I. eine Bestimmung auf Grund unserer Lohnstatistik,

II. eine Bestimmung, die entnommen ist aus der Vergleichung des

Nutzeffektes unserer Maschinen in den letzten 4 Wochen vor

Einführung, und in den ersten 4 Wochen _nach_ Einführung des

Achtstundentages.

Ich will weiter die Beobachtungen mitteilen, die Bezug haben auf die

Einwirkung der verkürzten Arbeitszeit auf die Person --, also die Frage

berühren, ob die intensivere Arbeit eine größere Strapaze, einen

größeren Kräfteverbrauch der Personen hat erkennen lassen -- welche

Frage ganz konnex ist mit dem Nachweis der Umstände, die erkennen

lassen, welche Ursachen, welche Antriebe bei der Steigerung der

Intensität der Arbeit wirksam gewesen sein müssen.

Ich will dann drittens dazu übergehen, die Erklärung zu geben, welche,

wie ich glaube, alle Beobachtungen, die wir gemacht haben, und die ihre

Ergänzung durch die Beobachtungen in England und die sonst vorliegenden

finden, in befriedigender Art deutet.

Ich habe zu dem Zweck ein zweites Blatt[38] beilegen lassen, um den

Gedankengang dieser Erklärung zu fixieren. Stoßen Sie sich nicht daran,

daß eine mathematische Formel vorkommt; die mathematische Formel hat

nichts mit dem Wesen der Sache zu tun. Der Gedankengang läßt sich durch

einige Erwägungen verdeutlichen; nur wenn man ihn in wenigen kurzen

Zeilen fixieren will, da geht es nicht gut anders, als daß man die

Zeichensprache benutzt, welche die Mathematik zur Verfügung stellt, denn

sonst hätte ich 2 Seiten Text weitspurige Erklärungen schreiben müssen.

Und dann werde ich eigentlich erst zu dem Thema meines heutigen

Vortrages kommen, zur Erörterung der _volkswirtschaftlichen Bedeutung_,

die auf Grund dieser Feststellungen der Verkürzung der Arbeitszeit

beizulegen ist.

Diesen letzteren Teil werde ich heute aber nicht erledigen können; ich

bitte, in der Annahme, daß die Sache im Kreise dieser Gesellschaft

genügendes Interesse hat, diesen das eigentliche Thema behandelnden Teil

in einem zweiten Vortrag im Dezember folgen lassen zu dürfen.

Ich gehe jetzt dazu über, zunächst ein paar Erläuterungen zu geben zu

der auf dem ersten Blatt auf Grund unserer Lohnstatistik

zusammengestellten Vergleichung.

Wir haben damals, vor 1-1/2 Jahren, im März 1900, diese Entschließung --

Übergang zur achtstündigen Arbeitszeit -- unter die Erklärung gestellt:

Wir seien bereit, alsbald den Achtstundentag einzuführen, wenn

mindestens drei Viertel aller erwachsenen Betriebsangehörigen in einer

geheimen Abstimmung sich dafür erklären würden, unter der Fragestellung,

wer traut sich zu und ist gewillt, in acht Stunden dasselbe zu leisten,

wie bisher in _neun_; wer es sich zutraut, stimme mit ja, wer nicht, mit

_nein_ -- und unter einigen Vorbehalten, die nebensächliche Dinge

betrafen.

Die Abstimmung ergab statt einer 3/4 eine 6/7 oder 7/8 Majorität. Wir

haben damals erklärt: die ganze Einrichtung gilt zunächst für ein Jahr;

wir behalten uns vor, sie nach einem Jahr zu redressieren, wenn es sich

herausstellt, daß ein merklicher Arbeitsausfall eingetreten ist oder

Anzeichen dafür kommen, daß die Arbeit, wenn auch nur für einen Teil der

Arbeiterschaft, aufreibender geworden ist.

Bevor das Jahr zu Ende war, im März dieses Jahres, wußten wir nach

allgemeinen Schätzungen, daß keine Minderung der Leistung zu

registrieren sei, und auch, daß keine Anzeichen vorlägen, welche

befürchten ließen, sei es auch nur für die älteren unter unseren Leuten,

daß die Arbeit strapaziöser, aufreibender geworden sei.

Wir haben daher schon vor Ablauf des Jahres die Erklärung abgegeben, wir

seien bereit, die Einrichtung als dauernd beizubehalten, wenn die

Arbeiterschaft bereit sei, einige nebensächliche Bedingungen als dauernd

verbindlich anzuerkennen.

Wir haben damals kaum gedacht, daß es möglich sein würde, die Ergebnisse

anders als durch Schätzung in Bausch und Bogen festzustellen. Erst als

wir der Sache näher traten und die darauf bezüglichen Tatsachen aus

unseren Büchern zu ermitteln suchten, zeigte es sich, daß wir ein ganz

wertvolles Erfahrungsmaterial hatten, dessen Durcharbeitung zweifellos

der Mühe lohne.

