man gebe den Bienen des Nordens die gleiche Sonne,

den gleichen Nilschlamm, die gleichen Ueberlieferungen, -- was +neue+

Wunder würden erstehen.

Bei +Abusabel+ ward ich an einen Italiener empfohlen, und diese

Empfehlung erwies sich sehr nützlich; ein Wirthshaus mangelt, und

in die arabischen Hütten zu kriechen, wandelte mich eben keine Lust

an. Es ist eigentlich früh genug, das Kreuz aufzunehmen, wenn man

dazu gezwungen wird, vorausgesetzt, daß man sich überhaupt -- nicht

verweichliche. Dießmal wäre es um so umständlicher gewesen, über Nacht

ein ordentliches Obdach zu finden, da die Nilüberschwemmung seit einem

Monate das eigentliche Dorf Abusabel von den medizinischen Anstalten

trennt, und man nur zu Schiffe von einem Orte zum andern gelangt; nicht

eher als in zehn bis fünfzehn Tagen werde, hieß es, die Verbindung zu

Lande wieder hergestellt.

Die medizinischen Anstalten bei Abusabel, im Nordost von Kairo, liegen

in einer fruchtbaren Gegend. In der gegenwärtigen Ueberschwemmungszeit

gefiel sie mir nicht. Das Land war mit zu viel Wasser bedeckt, woraus

Gebüsche und Bäume einsam auftauchten; und wo es vom Wasser nicht

bespült wurde, behauptete die Wüste ihre grause Herrschaft.

Das niedrige, einstöckige Gebäude verspricht wenig von Ferne. Es

bildet vier Höfe. Die nähern zwei gehören der Veterinärschule, und

die entferntern oder dem Dorfe Abusabel nähern bilden den Sitz der

medizinischen Schule. Zuerst sei von dieser die Rede.

Nähert man sich der Hochschule von Chanka aus, so steht links ein

ungewöhnlich langes Haus, die Wohnungen für die Angestellten, die

Professoren, Pharmazisten, Uebersetzer u. s. f. Es öffnen sich eine

Menge Thüren ebener Erde nach einander. Jede führt zu einer Wohnung.

Rechtshin tritt man in die eigentliche +medizinische Schulanstalt+.

Diese besteht aus einem viereckigen Gebäude, welches einen geräumigen

Hof umfängt, und im Umfange des letzteren breitet sich, neben dem

besonders stehenden Anatomiegebäude, der sogenannte botanische Garten

aus.

+Das anatomische Theater+, ganz nach europäischem Geschmacke, schön

gemalt und mit arabischen Schnörkeln überschrieben, ist sehr hell,

und entspricht seinem Zwecke vollkommen. Eine in ein Tuch gehüllte

Wachsfigur stand beinahe in der Mitte. An einer Wand fesselt die

Aufmerksamkeit ein Glaskasten, worin der Anfang einer ornithologischen

Sammlung aufbewahrt wird. Vor dem Theater, im gleichen Gebäude, aber

auf der mittäglichen Seite, tritt man in den +Sezirsaal+. Auch an

diesem wußte ich nichts auszusetzen. Es lagen eben vier, mit einem

Tuche zugedeckte, halbschwarze Leichen auf den Sezirtischen, jede

auf einem. Zwei waren von der beginnenden Verwesung schon häßlich

gefärbt, und erfüllten die Luft mit einem sehr übeln Geruche. Das

heiße Klima stellt den Sezirübungen in Egypten viele Schwierigkeiten

entgegen, wenigstens viele Unannehmlichkeiten zur Seite. Bereits

hatten Ferien begonnen. Gleichwohl begünstigte mich das Glück, einen

Vortrag zu hören, nämlich dem Operazionskurse des Herrn Duvigneau[27]

beizuwohnen. Der Lehrer in europäischer Kleidung, auch mit einer

Schürze angethan, stand am Sezirtische, gleich neben ihm der Dragoman,

ein Araber von etwa fünfundzwanzig Jahren. Die arabischen Studenten

schaarten sich um den Tisch. Sie trugen rothe Mützen, eine weiße,

über der Brust zugeknöpfte Weste mit Ermeln, weiße, den untern

Theil der Weste umfassende Pumphosen und Schuhe, die weiter nicht

auffielen, doch keine Strümpfe. Die jungen Leute mochten ein Alter

von fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahren zurückgelegt haben. Der

Professor hob damit an, über die Amputazionen Lehren zu ertheilen;

er unterschied sie in solche, die in und außer der Kontinuität des

Knochens vorgenommen werden. Jede Phrase übersetzte ein Araber leicht

und schnell aus dem Französischen des Professors ins Arabische. Daß

dergestalt die Mittheilung mühsam sich dahinschleppe, sieht Jedermann

ein. Ohne Noth aber verstrickt der Professor seine Gedanken in lange

Perioden mit Zwischensätzen. Daraus folgt unzertrennlich, daß die

Aufmerksamkeit der Zuhörer mehr zerstreut wird. Uebrigens schauten

und horchten diese möglichst aufmerksam, als wären sie die Erfinder

der Aufmerksamkeit. Einer gab oft zu vermerken, daß er den Vortrag

begreife. Ein empfindsamer Araber hatte seine Nase mit Papier oder

etwas Anderem vor dem Wohlgeruche der Leichen verstopft, ungefähr so,

wie man es einer sentimentalen Miß von London verzeihen würde. Unter

den Augen der Zuhörer unternahm der Professor, nachdem er das blutige

Heilverfahren aus einander gesetzt hatte, die Amputazion eines Fingers.

Weder der Vortrag, noch die Art, wie der Lehrer operirte, verhieß

Ausgezeichnetes. Er schien indeß mit Gewissenhaftigkeit seinem Berufe

abzuwarten. Jeder Mensch mag sich beruhigen, welcher sein Pfund redlich

gebraucht.

+Apotheke.+ Es wäre unnöthig, eine europäische zu beschreiben.

+Laboratorium+: Dieses ist hübsch ausgestattet, und sicher gebricht

es nicht am Lehrstoffe, wenn nur die Zöglinge genug Lust und genug

Fähigkeit zum Lernen besitzen.

Die +Krankensäle+ sind zugleich die klinischen Säle, und sehr ähnlich

denen in den Abtheilungen des allgemeinen Zivilkrankenhauses zu Wien.

Der gefüllte Bettsack ruht entweder auf dem hölzernen Käfiche, der

gewöhnlichen egyptischen Bettstelle von Palmzweigen, oder auf einem

eisernen Gestelle. Das Kissen fehlt nicht; die Bettdecke ist von

grober Wolle. Neben dem Bette befindet sich ein Trinkgeschirr oben

und ein Pot de Chambre unten. Ueber die ärztliche und wundärztliche

Behandlung der Kranken kann ich, leider, das Wort nicht ergreifen.

Die Visiten geschehen Abends 9 Uhr und Morgens um 11 Uhr. Alles aber

empfahl sich nicht minder durch Reinheit und Ordnung, als durch einen

bessern europäischen Geschmack, daß ich an der zweckmäßigen Behandlung

nicht zweifle. Abends (zur Asserzeit) wurden die Speisen ausgetheilt.

Ich kostete die Reissuppe, und, wegen ihrer Schmackhaftigkeit, würde

ich gerne sogleich eine Portion genossen haben. Das Schicksal der

hiesigen arabischen Kranken leiht nicht den entferntesten Grund, von

den Europäern bemitleidet zu werden. Die Säle enthalten die Krankheiten

nach der Eintheilung in innere und äußere (~internes et externes~).

Diese Eintheilung ist in französischer Sprache über den Thüren

aufgeschrieben. Hinwieder trägt jeder Saal eine Nummer. Demnach durften

die Franzosen, wie es scheint, ihre Heiligen aus dem ~Hôtel-Dieu~ in

Paris nicht herüberbringen. Um nicht den Verdacht zu wecken, daß ich

bloß ein neugieriger Laie sei, wollte ich den Saal der Lustsiechen

nicht betreten. In den Krankenzimmern führten mich etliche Studenten

herum; denn sobald sie die Anwesenheit eines europäischen Hakim (Arzt)

erfuhren, kamen sie mir mit Freundlichkeit zuvor. Sie drückten sich in

französischer Sprache leidlich aus. Die Zahl der sämmtlichen Studenten,

d. h., der Mediziner, Chirurgen und Pharmazeuten, wußten sie mir nicht

anzugeben. Man muß gestehen, daß die europäischen Studiosi lieber

kalkuliren. Ich vernahm aus dem Munde der Abusabler-Studenten nur so

viel, daß 41 die Klinik besuchen. Die Gesammtzahl der Zöglinge beläuft

sich etwa auf 200.

Von den +Hörsälen+ sah ich zwei. Sie waren eben angefüllt; allein

man ertheilte bloß Unterricht, der Methode nach wechselseitigen,

in der französischen Sprache, indem man den Koran übersetzte. Das

laute Brummen in tiefem Basse sticht schroff ab gegen das feinere

Bienengesumse unserer Primarschüler in Europa. Die Hörsäle haben in

ihrer Bauart nichts Ausgezeichnetes für den Abendländer. Ein Katheder

ist vorne für den Lehrer angebracht; Bänke folgen sich in regelmäßiger

Reihung, so daß die auf europäische Weise sitzenden Schüler dem Lehrer

ins Gesicht sehen. Auch während des Kollegiums bedeckte die rothe Mütze

den Kopf. Es herrschte Ordnung und Ernst; kein Hin- und Hergehen, um

sich zu zerstreuen.

Die +Steindruckerei+. Ich wurde überrascht, als eine solche mir gezeigt

wurde. Zwei Araber druckten eben etwas zum Behufe des Krankenhauses.

Französisches und Arabisches standen neben einander auf den Druckbogen.

Die französische Schrift war korrekt, der Abdruck aber dießmal ein

wenig schmutzig. Die Korrektheit freute mich um so mehr, als man in

europäischen Winkeln, nicht so gar selten, von den gröbsten Verstößen

geärgert wird. Diese Steindruckerei ist einzig für die höhere

Lehranstalt bei Abusabel bestimmt.

Der +botanische Garten+. So heißt man im Hofe einen Garten, welcher an

Ueppigkeit und Pracht wohl die europäischen Gärten übertrifft, dagegen

der eigentlich wenigen Pflanzen wegen diesen Namen in der That nicht

verdient, gewiß nicht einmal den eines ~Egyptiacum~ verdienen würde.

Wie viel kann hier noch geleistet werden.

An der medizinisch-chirurgischen Lehranstalt, die im Jahr 1828 ihren

Wirkungskreis eröffnete, sind folgende Professoren angestellt:

für +Botanik+ und +Arzneimittellehre+: +Figari+;

für +Physiologie+: +Seisson+;

für +Pharmazie+: +Pacthon+;

für +Chemie+: +Berron+;

für +Pathologie+ und +Therapie+, so wie für +medizinische Klinik+:

+Duvigneau+;

für +Chirurgie und chirurgische Klinik+: +Seisson+.

(Sonderbar aber, daß nicht +Seisson+ den Operazionskurs gab.)

Der Lehrstuhl der +Anatomie+ ist seit dem Austritte +Fischers+

einstweilen erledigt. Durch Eifersucht verdrängt, erwarb sich

dieser Deutsche doch die bleibende Achtung der Bessern. Es ist für

den Tugendhaften sehr aufmunternd, daß er, bei Mißkennung seiner

Bestrebungen, an den Rath seines vor Gott offenen Gewissens und an das

Synedrium der Besseren in der Welt appelliren kann.

Die +Veterinärschule+ stößt an die eben beschriebene medizinische. Der

Vorsteher derselben, mit Namen +Ammon+, ein junger Franzose, bezieht

von der Regierung einen monatlichen Gehalt von 5000 Piaster (über 600

Gulden R. W.).

Das Vieh mit äußeren und inneren, so wie insbesondere mit ansteckenden

Krankheiten ist in den Ställen geschieden. Diese, mit einem Dache

versehen, werden reinlich gehalten. Ein Gesimse von Mauerwerke nimmt

ziemlich große, irdene Töpfe auf. Je einer für ein Stück Vieh,

vertreten sie die Stelle einer Krippe. Harnrinnen sucht man indeß

vergebens. Auch hier fressen die Thiere Strohhäcksel. Bei eintretendem

Mangel des Platzes in den Krankenställen werden die Thiere unter freiem

Himmel gehalten. Wie in Egypten die Augenentzündung den Menschen häufig

befällt, ebenso ist ihr das Thier unterworfen. Die Veterinärschüler

empfangen außer ihrem Fache Unterricht im Reiten, so daß eine wirkliche

Reitschule besteht. Hörsäle, anatomisches Theater, Sezirsaal, Apotheke

und Laboratorium lassen an der guten Einrichtung keinen Zweifel übrig.

Auf einer Tafel im Sezirsaale liest man die Namen derer, welchen der

Operazionskurs vorgeschrieben war: +Akmet Abdrahman+, +Akmet Ibrahim+

u. s. f. Das klingt nun einmal unchristlich. Im anatomischen Theater

trifft man bloß einige Skelete. Es ist Schade, daß unter diesem heißen

Himmel überhaupt der wissenschaftliche Eifer leicht erkaltet. Die

Veterinärschule zählt 120 Zöglinge: ein bemerkenswerthes Mißverhältnis

zu der Zahl der Mediziner.

Die Zucht der Zöglinge beider Schulen ist eine klösterliche oder

militärische. Einmal schon werden die Anstalten von Militär bewacht.

Die Schüler sind Alumnen; fast alle arm, werden sie auf Kosten des

Staates unterhalten und gelehrt. Sie schlafen in großen Gemächern, die

Thierarzneischüler auf dem Boden, unter ihnen nur eine Strohmatratze

und über ihnen die Kleider; für die Mediziner hingegen sind ordentliche

Betten aufgeschlagen. Wenn man in solchen Gemächern, wo so viel

Morgenländer beisammen leben, der orientalischen Laster sich erinnert,

so wird man von einem ordentlichen Abscheu ergriffen. Neben den

Schlafgemächern gibt es für die Studenten noch besondere Speisesäle

nach europäischer Art. Ich sah gerade eine ungemein lange Tafel

gedeckt. Unzweifelhaft werden die Alumnen gut genährt.

