Anmerkungen zur Transkription
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter
Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter
Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so
dargestellt=.
Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
Buches.
Landesverein Sächsischer
Heimatschutz
Dresden
Mitteilungen
Heft
1 bis 2
Monatsschrift für Heimatschutz, Volkskunde und Denkmalpflege
Band XIII
_Inhalt_: Die sächsische Pflanzenschutzverordnung vom 23. Mai
1923 – Das Seifersdorfer Tal und der Garten zu Machern –
Das Bautzener Corvinusdenkmal in Gefahr – Oschatz – Aus der
Tätigkeit des Landesamtes für Denkmalpflege – Die Eibe auf dem
Löbauer Berg – Zur Geschichte der Starmeste
Einzelpreis dieses Heftes 2 Goldmark
Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24
Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835
Stadtgirokasse Dresden 610
Bankkonto: Commerz- und Privatbank,
Abteilung Pirnaischer Platz, Dresden
Bassenge & Fritzsche, Dresden
Dresden 1924
An unsere werten Mitglieder!
Wir übermitteln anbei die ersten beiden Nummern unserer diesjährigen
Mitteilungen in einem Heft. Unsere Mitglieder werden daraus ersehen,
daß wir wieder zu der besten Friedensausstattung übergegangen sind,
damit die vielen Bilder, die wir immer bringen, in der einwandfreiesten
Wiedergabe erscheinen. Wir entsprechen somit den vielen Wünschen, die
dieserhalb an uns ergangen sind; wir bedauern nur, daß dieses Heft
solange hinausgeschoben werden mußte.
In der Inflationszeit des vergangenen Jahres war es nicht möglich, die
zahlreichen photographischen Aufnahmen, die zu unseren Heften besonders
angefertigt werden, zu machen, und in diesem Jahre setzte das Frühjahr
so spät ein, daß es erst jetzt möglich ist, die Hefte herauszubringen.
Die beiden nächsten Hefte (3/4, 5/6) behandeln mit je 64 Seiten die
Lößnitz und das östliche Erzgebirge und sind bereits im Druck. Sie
werden kurz nach diesem Hefte erscheinen.
Wir werden, wie wir bereits in dem letzten Hefte des vergangenen
Jahres ankündigten, in diesem Jahre 12 Nummern unserer Mitteilungen in
6 Heften mit 400 Seiten und ungefähr 250 Abbildungen herausbringen.
Im nächsten Jahre hoffen wir zum monatlichen Erscheinen der Hefte
überzugehen, sofern uns unsere Mitglieder, wie bisher, die Treue halten
und uns tatkräftigst unterstützen.
Diesem Hefte fügen wir 1 Anmeldeliste bei und bitten, für unseren
Verein neue Mitglieder zu werben. Bedenke ein jeder, daß, wenn er
nur 1 Mitglied uns zuführt, sich die Mitgliederzahl unseres Vereins
verdoppelt, d. h. von 30000 auf 60000 ansteigen würde.
Die Genugtuung, eine Bewegung zu unterstützen, die dem Schönsten und
Erhabensten gilt, unserer Heimat, sollte allein alle Freunde des
sächsischen Volkes, alle Freunde der sächsischen Heimat – und wer ist
das nicht – veranlassen, unserem Verein beizutreten und teilzunehmen
an unseren Vorträgen, an alledem, was wir veranstalten, um den großen
Schatz, den wir besitzen, unsere Heimat und ihre Schönheiten in Natur,
Kultur und Kunst weiterhin zu erhalten, zu schützen und zu pflegen.
Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt 1.– M.; er kann aber
stillschweigend bis auf 50 Pfg. bei den vielen, die heute nicht in
der Lage sind, diese Summe aufzubringen, ermäßigt werden. Es bedarf
dieserhalb keiner Rückäußerung und keiner Rückfrage, doch wünschen
wir, daß alle die, die dazu in der Lage sind, uns monatlich 1.– M.
zu spenden, dies tun, damit unsere Bewegung weiter fortschreiten
kann, damit sich unsere Arbeiten weiter ausdehnen können auf die
Erhaltung von so vielen gefährdeten Bau-, Kultur- und Naturdenkmälern.
Vergessen wir nicht, daß viele Erhaltungsmaßnahmen, die bisher durch
den Staat bezahlt werden konnten, heute den großen gemeinnützigen
kulturellen Verbänden überlassen bleiben müssen, da der Staat lange
Zeit nicht mehr in der Lage sein wird, so wie früher, alle die Aufgaben
unterstützend zu fördern, die wir unter dem Namen Bau-, Denkmal- und
Naturdenkmalpflege zusammenfassen.
Wir bitten, bei Erhalt dieses Heftes uns, wenn irgend möglich, soweit
dies noch nicht geschehen ist, den monatlichen Beitrag für einige
Monate auf unser Postscheckkonto Dresden 15835 zu überweisen und im
Sinne dieser Zeilen für uns, für die sächsische Heimat, zu wirken.
Für alle Unterstützung, die uns geboten wird, für alle Liebe, die uns
zuteil wird, sagen wir im voraus heißen, herzlichen Dank.
Mit deutschem Gruß
=Landesverein Sächsischer Heimatschutz=
_O. Seyffert_, _Michael_,
Hofrat Professor Oberregierungsrat
Band XIII, Heft 1/2 1924
[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Dresden]
Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern
herausgegeben
Abgeschlossen am 31. Januar 1924
Die Sächsische Pflanzenschutzverordnung
vom 23. Mai 1923
Pflanzenschutz.