Dank der sehr eingehenden Lohnstatistik, die Herr Dr. CZAPSKI schon seit

mehreren Jahren organisiert hat, ist es möglich, von jedem unserer

Arbeiter für jeden Tag auf Jahre zurück genau nachzuweisen, wieviel

Stunden er davon im Zeitlohn oder im Stücklohn gearbeitet und was er an

diesem Tage für die Arbeit der einen und der anderen Art verdient hat.

Wir sind zunächst auf diese Lohnstatistik zurückgegangen, um von

denjenigen Arbeitern, die in Stücklohn arbeiten, zu ermitteln, wie sich

denn deren Arbeitsverdienst beim Übergang zum Achtstundentag im

Verhältnis zum letzten Jahr der neunstündigen Arbeitszeit verändert

hat. Denn bei Leuten, die im Stücklohn arbeiten, und zwar zu

unveränderten Akkordsätzen, die die Dauer der Arbeit eliminieren müssen,

ist die Größe ihrer Arbeitsleistung proportional dem Lohn, den sie

verdienen.

Wir haben diejenigen Personen ausgesucht, die einwandsfreie Vergleichung

in den beiden Jahren ermöglichten. Es mußten alle ausgeschieden werden,

von denen anzunehmen war, daß ihre Tätigkeit in beiden Jahren nicht

unter vollständig konstanten Bedingungen gestanden habe; in erster Reihe

alle jüngeren Leute und namentlich solche, die noch nicht lange Zeit im

Betriebe waren, welche also naturgemäß in einem späteren Jahre mehr

leisten müssen. Das ist in der Weise geschehen, daß wir unseren Nachweis

auf solche Personen beschränkt haben, die ein Jahr vor Einführung des

Achtstundentages mindestens 21 Jahre alt und mindestens schon 3 Jahre in

unserem Betriebe tätig, also ordentlich eingearbeitet waren, die zur

Zeit des Wechsels also schon mindestens 22 Jahre alt und mindestens 4

Jahre tätig waren.

Wir haben weiter nach derselben mechanischen Norm alle ausgeschieden,

die etwa im Laufe der beiden Jahre die Werkstattsabteilung gewechselt

haben, die zu anderer Arbeit übergegangen sind; weiter alle, die mehr

als 300 Stunden im ganzen Jahr versäumt hatten infolge von Krankheit

oder aus anderen Gründen, weil hier sofort die Vermutung besteht, daß

denen nicht nur die Zeit der Krankheit entgangen ist, sondern daß deren

Arbeitsfähigkeit auch eine Zeit vor- oder nachher bedeutend

heruntergedrückt war. Ferner sind alle ausgeschieden, die nicht

mindestens die Hälfte der ganzen Zeit im Stücklohn gearbeitet haben,

weil bei solchen, die nicht _vorwiegend_ im Stücklohn arbeiten, dann die

Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß sie wechselnde Arbeiten,

Arbeiten verschiedener Art, die nicht vergleichbar sind, gemacht haben.

Nach diesem rein mechanischen Aussieben sind etwa 250 Leute übrig

geblieben; von diesen sind noch gegen 20 ausgeschieden worden auf Grund

besonderer Umstände, z. B. Leute, die kränklich gewesen sind, usw. Unser

Herr Dr. PETRENZ, der diese Zusammenstellungen geprüft hat, hat aber

außerdem nicht unterlassen, eine besondere Untersuchung darüber

anzustellen, welchen Einfluß dieses nach einem gewissen willkürlichen

Ermessen erfolgte Ausscheiden auf das Endresultat gehabt hat, indem er

feststellte, daß diese 20 Personen, für sich berechnet, eine Steigerung

des Arbeitsverdienstes nicht nur von 100:116,2, sondern von 100:120

gehabt haben würden. Damit ist erwiesen, daß es das Endresultat nicht

im Sinne der Steigerung, sondern im Sinne der Minderung verändert hat.

Die Endziffer sagt also, daß sich der Stundenverdienst im Verhältnis von

100:116,2 erhöht hat; das Verhältnis von 8:9 ist aber 100:112,5 Wenn der

Stundenverdienst im Verhältnis von 100:112,5 in die Höhe gegangen wäre,

so hätten die Leute in 8 Stunden genau _dasselbe_ verdient, wie früher

in 9 Stunden und auch dasselbe gemacht, da der Arbeitsverdienst zugleich

das Maß der Arbeitsleistung ist, insofern die Akkordsätze dieselben

geblieben sind. Wenn nun das Verhältnis nicht 100:112,5, sondern

100:116,2 ist, also 3-3/10% mehr, so ist die Tagesleistung um 3-3/10%

gestiegen, das heißt, es hat sich die Tagesleistung um 1/30 der früheren

Tagesleistung _erhöht_. Es haben also im zweiten Jahre von diesen 233

Leuten je 30 dasselbe gemacht, was im Jahr vorher 31 gemacht haben, oder

jeder hat im zweiten Jahr die Arbeit von 10 Tagen mehr gemacht. Das ist

also kein ganz unbedeutender Unterschied.