Die Studenten hatten kurz vor Sonnenniedergang Feierabend. Es muß

zwischen Arbeit und Ruhe ein Ebenmaß sein, sonst leiden beide, Leib

und Seele. Die jungen Leute zogen, je zwei und zwei neben einander

aus. Am Thore gegen Abusabel hielt der Flöter und Trommler an, und

flugs zerstob die Reihe, um sich in die Barke zu werfen, welche sie

nach Abusabel führen sollte, darunter manche zu den Weibern. Jeder

wollte der erste in dem Kahne sein. Auf die Rückfahrt der Barke

wartende Studenten vergnügten sich daran, daß sie Steine ins Wasser

schleuderten, die wechselweise in diesem niedertauchten und wieder

hervorhüpften (Epostrakismos der Griechen). Um neun Uhr Abends mußten

die Einen zurückkehren; die Uebrigen durften bis morgen in der Frühe

ausbleiben. Letzteres erzähle ich nach Andern.

Das Leben der bei Abusabel Angestellten gleicht so ziemlich einem

Schlaraffenleben, und sie können die Zeit mit genauer Noth hinbringen.

Wenn ein europäischer Fremder die Anstalten besucht, so ist er beinahe

Fingerzeig. Das Auge weilt fast lieber bei den die Höfe zierenden

Dattel- und Akazienbäumen, als bei Leuten, wiewohl aus dem gleichen

Welttheile, welche dem Schöpfer das Meiste vom Tage abstehlen. Gilt

denn etwa hier die +Ausnahme+ von der Regel, daß der Müßiggang

aller Tugenden Anfang sei?

Von der Zugänglichkeit der Mohammetanerin hörte ich bei Abusabel Dinge,

welche Erstaunen erregen. In ältern Zeiten wurde eine solche, welche

sich mit einem Christen verging, den Wellen des Nils preisgegeben. Ob

nun die Mittheilungen beweiskräftig genug seien, um zu entscheiden, daß

der religiöse Fanatismus um manche Grade sich abgekühlt habe, wage ich

kaum anzudeuten, und wenn ich andeuten +müßte+, so fiele die Bemerkung,

daß die geschlechtlichen Verirrungen auf eine +höhere+ Sphäre

konfessioneller Nachgiebigkeit oder Strenge selten schließen lassen,

weil sie aus einer tiefsinnlichen Quelle hervorsprudeln. Wahrscheinlich

würden sich, wie zur Zeit der Franzosen- und Patentherrschaft, wenige

Araberinnen gegen die Verbindung mit einem Christen sträuben. Wenn sie

auch nicht die Liebe dazu lockte, so doch das tönende Erz. Eröffnungen

über das ~punctum sexus~ strömen unter den Franken in diesem Lande

so ohne Rückhalt daher, daß der galante Großstädter des Abendlandes

nicht offenherziger sein kann. Wenn die Konkubinen in die Hoffnung

kommen, so werden sie von Manchen ohne Theilnahme und Hülfe verstoßen.

Die Mohammetanerin könnte vor dem Richter keine Ansprachen geltend

machen; wohl aber ist gewiß, daß derselbe die Sache, sobald sie vor ihn

gebracht würde, zum Nachtheile des gefallenen Mädchens nicht ungeahndet

hingehen lassen könnte. Hinwieder steht der Europäer, in seiner großen

Freiheit und Unabhängigkeit, nicht unter dem ordentlichen egyptischen

Richter, sondern unter dem Konsulate, um dessen Schutz er nachsuchte.

Etwa im Falle eines Ehebruches oder einer Defloration, im Falle, daß

über die mohammetanische Religion geschimpft, oder daß falsche Münze

geprägt würde, müßte die Auslieferung an den egyptischen Richter

erfolgen. Wie weit diese Unabhängigkeit getrieben wird, lehrte unlängst

ein handfester Engländer. Es wollte ihn die Polizei aufgreifen, weil

er Mohammetanerinnen ins Haus aufnahm, in einer Absicht, die leicht

errathen werden konnte. Statt alles Fernern schlug er die Polizei

nieder. Das Konsulat schützte ihn doch so sehr, daß er von der

vizeköniglichen Polizei in Kairo nicht weiter beunruhiget wurde.

Ich machte früher in Wirklichkeit einen Abstecher zu Lande, und jetzt

einen auf den Schwingen des Geistes. Kehren wir zurück, um einen

Rückblick auf die Schulanstalten bei Abusabel zu werfen.

Im Andenken unferner Zeiten, da noch das ganze Egyptenland, seit der

Herrschaft der Türken, in tiefe Barbarei versunken war, wird man

billig ein Loblied auf den nunmehrigen Herrscher, +Mehemet-Ali+,

anstimmen, welcher für jenes Land wirklich großartige, hoffentlich

segensreiche Anstalten ins Dasein rief. Angenommen, daß die Stellen

immer mit tüchtigen Professoren und keinen Stümpern, mit Freunden der

Wissenschaft und keinen Abenteurern, mit gewissenhaften Arbeitern und

keinen bloßen Glücksrittern besetzt werden, so dürfen die Anstalten mit

den medizinischen Fakultäten kleinerer deutscher Hochschulen in die

Wette laufen; ich möchte noch weiter gehen, in praktischer Beziehung

werden sie letzteren den Vorrang ablaufen. Beherzige man nur, wie

oft der Mangel an Leichen zum Behufe von Zergliederung auf manchen

Hochschulen beklagt wird. Umgekehrt werden die egyptischen Anstalten

in theoretischem Bezuge gar keinen Vergleich aushalten, und bis ein

echt wissenschaftlicher Geist dieselben durchdringt, beseelt, erwärmt,

kann über die viel zu neue Grundlage, selbst unter den günstigern

Umständen, ein ganzes Jahrhundert verstreichen. Jedenfalls wird der

Pascha mehr oder minder brauchbare Aerzte für die Armee bekommen, und

das ist es, was er zunächst bezweckt. Es würde ihn wahrscheinlich gar

wenig befriedigen, wenn die Zöglinge sich in medizinische Spekulazionen

vertieften, und in diesem Gebiete der Schriftstellerei sich versuchten,

um vielleicht durch gelungene Arbeiten einen neuen Glanz auf das Leben

des Regenten zu werfen. Der Gedanke thut wahrhaftig bis in das Innerste

der Seele wohl, daß in dem Lande, wo einst Heliopolis und Alexandrien

durch die Schätze der Wissenschaft weithin leuchteten, nach den vielen

Jahren der traurigsten Finsterniß, wenigstens einige Schritte versucht

werden, um die Verlassenschaft der erhabenen Vorfahren, ob auch nicht

in ihrem vollen Werthe, doch einigermaßen zu würdigen.

Tages darauf trat ich meinen Rückweg an. Ein kühler Wind wehte sogar

noch Mittags. Bald sah ich den erwähnten Obelisken, weiter oben die

Pyramiden von Gizeh, dann den Mokatam, und aus ziemlicher Ferne schon

Kairo. Den Weg belagerten mehrere Bettler, die aber, bequemer oder

anständiger als die unsrigen in der Schweiz, nicht nachrannten. Ein

Knabe legte es darauf an, durch seine Klumpfüße Mitleiden zu erwecken.

Der auffallendste Bettler hielt sich behaglich in einer kleinen Höhle

auf, die mit einem löcherigen Dache versehen war. Beinahe immer lief

mein Eseltreiber den weiten Weg. Den Lauf setzen die Eseltreiber vier

Stunden lang an Einem fort, während die Hitze den nördlichen Europäer

gleichsam erdrückt. Die Uebung hat jene Leute gestählt.

Wie gestern Nebel, so verdunkelten heute die Atmosphäre herumfliegender

Sand und schwarze, regnerische Wolken, an deren Schatten ich beinahe

bis Kairo ritt, und zwar ein Stück weit neben dem Direktor +Ammon+, der

sich freundlich anließ. Ich traf gerade Mittags im Frankenviertel ein.

Ich begrüßte es mit ebenso froher Stimmung des Gemüthes, als ich der

Gegend von Abusabel mein Lebewohl sagte. Es ist schwer, zu begreifen,

daß +Mehemet-Ali+ die medizinische Lehranstalt der Hauptstadt so weit

entrückte. Großköpfe sind mit Querköpfen nicht selten verwandt. Jede

Berührung mit wissenschaftlichen oder gebildeten Leuten hätte den

Professoren sowohl, als den Studenten leicht gemacht werden sollen. Was

entbietet ein elendes Dorf armseliger Araber?

Geschichtlicher Rückflug nach Mattarieh.

+Prosper Alpinus+ erzählt: In „el-Mattharia“ wird eine gewisse Sykomore

besucht, welche von den Einwohnern für so heilig gehalten wird, daß

es bei ihnen eine ausgemachte Sache ist, es habe die Frau +Maria+, um

dem Zorne des +Herodes+ von Jerusalem zu entgehen, in eine Höhle des

Stammes sich geflüchtet und dort das Kind +Christus+, unsern Heiland,

für einige Tage verborgen. Es wird daher dieser Baum von Vielen in

hohen Ehren gehalten; dieß gilt zumal von den Aushöhlungen desselben,

welche +Christus+ bargen. Fabelhaft ist, was +Matthiolus+ anführt, daß

die Stämme und Aeste des Baumes nie verdorren, wenn sie zuvor ins

Wasser getaucht werden, und darin eine Zeitlang liegen bleiben. -- Der

Pascha von Egypten, des Namens +Messir+, besuchte in der letzten Hälfte

des sechszehnten Jahrhunderts aus Verehrung der gottseligen Frau den

Ort el-Mattharia an jedem Freitage, als dem Sonntage der Mohammetaner,

und er pflegte daselbst sein Gebet zu verrichten. So weit +Alpinus+.

Hören wir noch einen andern Naturforscher, +Johann Wesling+, welcher

im dritten Jahrzehn des siebzehnten Jahrhunderts in Kairo lebte:

„El-Mataaria“ ist ein Garten um Memphis, ein hehrer Name durch die

Verehrung der Christen. Dort treibt eine ungeheure Sykomore, umdämmt

mit einer niedrigen Rasenbank zur Bequemlichkeit der Besuchenden, und

ehrwürdig, wegen des von +Alpinus+ angegebenen Grundes, schon seit

anderthalb Jahrtausenden in den Augen der Christen. Munter grünen die

Zweige, obschon der Stamm über dem Wurzelstocke auf eine häßliche

Weise zerstümmelt ist, weil diejenigen, welche den Baum mit dem

Kusse benetzen, ein Stück davon, aus thörichter Liebe zu Reliquien,

wegschneiden, während es doch besser wäre, den Baum in fromm ehrendem

Gedächtnisse zu bewahren. (~_Joannis Veslingii_ Mindani de plantis

Aegyptiis observationes et notae ad _Prosperum Alpinum_~. ~Patavii ap.

P. Frambottum 1638. P. 10.~)

Abenteuerlicher Ritt nach den Pyramiden von Gizeh.

Ich fragte oft und oft nach Gesellschaft, um in solcher die Pyramiden

von Gîsa zu besuchen. Vergebens. Da wählte ich einen Eseltreiber, der

etwas italienisch verstand, und brach, auf guten Ritt hoffend, am

Mittage des fünften Wintermonates auf. Noch aber war ich nicht auf dem

Esbekiehplatze, als er seinen rothäugigen Bruder mir zurückließ. Zudem

war dieser in Aussehen und Wahrheit kreuzdumm, und mehr als ~buono~

konnte er kaum etwas vom Italienischen.

In Gottes Namen -- vorwärts. In Altkairo über den Nil gefahren,

gelangte ich zu einem Graben. Jetzt sprang mein Esel hinüber, er fiel

und ich mit ihm. +Erste Stazion des Elendes.+

Später leitete der Weg zu einem ziemlich breiten Abzugsgraben des Nils;

wir durchschnitten diesen in einem Kahne ohne Schwierigkeit. Bald traf

ich seichtes Wasser. Es liefen zwei Männer daher, und einer trug mich

über dasselbe. Ich wußte nicht, daß diese -- Führer sein sollten. Der

Eseltreiber, voll jämmerlicher Angst vor dem Wege nach den Pyramiden,

rief sie ohne mein Wissen und meinen Willen. Der eine, ein Scheik, mit

nicht unangenehmen Gesichtszügen, war mit einer Flinte, der andere mit

einem langen Stocke bewaffnet. Mehrere Male wurde ich von den Leuten

über das seichte Ueberschwemmungswasser getragen. +Zweite Stazion des

Elendes.+

Ungefähr anderthalb Stunden vor Sonnenuntergang erreichte ich eine

große Wasserfläche, welche man für einen breiten Fluß hätte halten

können. Darüber sollten wir im Kahne. Es erschallte der Mahnruf an den

Fährmann. Die Sonne verschwand hinter die libyschen Hügel, ohne daß

man mich holte. Es kamen mehrere Männer, die, wie ich, die Abfahrt

erwarteten; dann auch Weiber. Diese kauerten an einem besonderen Orte,

unordentlich im Kreise, schwatzten viel, lachten viel, guckten gerne,

aßen Datteln, einzelne rauchten auch Tabak. Die Männer trugen ihre

Worte auf den Flügeln des Gelächters, und schauten kaum gegen die

Weiber. Nach zweistündigem Warten langte endlich der Fährmann an. Ich

freute mich sehr wenig auf die Nachtfahrt, und doch brannte ich vor

Verlangen, wegzukommen. Ein fester Blick nach einem Ausgange der Dinge

kann den Menschen dahin bewegen, daß er sich nach Unangenehmem sehnt.