§ 1. Die in der Anlage bezeichneten Pflanzenarten werden geschützt. Der
Schutz erstreckt sich auf das ganze Jahr.
§ 2. Es ist verboten, die geschützten Pflanzen zu entfernen oder zu
beschädigen, insbesondere sie auszugraben, auszureißen, abzupflücken
oder abzuschneiden. Dieses Verbot hat keine Geltung gegenüber dem
Nutzungsberechtigten.
§ 3. Verboten ist ferner das Feilhalten, der Verkauf und die sonstige
Veräußerung sowie der Ankauf der geschützten Pflanzen, soweit es sich
nicht um Erzeugnisse des Gartenbaues handelt.
§ 4. Wer geschützte Pflanzen, die im Garten gezogen worden sind,
feilhält oder verkauft, muß im Besitz eines schriftlichen Ausweises der
Ortspolizeibehörde über den Erwerb sein. Der Ausweis hat auch die Zeit
des Erwerbes anzugeben.
§ 5. Übertretungen dieser Vorschriften werden mit Geldstrafe bis zu
dreißigtausend Mark[1] oder mit Haft bestraft. (Min. Vo. v. 23. 5. 1923
– 102 ~I C~ –, Sächs. Staatsztg. v. 25. 5. 1923 Beil. zu Nr. 119.)
[1] An deren Stelle tritt Geldstrafe bis zu 150 Goldmark nach
§ 27, Absatz 2, Ziffer 2 des Strafgesetzbuchs in der
Fassung der Verordnung über Vermögensstrafen vom 6. Februar
1924 (RGBl. I, S. 44).
Anlage.
1. Türkenbund, ~Lilium martagon~.
2. Märzenbecher, Märzglöckchen, ~Leucojum vernum~.
3. Wiesenschwertlilie, ~Iris sibirica~.
4. Alle Knabenkräuter, Orchengewächse, ~Orchidaceae~.
5. Pfingstnelke, ~Dianthus caesius~.
6. Weiße Teichrose, ~Nymphaea alba~.
7. Trollblume, ~Trollius europaeus~.
8. Kuhschelle (Osterblume und Wiesenschelle), ~Pulsatilla vulgaris~
und ~pratensis~.
9. Leberblümchen, ~Hepatica triloba~.
10. Silberblatt, ~Lunaria rediviva~.
11. Sumpfporst, ~Ledum palustre~.
12. Schneeheide, ~Erica carnea~.
13. Wohlriechendes Primel (Himmelschlüssel), ~Primula officinalis~.
14. Alle Enzianarten, ~Gentiana~.
15. Kellerhals, Seidelbast, ~Daphne Mezereum~.
16. Kuglige Rapunzel, ~Phyteuma orbiculare~.
17. Alpenlattich, ~Mulgedium alpinum~.
18. Bergwohlverleih, ~Arnica montana~.
Mit dieser Verordnung ist dankenswerterweise einem Antrag unsres
Vereins entsprochen worden. Sie bedeutet für unsre Heimatschutzbewegung
einen Fortschritt, der gewiß von allen, die der Heimat mit treuer
Liebe zugetan sind, mit Freuden begrüßt wird. Freilich, die Auswahl
der Pflanzen, auf die sich der Schutz erstreckt, wird schwerlich die
uneingeschränkte Billigung aller Beurteiler finden. Manche Pflanze
wird man vermissen, manche möchte man vielleicht aus dem Verzeichnis
gestrichen sehen. Das Urteil des Einzelnen über die Schutzbedürftigkeit
wird eben bestimmt durch seine besondere Kenntnis der Pflanzenwelt,
durch die in seinem innern Verhältnis zur Natur begründete Vorliebe
für einzelne Gewächse und durch seine besonderen Beobachtungen und
Erfahrungen auf dem Gebiete des Pflanzenschutzes. Aber alle werden
doch darin einer Meinung sein, daß uns mit der Verordnung ein neues
wirksames Mittel zur Ausübung des Pflanzenschutzes gegeben ist.
Die Abteilung für Naturschutz, deren Vorschläge vom Ministerium des
Innern angenommen worden sind, hätte gern den Kreis der zu schützenden
Pflanzen weiter gezogen, hat aber doch die vom Ministerium dagegen
geltend gemachten Bedenken als begründet anerkennen müssen. Innerhalb
der Grenzen, die ihr somit gesteckt waren, hat sie sich bemüht, die
Auswahl unter Berücksichtigung aller Pflanzengebiete des Landes so
zu treffen, daß solche Pflanzen unter Schutz gestellt werden, die
als Naturdenkmäler oder aus Gründen der Erhaltung landschaftlicher
Schönheit geschont werden müssen und die andrerseits wegen auffallender
Farben und Formen in besonderm Maße der Gefahr ausgesetzt sind,
ausgerottet oder in ihrem Bestande geschwächt oder aus Bezirken ihres
Verbreitungsgebiets verdrängt zu werden.
Es könnte auffallen, daß sich unter den geschützten Pflanzen
zwei Stauden befinden, die in reichen, prächtigen Beständen eine
Hauptzierde der Matten und Triften des Gebirges bilden und sich
dort voraussichtlich auch behaupten werden: Trollblume und Arnika.