Wir sind nun nicht bei dieser Feststellung stehen geblieben, die die

Gesamtheit dieser Akkordarbeiter in Bausch und Bogen umfaßt, sondern

haben mit den Herren unseres Personalbureaus über diese 233

»Versuchskarnickel« nach allen Richtungen hin diskutiert. Die beiden

wichtigsten Ergebnisse sind in beiden folgenden Aufstellungen:

a) Spezifikation nach Altersklassen,

b) Spezifikation nach Betriebsabteilungen,

zusammengestellt.

Es hat ein besonderes Interesse, zu ermitteln, ob denn diese Steigerung

der Leistung etwa wesentlich oder vorwiegend von jüngeren Leuten

herrührt, ob möglicherweise die älteren gar keinen Anteil daran haben.

Die Antwort auf diese Frage ist in der ersten Tabelle gegeben, wo die

Leute nach Altersklassen klassifiziert sind. Diese Tabelle zeigt in den

letzten Ziffern kleine Unterschiede, aber in einem unregelmäßigen Gang.

Die jüngste Altersklasse hat allerdings die höchste Ziffer, aber nur

eine sehr wenig höhere, als die höchste Altersklasse; die Unterschiede

sind in maximo so klein, daß sie wohl kaum aus den Grenzen der

wahrscheinlichen Zufallsschwankung heraustreten. Auf keinen Fall ist ein

nennenswertes Zurückbleiben der älteren Leute zu konstatieren. Damit ist

auch konstatiert, daß die jüngeren, die Leute der ersten Klasse, das

Mittel nur ein ganz klein wenig überschreiten, wie man es zum voraus

erwarten durfte. Wenn diese Ziffer etwas beeinflußt sein sollte durch

den Umstand, daß doch die Leistungsfähigkeit der jüngeren Klasse noch

etwas im Steigen ist, so wird das gewiß kompensiert dadurch, daß in der

letzten Altersklasse eine ganze Anzahl sind, deren Leistungsfähigkeit

für feinere Arbeiten schon etwas im Abnehmen ist.

Man kann aus dieser ersten Spezifikation sehen: der Erfolg trifft

gleichmäßig alte und junge Leute ohne einen merklichen Unterschied.

Die zweite Spezifikation scheidet die Leute nach der Art der Arbeit. Sie

zeigt, daß bei so ganz heterogenen Arbeiten, wie sie in unserem Betriebe

vorkommen, von ganz subtilen Arbeiten der Feinmechanik und Optik bis zur

handwerksmäßigen Tätigkeit etwa der Tischler, Dreher und Fräser, ähnlich

den Arbeiten in Gewehrfabriken usw. -- daß trotz dieser großen

Verschiedenheit der technischen Arbeiten keine merklichen Differenzen

vorkommen, vielleicht 2-4%. Das sind kleine Ziffern, bei denen aber

immer zu berücksichtigen ist, daß sie der Durchschnitt aus einer relativ

kleinen Anzahl von Personen sind.

Das einzige, was man ersehen kann, ist, daß die höheren Ziffern

vorwiegend die Arbeiten treffen, die gröberer Art sind; die Gruppen 4, 7

und 11, die zum größten Teil Maschinenarbeiter sind, zeigen die höchste

Steigerung. Im Durchschnitt liegt die geringste Zunahme bei den

Feinarbeitern der Optik und Mechanik. Es ist nur eine einzige Gruppe von

20 Personen, also nicht ganz der zehnte Teil der Vergleichspersonen, in

welcher diese Durchschnittsleistung, die Steigerung von 100:112,5 nicht

erreicht ist. Diese ist, während das Mittel um 3-3/10% überschritten

wurde, um ungefähr 3% zurückgeblieben. Es ist wahrscheinlich, daß das

nicht zufällig ist, und daß hier wirklich mit der Verkürzung der

Arbeitszeit das Optimum überschritten gewesen ist. Was wir in bezug auf

diese Ausnahme zu sagen haben, ist: die Ausnahme bestätigt die Regel;

doch will ich das nicht weiter ausführen.

Welche Bedeutung ist nun schließlich dem Umstand beizulegen, daß die

Endziffer eine Steigerung des Tagewerks um 3-3/10 Proz. ergibt. Man wird

auf den ersten Blick geneigt sein, zu sagen, mit 1/30 ist nicht viel zu

argumentieren, das liegt doch sozusagen innerhalb der Grenzen der

Zufallsschwankung. Wie leicht kann die Arbeitsleistung eines Mannes um

10 Proz. variieren, wenn er sich in schlechter Lage befindet, wenn er

Familiensorgen hat, wenn irgendwelche Umstände einen Druck auf seine

Arbeitsleistung legen.

Das ist ganz richtig für den einzelnen Mann. Seit LAPLACE weiß man aber,

daß alle derartigen Schwankungen, die leicht in dem einen oder anderen

Sinne wirken können, um so vollständiger sich eliminieren, je größer die

Zahl der einzelnen Personen wird, und vermindert werden in diesem Mittel

nach dem Verhältnis der Quadratwurzel aus der Zahl der einzelnen Fälle;

die Quadratwurzel aus 233 ist nun etwa 15. Alle solche Schwankungen

müssen bei 233 Beobachtungsfällen, wenn sie bei einzelnen selbst 20

Proz. erreichen können, im Mittel auf den fünfzehnten Teil reduziert

sein.