+Dritte Stazion des Elendes.+

Die Nacht war hereingebrochen; der schöne Mond suchte indessen die

Finsterniß derselben zu verdrängen. Stelle man sich Jemand vor ohne

Kenntniß der arabischen Sprache, mit einem albernen Eseltreiber,

bei Nacht, unter lauter Fremden, im fernen Auslande, und in der

Ungewißheit, wo er die Nacht über sein Haupt niederlegen könne, und

man fühlt jetzt das Peinliche meiner Lage. Geschehe, was Gott will,

dachte ich. Man wies mir den beßten und geräumigsten Platz in dem

Fahrzeuge an. Es durften jedoch hier, wegen der Untiefe, nur wenige

von den anwesenden Leuten die Barke beschweren; die übrigen, auch

die Weiber, hoben ihre Röcke, so hoch ihnen die Tiefe des Wassers

gebot, und wateten uns nach. Der Mond, seiner Schalkhaftigkeit

eingedenk, lachte, während dieses Auftrittes die keusch und anständig

in schwarzen Flor gekleidete Nacht ein wenig aus. Wie wir tieferen

Grund gewonnen, bestiegen endlich alle den Kahn, natürlich nicht ohne

viel arabischen Lärm. Es währte ziemlich lange, bis wir den vom Mond

vergoldeten Spiegel in die Quere durchspalteten. Das lange Warten auf

den Fährmann, die Fahrt auf Ueberschwemmungswasser beim Mondesscheine

und andere Umstände prägten die Nilüberschwemmung unauslöschlich in

mein Gedächtniß. Wir landeten glücklich. Ich ritt vorwärts -- zwischen

ausgetretenen Wassern. Allein jetzt kam es ernster. Tiefes Wasser

sollte durchwatet werden. Unzufrieden mit dem niedrigen Esel, setzte

ich mich auf die Schultern zweier Araber, faßte sie um die Köpfe, und

streckte die Beine wagrecht aus, so gut ich vermochte. Es half nichts,

-- ich ertränkte einmal einen Schuh. +Vierte Stazion des Elendes.+

Ich konnte doch wieder auf dem Esel davon reiten, und ruhiger an dem

herrlichen Schauspiele mich abletzen, das sich mir darbot. Der Mond

entfaltete all’ die Pracht seines Lichtes, auf daß ich die Pyramiden

bewundere. Diese schienen nun so nahe, daß mich bald gelüstet hätte,

sie mit der Hand zu berühren. Allmälig verminderten sich unsere

Gefährten. Wo die Freihunde bellten, dahin zogen beide, Männer und

Weiber. Mich begleiteten bloß noch der Eseltreiber und drei andere

Araber, Alle mir zu Schutz und Trutz. Jetzt hatte meine Gesellschaft

ihre bestimmten Umrisse; die Lage war seltsam; Furcht wurde von

Vertrauen überwogen. Ich warne den Leser bei Zeiten. Es geschieht wohl

auch, daß größere Gefahr in den Büchern aufgefaßt und gefühlt wird, als

sie wirklich war.

Es mußte dem Eseltreiber schon in Kairo erklärt worden sein, daß ich

am gleichen Tage noch bis zum Dorfe wolle, welches von den Pyramiden

am wenigsten entfernt liege. Ich schrie dem Eseltreiber oft ins Ohr,

in den mannigfaltigsten Wortwindungen und Radebrechereien, um es ihm

ja recht verständlich zu machen, daß ich in einem +Hause+ die Nacht

hinbringen wolle. Zum Ueberflusse gacksete ich noch etwas arabisch;

reden konnte ich so nichts. Es war mir, als sollte ich einen Berg von

der Stelle wälzen. Nicht ohne Ursache drang ich so begierig auf ein

Dorf oder auf ein Haus. Als Lebensmittel hatte ich nichts, als etwas

Brot und Zucker mit mir genommen. Ehe ich mich versah, saß ich vor

den Pyramiden, vor den Trümmern an ihrem Fuße, vor dem Sphinxe. Nicht

zu den Pyramiden, sondern in ein Dorf will ich, sagte ich mit dem

Nachdrucke eines bebenden Gemüthes. Ja, ja, erwiederte der Araber. Es

ging an der großen Pyramide hinauf -- zum Eingange. Da sei das Haus,

und gut zu liegen, stammelte der Bube. Durstig und hungrig sollte

ich auf Stein mich niederwerfen, an der Wüste mich sättigen, und das

Gebläse des kühlen Nordens athmen. Ich war kein Engländer, um meine

Gesundheit an das Rühmchen zu setzen, daß man eine mondhelle Nacht in

der dunkeln großen Pyramide verlebt habe. Hier wollte ich mit nichten

bleiben.

Allah, rief ich und ich stieg hinunter. Mittlerweile fing ich an,

etwas umsichtiger zu überlegen: zu essen brauche ich wenig, und

wenn ich bloß vor dem Winde geschützt sei, so dürfte die Nacht wohl

erträglich werden. Ich ließ mich auf einige Zugeständnisse ein; meine

Leute hatten ohnehin keine Zuglust nach dem Dorfe. Im Reisen darf man

nicht mit Unbeugsamkeit an Nebendingen hangen. Ich konnte mehr oder

minder merken, daß in der Nähe ein Haus des englischen Konsuls uns als

Herberge dienen sollte. Wie ich ankam -- wieder kein Leben, nur ein mit

einer Thüre verschlossener Pyramidenstumpf. Zu meinem Troste erspähte

ich neben jener eine Art Fensterloch, das nicht unbequem schien, um

mich zu beherbergen. Der Zugluft und den Thieren zu wehren, ließ ich

die Lichtöffnung nach innen mit Steinen ausfüllen. Ich kroch hinein;

den Kopf auf einem Gesimse, den Leib auf dem Steine, eine wollene

Decke unter, den Mantel über mir, so lag ich, und noch nie auf einem

antikeren, nur einmal auf einem ebenso schlechten Bette.

Die Leute thaten zu meinen Füßen an der Pyramide und auf dem Sande

so recht behaglich, kauten mit Lustigkeit schmatzend ihre frischen

Rettiche, und plauderten in fröhlichem Tone. Meines Durstes und

meines Hungers nicht achtend, prüften sie eine Zeitlang meine Geduld.

Ungeduldig endlich und drohend griff ich zur Karbatsche, mit den

Worten: Bringet Milch und Wasser; ~voi mangiate ed io ho fame~ (ihr

esset und ich habe Hunger). Das Ding war gut; zwei Männer rückten

bewaffnet aus. Sie brachten, schon spät gegen Mitternacht, mit einem

Drittmanne Milch und Wasser. Ich schätzte mich so glücklich, als unsere

Väter, denen Manna vom Himmel herabfiel. Ich ließ die Milch aufkochen,

und noch nichts auf der Welt schmeckte mir besser. Den Durst gelöscht,

den Hunger gestillt, was wollte ich mehr? Zufriedenheit goß wieder

ihren erheiternden und erwärmenden Sonnenstrahl in meine Seele, und

nicht mehr drückte mich der Gedanke an eine Nacht im Freien. Wiewohl

in der Wüste und unter unbekannten Menschen fand ich keine Gründe, um

für Leben, und wenige, um für Eigenthum besorgt zu sein. Ich schlief

ziemlich gut, ohne zu frieren, und ich würde noch besser geschlafen

haben, wäre ich nicht von einer Maus und Fledermaus gestört worden.

+Fünfte Stazion des Elendes.+

Als der Morgen des 6. herannahte, grübelte ich mit meinen, gegen

Sonnenaufgang gewendeten Augen, das schwächste Grau ungeduldig aus

dem hehren Dome. Die Morgendämmerung täuschte mich nicht mehr, nein,

sie täuschte mich nicht mehr; auch verkündigte sie von Kairo her der

Donner der Kanonen; ich begrüßte sie mit kindlich freudigem Herzen.

Sobald der Tag heller war, verließ ich mit den fünf Männern den

Pyramidenstumpf. Ich kam an einer Stelle vorüber, wo Nachgrabungen

veranstaltet wurden. Es lagen auf der Oberfläche viel Menschenknochen,

so wie Einbalsamirungsmaterie, wovon ich zum Andenken aufhob. Im

Augenblicke, da ich hart an der mittäglichen Seite der großen Pyramide

stand, empfing ich den demüthigenden Eindruck einer hohen Majestät; sie

strebte gewaltig empor, wie auf den Bergen die letzte erhabene Zacke.

Bald befand ich mich wieder da, wo gestern, nämlich am Eingange der

großen Pyramide. Am Lichte einer Kerze stieg ich hinunter, ging fort

und hinauf. Ich beschreibe nicht die Gänge und Höhlen. Der Grabstichel

des Künstlers stellt anderwärts deutlich vor Augen, was die Feder

nur undeutlich vermöchte. Meine Bemerkungen beschränken sich auf

Weniges. Der Besuch der Heiligthümer kostet wenig Schwierigkeiten.

Ueberall guter Stand oder Halt oder beides. Der Saal des Königs ist

sehr hoch, und einzig ein Sarg aus Granit unterbricht in demselben die

Einförmigkeit.

Nach den französischen Gelehrten ergeben sich für die große Pyramide

folgende Maße, die Verkleidung inbegriffen:

Höhe, 456′ 3″ 2‴ Wiener-Maß.

Kante, 689′ 6″ 6‴ „

Apothem, 584′ 8″ 8‴ „

Basis, 710′ 1″ 7‴ „

Der Flächeninhalt der Basis beträgt:

57,804′ 8″ 3‴ Wiener-Maß.

An den Pyramiden bewundert man mehr die Masse und Ausdauer der

menschlichen Leibeskräfte, als die Feinheit und den Geschmack der

menschlichen Geisteskräfte. Wenn man die ungeheuern Granitblöcke auf

einander geschichtet sieht, so drängt sich zuerst die Frage auf:

Wie war es möglich, dergleichen Lasten herbeizuschaffen? Darüber zu

erstaunen, hat man nicht das größte Recht. Sobald man über viel

Menschenkräfte und Hilfsmittel verfügen kann, läßt sich Großes

vollenden. Vielleicht hält es nirgends leichter, mehr Menschenkräfte

für Anderes, als für Brot und Hülle und Obdach zu verwenden, wie in

Egypten. Denn der Boden gibt leicht und üppig; die Sonne übernimmt

so viel Tagewerke, daß zur Erwärmung des Körpers, in und außer der

Wohnung, wenig benöthiget wird u. dgl. Es kann nicht fehlen, daß,

bei solcher Bewandtniß der Dinge, viel Hände, oder doch die Hände

viel Zeit müßig bleiben. Wem entschwebt nicht die Muthmaßung, daß die

Pharaonen den Müßiggang der Unterthanen als Quelle von Nachtheilen für

den Einzelnen und als Träger von Gefährden für den, Staat ansahen, und

daß sie darum auf Mittel sannen, um den Müßiggang nützlich abzuleiten?

Ein Machtwort ohne Grund würde wahrscheinlich Murren unter dem Volke

erzeugt haben; sie warfen den Mantel der Religion über die tief

liegenden Plane, und es entstanden die größten, massivsten, wenn gleich

nicht die kunstreichsten Grabmäler unsers Erdkreises. +Die Pyramiden

sind Grabhügel.+ Und so sagte ich treu, was ich einmal meine.

Jede der vier äußern Flächen der großen Pyramide läuft in Stufen

bis auf die Spitze. Diese kann von außen leicht bestiegen werden;

allein weil sie eben vom Nebel umschlichen war, leistete ich auf das

Besteigen, als ein eiteles Geschäft, Verzicht. Hier wollte ich ebenso

wenig die Rolle eines Engländers spielen, was ich gerne und offen

gestehe.

Man wollte schon an dem Vorabende Bagschisch (Geschenk), darauf

in, dann außer der Pyramide, und später, als ich gegen eine ihrer

Schwestern fortritt. Hier konnte ich die Leute nicht mehr mit dem

Versprechen beschwichtigen, daß ich am Ende ausbezahlen wolle. Ich

hatte in Kairo nur so viel Geld eingesteckt, um den Eseltreiber und

etwa zwei Führer aus dem letzten Dorfe befriedigen zu können, von der

Ansicht geleitet, daß, bei meiner Unbekanntschaft mit der arabischen

Sprache, alles Geld mir aus der Tasche geschwatzt werden könnte.

Für die Milch bezahlte ich über Maßen. Jetzt schon war meine ganze

Baarschaft auf vier Piaster heruntergeschmolzen. Einer der Führer fiel

meinem Esel in den Zügel. Ich zeigte all’ mein Geld, und bezeugte, daß

ich nicht mehr bei mir habe, daß ich aber das einzige Vierpiasterstück

glatterdings nicht entübrigen könne, weil ich an einigen Orten für

das Fahren über das Nilwasser bezahlen müsse, welche Kosten nicht

vorangeschlagen waren, und weil ich ohne Geld nicht einmal zurückkehren

könnte; es solle einer der drei Männer mich nach Kairo begleiten, wo

ich +dann+ denselben und zu seinen Händen auch die Uebrigen gehörig

zufrieden stellen werde. Ich kann nicht glauben, daß ich verstanden

wurde; denn man gab dem Anerbieten kein Gehör, und schwatzte mir das

Goldstück und meinen Zucker aus der Tasche. Man ließ zu guter Letzte

den Zügel los. +Sechste Stazion des Elendes.+

Ich ritt weiter, sah indessen keine Pyramide mehr an; selbst thäte ich

den ungeheuern Androsphinx mit schelen Blicken regaliren, als ich,

seinen Hügel von Kopf zur Linken, über den Rücken ritt, den tiefer

Sand begräbt[28]. Ich seufzte unter dem Joche des Mißmuthes. Meine

Beschützer gingen sämmtlich hinweg, und, allein mit dem Eseltreiber,

sollte ich nach Kairo ohne Geld, durch Nebel, über Wüste und durch

Wasser. Von meiner Unpäßlichkeit ohnedieß gereizt, hörte ich schon

einige Krankheiten an der Pforte meiner Gesundheit pochen; ich rechnete

hin und her, wie ich meine Peitsche zum Kaufe weggeben werde, um über

das größere Wasser zu setzen u. s. f. Kurz, es war Nacht in meinem

Gemüthe. Je fester Jemanden die gewöhnlichen Auswege versperrt werden,

desto gewisser rafft er seine Kräfte zusammen, um ungewöhnliche

ausfindig zu machen.