Wer es aber mit angesehen hat, wie eine gewisse Art von Ausflüglern
plündernd gerade in diese Bestände eingreift und dabei auch sonst noch
Verwüstungen anrichtet, wird beiden Pflanzen ein Recht auf Schutz gern
zugestehen.
Manche von den aufgeführten Gewächsen sind – wenn auch in weit
voneinander getrennten Standorten – über das ganze Land hin
verbreitet. So das Geschlecht der Enziane. Es hat im Lungenenzian einen
Vertreter, der mit seinen tiefblauen Blütenkelchen, oft in schöner
Zusammenstimmung mit den rosafarbenen Blütentrauben der Moorheide,
moorigen Flächen des nordöstlichen Tieflands zum Schmucke dient, ist
aber auch auf Wiesenhängen an Basaltbergen auf dem Kamme des Gebirges
vertreten, wo sich der bescheiden auftretende stumpfblättrige Enzian
unter die bunte Gesellschaft der Bergkräuter mischt. Hier entfalten
auch noch mannigfache Arten des Knabenkrautes, das in manchen Gegenden,
wo es ehedem eine häufige Erscheinung bildete, schon ganz aus dem
farbigen Teppich der Wiesen getilgt ist, den vollen Reiz ihrer
zierlichen Blütenstände. Die Verbreitungsgebiete des Leberblümchens,
der Kuhschellen und des Märzbechers haben im Laufe der Zeit starke
Einbuße erlitten; der Seidelbast, der als kleines Blütenwunder im
noch unbelaubten Frühlingswalde die Augen auf sich lenkt, wird immer
seltener; der Türkenbund, neben der Feuerlilie der stolzeste Vertreter
unter den wildwachsenden Liliengewächsen des Landes, fehlt an vielen
Stellen, wo er noch vor einigen Jahrzehnten anzutreffen war. Die weiße
Teichrose fällt hie und da der Ausbeutung für Zwecke der Kranzbinderei
zum Opfer. Andre Pflanzen haben sich nur auf wenigen, räumlich
beschränkten Standorten behaupten können und sind schon deshalb in
besonderm Maße schutzbedürftig. Das Vorkommen der Schneeheide ist auf
wenige Stellen im südwestlichen Vogtland beschränkt, die »Alpenrose
der Sächsischen Schweiz«, der Sumpfporst, kommt außerhalb des
Sandsteingebirges nur noch selten vor, das ausdauernde Silberblatt
siedelt hie und da noch in feuchten Wäldern des mittleren Berglandes,
der stattliche Alpenlattich ist ein nicht häufiger Bewohner des oberen
Berglands, die Wiesenschwertlilie mit ihren schöngeformten hellblauen,
violett geäderten Blüten hat nur wenig Standorte, die kuglige Rapunzel
hat sich noch auf trocknen Wiesen des östlichen Erzgebirges und des
nordwestlichen Tieflands gehalten.
Die Durchführung der Schutzverordnung erfordert aber die tätige
Mithilfe aller Naturfreunde. An unsre Vereinsmitglieder ergeht deshalb
die herzliche und dringende Bitte, ihre Mitwirkung nicht zu versagen.
Eine dankbare Rolle ist es ja nicht, den freiwilligen Naturschutzmann
zu spielen. Mancher kann ein Lied von den Freuden und Annehmlichkeiten
einer Betätigung im Dienste des Naturschutzes singen. Aber künftig
darf man sich auf die Schutzverordnung berufen, und damit läßt sich
schon eher etwas ausrichten gegenüber Naturfrevlern. Hierbei sei des
beachtenswerten Vorschlags gedacht, freiwillige Helfer mit Ausweisen
oder mit Abzeichen zu versehen, die sie als Beauftragte des Vereins
kenntlich machen. Auch die Bildung von Pflegschaften wäre zu erwägen,
die Pflanzenstandorte im Wechseldienst überwachen. Vielleicht regen
diese Hinweise dazu an, weitere Vorschläge zur Durchführung der
Verordnung bekanntzugeben.
Vor allem aber ist es Aufgabe der Erziehungsgemeinschaften jeder Art
und der Wandervereinigungen Jugendlicher, den Pflanzenschutz in ihren
Arbeitsplan aufzunehmen. Ist doch die Erziehung zur Pflichterfüllung
gegenüber der Naturwesen ein wichtiges Stück der Erziehung überhaupt,
eine Aufgabe, deren Vernachlässigung nicht ohne nachteilige Folgen für
die Gemütsbildung bleiben kann. Darum: Jede Schule ein Mittelpunkt für
den Pflanzenschutz im Heimatbezirk! Jede Wandervereinigung Jugendlicher
eine Naturschutztruppe!
Und nicht zuletzt wird es eine Aufgabe der Zeitungen und der
Zeitschriften sein, die Behörde bei der Durchführung des
Pflanzenschutzes zu unterstützen. Sie haben bisher schon ihre
Pflicht redlich erfüllt. Nun aber muß dafür gesorgt werden, daß die
Schutzverordnung allgemein bekannt und auch im Gedächtnis behalten
wird. Jahraus, jahrein muß namentlich in den Zeiten, wo die geschützten
Pflanzen in Blüte stehen, nachdrücklich auf sie hingewiesen werden.
Den Provinzblättern fällt die besondere Aufgabe zu, sich der Pflanzen
anzunehmen, die für ihren Leserkreis in Frage kommen.