Eine Abweichung des Mittels um 3,3 Proz. gleicht in dem Verhältnis des

einzelnen einer Abweichung um 50 Proz., und es ist doch absolut

ausgeschlossen, daß aus solchen Ursachen, die in dem einen Jahr jemand

einmal treffen können, die Leistungsfähigkeit eines Mannes von einem zum

anderen Jahr um 50 Proz. schwanken könne, wenn auch Schwankungen von

10-20 Proz. möglich sind.

Und so kann ich, ohne daß ich die Ziffern genau nachgerechnet habe[39],

mit einer Wahrscheinlichkeit von vielen Tausenden gegen Eins behaupten,

daß diese 3,3 Proz. nicht vom Zufall herrühren, sondern von Ursachen,

die das ganze Jahr fortgewirkt, die alle 233 Personen gleichmäßig

berührt haben, oder wenigstens den größten Teil in ein und demselben

Sinne.

Ich habe mir nun sehr den Kopf darüber zerbrochen, was für Ursachen

dieser Art können mitgewirkt haben?

Eine ist von vornherein ausgeschlossen, nämlich eine _Verschiedenheit im

Geschäftsgang_ der beiden Jahre; in der Inanspruchnahme der Werkstätte

ist kein Unterschied gewesen. [Das ist von Bedeutung.] Denn sobald auf

die Arbeit nicht gewartet wird, hat das Einfluß, weil die Leute wissen,

es kann nicht alles, was sie machen könnten, gebraucht werden und

umgekehrt. In diesem Punkte sind die beiden Jahre so übereinstimmend

gewesen, wie irgend möglich: es ist in beiden Jahren auf die Arbeit

gewartet worden; jeder hat gewußt, soviel er machen kann, das wird

gebraucht; und die kleinen Stockungen, die in großen Betrieben immer

unvermeidlich sind -- daß einmal eine Abteilung im Rückstande ist und

eine andere warten muß -- sind in beiden Jahren vorgekommen. Ich bin

zuletzt darauf gekommen, ob nicht das _Wetter_ in beiden Jahren

verschieden gewesen ist, weil es einen großen Unterschied macht, ob wir

einen kalten Winter oder heißen Sommer haben, oder nicht, denn die

Temperaturextreme lähmen die Arbeit sehr. Aber die meteorologischen

Tabellen zeigen, daß die beiden Jahre auch in bezug auf das Wetter

übereinstimmen.

Es bleibt mir nichts weiter übrig als zu sagen, das, was diese

Abweichung von 1/30 des Tagesertrages herbeigeführt hat, ist eben die

Änderung der Arbeitszeit und was mit ihr konnex ist. Ich glaube, daß wir

in unserem Falle das mit Bestimmtheit sagen können, was in früheren

Fällen gelegentlich [als Vermutung] ausgesprochen ist, daß die

Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur keine Minderung, sondern daß sie

sogar eine _Steigerung_ des Arbeitsresultats herbeiführen kann -- so

paradox das klingen mag.

Dieser bis jetzt beschriebene Nachweis betrifft ausschließlich solche

Leute, die im Stücklohn gearbeitet haben, für die im vornherein das

eigne Interesse als wirksam anzusehen ist, welches sie veranlaßt,

möglichst die Verkürzung der Arbeitszeit auszugleichen, um keinen

Verdienstausfall zu haben. Es ist von Wert, daß wir noch eine zweite

Probe haben, die wir der Aufmerksamkeit verdanken, in der der

Maschinenmeister der Firma Carl Zeiss, Herr BRUNO KLEMM, seines Amtes

waltet, daß wir die Möglichkeit gewonnen haben, die Änderung des

Nutzeffektes unserer sämtlichen Arbeitsmaschinen, die infolge der

Verkürzung der Arbeitszeit eingetreten ist, ziffernmäßig feststellen zu

können.

Unsere etwa zusammen 650 Werkzeugmaschinen werden sämtlich getrieben

durch Elektromotoren von einem einzigen Drehstromdynamo, dessen Strom

nicht etwa für Licht mit verbraucht wird. Dieser Drehstromdynamo

gestattet unter Berücksichtigung der Spannung zu ermitteln, was für

Stromverbrauch in jeder Stunde stattgefunden hat, und darüber hat Herr

Klemm genau Register geführt von Stunde zu Stunde.

Dabei ist nun in Erwägung zu ziehen, daß die Arbeitsleistung, die diesem

Stromverbrauch entspricht, sich aus 2 Teilen zusammensetzt; I. aus

derjenigen Arbeit, die geleistet werden muß, wenn die sämtlichen

Maschinen arbeitsbereit sind, aber nicht benutzt werden, wenn also alle

Transmissionen, Riemscheiben und Motoren laufen, aber die Arbeiter die

Maschinen noch nicht benutzen. Das ist der Zustand, wie er 1 oder 2

Minuten vor Beginn der Arbeitszeit besteht; dann läuft der ganze

Betrieb, aber keine Maschine ist tätig. Das ist der sogenannte Leergang.