Plötzlich ging ein Stern der Hoffnung auf. Ich hatte die Gewohnheit,

in einer Geheimtasche in Papier gepacktes Gold mitzunehmen. Ich wußte,

daß das Päckchen fehlte; indeß dachte ich, daß ein Stück herausgefallen

sein könnte. Ich spürte nach und, o holdes Glück, richtig glitt mir

ein Goldstück in die Finger. Ich fühlte mich nun reicher, als hätte

ich über Millionen zu gebieten, weil ich die Mittel besaß, fortan in

pekuniärer Beziehung sorgenfrei nach Kairo zu ziehen. Daß der Begriff

von Reichthum sehr relativ sei, mag einen Theil der Reichen verdrießen,

aber doch die minder Begüterten trösten.

Zudem wählte der Eseltreiber einen andern und bessern Weg. Er richtete

sich mehr gegen Mittag, und die Pyramiden von Sakâra rückten ziemlich

nahe. Es war angenehm, über die vielen Dämme zu reiten; Wasser rechts

und links; bald Feld, das aus dem Wasser eben auftauchte, noch naß,

doch vom Fellachen betreten, bald Früchte tragendes Land. Ich konnte

mich nie lebhafter als heute überzeugen, wie vielfach die Verbindungen

zwischen den Dörfern von der Nilüberschwemmung erschwert werden. Der

Weg führte über mehrere Brücken, unter welchen das Wasser rauschte, als

wäre es fließend.

Die Ueberschwemmungszeit ist der Winter Egyptens und das

Ueberschwemmungswasser der Winterschnee. Der Schnee ist auch Wasser,

bloß gefrorenes. Wenn das Wasser abgeflossen, kommt der Frühling; so

wenn der Schnee geschmolzen. Beide, Wasser und Schnee, decken das

Erdreich.

Auf dem Rückwege wurde ich nur über drei kurze Strecken getragen,

einmal vom Esel, dann aber vom Eseltreiber, weil jener das zweite Mal,

gleich Anfangs, sammt dem Reiter, in den Schlamm stürzte. +Siebente

Stazion des Elendes.+

Der Anblick Kairos und des Mokatam stimmten mein Herz zur innigsten

Freude. Nach vierundzwanzigstündiger Abwesenheit war ich wieder

in der Hauptstadt, die mich wie eine zweite Heimath ansprach. Die

vierundzwanzig Stunden machen mir das Pyramidenland unvergeßlich. Diese

Schilderung belehrt, daß zur Ueberschwemmungszeit an den Besuch der

Pyramiden von Memphis (Gizeh) sich ungewöhnliche Mühseligkeiten knüpfen.

Es gibt nichts angenehmeres, als nach großen Anstrengungen wieder

auszuruhen, und nichts Süßeres, als den Widerwärtigkeiten des Lebens

aufrichtig zu zürnen. Es war mir ein Labsal, den ganzen Zorn auf

die Wasser, die Führer und die Pyramiden zu entladen. Ich wollte

über trockenes Land, da denn die mannigfaltigen Hindernisse der

ausgetretenen Wasser; ich wollte zu rechter Zeit mich mit Speise

und Trank erquicken, da denn die geschäftige Folter des Hungers und

Durstes; ich wollte eine Wohnung unter Lebendigen, da denn das harte

Ruhekissen der Pyramide in der wüsten Todtenstadt. Wie ein Kind, dem

man einen Spiegel vorhält, nach seinem Bilde greift, so langte ich nach

einer Reihe von Truggestalten. Wer kennt nicht die Gespenster, die

unablässig sich bemühen, die arme Seele des Menschen irre zu leiten?

Wegweiser in und um Kairo.

+Erster Tag.+ Man verfügt sich an einem Morgen frühe nach dem Nile,

darüber zum Garten +Ibrahim-Paschas+. Von da nach dem Aquädukt. Von

hier nach Altkairo und dem Nilometer. Nun sieht man das armenische und

koptische Kloster, in letzterem +Mariens+ Altar, und dann die große

Moschee +A’mrus+. Man reitet über Turâb-el-Seydeh Omm Kàsim zurück.

Nachmittags begibt man sich zum Konsul, der bis zum folgenden Tage die

Erlaubniß für den Eintritt in den Garten von Schubbra auswirkt.

+Zweiter Tag.+ Man reitet, aber nur nicht an einem Sonntage, auf die

Burg; hier der Jussufsbrunnen. Auf dem Rückwege bewundert man die

Gräber von Kâyd-Bei. Abends reitet man nach dem Schubbragarten.

+Dritter Tag.+ Man kann das Militärkrankenhaus, den Esbekiehplatz, etwa

einen Brutofen ansehen, zur Zeit der Fütterung im Katzenstifte sich

einfinden.

+Vierter Tag.+ Gehe man zu Fuß, um die verschiedenen Bassar zu

durchmustern, denn auf dem Esel, der manchmal gallopirt, schwinden die

Gegenstände zu schnell am Auge vorüber.

Zwei Tage erfordert der Weg nach Abusabel, und ebenso viel derjenige

über Sakâra nach den Pyramiden von Gizeh.

Daraus erhellt, daß die Merkwürdigkeiten, dazu noch der Hassantempel,

die Kadettenschule u. dgl. in wenigen Tagen besehen werden können, wenn

man sie nur gehörig in die Zeit zu vertheilen weiß.

Die Ritte sind nicht kostspielig. Für einen Tag rechnet man fünf

Piaster (nicht einmal 40 Kreuzer R. W.). Reitet man den Esel einen

halben Tag, so gibt man dem Treiber höchstens drei Piaster (etwa 23

Kreuzer R. W.).

Rückblick auf Kairo.

In dieser weitläufigen Stadt verbrachte ich mehrere der angenehmeren

Tage meines Lebens, und ich gestehe, daß ich mich ungerne von

ihr trennte. Die Verschiedenheit der klimatischen Einflüsse und

Hervorbringnisse, die Ungleichheit der Sitten und Religionsgebräuche,

die Sonderbarkeit in den politischen Einrichtungen und so vieles Andere

hielten meine Seele stets in reger Gespanntheit, dergestalt, daß

+Langeweile+ in Kairo mich nie angähnte.

Kairo ist ein großes, altes Weib, das falsche Haartouren, Brillen und

Krücke trägt; aber es vermag seine Runzeln nicht spurlos auszuglätten,

noch seine grauen Haare ganz zu verbergen, noch seinen halbblinden

Augen die volle Sehkraft zurückzugeben, noch seinen gekrümmten Rücken

in das Senkblei zu bringen. Wofern nicht ein wundersam belebender Hauch

aufs neue die Adern der Alten durchdringt, so wird sie über nicht

sehr lange von hinnen scheiden, und ihr Grabmal wird dann wegen der

schauerlichen Größe über die Grabmale beider Todtenstädte spotten.

Reise durch die Wüste nach El-Arysch.

Verspätete Abreise; Dromedarwechsel; der Pole; Hunger;

Hochzeitsspektakulum; Postillon; Dromedarthränen; Kartoffelkunst;

Ausmöblirung der Wüste mit Kameelgerippen; Kinderspiel mit

Datteldornen; Eremitage ~à la~ +Rousseau+; Dorfschaft Kâtieh mit

Allerlei; Fata Morgana; ~Sirbonis lacus~; ein besseres Getränke als

Champagner; Idumäa u. s. w.

Ich war Willens während der sehr angenehmen Frühlingszeit länger in

Kairo mich aufzuhalten; der Umstand aber, daß ich in der kältern

oder Regenzeit durch die Wüste reisen müßte, und daß eben ein Pole,

ein Kapitän aus der letzten Umwälzung, welcher des Arabischen kundig

war, über El-Arysch nach Syrien sich begeben wollte, bewog mich, den

Aufenthalt abzukürzen.

Weh that es mir, daß sich keine Gesellschaft zur Unternehmung der Reise

über Suez nach Jerusalem hervorthun wollte.

Um an die syrische Küste zu gelangen, hätte ich zwar über Damiate zu

Wasser reisen können; allein mehr denn ein Grund leitete mich durch

die Wildniß: nicht nur lauteten die Nachrichten, daß zu Lande keine

Kontumaz gehalten werde, sondern ich wollte auch die Süßigkeiten und

Bitterkeiten einer Wüste selbst kosten. Lebenserfahrungen sind echte

Reichthümer des Menschen.

Der polnische Offizier besorgte die Thiere. Er zog Dromedare vor, weil

sie sanfter gehen, und die Hälfte Wegs mehr in einem Tage zurücklegen

als die Kameele. Jeder von uns nahm ein Thier für sich, und eines

bestimmten wir für den Geleitsmann. Die Gepäcke wurden mehr oder

weniger gleichmäßig auf die Lastthiere vertheilt.

Am Tage meiner Abreise hatte ich keine geringe Noth. Ich sollte mich

bereit halten, daß ich vor Sonnenaufgang aufbrechen könne. Schon des

Morgens verfügte ich mich zum österreichischen Konsul, um den Reisepaß

zu holen. Jetzt stellte sich eine Schwierigkeit entgegen. Ich sollte

den städtischen Auslaßschein haben, und der Ausfertiger war abwesend;

ich beschwerte den Konsul an diesem Tage mehrere Male. Er ließ sich

die Sache sehr angelegen sein, und wie sich die Aussicht allenthalben

trüben wollte, befahl er seinen Leuten, daß man auf die Ausfertigung

dringen sollte, koste es, was es wolle. Schon lag die Nacht eine Stunde

über Kairo, als ich eines Auslaßscheines noch entbehrte, indeß der Pole

zur Abreise fest entschlossen war. Endlich langte der Dragoman sammt

dem Janitscharen und einem Menschen in dem Hause, wo ich wohnte, an,

um mir den Auslaßschein und die Erlaubnißkarte für den Eintritt in den

Schubbragarten zu überreichen. Letztere traf freilich zu spät ein.

+Sonntags den 8. Wintermonat.+

Ich bin nicht im Klaren, ob der Pole oder der Besitzer der Dromedare

mich in unnütze Geschäftigkeit jagte. Der Geleitsmann kam mit seinen

hochbuckeligen Thieren erst etwa zwei Uhr nach Mittag. Die getäuschte

Erwartung spannt auf die Folter.

Der Dromedar stand so schnell auf, daß ich mich zusammennehmen

mußte, um nicht zu stürzen. Noch beschaute ich die Gassen Kairos,

die Leute und -- Esel unter meinen Füßen. Wir ritten aus einer Stadt

in die andere, von einem Thore zum andern, bis wir, wenn ich mich so

ausdrücken darf, das Ufer des Meeres von Häusern erreichten.

Kairo ist gleichsam ein Gemengsel von Städten. Außer den Umfangsthoren,

womit nach Außen die Stadt gesperrt wird, besitzt jedes Quartier seine

eigenen Thore, damit es geschlossen werden könne. Das Isoliren der

Stadt in ihre Viertel haben die Despoten gar weise berechnet. Bricht

in einem Quartiere eine Empörung aus, so werden die Thore desselben

auf der Stelle gesperrt, und der Aufruhr beschränkt sich auf einen

Theil der Bevölkerung und zwar so völlig, daß man in den übrigen

Stadtvierteln die Vorfallenheiten manchmal erst später erfährt, mag

auch im heißen Kampfe nicht wenig Blut geflossen sein.

Schon begann der Dromedar zu traben. Er schüttelte mich so kräftig,

daß ich das Reiten nicht hätte aushalten können. Ich bestieg einen

andern, und nun ging es recht gut. Das Reiten machte mir nur geringe

Schwierigkeiten; es war mir bloß nicht am beßten zu Muthe, wenn der

Dromedar aufstand oder sich niederließ.

Steht der Dromedar oder das Kameel auf, so stellen sie erst die

Vorderbeine auf. Dabei neigt sich der Rücken von vorne nach hinten, und

der Reiter bewegt seinen Körper vorwärts. Darauf stellen die Thiere

sich auf die Hinterbeine und der Rücken des Dromedars oder Kameels

bekommt die entgegengesetzte Neigung nach vornen, wobei der Reiter

seinen Körper rückwärts bewegen soll. Lassen die Thiere sich nieder,

so fallen sie zuerst auf die vordern, dann auf die hintern Knie, wobei

der Reiter sich verhalten muß, wie wenn jene aufstehen. Eigentlich

senkt sich der vordere und hintere Theil des Körpers abwechselnd unter

zwei Malen. Nach und nach gewöhnt man sich auch an diese Bewegungen

der Thiere recht leicht. Die eigene Art Gebrüll, welche sie dabei und

beim Packen erheben, spricht den Fremden Anfangs unangenehm an, so

daß er versucht werden könnte, zu wähnen, sie seien böse und bissig.

In den Jahren der Kindheit hatte ich keine geringe Furcht vor dem

Kameele mit seiner wunderlichen fremdartigen Figur, und wenn ich damals

sah, wie ein Mensch sich erkühnte, solch’ einen Brüller zu besteigen,

so erlangte mein Mitleiden für jenen den höchsten Grad. Die fremde

buckelige Gestalt und das starke Gebrüll täuschen in gleichem Maße.

Kameel und Dromedar gehören zu den zahmsten Hausthieren unter dem

Monde.

Vor der Stadt sahen wir eben die Rekruten sich in den Waffen üben,

unter wildem Pfeifen und Getrommel.