Zu den Voraussetzungen für die Durchführung der Schutzverordnung
gehört nun freilich auch die Herstellung und die Verbreitung von
Tafeln mit guten farbigen Abbildungen der geschützten Pflanzen.
Die oft ausgesprochene Befürchtung, die Tafeln könnten geradezu
als Anreiz zum Sammeln der geschützten Pflanzen dienen, halten wir
für nicht begründet. Allerdings müssen die Tafeln mehr bieten als
Pflanzenbilder und Pflanzennamen, ein Hinweis auf die Strafbestimmungen
der Schutzverordnung und ein kräftiger Aufruf zum Pflanzenschutz darf
darauf nicht fehlen.
Man hätte jedoch nicht viel gewonnen, wenn nun die nicht unter Schutz
gestellten Pflanzen schutzlos Verwüstungen preisgegeben wären. Schutz
der gesamten Pflanzenwelt, soweit sie nach den Grundsätzen des
Heimatschutzes schutzbedürftig ist, bleibt ein Hauptarbeitsfeld unsrer
Naturschutzbestrebungen. Die Schutzverordnung leistet dabei wertvollen
Dienst, weil sie den Gedanken des Pflanzenschutzes überhaupt einmal
in wirksamer Weise gegenüber der Allgemeinheit zur Geltung bringt.
Insofern reicht ihre Bedeutung über den unmittelbaren praktischen Wert
hinaus. Aber – das sei nochmals gesagt – die Hauptarbeit muß auf
dem Felde der Erziehung geleistet werden, das Wort im weitesten Sinne
genommen. Hier sind noch große Aufgaben zu lösen. »Noch viel Verdienst
ist da. Auf, habt es nur!«
_J. G. Sieber._
_Anmerkung_: Die geschützten Pflanzen sind in bunten
Abbildungen, die die Firma Nenke & Ostermaier, Dresden-A.,
anfertigte, in diesem Hefte zerstreut. Die Bilder selbst können
in ganzen Bogen, die aufgezogen werden können, durch uns
bezogen werden. (Kaufpreis aller achtzehn Bilder fünf Mark.)
Im Freistaat Sachsen durch landesbehördliche Verordnung geschützte
Pflanzen
[Illustration: 1. =Türkenbund= (~Lilium martagon~)]
[Illustration: 2. =Märzenbecher, Märzglöckchen= (~Leucojum vernum~)]
[Illustration: 3. =Wiesenschwertlilie= (~Iris sibirica~)]
[Illustration: 4. =Knabenkräuter=: Nacktständel (~Gymnadenia conopsea~)
Kugelorche (~Orchis globosa~) Eiblättriges Zweiblatt (~Listera ovata~)]
[Illustration: 5. =Pfingstnelke= (~Dianthus caesius~)]
[Illustration: 6. =Weiße Teichrose= (~Nymphaea alba~)]
[Illustration: 7. =Trollblume= (~Trollius europaeus~)]
[Illustration: 8. =Wiesen-Kuhschelle= (~Pulsatilla pratensis~)]
[Illustration: 9. =Leberblümchen= (~Hepatica triloba~)]
[Illustration: 10. =Silberblatt= (~Lunaria rediviva~)]
[Illustration: 11. =Sumpfporst= (~Ledum palustre~)]
[Illustration: 12. =Schneeheide= (~Erica carnea~)]
[Illustration: 13. =Wohlriechendes Primel, Himmelschlüssel= (~Primula
officinalis~)]
[Illustration: 14. =Stumpfblättriger Enzian= (~Gentiana obtusifolia~)]
[Illustration: 15. =Kellerhals, Seidelbast= (~Daphne Mezereum~)]
[Illustration: 16. =Kuglige Rapunzel= (~Phyteuma orbiculare~)]
[Illustration: 17. =Alpenlattich= (~Mulgedium alpinum~)]
[Illustration: 18. =Bergwohlverleih= (~Arnica montana~)]
Das Seifersdorfer Tal und der Garten zu Machern
Zwei Beispiele aus Sachsens Gartengeschichte zur Zeit der
Sentimentalität und Romantik
Von ~Dr.~-Ing. _Hugo Koch_
Erklärung
1. Tugendstein
2. Tempel dem Andenken guter Menschen
3. Aussichtspunkte
4. Urne mit dem Schmetterling (Ahnung künftiger Bestimmung)
5. Linde der Ruhe
6. Sessel der Freundschaft
7. Ruine der Vergänglichkeit
8. Altar der Wahrheit
9. Lorenzos Grab
10. Betstuhl des Einsiedlers
11. Lorenzos Hütte
12. Pilz mit Strohdach
13. Vergessenheit und Sorgen
14. Musentempel
15. Hermannseiche
16. Lauras Denkmal
17. Petrarca-Hütte
18. Prinz Leopold von Braunschweig (Sarkophag)
19. Denkmal der Herzogin Amalie von Weimar
20. Schlußstein
21. Obelisk
22. Denkmal des Vaters der Gräfin
23. Denkmal der »Altdeutschen Freundschaft«
24. Tanzsaal
Tempel der ländlichen Feste
Tempel der ländlichen Freuden
Waldwiese
Die lachende Wiese
25. Denkstein
26. Gastfreundschaft
27. Denkmal des jungen Grafen
28. Denkstein für Naumann, Sänger des Tales
29. Jägerhaus
30. Wohltätigkeits-Tempel
31. Pythagoras-Hütte
32. Bergquell (Schöpfe schweigend)
33. Schlucht
34. Herder-Denkmal
35. Denkmal des Premierministers von Brühl
36. Denkmal der Pflegerin des Tales
37. Aussichtspunkt (Sonnenuntergang)
38. Aussichtspunkt
39. Amor-Denkmal
40. Dorestan-Denkmal
41. Hütte der Hirtin der Alpen
42. Bad
43. Ach wie schön
44. Jan-Büste
[Illustration: Abb. 1 =Lageplan des Seifersdorfer Tales=]
Der landschaftliche Garten kam über den Kanal zu uns herüber – daher
der Name: englischer Gartenstil. Schon früh empfand der Engländer den
Zwang der Etikette, die der französische Garten entwickelt hatte. Der
höfische Prunk, die ganze durch Ludwig XIV. zur Herrschaft gekommene