In dem Moment, in welchem die Arbeiter an ihre Maschinen treten, kommt

der Kraftverbrauch hinzu, welchem die Arbeitsleistung der Maschine

entspricht. Das ist der eigentliche Nutzeffekt.

Die Schaltbrettablesungen ergeben zunächt nur den Bruttoverbrauch an

Strom und zeigten, daß derselbe in den letzten 4 Wochen vor der Änderung

im Durchschnitt 49,2 Kilowattstunden gewesen ist; durch eine besondere

Feststellung ist ermittelt worden, daß um diese Zeit der Leergang der

Maschinen 26 Kilowattstunden, etwas über die Hälfte jener Ziffer,

beansprucht hat.

Man weiß also, daß der Nutzeffekt bei Benutzung sämtlicher Maschinen im

Durchschnitt 23,2 Kilowattstunden, in dem gewöhnlichen Arbeitsmaß,

gewesen ist. Demgegenüber sind nun die Angaben gestellt, die sich auf

die nachfolgenden 4 Wochen beziehen, mit Ausscheidung der Osterwoche und

des 1. Mai, und die zeigen, daß dieser durchschnittliche Stromverbrauch,

pro Stunde gerechnet, von 49,2 auf 52 Kilowatt gestiegen ist. Wenn man

nachrechnet, was dabei der Stromverbrauch des Tages gewesen ist, so

kommen bei 9 Stunden für den Tag 443, bei 8 Stunden 416 Kilowatt heraus;

durch die Verkürzung der Arbeitszeit ist demnach eine Arbeitsleistung

von 27 Kilowattstunden pro Tag gespart worden.

Wenn man diese Ziffern sieht, so sieht man sofort, daß etwas besonderes

vorliegt, denn die Arbeitsdauer ist ja im Verhältnis von 9:8 reduziert

worden. Es hätte daher eine ganze Stunde, also 49 Kilowattstunden

erspart werden müssen, da wir doch die Maschinen eine ganze Stunde

weniger gebraucht haben. Es sind aber nur 27 erspart worden. Wo ist dann

das andere geblieben?

Der Umstand, daß die Ziffer 27 fast genau dem Stromverbrauch für

Leergang entspricht, hat sofort auf den richtigen Weg geleitet: es ist

erspart worden die Arbeitsleistung, die unsere Maschinen nötig haben,

wenn man sie 1 Stunde _leer laufen läßt_, es ist aber nicht erspart

worden die Arbeitsleistung einer Stunde, wenn sie _arbeiten_. Daraus

folgt, daß also in den 8 Stunden, die sie in der zweiten Periode

gelaufen sind, die _Arbeitsleistung_ ungefähr _dieselbe_ gewesen sein

muß, wie in der vorangegangenen 9 Stunden-Periode.

Nun zeigt die Tabelle etwas näher auch für die auf die Änderung

folgenden 4 Wochen das Mittel jeder Woche, und es ist ausgerechnet,

wieviel nach Abzug des Leergangs Arbeit auf den Nutzeffekt kommt. Die

letzte Zahl gibt dann das Verhältnis des Nutzeffektes zum Durchschnitt

der vorangehenden 4 Wochen.

Die Steigerung zeigt im Durchschnitt das Verhältnis 100:112 -- sonach

das Verhältnis, welches der Verkürzung der Arbeitszeit entspricht.

Daraus kann man ersehen, es hat eine intensivere Benutzung der Maschinen

in bezug auf die ihnen entnommene Arbeitsleistung stattgefunden,

ungefähr in dem Sinne einer vollständigen Ausgleichung der Verkürzung

der Arbeitszeit.

Wie das zustande gekommen ist, das ist leicht zu erklären. Unsere

Maschinen sind zum größten Teil nicht automatische, sondern Maschinen,

deren sich der Arbeiter bedient wie der Werkzeuge. Der Arbeiter hat an

der Hand, sie intensiver zu benutzen, zunächst einmal dadurch, daß er

die Pausen verkürzt, die zwischen den einzelnen Benutzungsakten liegen,

daß er sich etwas mehr anstrengt, z. B. beim Fräsen kräftigere Späne

nimmt usw.; er kann weiter auch beim Schleifen oder Polieren kräftigeren

Druck üben, immer unter der Bedingung, daß er sehr viel aufmerksamer

arbeiten muß. So erklärt es sich, wie es möglich ist, bei einem großen

Teile unserer Maschinen die von ihnen zu leistende Arbeit in weiten

Grenzen zu steigern.