Beim Einbruche der Nacht kehrten wir in +Chanka+, dem ehemaligen großen

Lagerplatze der egyptischen Armee, zu. Ich war müde und hungrig. Wir

betraten die Hausschwelle eines polnischen Angestellten, und er segnete

uns mit einem freudigen Empfange. Seine Frau, eine Koptin, war eben

auf Besuch in Abusabel bei ihrer Schwester, einer Prosessorin. Er ging

die Heirath unter der Bedingung ein, daß er treu sein wolle, so lange

er sich in Egypten aufhalte. Ein Kind, welches ich sah, hatte weit

mehr ein koptisches als ein polnisches Gepräge. Dieser Pole soll ein

tüchtiger Gelehrter sein. Er sprach in der That sehr unterrichtet, z.

B. über den Unterschied der koptischen Religion; allein, erst müde

und hungrig, dann schläfrig, verlor ich fast alle Aufmerksamkeit. Der

Geist mag sich noch so unabhängig dünken, er muß doch abwechselnd die

Herrschaft dem Körper abtreten. Unser Gastfreund setzte Pillau vor, der

mir vortrefflich schmeckte.

Zu Hause kann ein ganzes Jahr vergehen, bis ich +hungere+. Die

Befriedigung des Hungers ist wirklich ein großer irdischer Genuß.

Ich war, wie viele Andere, ein Stundenmann. Wenn die Glocke schlug,

mußte, ohne viel Nachfrage nach der Eßlust, gegessen werden. Auf der

Reise wird diese Rechenkunst zur Null, und der Verbrauch der Kräfte

durch die Uebungen des Leibes weckt dem gesunden Menschen Appetit. Man

sollte daheim sich +zur Richtschnur nehmen, mehr aus Nothdurft, als aus

Gewohnheit zu essen, und man würde eine Menge Genüsse sich bereiten,

und manche Uebel verhüten+. Es gehört zu andern Verkehrtheiten des

Menschen, daß er die schlichte Wahrheit im Ganzen so wenig würdigt, und

daß die blendende Lüge so bald und so leicht in sein Herz eindrückt.

+Den 9.+

Um zwei Uhr Morgens reiseten wir bei hellem Mondscheine ab. Gegen

Morgen blitzte es dann und wann, was ich unter unserm Himmel bei heißer

Witterung wahrnahm, ohne daß sie sich zum Donnern und Regen entschied.

Wir kamen durch schön bebaute Landschaften und kurz nach Sonnenaufgang

zu dem Dorfe +Bèlbeys+, wo wir bei der Post auf einer Anhöhe im Freien

uns niederlegten, um zu speisen.

Abends erreichten wir das Dorf +Légrẻn+, und blieben auf der Post in

einem Zimmer über Nacht. Ich holte meinen ganzen Schulwitz heraus, um

Feuer anzumachen. Ich vergeudete so viel egyptische Schwefelfäden, daß

der Schwefeldampf unsern europäischen Lungen bedeutend zusetzte. Ein

Araber, naturwitziger, als ich schulwitzig, zauberte das Feuer flugs

daher, und ich buk Eier in meinem Kochgeschirre. Das Gericht gerieth so

gut, daß es auch meinem Reisegefährten mundete.

Als ich mich schon schlafen legte, erhob sich ein wildes Gelärm

und Gejauchze unter Schalmei- und Tamburtönen. Es ward eine

Hochzeit gefeiert. Ungefähr so lärmt man in der Schweiz, wenn man,

mit Erlaubniß, einen Ochsen im Triumphe von der Schießstätte zum

Wirthshause führt.

Morgens hatten wir einen Begleiter; von Bèlbeys wollte er uns in die

Wüste führen. Wir trauten ihm nicht, vielleicht mit Unrecht, und wir

ließen ihn reiten, seelenvergnügt, daß wir seiner los wurden.

+Den 10.+

Auch diese Nacht nahm ich das gleiche Blitzen wahr. Als ich vom

Schlafgemache herunterstieg, lagen andere Leute noch im Schlafe auf

dem Dache. Früh Morgens ritten wir mit einem Polizeidiener (Kafaß) von

Gaza, welcher seinen Kondukteur hatte, davon.

Die letzte und diese Poststazion sind, wenn die Mittheilung des

Kapitäns Glauben verdient, wegen der Räuber am gefährlichsten. Wir

frühstückten in +Salehyeh+, einem Dorfe mit einer Post, wo die

eigentliche Wüste beginnt.

Es langte eben die Post an. Der Postillon trug um dem Haupte einen

Turban, und unter dem Kinne einen langen Bart, und über dem Leibe

einen langen, faltigen Mantel (Abba). Das Posthorn schmetterte nicht,

noch knirrte das Rad; nur sanft patschte die Hufe des Dromedars auf,

und kein besonderes Abzeichen war an der Kleidung des Wüstenpostillons

erkenntlich. Darin sind die Europäer sehr erfinderisch, einem Jeglichen

sein passendes Hanswurstkleid zu geben. Einzig trug der langtrabende

Dromedar am krummen Straußhalse eine kleine Glocke, was sich wohl

schickt, damit die Räuber zu rechter Zeit erinnert werden.

Jetzt ging es in die Wüste, und als wir tiefer in derselben uns

befanden, begegnete uns zu Fuße ein Derwisch (ein mohammetanischer

Pfaffe) mit fliegenden Kopfhaaren und langem Barte. Es ist merkwürdig,

daß die Wüste immer noch ihre Weltüberwinder begeistert. Es wäre

vielleicht doch schon mit den alten Säulenheiligen genug gewesen. Sage

wenigstens dem blinden Religionszwange: In der Wüste ist Freiheit des

Glaubens.

Die Wüste war nicht so kahl, wie ich sie mir vorstellte. Viele

Sodagewächse bekleiden sie zur Steppe. An den meisten Orten zeigte sich

dieselbe so, wie ein Kartoffelfeld mit seinem einsam stehenden jungen

Kraute. Hie und da erhoben sich kleine Hügel, uns in der Aussicht

Abwechselung zu verschaffen.

Auf meinem Dromedare traf mich ziemlich ferne von menschlichen

Wohnungen der Unfall, daß er sich reisemüde niederließ. Unverzüglich

hob der Geleitsmann das Gepäcke ab; jener stand auf, und trug mich

weiter. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Kameele oder die

Dromedare auf die Kniee sinken, sobald man sie überladet. Uebrigens

war mein armes, an einer Lungenkrankheit leidendes Thier sehr schwach,

so daß es beinahe umfiel. Der polnische Reisegefährte rief in seiner

Hastigkeit, daß unser Unglück mehr als gewiß sei. Auf dem ermüdeten,

kranken Thiere wäre allerdings bei einem etwaigen Ueberfalle die Flucht

unausführbar gewesen. Ich war kalter Skeptiker und ritt weiter mit

Gelassenheit. Fürchtet man Alles, so hat man doch nichts +mehr+

zu befürchten, und so gewährt wenigstens der Blick in die Zukunft

Beruhigung.

Mit unnennbarer Freude erblickte ich gegen Abend auf einer kleinen

Anhöhe das Posthaus. Ehe wir dabei anlangten, kamen wir hie und da über

einen aufgedämmten Weg (Brücke), arabisch +Kantâra+. Der Europäer

würde das Posthaus zu +Kantâra+ nicht erkennen, und winkt es dem

Wanderer doch freundlicher, als der stattliche Postpalast in Paris. Man

denkt mit wonnigem Gefühle beim Anblicke der Posthütte, daß man hier

unter Menschen Schutz und Ruhe finde. Dem plattdächigen Posthäuschen

gegenüber stand mittagwärts eine Art Pavillon, von Dattelblättern

gebaut. Weiterhin gruppirten sich einige Zelte für die Polizeisoldaten.

Bei Kantâra zieht vor den Blick eine kleine Bucht des Sees von Menzaleh

(~Tanis lacus~), und in seiner Nähe steht ein Brunnen, welcher, wenn

ich nicht irre, Byr-el-Dueydar heißt.

Wir waren von dem Durste stark geplagt. Wir schleppten bloß eine

Wenigkeit Wasser, nicht einmal in den festesten Thierfellen, mit, so

daß eines Morgens mein Bein ganz naß wurde, weil, wegen der schlecht

angeordneten Ladung, dasselbe über einen Wasserschlauch gehalten werden

mußte. Diese kleinen Vorräthe sollten bis El-Arysch ausreichen. Ich

kostete das Wasser zu Kantâra, und fand es salzig (kochsalzig); weil

mein Durst aber sich wenig um den Gaumen bekümmerte, so gab ich mich

zufrieden und trank. Ich lasse andere Aerzte ihre Qualen erzählen,

welche sie von den immer anderes und anderes Getränke verlangenden

Kranken zu erdulden haben; ich beschränke mich auf die Bemerkung,

daß nur der schwache Durst schwer befriedigt wird, und +daß man bei

wahrem Durste trinkt, was flüssig ist+. Um meine heiße Trinklust einmal

ordentlich zu löschen, kochte ich Kartoffeln (die 75 Prozent Wasser

enthalten), nachher stößerte ich sie und versetzte sie mit Wasser,

worauf sie mit Butter abgekocht wurden. Diese Speise hatte gerade die

erwünschte Salzigkeit und schmeckte dem Hungrigen. Sonst verursachte

mir das Wasser weder Erbrechen, noch andere Beschwerden.

Begreiflich suchten wir hier den Unfall, welchen uns der Dromedar

bereitete, wieder auszusöhnen. Wir versprachen dem Posthalter, einem

schön gestalteten und bieder scheinenden Manne, hundert Piaster

für einen Dromedar bis El-Arysch. Die Verheißung einer nicht ganz

unbeträchtlichen Geldsumme und die Thränen des Reisegefährten,

welche dieser über unser Mißgeschick vergoß, vermochten den treuen

Postbeamteten nicht zu erschüttern. Er antwortete mit kurzen Worten,

daß auf Auslieferung der Thiere, ohne Requisizion der Regierung, das

Leben hafte. Was war wohl zu thun? Man mußte sich, ob gerne oder

ungerne, in das eiserne Schicksal fügen. Wir vereinigten uns zuletzt

in dem Vorhaben, morgen meinen Dromedar ohne Gepäcke versuchsweise zu

reiten, was er wahrscheinlich aushalten werde. Verläßt uns die Hilfe

der Menschen, so vertrauen wir wieder gerne der Vorsehung.

+Den 11.+

Wir brachen bei Zeiten auf. Mein Dromedar lebte einmal noch, und

zappelte unter mir weiter, damit doch die Augen des Hauptmanns, nein,

ich sage, unsers Schicksals trocken werden. Wir hatten den ganzen Tag

Sandhügel vor den Augen, und wären diese wirklich naß geblieben, so

hätte es uns an Stoff nicht gefehlt, sie trocken zu streuen. Der Weg

führte uns über mehrere Hügel und war beschwerlich wegen des lockeren

Sandes. Das Thier glitt bei jedem Schritte einen halben Fuß tief in

denselben. An der Post +Duedâr+, welche an die Abendseite eines

Hügels sich lehnt, ritten wir vorüber.

Um meinem armen Thiere Erleichterung zu verschaffen, stieg ich hier

ab. Mein Gehen war außerordentlich mühselig, gerade so, wie bei uns,

wenn der Schnee sehr weich ist, daß man mit dem Fuße tief einsinkt

und rutscht. Wie der Sandstaub, so ist eine lügenhafte, trügerische

Seele ohne Festigkeit, ohne Halt, ohne Zusammenhang. Ich dauerte das

Reisen zu Fuße nicht lang aus; denn ich fühlte Leere im Magen, und

bald drückte die Hitze. Den Weg fand ich übrigens ziemlich angenehm.

Fortan waren in den Sand die Sodagewächse gesteppt, worin sich die

Vögel belustigten. Bald sprang Gewild vorüber, wenigstens Gazellen

und ein Schakal (Fuchs). Auf dem meistens deutlichen und breiten

Wege durchmusterte ich die Stapfen der Menschen und Thiere, oder

die Kameelgerippe, welche, wie gebleicht, auf dem ganzen Wege oft

wahrzunehmen sind. Allerdings athmet mehr Leben in der Wüste, als auf

dem Meere; selten aber begegnete uns ein Sterblicher.

In der kleinen Oase (Wüsteninsel) +Bir-Anoß+, welche die Dattelbäume

freundlich stimmen möchten, kehrten wir an, uns zu erfrischen. Hier

ergötzte mich ein Spiel der Kinder. Sie spießten an drei Datteldorne

eine Dattel. Da vergruben sie Datteln nahe an einander in den Sand.

Jetzt warf Einer nach dem Andern jene drei an der Dattel vereinigte

Dorne nach den unsichtbaren im Sande vergrabenen Datteln, und wer am

meisten an den Dornen hervorzog, trug den Sieg davon. Das Spiel will

eben nicht viel Gewandtheit, und zeugt von Gewinnlust.

Als wir dann weiter rückten, entzückte mich ein Palmenwäldchen am

Fuße der Morgenseite eines Hügels. Die Schalmei erklang lieblich aus

dem einsamen Haine. Dort waren Hirten angesiedelt. Diejenigen Araber,

welche die Freiheit der Unterwürfigkeit vorziehen, entfernen sich

lieber von den Menschen, als daß sie nach den Gesetzen und Launen

eines Fürsten leben. Daher wurde selbst die Wüste zum Theile bewohnt.

Mich mahnte oft die Wüstenei an unsere Berge und die Leute der Wüste

an unsere Bergleute. Einst trieb die Freiheitsliebe die Allemanen

vom Rheine auf die Berge der Schweiz. An beiden Orten, in der Wüste

der Berge wie der Niederung, waltet mehr oder minder Oede für ein

einsiedlerisches Leben. Es ist denkbar, daß man sich an die mit

Sodagewächsen bekleidete und mit Hügeln bedeckte Sandwüste ohne viel

Ueberwindung gewöhnen könne.

Es verdient, bemerkt zu werden, daß in dieser Gegend die Sandhügel,

ihrer eigenthümlichen Form wegen, Pyramiden gleichen. Dieselben sind so

glatt vom Winde ausgeblasen, wie unser Schnee oder unsere Windwehen.