Gesellschaftsform sagte ihm wenig zu. So kam es, daß der französische
Garten schon früh Gegner fand. Bereits 1624, noch bevor der Gartenstil
eines Lenôtre zur Entfaltung kam, begann Francis Bacon in seiner
Schrift: »~Essay on the gardens~« die geschnittenen Hecken und
Figuren, die Wasserkünste und Wasserarchitekturen des altfranzösischen
Gartens zu verwerfen. Nach ihm trat Sir William Temple gegen den
herrschenden Geschmack unmittelbar auf. Miltons »Verlorenes Paradies«
wirkte aufklärend. Der Graf von Shaftesbury brachte dem Begriff der
künstlerischen Wahrheit eine neue Vertiefung. Eine wirkliche Kritik des
französischen Gartens vom Standpunkt der Naturliebe aus begann Anfang
des achtzehnten Jahrhunderts. Pope, der Dichter, und Addison, der
Philosoph, wirkten durch Schriften. Mit dem ihm zur Verfügung stehenden
witzigen Spott überschüttet Pope zunächst die »Gartenschneider«. In
einem Katalog eines Gärtners preist er an: »Adam und Eva in Taxus,
Adam ein wenig beschädigt durch den Fall des Baumes der Erkenntnis im
letzten großen Sturm; Eva und die Schlange, kraftvoll wachsend; St.
Georg in Buchs, sein Arm noch kaum lang genug, doch wird er im nächsten
April in der Verfassung sein, den Drachen zu töten; ein grüner Drache
aus gleichem Material, einstweilen mit einem Schwanz aus kriechendem
Efeu (~NB.~ Diese beiden können nur zusammen verkauft werden).
Verschiedene hervorragende Dichter in Lorbeer, etwas ausgeglichen,
können für einen Heller losgeschlagen werden. Eine Sau von frischem
Grün, die aber zu einem Stachelschwein aufgeschossen ist, da sie letzte
Woche in regnerischem Wetter vergessen war u. a. m.«
Die Anregungen der Dichter und Philosophen setzte in die Tat um William
Kent (gestorben 1748), Landschaftsmaler, Baumeister und Gartenkünstler
zugleich. Er wollte im Garten die Natur natürlich, doch nicht als
Naturausschnitt, sondern als verdichtetes Gesamtbild der englischen
Landschaft wiedergeben mit dem Grundsatz: »Die Natur verabscheut die
gerade Linie.« Die große Ausdehnung seiner Parkschöpfungen kam ihm
dabei zustatten. Immerhin bedurfte er zur Verstärkung der Stimmungen
seiner Naturbilder menschliche Werke, Tempel und Einsiedeleien. Die
Tempel wurden zunächst dem Geisteszug der Zeit folgend in antiken
Formen erbaut, die Einsiedeleien möglichst natürlich und primitiv.
Seine Nachfolger kamen, da dem Garten ein rechtes Gesellschaftsprogramm
fehlte, bald zur Handwerksmanier, bis der Architekt William Chambers
dem Garten eine neue Richtung gab, indem er auf die Stimmungsszenerien
des chinesischen Gartens hinwies. Er erzielte damit weniger in England
als vielmehr im übrigen Europa – vor allem in Deutschland – eine
überraschende Wirkung.
Man hatte bei uns – in Sonderheit auch in Sachsen – von jeher der
chinesischen Kunst – vor allem dem Porzellan – eine große Vorliebe
entgegengebracht. Die Kunst des chinesischen Gartens sah man in der
Schaffung von vielen kleinen kontrastreichen Bildern, welche durch
einen malerisch gedachten, an sich zwecklosen Bau ihre Bedeutung
erhielten. Das hatte viel Verwandtes mit dem Garten, wie ihn die
Rokokozeit entwickelt hatte, in welchem gleichfalls die Sucht nach
dem Wechsel, das System der Gegensätze, das Entscheidende wurde, nur
daß hier die zahlreichen Einzelbilder, welche man für das intime
gesellschaftliche Leben bedurfte, stets nach architektonischen
Grundsätzen aufgebaut und Wechsel- und Gegensatzwirkungen durch
architektonische Formensprache erreicht wurden. Nunmehr sollte der
Garten nicht mehr im Gegensatz zur freien Natur stehen oder eine den
menschlichen Lebensbedürfnissen angepaßte Natur darstellen, sondern
wahre Natur. Das verwischte die Bedürfnisforderungen früherer Tage und
brachte als Ersatz die Neigung auf, den Gartenszenen Beziehung zu
sentimentalen Gedanken, zu dichterischen Stimmungen zu geben. Damit
kam man, ohne sich wohl recht Rechenschaft abzulegen, wiederum zu
idealisierter Natur. Das Ideal freilich schwankte. Zu den chinesischen
Einflüssen traten neue. Der Drang nach Naturerkenntnis war noch im
Steigen begriffen. Der Begriff der romantischen Schönheit in der
Natur begann sich zu klären. Macphersons wunderbarer Versuch, aus dem
Volkstum heraus dichterisch neu zu schaffen und schließlich Rousseaus
hinreißender Ausdruck weckten das Gefühl für das Wildromantische und
Furchtbare, für das Erhabene in der Natur. Es war jedoch nicht möglich,
die große Natur in dem verhältnismäßig kleinen Garten wiederzugeben,
geschweige denn zu höherer Wirkung zu bringen, so wendete man sich mehr
dem Äußerlichen zu und pflegte vor allem den empfindsamen Geist.