Die Steigerung scheint nun, da sie im Durchschnitt das Verhältnis

100:112 ergibt, annähernd der Ausgleichung des Zeitausfalls zu

entsprechen. Bei genauem Besehen zeigt sich jedoch, daß diese Ziffer für

alle diejenigen Maschinen, deren der Arbeiter sich wirklich bedient,

eine viel höhere Steigerung bedeutet. Es sind nämlich eine Anzahl der

Maschinen automatische; der Arbeiter kann vielleicht dadurch mehr

leisten, daß er sie aufmerksamer beobachtet, daß er den Prozeß, den sie

ausführen, achtsamer beaufsichtigt. Diese Steigerung rührt daher in

Wahrheit nur von einem Teile der Maschinen her, der andere Teil ist

unwirksam dabei gewesen. Und wenn man nun annimmt, daß auch nur ein

Viertel von diesen 650 Maschinen derart gewesen wäre, daß der Arbeiter

an ihnen nichts oder nur wenig mehr machen kann, so sieht man sofort,

daß bei drei Viertel aller Maschinen eine Intensitätssteigerung von

100:116 herzuleiten ist.

Ich schließe aus diesen Erwägungen, daß auch diese Ziffern beweisen, wir

haben die Verkürzung der Arbeitszeit auch bei der Maschinenarbeit nicht

nur _ausgeglichen_, sondern tatsächlich die Arbeitsleistung _höher

gebracht_.

Sehr bemerkenswert ist ein Blick auf die Ziffern von Arbeitswoche zu

Arbeitswoche. Die erste Woche zeigt eine ganz plötzliche Steigerung von

49,2 im Mittel auf 53,7; der Brutto-Stromverbrauch springt plötzlich um

4,5 Kilowatt, in der zweiten Woche ist ein starker Rückgang, in der

dritten Woche erholt sich das wieder und in der vierten Woche ergibt

sich das Mittel. Es wird noch viel auffälliger, wenn man die einzelnen

Tage vergleicht. Die Ziffer für die erste halbe Woche zeigt eine

Steigerung von 49,2 auf 55,7 Kilowattstunden, um beinahe 15 Proz. des

früheren Stromverbrauches, und im Verhältnis von 100:124; die nächsten

Tage geht es zurück. Als ich diese Ziffer zuerst sah, bin ich

erschrocken bei dem Gedanken, was wäre passiert, wenn wir erst ein Jahr

später die Verkürzung der Arbeitszeit eingeführt hätten, dann wäre

uns[40] am ersten Tage der Drehstromdynamo entzwei gebrannt, also eine

ganz schwere Betriebsstörung eingetreten, und niemand hätte erraten

können, woher das rührt.

Ich rate keinem, unter ähnlichen Umständen bei starkem Betriebe, wenn

seine Motoren überlastet sind, eine Verkürzung der Arbeitszeit

einzuführen, sonst kann es ihm passieren, daß sie in die Luft fliegen.

Man sieht, die Leute mit Maschinenarbeit haben einen ganz kolossalen

Anlauf genommen, haben sich und ihre Maschinen auf das unglaublichste

strapaziert, sie haben eine große Mehrsteigerung über die

Durchschnittszahl hinaus herbeigeführt. Aber das haben sie nicht lange

aushalten können, denn in der zweiten Woche ist ein starker Rückgang

eingetreten, und erst in der dritten und vierten Woche hat sich das

wieder erholt und die Arbeit ist gleichmäßig geworden.

Man wird sagen, neue Besen kehren gut; aber ich habe dem hinzuzufügen,

der neue Besen hat nur in der ersten Woche gut gekehrt, in der zweiten

schlecht, und erst in der dritten und vierten Woche, als es kein neuer

Besen mehr war, kehrte er wieder normal.

Ich ziehe aus dieser Beobachtungsreihe den Schluß, daß der Abfall in der

zweiten Woche die Reaktion des ungebührlich starken Anlaufs gewesen ist,

daß die Leute mit außerordentlichem Eifer versucht haben, ja keinen

Arbeitsausfall eintreten zu lassen.

* * * * *

Die andere Frage: wie steht es denn mit der Wirkung der zweifellos

vorhandenen Steigerung der Intensität auf die Person -- hat sie eine

Mehrstrapaze herbeigeführt oder nicht -- ist ganz konnex mit derjenigen,

welche Triebfedern nötig gewesen sind, diese Steigerung herbeizuführen,

ob bewußter Wille, ob das Sichantreiben, oder was sonst.

Die Antwort auf diese Frage läßt sich natürlich nicht ziffernmäßig

geben. Eine Wirkung der Überanstrengung könnte ja erst nach vielen

Jahren objektiv in die Erscheinung treten. Immerhin ist es möglich

gewesen, auf Grund der subjektiven Wahrnehmung vieler Personen mit

Sicherheit festzustellen, daß eine besondere Anstrengung, abgesehen von

den ersten Tagen, _nicht_ stattgefunden hat, daß vielmehr die

Akkommodation an ein rascheres Tempo der Arbeit, die tatsächlich

stattgefunden haben muß, bei Akkord- und Zeitlohnarbeitern sich nach

ganz kurzer Zeit gewohnheitsmäßig vollzogen hat.