Sie ziehen im Allgemeinen von Osten nach Westen.

Ehe wir die Post erreichten, genossen wir auf dem letzten Hügel eine

sehr ausgedehnte und wahrhaft erquickende Aussicht -- Wieder etwas

Wassermangel. -- Der Dromedar trug mich bis hieher die meiste Zeit, und

mit Leichtsinn vergaßen wir bald den gestrigen Kummer.

Wir entschlossen uns, in +Kâtyeh+ zu übernachten. Man wies uns in

der Post ein Zimmer an. Es waren so eben auch Mann, Weib und Kinder

eingetroffen. Um sich das Reiten bequem zu machen, saßen sie in

geflochtenen Kasten (Schekdof), einander das Gleichgewicht haltend.

Die Frau begab sich in das Harem.

Kâtyeh ist ein kleines Dorf mit zwei kleinen Moscheen ohne Minaret. Die

Gebete werden an denselben gar fleißig und laut vom Muezeinn (Thürmer)

gesungen. Abends, etwa anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang, glaubte

ich in der Schlaftrunkenheit den Nachtwächterruf zu hören; ich vernahm

die silberne, lieblich ernste Stimme des Asche (des fünften Gebetes).

Die Wohnungen der Dorfleute, einfacher als alle, so ich bisher sah,

sind ohne Dachung. Dattelblätter bilden die große Einzäunung einer

Vorrathskammer; darin lag eben ein Haufe Mais. Weil aber der Wind

bisweilen den Sand hineinstäubt, so werden die Leute genöthigt, den

letztern von Zeit zu Zeit wegzuseihen. Der Vorrathskammer schließen

sich die Wohnungen in Form des griechischen Π an; sie sind mithin auf

einer Seite ganz offen für Sonnenhitze und Regen.

Auf die Kunde, welche sich in dem wilden Dorfe verbreitete, daß ich ein

Arzt sei, kam ein etwa fünfzigjähriger, dürrer, kinderloser Mann mit

seiner zum Geschenke bestimmten, rothen Mütze voll Datteln, mich zu

fragen, was zu thun sei, damit er Kinder bekomme? Ich hätte den Mann

mir jung gewünscht, um wegen einer Antwort nicht in Verlegenheit zu

gerathen. Als ich in der Runde spazieren ging, schauten die Weiber und

Kinder wie närrisch meine gelb metallenen, glänzenden Knöpfe an, und

als ich ihnen meine Taschenuhr zeigte, so sperrte die Bewunderung gar

im höchsten Grade ihre großen Augen auf. Laut lachten die weitmundigen,

entschleierten Weiber.

+Den 12.+

Der Weg zog über Hügel gegen +Berlaupt+. Als ich hier abstieg, fror es

mich so nachhaltig, daß ich mich ans Feuer setzte, und nach der Spende

der Sonne sehnte. Junge Burschen, die uns umgaben, machten freundliche

Mienen, und ich glaubte an ihnen schon einen Uebergang in den weißen

Stamm zu bemerken. Vor meinen Augen wandten sie mit ebenso viel

Gleichmuth, als Gewandtheit das Glüheisen bei einem Pferde an.

In der Besorgniß, daß mein Dromedar mitten auf dem Wege erliege,

sahen wir uns nach einem andern um. Der Posthalter war vor wenigen

Tagen gestorben, und die jungen Sprößlinge von leichtem Stoffe, wie

Spinnengewebe, trugen kein Bedenken, uns ein Thier anzuvertrauen,

so ernstlich auch die im Harem verborgenen Weiber, als würdige

Stellvertreterinnen des zarten Geschlechtes, dagegen schreien mochten;

nur forderten jene zu stark. Wir wurden endlich einig; schnell ging

man, den weidenden Dromedar zu holen.

Nun hatte ich einmal einen guten Läufer, und die Wüste wurde für mich

ein Paradies. Indeß bot die Gegend hier auch wirklich die reizendsten

Partien dar. Auf einmal kamen wir in einen großen Kessel. Ein Theil des

Bodens sah aus, als wenn er mit gefrorenem Wasser und Wasserpfützen

überzogen wäre. Dieses Schauspiel gab unser Weg öfter, und eines

Morgens konnte ich mich kaum überzeugen, daß ich, statt gefrorenen

Wassers, krystallisirtes Salz vor mir hätte. Wie wir aus dem Kessel

herausrückten, welch’ Entzücken. Eine ungeheure Ebene, gleich einer

Eisdecke, dehnte sich aus, mit einer Lehne gegen Sonnenaufgang, welche

die Einbildung zu Seeufern umschuf. Im Nordost spielte die Täuschung

mit Palästen einer in großer Ferne liegenden Stadt, und im Norden

mit dem Meere. Man durfte dem frohlockenden Herzen kaum offenbaren,

daß die Fata Morgana eine Wüste ohne ein einziges Grün sei. In

meinem Leben noch nie sah ich eine so vollendete Landebene. Wie sehr

ergötzt schon ein kleines, ebenes Gartenbeet; hier aber stelle man

sich die stundenlange und stundenbreite Fläche vor. Freilich findet

man dergleichen bloß auf kurz angenehm; auf längere Zeit widert die

Einförmigkeit an. Wir durchschnitten jetzt andere große Salzebenen,

und erst begriff ich die einsamen Schrecknisse der +eigentlichen

Wüste+. Gegen Mitternacht gewann der weiße Salzboden ein so gefälliges

Ansehen, daß er an glänzendem Weiß dem Alabaster nicht nachstand.

Ein dumpfes Brausen, das ich von der Linken her hörte, blieb mir

lange unerklärlich. Den Gruß entsandte das gleichsam hinter der Bühne

schwebende Meer; denn von Salzfluthen bot sich nicht eine dem Auge dar.

Daß der durchrittene, muschelreiche Boden ein Wassergrund war, leidet

keinen Zweifel. Wahrscheinlich breitete sich hier der ~Sirbonis lacus~

(Sirbu) aus, der einst 150 Meilen im Umfange hielt und zur Zeit des

+Plinius+ nur ein mäßiger Sumpf mehr war. Von der alten Stadt Ostracine

(Straki) erblickte ich keine Spur.

Die Poststazion war überaus groß. Doch langten wir vor Untergang

der Sonne in +Choanat+, dem Ziele unserer heutigen Reise, an. Der

Postmeister, ein recht artiger Mann, bewirthete uns mit süßem

Trinkwasser aus El-Arysch, womit uns ungemein gedient war. Wir würden

Champagner-Wein nicht vorgezogen haben. Auch durften wir uns etwas

darauf zu gute thun, daß er uns nicht, gleich andern Reisenden, unter

freiem Himmel lagern ließ, sondern gastlich in seine Wohnung aufnahm.

Die Posthütte war für mich nicht ohne Interesse. An ihren Mauern

bemerkte ich mehrere Versteinerungen. Der kranke Postmeister verlangte

von mir ärztliche Hilfe. Es liegen indessen solche Wünsche so

augenscheinlich auf der Hand, daß ich sie in der Folge schwerlich mehr

berühren werde.

+Freitags den 13. Wintermonat.+

Mit Tagesanbruch bestiegen wir die Dromedare; ich wieder meinen alten.

Rechts erging sich mein Auge an den Sandbergen. Unter den Füßen starrte

Salz und Salz. An manchen Stellen bildete dasselbe weißen Krystall,

an andern lag es zerbröckelt, grau und mit Sandkörnern vermengt. Eine

Weile lang machte ich allein den Weg in der Wüste. Da schritt ein

Beduine daher; bald kam auch ein anderer, und beide grüßten einander.

Mir schien die Sache nicht geheuer. Ich machte mich in Gedanken mit

einem Angriffe vertraut. Auf Hilfe hätte ich wohl nicht zählen können;

in der Wüste wäre jeder Hilferuf umsonst verhallt. Ich erblickte kein

anderes Wesen in der weiten Runde, als die zwei Beduinen. Ich ritt

theilnahmlos an ihnen vorüber; sie schauten mir einige Augenblicke

nach, und dann gingen auch sie ihres Weges. Ein solches Begegniß wäre

unter andern Umständen ganz unbedeutend gewesen, und auch unter diesen

will ich keineswegs mir einbilden, daß ich in Lebensgefahr gestanden

habe. Die übrige Zeit hatte ich den Kameeltreiber zum Gesellschafter,

der sich fort und fort in seinem kopfstimmigen Singsang gefiel. Nach

einem mehrstündigen Ritte erhob sich endlich am Horizonte zu meiner

Freude das Meer, das brausende.

Heute begegneten uns überhaupt nicht selten Menschen und viel beladene

Kameele. Am Meeresstrande ging es dann fort bis zu einem mit Grün

umgebenen Brunnen, wo ich den Polen mitten unter mehrern Leuten und

Thieren einholte; denn da mein Dromedar schlecht trabte, ritt jener

rücksichtslos weiter. Menschen, die sich um Andere nicht bekümmern,

sollten, zu ihrem eigenen Beßten, eine geraume Zeitlang weder ein

vernünftiges Geschöpf sehen, noch hören. Unter den am Brunnen

gelagerten Leuten befand sich ein Beduine, auf dessen Luntenflinte man

mich aufmerksam machte. Von dieser lachenden, kleinen Au, in deren

Umgegend wahrscheinlich das alte Rhinocorura in Idumäa (Edom) oder

genauer im Lande der Amalekiter (Beduinen), nach Andern in Egypten lag,

waren wir bald bei +El-Arysch+.

Werfen wir einen Rückblick auf die Reise. Unzweifelhaft gewährt sie

ihre eigenthümlichen Reize und Vortheile. Wer möchte in der theilweise

kahlen und leblosen Wüste von Gespensterfurcht geplagt werden, weil

etwa ein Baumwipfel lispelnd sich neigte, eine alte Eiche knarrte,

ein faules Holz schimmerte, eine Maus nagte, ein Holzbock bohrte? Wer

möchte sich bangen, daß eine Eule schrie, gleich als wenn unsere alten

Mütterchen ohne das Eulengeschrei nicht sterben könnten, und so alt

werden mußten, wie der ewige Jude +Ahasverus+? Und so ungehindert

kann man in der Wüste wandeln. Weder einem glänzenden Könige muß man

ausweichen, noch von einem lumpigen Bettler wird man angehalten.

Wenden wir uns jetzt von der Lichtseite auf die Schattenseite. Wiewohl

Person und Eigenthum während der Reise durch die Wüste, so zu sagen,

sicher sind, so möchte ich dieselbe nicht geradezu rathen, weil sie in

überwiegendem Maße beschwerlich und mehr Unglücksfällen preisgegeben

ist. Wer seltene Merkwürdigkeiten schauen will, darf aber Opfer nicht

scheuen.

Es verdient Würdigung, daß durch die Wüste Posteinrichtungen bestehen,

und daß somit das menschenarme Land gleichsam in den Bereich der

Kultur gezogen wurde. Dem schaffenden und durchgreifenden Geiste des

+Mehemet-Ali+ müssen wir auch hier Gerechtigkeit widerfahren

lassen. Wir dürfen indeß nicht in Vergessenheit bringen, daß die

Posteinrichtungen keinen allgemeinen, sondern einen speziellen, keinen

bürgerlichen, sondern einen militärischen oder Regierungszweck haben.

Der Postillon nimmt keine Pakete an. Die Briefe gehen nicht regelmäßig.

Es scheint, daß diejenigen Privaten einer besondern Begünstigung

bedürfen, welche der Wohlthat einer ordentlichen Verbindung durch die

Post theilhaftig werden wollen.

Uebrigens sind Kameel- oder Dromedarposten nicht das Erdachtniß

unserer Zeit. Schon +Salomo Schweigger+ redet von der Kameel- oder

Dromedarpost. Zu Rosette, sagt er, hab’ er eines Tages Einen sehen auf

der Post reiten „auff einem Cameel“ oder „Dromedar.“

Unsere Reise dauerte fünf Tage und fünf Nächte. Wir brachen in der

Regel sehr frühzeitig bei Nacht auf, lagerten und ruheten am Morgen und

Abend, im letztern Falle bis über Mitternacht. Wir legten ebenso in der

Regel täglich zwei Posten, nur einmal drei zurück, so daß im Ganzen

von Kairo bis El-Arysch elf Stazionen gezählt werden. Mit Wassermangel

würde man sich im Grunde vergeblich martern, weil das Wasser auf allen

Posten genießbar ist, und von den Leuten daselbst wirklich genossen

wird. Wir haben freilich lieber einigen Wassermangel gelitten, als mit

salzigem Wasser unsern Durst gänzlich gestillt.

Die Witterung war während der Reise schön, die Nächte vom Monde

beleuchtet, die Mittagshitze auf dem Thiere leicht erträglich, und nur

an ein paar Morgenstunden verspürte ich strengere Kühle. Es ist gut,

wenn man sich gegen die Morgenkühle durch Kleider wohl verwahrt. Das

Bedürfniß dem Auge ringsum sich anschließender Steppenbrillen gegen

den Sandstaub fühlte ich niemals bei der Windstille oder bei dem sehr

leisen Winde, die während meiner Reise herrschten, so angelegentlich

man mir jene, als etwas Unentbehrliches, in Kairo empfahl.

Statt mit Freudigkeit, erblickte ich die auf einem Sandhügel einsam

stehende, niedrige Moschee von El-Arysch eher mit Mißmuth; denn hier

wartete auf uns die Quarantäne. Zelt an Zelt, Leute, Kameele, Esel

bezeichneten im bunten Neben- und Durcheinander die Gesundheitsanstalt.

Wir schauten nach einem Zeltplatze. Eben gefiel uns einer, als es hieß,

daß heute dort drei Personen an der Cholera starben. Unter solchen

Umständen suchten wir uns, so viel als möglich, abzusondern, und wir

schlugen unser Zelt an einem erhabenen Orte, mit der Aussicht auf das

Meer und die Wüste, auf das Gebirge des steinigen Arabiens in der

Ferne, und auf die in der nahen Vertiefung liegenden Zelte eines Bei,

mit Namen +Mustafa+, eines Gardeobersten. An das Zeltleben noch nicht

gewöhnt, sollte ich zwölf Tage hier verbringen, ein Gedanke, der wie

Blei auf mein Herz drückte.