Die Sentimentalität, die Zwillingsschwester der Naturschwärmerei
fand Eingang. Nun kam das Strohdach zu Ehren, das Bauernhaus – die
Milchwirtschaft, die Einsiedelei als bescheiden gezimmerte Hütte im
dunklen Grün der Bäume, die künstliche Ruine, zumeist in gotischen
Formen, also in den Formen der alten verfallenen heimischen Bauweise,
wohl aber auch in klassischem Stil. Der Kampf der Gotik mit dem
Klassizismus, der Kampf germanischer und römischer Kunstauffassung, der
die Folgezeit erfüllte, begann im Garten sich zuerst auszusprechen.
Deutschland hat, von England beeinflußt, eine ähnliche Entwicklung
durchgemacht und Sachsen, das jederzeit in seinen Gartenschöpfungen
durch die starken Impulse, die von August dem Starken ausgegangen
waren, hervorragendes geschaffen hat, stand auch jetzt nicht zurück.
Seine politische Ohnmacht, in die es Brühls Politik geführt hatte,
die große Armut, die über das Land kam, war in manchem den neuen
Gartengedanken förderlich. Der Geist des Kleinen, Beschränkten, die
Sehnsucht nach einer besseren Welt, kurz die Sentimentalität brachte
eine Entwicklung, die ihre selbständigen Blüten getrieben hat.
Der Anreiz ging auch hier von den Dichtern und Philosophen aus. Weiße
wendet sich gegen Lenôtreschen Stil und dessen Ideale, wenn er singt:
»Der Garten ist sehr schön geschmückt,
Hier Statuen und dort Kaskaden,
Die ganze Götterzunft,
Hier Faunen, dort Najaden,
Und schöne Nymphen, die sich baden.
Und Gold vom Ganges hergeschickt,
Und Muschelwerk und güldne Vasen.
Und Porzellan auf ausgeschnittnem Rasen.
Und buntes Gitterwerk und – eines such ich nur;
Ist’s möglich, daß was fehlt?
Nichts weiter – als Natur!«
Tief wirkte der biedere Gellert mit seiner bescheidenen, in sich
gekehrten Frömmigkeit. Andere Töne schlägt Salomon Geßner an mit
seinen elegischen Hirtendichtungen. »Zu kühner Mensch,« ruft Geßner
aus, »was überwindest du dich, die Natur durch weiter nachahmende
Künste zu schmücken ... Mir gefällt die ländliche Wiese und der
verwilderte Hain.« Er war mehr Landschaftsmaler als Dichter. Zahlreiche
Kupferwerke der »idealischen wie der Naturmalerei« von Meinert,
Stieglitz, Klinsky, Veith, Günther, Darnstedt, Senft, den beiden
Wiziani und anderen erscheinen. In den Reisebeschreibungen findet die
Naturschilderung Eingang. Der Name »Sächsische Schweiz« tritt auf und
die Gründe um Dresden und im übrigen Sachsenlande finden begeisterte
Schilderer. Der Aesthetiker Sulzer spricht in seinem »Versuch einiger
moralischer Betrachtungen über die Werke der Natur« von »unserem Pope«
und weist in seiner »Allgemeinen Theorie der schönen Künste« 1778 auf
die chinesischen Vorbilder hin. In den Architekturausstellungen der
Akademie 1771/72 treten in den Entwürfen von Krubsacius und seiner
Schüler beide Gartenstile auf. Im selben Geist wirkte die Zweiganstalt
der Akademie in Leipzig unter Oeser und Dauthe. In Oeser, der mit
Winckelmann eng befreundet war, findet die Antike einen begeisterten
Anhänger – manche Denkmale in sächsischen Gärten geben davon Zeugnis.
Das bedeutsame fünfbändige Werk »Theorie der Gartenkunst« (1779
bis 1785) von dem Kieler Professor Christian Cajus Hirschfeld, ist
durchdrungen von den Ideen des neuen Stiles und dürfte in Sachsen
besondere Beachtung gefunden haben, als es zahlreiche Entwürfe zu
Gartenarchitekturen enthält von den sächsischen Künstlern: Weinlig und
Schuricht.