Die Leute haben sich, wie mir ganz bestimmt gesagt worden ist, nach ganz

kurzer Zeit gewöhnt, etwas rascher zu arbeiten, und sich gar nicht mehr

anzutreiben brauchen, und viele sind wirklich, wie man zu sagen pflegt,

fleißiger geworden. Vielen ist das so unbewußt geworden, daß sie mir

bestritten haben, daß sie mehr gearbeitet hätten und ich es ihnen erst

beweisen mußte.

Ich habe, um Auskunft zu erhalten, gleich nachdem einige Wochen nach

Einführung der Verkürzung der Arbeitszeit verlaufen waren, Gelegenheit

genommen, alle mir bekannten älteren Leute, gelegentlich wenn ich sie

traf, ganz unauffällig über die verschiedenen Fragen zu interpellieren:

nun was meinen Sie, was diese Änderung für einen Erfolg haben wird?

meinen Sie, daß Sie den Ausfall der Zeit nachholen, daß Sie dabei eine

Mehranstrengung haben, daß die Arbeit aufreibender wird? finden Sie, daß

Ihnen die letzte halbe Stunde jetzt schwerer wird, wie früher bei neun

Stunden?

Das Endresultat aus allen diesen Antworten ist, daß keiner auch nur

gesagt hat, daß die letzte Stunde ihm schwerer falle, außer im Hinblick

auf die ersten Tage. Alle haben gesagt, nach einiger Zeit sei ihnen die

Arbeit in der letzten Stunde auch nicht schwerer gefallen, nur daß sie

natürlich nicht so frisch wie am Morgen seien; aber es sei immer noch

erträglich. Viele sagten direkt, sie hätten gar nicht nötig gehabt, sich

zusammenzunehmen; es wäre ganz von selbst gegangen. Die meisten meinten,

in den ersten Tagen hätten sie sich zusammennehmen müssen, dann aber

seien sie das gewohnt geworden; sie brauchten gar nicht mehr daran zu

denken.

Sehr charakteristisch waren einige Äußerungen von Akkordarbeitern, die

noch nicht Gelegenheit gehabt hatten, aus ihren Lohnbüchern den Effekt

zu sehen; sie sagten: Ja, in den ersten Tagen haben wir uns sehr bemüht

mehr zu leisten, wir haben uns außerordentlich angestrengt, wir haben

uns den ganzen Tag angetrieben, wir haben sicher in der ersten Zeit viel

mehr gemacht, wir werden in dieser Zeit in 8 Stunden dasselbe geleistet

haben, als früher in 9 Stunden; aber das haben wir nicht aushalten

können, das kann auf die Dauer niemand aushalten, das hat uns die ganze

Arbeit verekelt; dann haben wir das sein lassen und arbeiten nun so

fleißig wie früher, fleißiger können wir nicht. Wenn wir jetzt nur 8

Stunden arbeiten, dann können wir eben nur weniger liefern, und am Ende

des Jahres muß das die Firma merken; wenn andere meinen, sie könnten das

ausgleichen, dann täuschen sie sich. Es waren das also Leute, die direkt

sagten, sie betrachteten den ganzen Versuch, in der kürzeren Zeit

dasselbe zu leisten, als mißlungen, weil sie an sich bemerkt hätten, daß

sie das nicht lange aushalten könnten.

Diese Äußerungen hatten mich stutzig gemacht, ich war etwas verblüfft;

in der Aufstellung über den Nutzeffekt der Maschinen haben wir nun den

Schlüssel zum Verständnis dieser Äußerungen. In der Tat haben sich die

Leute zuerst ganz gewaltig angetrieben und sind über das Ziel

_hinausgeschossen_. Das haben sie nicht dauernd fortsetzen können, sie

haben an sich gemerkt, daß sie nachlassen müßten. Sie ließen nach ihrer

Meinung nach in dem Bemühen, das Ziel zu _erreichen_, während sie in dem

Bemühen nachgelassen haben, das nämliche Ziel zu _überschießen_.

Einer sagte mir, dieses Antreiben hat uns die ganze Arbeit »verekelt«;

die Schaltbrettablesung zeigt diese »verekelte« Woche. Alles das weist

darauf hin, daß vielen Leuten die tatsächlich dauernd hergestellte

Beschleunigung des Arbeitstempos so unbewußt geblieben ist, daß sie

überhaupt nicht daran geglaubt haben, daß sie meinten, sie arbeiteten

genau so wie früher.

Diese Wahrnehmung, daß diese Anpassung sich automatisch vollzieht,

unbewußt, ohne Willen des einzelnen, findet eine ganz eklatante

Bestätigung in einer anderen Wahrnehmung und namentlich noch in einer

Tatsache, die die Beobachtungen in England ergeben haben.