Mir that es leid, mit dem Oberaufseher der Quarantäne gleich Anfangs

mich zu zerwerfen, als er uns auf einer günstig gelegenen Stelle nicht

sitzen lassen wollte. Ich machte ihm vorstellig, daß es unsere Pflicht

sei, für die Gesundheit beßtens zu sorgen, daß keine Regierung, welche

für die Menschheit mit Achtung durchdrungen sei, uns die Besetzung

eines Lagerplatzes von Krankheiten zumuthen könne, und daß, wenn man

meinem Wunsche nicht willfahre, mir in Aussicht gestellt sei, die

Anstalt nach Verdienen in Europa bekannt zu machen. Dieser Worte

Stachel empfand der Mann so lebhaft, daß er einige Schritte vorwärts

ging und dann bemerkte: „Ich schicke Sie zurück, wenn -- --“ Er wurde

endlich nachgiebig, indem er uns an dem ausgewählten Orte das Zelt

aufrichten ließ, worauf ich nun gerne schwieg.

Die Quarantäne in El-Arysch.

Gefängniß unter dem Zelte; Regen; Mangel und Ueberfluß; Koch

und Küche; Schreibpult und Schreibsand; Macht der Gewohnheit;

+Mustafa-Bei+ und seine Frauen; Minnesinger; ein freies Wort über

die Einrichtung der Quarantäne.

Der Oberaufseher der Anstalt war aus Livorno gebürtig und von Beruf

ein Apotheker. Er schien ein guter Mann zu seyn; auch ließ er sich

später mit uns recht freundlich an. Ich vernahm aus seinem Munde kein

einziges wissenschaftliches Wort. Wenn ich fragte, welche Krankheiten

in diesem Dorfe endemisch herrschen, wie die Sterblichkeit sich

verhalte, ob die Cholera in der Nähe oder Umgegend seuche u. s. f., so

erwiederte er selbstzufrieden mit nichtssagenden Empfindungswörtern.

Oefter wiederholte er den Schmatzlaut, dessen sich der Araber bedient,

um sein +la+ (nein) zu ersetzen. Kenntnisse sind keine Last, nur ihr

Erwerb ist schwer. Es würden weit mehr Menschen ernster nach jenen

streben, wenn sie nur, ohne eine Dornenbahn zu betreten, dazu gelangen

könnten. So wenig hassen sie, selbst unwissendere und unthätigere, die

Kenntnisse, daß sie vielmehr solche häufig genug an Andern beneiden. Es

ist übrigens eine über Geisteshoheit und Gemüthsglück Gedanken mächtig

anregende Eigenthümlichkeit, daß wissenschaftlicher Indifferentismus

oder Liebe zum Leeren und Leichten manchmal aus nicht minder heiterem

Auge strahlen, als große Schocke von Wissen.

In Begleitung eines Arztes oder Halbarztes aus der Abusabler-Schule[29]

und eines Effendi Dragoman kam der Direktor zu Pferde in der Regel

täglich zweimal, am Morgen und Nachmittage, bloß um nachzusehen, ob die

Zahl vollständig sei. Als wir, ein Trupp von fünf Männern, anlangten,

ließ er den Namen mehr nicht, als eines Einzigen aufschreiben; man

erkundigte sich nicht einmal, woher wir kämen. Nach dem Gepäcke ward

so wenig gefragt, als dieses untersucht. Mein Reisegefährte, der

polnische Kapitän, schüttelte den Direktor scherzend an den Schultern.

Ein benachbarter, kontumazirender Türke, der mehrere Tage nach uns

eintrat, hieß, in der Lust, einen unserer Dromedare zu kaufen, seinen

Bedienten das Thier reiten. Ich möchte das merkwürdige Schauspiel des

Wettrennens auf den Dromedaren +im Lazarethe+ jedem Europäer gegönnt

haben. -- Einmal ging ein Knecht des +Mustafa-Bei+ ohne Erlaubniß,

die Esel auszutreiben. Er wurde dafür mit Stockschlägen bestraft. Ich

kann dies so weit bezeugen, daß ich selbst den Schatten des fliegenden

Prügels hätte wahrnehmen können, wäre ich darauf aufmerksam gewesen.

Der Bei selbst stattete uns einmal einen Besuch ab. Tages vorher pfiff

eine Kugel über unsere Köpfe und sank ermattet einige Schritte von

uns in den Sand. Ich richtete meinen Blick umher und erkannte den Bei

als Thäter. Er wollte eben persönlich sich damit entschuldigen, daß

er bloß nach dem Meere geschossen habe, um die Flinte von der Ladung

zu befreien; und der Mann, der bei einem Franken wegen eines Schusses

sich entschuldigte, +ist ein Türke+. Es traf sich gerade zu, daß der

Direktor in die Quarantäne ritt, als der Bei bei uns weilte. Er fuhr

diesen barsch an, daß er die Gesundheitslinie überschreite. Kennst du

den Befehl der Regierung nicht? fragte er ihn. Wenn man erwägt, wie oft

die Quarantäneordnung, um den mildesten Ausdruck zu wählen, verletzt

wird, so muß eine solche einseitige Strenge als lächerlich oder gar

als eine Kinderposse erscheinen. Strenge kann immerhin ihren beredten

Anwalt bekommen, wenn ihre Nothwendigkeit und Nützlichkeit über den

Zweifel hinausliegen; es glättet sich um so mehr ihr rauhes Aeußere ab,

je gleichmäßiger und gerechter sie in allen Theilen gehandhabt und je

Größeres und Edleres ihr zum Lohne wird. An der Anstalt befinden sich

mehrere Marketender. Der eine ließ das Geld eher in den Sand werfen,

bis er es annahm; der andere ergriff es aus dem Wasser, wenigstens vor

den Augen des Direktors; der dritte steckte das Geld ohne Zeremonie

ein, je mehr je lieber. Die Marketender setzen sich keineswegs außer

alle Berührung mit den Kontumazirenden. Ich nehme keinen Anstand, die

Behauptung aufzustellen, daß von ihnen eine ansteckende Krankheit

verschleppt würde.

Wüste und Meer sind Gottes Mauern, welche die Quarantäne umringen.

Ohne Aufsicht, doch mit Erlaubniß, begaben sich der Kapitän und ein

Türke, jener Kafaß (Polizeidiener), der durch einen Theil der Wüste

in unserer Gesellschaft reisete, ans Meer, um sich darin zu baden. Zum

Spazieren lag weiter Raum offen. Die Kameelführer trieben ihre Thiere

zur Weidung in die Steppe. Nachts konnte man unschwer einen Abstecher

ins Dorf machen, von wo man auch Besuche erhielt. Man war sicher, daß

von den trägen Quarantäneaufsehern die Leute der Anstalt zur Nachtzeit

nie überrascht wurden.

Auf der Wanderung durch die Wüste wiegte ich mich in der süßen

Hoffnung wenigstens auf ein ordentliches Obdach. Kleine Sandhügel

mit den Vertiefungen dazwischen waren der Quarantäneplatz und Zelte

das Wohngebäude. Ich hoffe, daß die Verfasser von Handbüchern

die Definizion einer Quarantäneanstalt erweitern, und wen die

morgenländische Sitte mit Zaubergewalt an sich zieht, dem möchte ich

den Aufenthalt in der El-Aryscher-Quarantäneanstalt empfehlen. Er kann

da unter Zelt schlafen, wie unsere Erzväter +Abraham+, +Isaak+ und

+Jakob+; ihn werden die Kameele höchlich ergötzen, das eine liegend,

ein Wiederkauer mit mürrischen Hänglefzen, das andere auf allen Vieren

stehend, das dritte auf drei Beinen, weil, um das Thier im Gehen

zu hemmen, das vierte aufgebunden wurde; die Esel werden unseren

Dilettanten vor Tagesanbruch mit einer Ouvertüre entzücken, gegen

welche die sogenannten Meisterwerke +Rossini’s+ nichts, als klägliche

Machwerke sind.

Und nun zu unserem Zelte. Ein schmutziges, übelriechendes, löcheriges,

kleines Zelt war das ganze Obdach zweier Männer. Ich wußte nicht, ob

es den nämlichen Tag, als ich mich unter ihm legte, Leichname gedeckt

habe. Ich mußte diesen Gedanken immer plötzlich entfernen, damit er in

meinem Gemüthe nicht das Gleichgewicht störe. El-Arysch besitzt einen

Reichthum an süßem, gutem Wasser, und die Vorsteher der Anstalt geizen

mit ihm, daß sie nicht einmal die Zelte waschen lassen, obschon die

Zeit des waschenden Regens nicht vier Monate lang dauert.

Ich richtete mein Bett möglichst gut ein, deckte des Nachts mich

ganz, selbst über dem Gesichte, zu, und ich schlief leidlich, ohne zu

frieren. Mehrere Tage machte es unter dem Zelte sehr heiß, ja heißer,

als in Alexandrien und Kairo. Schwarzes Gewölke drohte einige Tage mit

Wasser. Ich hoffte immer, es werde, uns verschonend, sich zerstreuen.

Es war vergebene Hoffnung. Der Regen, der so lange nicht mehr in meiner

Nähe fiel, netzte unser Zelt und unsere Kleider. Das Schicksal war in

der That etwas herbe, und wenn ich es rühmen wollte, so müßte ich der

Wahrheit untreu werden. Die Hälfte unserer Quarantänezeit begleitete

regnerische Witterung. Doch darf man sich die Sache nicht gar so

böse vormalen. Die Witterung beobachtete ihre Nachlässe, und während

der letzteren fanden wir leicht Zeit, Zelt und Kleidung zu trocknen.

Die Temperatur war über die Regenzeit nicht kalt, vielmehr günstiger,

wie vorher, insofern, daß sie weit minder wechselte. Bei wenigen

Graden blieb sie Tag und Nacht dieselbe. Ich muß gestehen, daß sie mir

vollkommen behagte.

Mit den Marketendern hatten wir mehr, als einmal Schwierigkeiten,

da sie die Speisen nicht zu rechter Zeit brachten. Die ersten zwei

Tage fühlten wir auf befremdende Weise einigen Nahrungsmangel; denn

wir konnten, außer Brot, keine Lebensmittel uns verschaffen. Später

hingegen hatten wir eher Nahrungsüberfluß, wenigstens Butter und

Schaffleisch, Hühner und Eier, Reis und Brot genug. Dessen konnten sich

wohl nicht alle Kontumazirende rühmen. Einen Tag nach unserer Ankunft

verlautete es, daß drei Personen starben, -- nach der Versicherung

des Direktors, an der Cholera. Es wäre möglich, daß diese Personen

den Folgen des Hungers oder einer schlechten Ernährung erlagen. Keine

Oberaufsicht auf die Lebensmittel haltend, überläßt der Direktor die

Kontumazirenden den Launen und Erpressungen der Marketender. Man wäre

fast geneigt, vor Gott den Mangel der Anordnung zu beklagen, daß

derjenige, welcher am Unglücke Anderer aus Theilnahmlosigkeit Schuld

ist, nicht sogleich mitfühlt. Die Fahrlässigkeit des Direktors geht so

weit, daß er nicht einmal für eine Apotheke sorgt. Es möchte nun in

der Quarantäne erkranken, wer nur wollte, an eine geregelte ärztliche

Behandlung dürfte man nicht denken; ein blinder Zufall oder die Kraft

der heilenden Natur müßte des Kranken sich erbarmen und ihm die

Gesundheit wieder schenken.

Butter, Reis und Fleisch waren unsere Elemente zu schmackhaften

Gerichten. Ich kochte selten. Ich war allezeit linkisch ohne die

häuslichen Bequemlichkeiten, und mit dem Feueranmachen kam ich bei

den wenigen Hilfsmitteln am wenigsten zurecht. Auch unser arabischer

Geleitsmann, -- ich nenne ihn erst jetzt bei seinem Namen +Abu-Tropo+,

-- übertraf mich weitaus in dieser Sache[30]. Wenn er nur ein Glimmchen

hatte, so umstreute er es mit Stroh, hielt dieses an den Wind und bald

fing es Feuer. Gelang es auf diese Weise nicht, so befächelte er jenes

mit seinem breit gestreiften Abba. Dagegen kochte beinahe immer der

Kapitän, und zwar verstand er dieses Geschäft vortrefflich. Ueber dem

englischen Halbbraten aus unserer Küche im Freien vergaß ich wegen

seiner Güte jeden aus einem Gasthofe. Der Holzmangel machte uns mehrere

Male guten Rath theuer. Bald krabbelte +Abu-Tropo+ den Dromedarmist

zusammen und zündete ihn unter unsern Kochgeschirren an; bald, und

das meist, ging er aus, Holz, Stroh oder das staudige Sodagewächs der

Steppe zusammenzulesen. Man half sich wohl oder übel, übel zumal dann,

wenn der ungezügelte Wind den Regen in das Feuer peitschte. Der Kafaß

lebte ein wenig einfacher, als wir. Knetete sein Bedienter den Brotteig

in dem dicken und großen Napfe, welchen er auf der Reise mit sich

schleppte, so brannte schon ein Haufen Kameelkugeln. Sobald diese in

Asche verwandelt waren, legte er den in einen großen Kuchen geformten

Teig in die heiße Mistasche. Ein wenig gebacken, und man brach und aß.