Der strenge klassische Geist, vermischt mit sentimentalen Empfindungen,
der Sinn für Natürlichkeit, für einfache mit Schindeln und Stroh
bedeckte Hütten und der Geist der Romantik in Gestalt einer alten
verfallenen Ritterburg spricht aus Schuricht’s Entwürfen, die er
Hirschfelds Theorie beifügte. Charakteristisch ist der plastische
Schmuck. Nun werden die Kindergenien, die man in der vorausgegangenen
Epoche Amoretten nannte, die Genien mit der Fackel, die weinenden
Grazien, die trauernden Nymphen oder Dryaden, Psyche selbst,
der Schmetterling als Psyche, endlich Blumenkränze, Festons und
Inschriften, Ausdrucksmittel der Empfindung. Sie schmücken die
verschiedenen Tempelformen und ebenso die Obelisken, Pyramiden, Säulen,
Sarkophage, die Eingang in den Garten finden zur Verschönerung und
Vertiefung der einzelnen Szenen, als Denkmale von Helden, Gelehrten und
Dichtern. Die Totenurne spielt auf einmal eine merkwürdige Rolle in der
Plastik. Wir finden sie überall in der Gartenarchitektur verwendet,
ohne daß sie irgendwie eine andre Begründung hätte, als die allgemeine
Stimmung der Zeit zum Ausdruck zu bringen.
[Illustration: Abb. 2 =Hermanns Denkmal= aus dem Seifersdorfer Tal.
(Nach Becker)]
Zur Charakteristik wollen wir aus der großen Zahl von Gartenschöpfungen
aus dieser Zeit, die alle mehr oder weniger ausführlich in meiner
»Sächsischen Gartenkunst« (Verlag Deutsche Bauzeitung, Berlin)
behandelt sind, zwei markante Beispiele herausgreifen. Das
»Seifersdorfer Tal« und den Garten zu Machern, beide noch nahezu in
altem Zustand erhalten und durch Literaturquellen uns so überliefert,
daß wir uns ein klares Bild von den Schöpfungen und vor allem auch
von dem Geist, aus dem heraus sie entstanden, schaffen können. Die
Abbildungen sind mit freundlicher Genehmigung des Verlags ebenfalls
meinem Buche entnommen.
[Illustration: Abb. 3 =Tempel der Musen mit Wielands Büste= aus dem
Seifersdorfer Tal. (Nach Becker)]
_Das Seifersdorfer Tal._ »Ich sah das Tal in einer Sommernacht. Über
dem Eingang in die Tiefe wölbten sich die Äste der hohen Buchen und
Ulmen. Das Geheimnis wohnte unter ihrem Schatten. Der Mond ging
auf; und die gemeine Welt verschwand. In der Stille leuchtete durch die
finstere Wölbung des Waldes die Erinnerung an schöne Phantasien. Ich
erstieg die Höhe, und vor mir lag jene arabische Landschaft des Ariost.
Der Morgen rief mich in das dichterische Tal zurück. Ich sah hier
Dantes Begeisterung; ich hörte Petrakas Klage, ich verstand dein Herz,
freundlicher York! Ja du wohnst hier mit deiner schönen Schwärmerei in
der Hütte zum guten Moritz, und in jener Einsiedelei an der waldigen
Bekränzung des Röderstromes.« So berichtet Hasse, in »Dresden und
die umliegende Gegend«, 1804. Mit solchem Geist der Empfindsamkeit
muß man das Tal zu durchwandern suchen, dann wird lebendig, was jene
Zeit in ihm fand und erlebte. Wir benutzen zur Charakterisierung des
Zeitgefühles die Abhandlung von W. G. Becker. Das Seifersdorfer Tal
mit vierzig Kupfern von J. A. Arnstedt, Leipzig 1792. »Hohe Schönheit
wird durch untergeordnete gehoben«, erklärt Becker, »und Kontraste
dienen ihr zum Rahmen. Dieses bewunderungswürdige Gemälde der Natur
ist nur ein Ganzes, insofern es unzählige Bilder vereinigt, die durch
unbegreifliche Anordnung des Furchtbaren und Reizenden, des Erhabenen
und Einfachen, des Lebhaften und Ruhigen untereinander verbunden,
wieder ebensoviele vollkommene Gemälde darstellen, als einzelne
Szenen im allumfassenden Ganzen.« Das Tal entstand von 1781 an unter
dem Einfluß der Gräfin Christiane (Tina) von Brühl in der Nähe des
Städtchens Radeberg »da zieht sich eine Viertelstunde vom Dorfe gegen
Süden, von Liegau nach Grünberg zu, einundeinehalbe Stunde lang ein
gefälliges Tal, durch welches die Räder (Röder) sich windet, ziemlich
bewachsene Berge, die nur hie und da, durch Mannigfaltigkeit das
Auge zu vergnügen, in nackter Blöße sich zeigen, und ihre schönen
malerischen Felspartien dem Auge zur Bewunderung darstellen, bilden,
etwas breiter, bald enger, das liebliche Tal, das grünende Wiesen zu
Teppichen hat, und Bäume und Gebüsch von mancherlei Art zu angenehmer
Verzierung und zur Beschattung des Wanderers, sowie der schleichenden
Räder und ihrer Bewohner.«
[Illustration: Abb. 4 =Lauras Denkmal= im Seifersdorfer Tal (heutiger
Zustand)]
»Den ersten Gedanken zu dieser Verschönerung gab eine feierliche Szene
häuslichen Glücks. Die Gräfin weihte darin ihrem Gemahl einen Tempel,
zu ländlichen Freuden bestimmt. Solcher Veranlassung dankte das Tal die
ersten Anlagen, welche bald mit anderen Gegenständen angenehmer und
wehmütiger Erinnerung vermehrt wurden. Endlich verband man damit, nach
einem geschmackvollen Plan, auch andere Gegenstände, und suchte sowohl
den Verstand als auch das Herz zu beschäftigen. Überall leuchtete der
Geist, das Gefühl der Besitzer hervor. Ungeachtet der biedere Graf an
allen diesen Anlagen nicht geringen Teil hat, so ist es doch vorzüglich
seine geistvolle Gemahlin, welche die meisten romantischen Gemälde
des Tales geschaffen, daher es denn von einigen den Namen Tina-Tal
erhalten. Auch der verdienstvolle Sohn Graf Carl hat nicht wenig der
Szenen gepflegt.« Man folgte hierbei dem Grundsatz: »Der Geschmack im
englischen Garten sei einfach und edel, wie die Natur selbst, weder
gesucht noch geputzt, bloß durch Gegenstände des Nachdenkens und der
Empfindung gehoben.« Sie bestanden in Denkmälern, Tempeln und Hütten.