Schon seit längerer Zeit hat sich gerade bei den Einsichtigeren aus dem

Kreise unserer Werkmeister die Meinung eingebürgert, daß, wenn

zeitweilig die Arbeit drängte und Überstunden eingelegt, die 9 Stunden

zeitweilig auf 10 verlängert wurden, man nur ganz kurze Zeit einen

Erfolg habe -- vielleicht 14 Tage, nicht länger; darüber hinaus fleckt

es nicht mehr, obwohl die Leute diese Überstunden mit 25 Proz. [Zuschuß]

bezahlt bekommen. Nach kurzer Zeit werden die Leute verdrossen und

borstig und machen den Werkmeistern das Leben noch schwerer, als sie es

sonst schon zu tun gewohnt sind.

Ich habe an der Richtigkeit dieser Meinung gezweifelt und mich einmal

verleiten lassen, selbst einen Versuch zu machen, und bin kläglich

abgefallen. Ich habe den Versuch gemacht, wo die Leute mir direkt den

Gefallen tun wollten, und es mir versprochen hatten, denn es wäre ihnen

sehr erwünscht, wenn sie vor Weihnachten -- es war im November -- noch

eine kleine Extraeinnahme hätten. Jedoch schon nach einer Woche ging die

Leistung zurück, in der dritten und vierten Woche war sie faktisch Null

geworden.

Es ist also nicht möglich, selbst bei gutem Willen und Sichantreiben,

länger als eine kurze Zeit die Arbeitsleistung über das Tagewerk hinaus

zu steigern.

Ich freue mich, dasselbe konstatiert zu sehen in dem amtlichen Bericht

des Gewerbeaufsichtsbeamten der Provinz Brandenburg für 1900. Nach

Angabe eines Fabrikanten hat dieser die Erfahrung gemacht, daß, wenn man

versucht hat, zeitweilig wegen dringender Arbeit die Leute wieder einmal

9 Stunden arbeiten zu lassen, das nur etwa 14 Tage lang Erfolg habe;

dann gehe die Leistung nach und nach zurück. Das sind dieselben 14 Tage,

die wir beobachtet haben.

Ich schließe daraus, welche Bedeutung guter Wille und das Sichantreiben

haben: wenn guter Wille und Motive des eigenen Interesses nicht _fähig_

sind, bei der Verlängerung der täglichen Arbeitsdauer auf längere Zeit

hin eine Mehrleistung zu erzielen, so ist guter Wille auch nicht

_erforderlich_, um bei Verkürzung der Arbeitszeit eine Minderleistung zu

verhindern. Wenn sie wirklich verhindert wird, so ist das nicht durch

guten Willen und nicht durch solche Antriebe, wie sie beispielsweise in

der Akkordarbeit gegeben sind.

Das wird nun noch bestätigt durch eine besondere Erfahrung, die man in

England gemacht hat, nämlich in den Regierungswerkstätten im

Woolwich-Arsenal. Die Leute arbeiten dort nur in Zeitlohn, und die

Erfahrung hat gezeigt, daß die Verkürzung der Arbeitszeit von neun auf

acht Stunden keinen Arbeitsausfall gebracht hat, sie leisten dasselbe

Maß von Arbeit wie früher auch nachher.

Nun muß man daran denken, daß diese Leute in England, die gehobenen

Arbeitsgebieten, wie Maschinenbau, Schiffsbau, Metallbearbeitung,

angehören, alle unter der Direktion der Trade-Unions und ganz in deren

Ideenkreis stehen, und daß zu diesem Ideenkreis vor 10 Jahren ganz

vorwiegend der Gedanke gehörte, Verkürzung der Arbeitszeit muß _Platz

schaffen für Arbeitslose_, muß die Reservearmee vermindern, muß den

Unternehmer zwingen, für dieselbe Arbeit mehr Leute einzustellen. Die

Leute in diesen Branchen haben nun zum voraus nicht eine besondere

Ambition gehabt, dem englischen Staatsfiskus durch vermehrte Arbeit

diese Stunde wieder zurückzugeben, sie haben keinen positiven Antrieb

gehabt, und sie haben es ganz sicher als gegen ihr Standesinteresse

angesehen, wenn sie auch nur den Versuch machen wollten, durch

intensivere Arbeit etwas nachzuholen. Dennoch ist der Fall eingetreten,

daß sie nolens volens fleißiger geworden sind.

Ich betrachte damit die Frage als endgültig erledigt, daß es gar keiner

Motive bedarf, gar keines guten Willens, keiner Motive des Interesses,

um diese Anpassung der Arbeitsgeschwindigkeit an die Arbeitszeit

herbeizuführen, daß sie sich vielmehr automatisch herstellt, sogar da,

wo gewissermaßen ein böser Wille anzunehmen ist.

Wie ist das nun zu erklären, daß eine solche automatische Anpassung

unbewußt zustande kommt? Wie diese scheinbar paradoxe Tatsache

verständlich zu machen ist, die bei uns zutage getreten ist und sogar

eine Steigerung des Tagewerks veranlaßt hat, das muß ich auf den

nächsten Vortrag verschieben.

Gesammelte Abhandlungen III Vorträge, Reden und Schriften sozialpolitischen und verwandten Inhalts · 第 33 / 54 题