Mit Zwiebeln, solchen Kuchen, altem arabischen Käse und mit Wasser

bereitete sich der Kafaß ein Mahl, welches mein eigensinniger Gaumen

verschmähte. Auch wir rösteten einmal, in Ermangelung des Bessern, den

Kaffee in der heißen Asche des Dromedarmistes. Schlimmer, als unsere

Küche war jedoch das Viktualienmagazin bestellt. Einmal über das andere

wurde uns Brot, das dritte Mal eine Keule Fleisch, das vierte Mal ein

hübscher Holländer-Käse gestohlen. Durch diese Erfahrung wurden wir zum

mindesten +etwas+ vorsichtiger gegen die Raubthiere. Weil +Abu-Tropo+

während der Reise mit zu langen Fingern nach unserm Brote langte, so

schöpften wir zuerst auf ihn Verdacht, bis ich in einer Nacht das

raubende Thier mit der Beute aus unserm Zelte eilen sah.

Die Zeit vertrieb ich mit Schreiben, Lesen, Kochen, Spazieren und

Schlafen. An zehn Tagen setzte ich mein Tagebuch so weit fort, daß

ich an jedem Tage beinahe müde ward, und im Ganzen wenig Zeit verlor.

Die Noth macht erfinderisch. Ich vermißte mein Federmesser, und

ein chirurgisches Bistouri versah seine Dienste. Ich saß auf meine

Matratze, nahm das Kissen auf die seitlich gesenkten Kniee, legte das

Papier auf diesen Polstertisch und schrieb in solcher Beschränkung

recht leicht; ich dachte sogar selten an Unbequemlichkeit, selbst wenn

die Regentropfen auf dem Papiere die Tinte neckten. Ich genoß doch des

Vortheiles, keinen Mangel an Schreibsand zu leiden; denn nicht nur mein

Lager umränderte schöner und feiner Sand, nämlich derjenige der Wüste,

sondern selbst aus dem Bette konnte ich ihn fassen, welcher des Nachts

sich die ungebetene Mühe gab, zum Ersatze des Stundenrufes mich an die

Sandwüste zu erinnern.

Besonders während meines Aufenthaltes in der Quarantäne stellte sich

die Wahrheit in lebhaften Farben vor die Seele, wie viel Bedürfnisse

und Bequemlichkeiten der Mensch entbehren kann, wenn er nur will oder,

so zu sagen, muß. Wie würde ich zu Hause oder in einem Wirthshause

gemurrt haben, wenn man mir keinen Tisch zum Schreiben oder keinen

Sessel zum Sitzen gebracht hätte? Ohne diese Bequemlichkeit schrieb

ich Vieles und, ich darf bei guten Treuen versichern, nicht mehr

Undenkwürdigkeiten, als vor dem glatten Tische und auf dem weichen

Lehnstuhle. Wenn nur ein Wind unsanft ins Zimmer bläst, wie runzelt man

die Stirne? Unser Zelt war so löcherig, daß der Wind oben freiherrlich

lustwandelte, ohne sich vor den Kopf zu stoßen, und ich nahm gar

keine Notiz mehr von der Wind -- beutelei. In dem Brotkuchen, einem

schlechten und schweren Gebäcke, fand ich Haare und Spreue. Anderes

Brot war nicht zu bekommen, und ich schätzte es so sehr, als unser

weißes. Läßt die Köchin ein einziges Haar in die Suppe fallen, man

hebt einen Spektakel an, daß die Balken des Hauses sich biegen; welch

ein Kapitalverbrechen hat sie begangen; allerwenigstens packt man

die Verbrecherin bei den Zöpfen und jagt sie fort. Ich liebe die

Reinlichkeit von Hause aus; bei der Unausweichlichkeit aber, im Leben

draußen mit unreinen Dingen hin und wieder fürlieb nehmen zu müssen,

drängten sich mir manche Widersprüche der Europäer auf. Kann man viel

Unreinlicheres ersinnen, als jenes Ekelhafte in ein Tuch auffangen und

+bei sich aufbewahren+? Der Athem eines Andern kann höchst unreine

Stoffe ausführen, und wir athmen diese ganz vergnüglich ein. Beinahe

jedes Geldstück trägt seinen Schmutz. Wir betasten gleichwohl das Geld

und das Brot so oft und oft am gleichen Tage und mit der gleichen Hand,

ohne diese zu waschen.

+Die Macht der Gewohnheit ist groß, und man denke sich nicht bald

etwas so schlimm, an das man sich nicht mit Zeit und Weile ziemlich

leicht gewöhnen könnte.+ Die Gewohnheit macht das Schwere nach und nach

leichter, das Harte gelinder, das Bittere süßer. Die +Vorstellungen+

verdüstern das menschliche Leben am meisten. Die Gegenwart erscheint

selten so herbe, als das ängstlich wartende Gemüth sie noch unten in

der Zukunft zu fühlen glaubt.

Unser Nachbar, der mehrerwähnte +Mustafa-Bei+, hatte seine Zelte

in einer Telle aufgeschlagen, welche unser Auge beherrschte. Den

Preis des schönsten Zeltes verdiente das Haremzelt, das heißt, der

abgesonderte Ort der Frauen Beiïnnen. Dieses Zelt war grün, und als

Zierde verbreitete oben ein Stern seine goldenen Strahlen. Von dem

Hauptzelte lief ein Zeltgang in ein kleines Zelt, dessen Nutzen sich

leicht errathen läßt. Die Frauen, vier an der Zahl, gingen selten

aus. Die Kinder hörte ich zuweilen bis in unser Zelt weinen. Die

Dienerschaft des Offiziers war sehr zahlreich. Das Aufbrechen aus den

Zelten zwei Tage vor unserer Abreise gewährte einen köstlichen Anblick.

Der morgenländische Luxus belud über zwanzig Kameele mit Gepäcke. Die

Frauen verließen wie Gefangene das Harem, die Erstbegünstigte voran.

Schöner grüner, auch rother Zeug umkleidete die Sitze (das Schekdof)

auf jeder Seite des Lastthieres.

Unsere Luft erfüllten die Vögel mit vielstimmigem Gesange. Der Rabe

krächzte, die Schwalbe zwitscherte, der Staar pfiff, wie bei uns der

eben flügge gewordene, und der Sperling schnarrte in die Leier des

Zeisigs. Vor dem Witterungswechsel und während desselben sah ich

Staare mehrere Male in der Richtung von Sonnenaufgang gegen Niedergang

schaarenweise vorüberziehen. Einmal schwärmte der Storch hoch gegen

Kairo. Nachts, bei Grabesstille, brausten die in unzähligen Muscheln

des Meerufers gefangenen Wellen mein Ohr voll.

Erheben wir uns jetzt mit ruhiger Fassung auf den Standpunkt, um

einen Gesammtüberblick auf die Quarantäne zu werfen, so wird man die

gute Absicht, Länder, hier Syrien, vor der Pest zu sichern, nicht

mißkennen, man wird sie ehren; man kann sich aber nicht bergen, daß,

in dem gegebenen Falle, das Mittel dazu nicht nur unzureichend ist,

sondern sogar die Menschen herabwürdiget. Denn das Sittengesetz erlaubt

nie, daß man +krankmachende+ Anstalten, gleich der vor Augen liegenden

Quarantäne, ins Dasein rufe, um einen krankheitsschützenden Zweck zu

erstreben, wenn zu gleicher Zeit, wie hier, vom krankmachenden Mittel,

wenigstens zum Theile, Umgang genommen werden kann. Will +Mehemet-Ali+

das zweckmäßige Sperrsystem der Europäer nachahmen, so soll er

ihm nicht Kopf und Hände abschneiden, er soll es in seinem ganzen

Umfange aufnehmen, er soll wenigstens Gebäude aufführen, worin der

Kontumazirende doch vor dem Ungestüme der Witterung möglichst sicher

bleibt. Wie froh wäre ich gewesen, wenn nur eine elende Araber-Hütte,

dergleichen man in Alexandrien und an den Gestaden des Nils und auf den

Hosch in Kairo sieht, zu meiner Verfügung gestellt worden wäre. Man

wird vermuthlich entgegnen, daß das europäische Sperrsystem in seiner

Ganzheit befolgt, bloß den Sitten und den Verhältnissen der Leute und

des Landes angeeignet ward. Diesen schweren Irrthum widerlegt nichts

gründlicher und triftiger, als die Quarantäneanstalt zu El-Arysch

selbst, insofern man sie mit unbefangenen Augen betrachtet. So lange

man in der That dem unwidersprechlich großen Uebel nicht steuert; so

lange wird der aufmerksame Beobachter in der fraglichen Anstalt nichts,

als ein Blendwerk für die Bewohner der vorwärts liegenden Länder

erblicken, so lange kann er auch den Gedanken an eine ungerechte und

grausame Behandlung der Kontumazirenden nicht daniederhalten.

In Kairo besteht ein Gesundheitsrath, welcher das Gesundheitswohl der

vizeköniglichen Unterthanen, eigentlich mehr der Soldaten, überwacht.

Es wäre gut, wenn er nicht nur die anzustellenden Aerzte der Armee und

der Quarantänen, die Lehrer der Schule zu Abusabel dem Kriegsminister

vorschlüge, etwa einige Arzneiformeln für die angestellten Aerzte

entwärfe, die Pestordnung abfaßte, sondern wenn er allenthalben

genauer +beaufsichtigte+. Die Inspekzionsreise eines gewissenhaften

Arztes nach El-Arysch müßte die Frucht bringen, daß einem Unwesen,

welches das menschliche Gefühl in seiner Tiefe beleidigt, Einhalt

gethan würde. Wenn mich jemals ein Kitzel zum Schreiben an eine

fremde Behörde angewandelt hätte, so würde ich ihn diesmal gefühlt

haben, um dem Präsidenten des Gesundheitsrathes, +Clot-Bei+, und dem

zweiten Mitgliede, ~Dr.~ +Gaëtani+, die Schattenseite der Quarantäne

zu schildern. Ich ging für einmal über die Sache mit Stillschweigen

hinweg, mich glücklich genug schätzend, daß ich während der Zeit meines

Gefängnisses von keiner Krankheit ergriffen ward.

Die letzte Nacht in der Quarantäne verlief nicht, ohne daß uns ein

Kapitel über das Eigenthumsrecht gelesen wurde. Thiere schlichen in

unser Lager, und wirklich ward ein, mittels einer Schnur innen an das

Zelt gebundenes lebendes Huhn von einem Hunde oder Schakal geraubt.

+Ende des ersten Bandes.+

Verbesserungen im ersten Bande.

S. 7 Z. 4 von oben lies +Salvore+ statt +Savore+.

„ 25 „ 1 „ „ „ +einem Andern+ st. +einen Andern+.

„ „ „ 10 „ unten „ bunt darauf, der Dorfschulze, versteht

sich, am breitesten. +Cesare+ etc.

„ 36 „ 1 „ oben setze nach +Gebirge+ ein ,

„ 44 „ 10 „ „ lies +Vor+ gutem Winde.

„ 48 „ 12 „ unten „ +anhaben+ st. +anheben+.

„ 53 „ 11 „ „ „ +vor+ st. +von+.

„ 64 „ 5 „ oben streiche nach +Mela+ das ,

„ 68 „ 9 „ unten lies +Wild-+ st. +Waldgewächse+.

„ „ „ 7 „ „ „ +unsanft+ st. +umsonst+.

„ 72 „ 5 u. 4 von unten streiche +zu observiren+.

„ 74 „ 8 von unten lies +asphyktisch+ st. +asphytisch+.

„ 92 „ 1 „ oben „ +welcher+ st. +welches+.

„ 95 „ 6 „ „ „ von dem +Abendländer+.

„ 122 „ 3 „ „ „ +Geknirre+ st. +Gewirre+.

„ 131 „ 6 „ „ „ +Schubbra+ st. +Subbra+.

„ 137 „ 6 „ unten „ +Chamsîn+ st. +Chamasîn+.

„ 142 „ 11 „ oben „ +lebt+ st. +liebt+.

„ 148 „ 6 „ unten „ +seinen Flitter+.

„ 151 „ 3 „ oben „ +Gîsa+ st. +Gisâ+.

„ 163 „ 9 „ unten „ +fischartige+ st. +frischartige+.

„ 170 „ 8 „ oben „ +Gebrauch+ st. +Geruch+.

„ 178 „ 8 „ „ „ +bekehren+ st. +belehren+.

„ 212 „ 9 „ unten „ +des Gürtels+ st. +der Gürtel+.

„ 213 „ 11 „ oben lösche +es+.

„ 219 „ 2 „ „ lies +stächen+ st. +stechen+.

„ 254 „ 4 „ unten „ Abbate +Casti+ ~gli animali~.

„ 261 „ 1 „ „ „ von +dem+ Mitmenschen.

„ 272 „ 11 „ oben setze ein: nach +Klinik+.

„ 278 „ 7 „ „ lies +echt+ st. +recht+.

„ 279 „ 8 „ „ „ +erwecken+ st. +erzwecken+.

„ 280 „ 9 „ unten „ +Matthiolus+.

„ 284 „ 9 „ „ „ +ritt+ st. +will+.

„ 287 „ 10 „ „ „ ~ed~ st. ~e~.

„ 298 „ 4 „ oben setze ein ; vor +Idumäa+.

„ 305 „ 9 „ „ lies +knirrte+ st. +kirrte+.

„ 306 „ 8 „ „ „ +er+ st. +es+.

Nicht sinnstörende Druckfehler (z. B. 1, 19 Schemmel st. +Schemel+,

1, 103 Letze st. +Letzte+, 1, 123 faullenzt st. +faulenzt+, 1, 181

schlossen st. +schloßen+, 1, 211 pauckte st. +paukte+, 1, 303 Regen st.

+Regnen+, 2, 162 Montag st. +Montags+), insbesondere der Interpunkzion,

wenigstens im ersten Bande (z. B. S. 8, 26, 28), so wie auch die

Ungleichheit in der Rechtschreibung (z. B. +Kroazien+ neben +Kroatien+,

+lange Weile+ neben +Langeweile+, +Pfennige+ neben +Pfenninge+, +Bogen+

neben +Bögen+, +Reiß+ neben +Reis+) wolle der Leser selbst verbessern.

Inhalt des zweiten Bandes.

Lustreise ins Morgenland, Erster Theil (von 2) · 第 7 / 11 题