Sie erinnern an in der Ferne ruhende Tote, an Musen und Grazien, an
Freundschaft und Gastlichkeit, an die Pfleger des Tales, das gräfliche
Ehepaar, wie an die Sänger des Tales, den Komponisten Naumann und den
Dichter Neumann. Die Großen am Weimarschen Hofe sind noch ohne Einfluß
auf dieses Leben, in dem Gellertscher Geist noch vorherrscht. Zur
Vertiefung und Deutung der beabsichtigten Stimmungen treten Inschriften
hinzu.
Auf dem Lageplan (Abb. 1) gibt eine Erklärung über die Lage und
Bezeichnung der verschiedenen Szenerien Aufschluß. Wir greifen zur
Charakteristik die durch Abbildungen einigermaßen verdeutlichten Szenen
heraus.
[Illustration: Abb. 5~a~ =Denkmal des Prinzen Leopold von Braunschweig=
Aus dem Seifersdorfer Tal. (Nach Becker)]
[Illustration: Abb. 5~b~ =Denkmal des Herzogs Leopold von Braunschweig=
im Seifersdorfer Tal (Heutiger Zustand)]
»Hermanns Denkmal« (Abb. 2). Eine schmale steinerne Treppe führt zu
einem ehrwürdigen Eichbaum, an dem früher als Insignien Schild, Schwert
und Lanze aufgehängt waren. Davor bilden zusammengefügte Felsstücke
einen Altar mit einem altdeutschen Aschenkrug. Auf einem Findling
steht die Inschrift: Hermann / dem Befreier Deutschlands. Der »Tempel
der Musen mit Wielands Büste« (Abb. 3) aus Naturholz erbaut trug die
Inschrift: »Hier weihen sie ihrem Liebling unverwelkliche Kränze von
Grazien gewunden.« Er ist heute verschwunden. Dagegen hat sich »Lauras
Denkmal« (Abb. 4) erhalten, welches dichter Fichtenwald umgibt. Auf
einem Bruchsteinunterbau steht ein quadratischer Sockel mit einem
Säulenstumpf. Das Medaillon daran trägt die Inschrift »Laura« mit
Beziehung auf die Geliebte Petrarcas. Nicht weit davon befand sich
eine Nachahmung der Hütte des Petrarca bei Vaucluse. Sie war von rohen
Steinen erbaut und mit Schilf gedeckt. Vor der Hütte sprudelte ein
gefaßter Quell, welcher an die Quelle von Vaucluse erinnern sollte,
bei der Petrarca viele seiner Klagegesänge dichtete. Davon und von
der Hütte sind heute nur noch Mauerreste vorhanden. Nördlich davon
hat sich das »Denkmal des Herzogs Leopold von Braunschweig« sehr gut
erhalten (Abb. 5 ~a~ und ~b~). Auf einem rechteckigen Unterbau ruht ein
steinerner Sarkophag mit der Aufschrift:
Der Adler besucht die Erde
doch säumt er nicht,
schüttelt von Flügeln den Staub
und kehrt zur Sonne zurück!
Zur Versinnbildlichung des Spruches dient das darüber befindliche
Relief, ein nach der Sonne fliegender Adler. Auf dem Sarkophag steht
eine Vase mit Medaillonbildnis und der Inschrift: »Prinz Leopold von
Braunschweig«. Mit Bezug auf den von Goethe besungenen Tod des Herzogs
(27. April 1785) bei einer Hochflut der Oder ist wohl der Platz des
Denkmals unmittelbar am breitesten Teil der Röder gewählt und Becker
berichtet, das Denkmal ruhe auf Felsstücken, aus welchen Wasser
hervorquillt.
[Illustration: Abb. 6 =Tempel dem Andenken guter Menschen nebst dem
Altar der Tugend= Aus dem Seifersdorfer Tal (Nach Becker)]
Auf einer lachenden, mit Erlen eingefaßten Wiese stand ein im
»griechischen Stil« erbauter Tempel, vier dorische Säulen trugen das
Gebälk mit der Inschrift: »Tempel dem Andenken guter Menschen gewidmet«
(Abb. 6). Das Innere dieses Tempels war in sanfter Rosenfarbe gemalt.
Rauchgefäße und Medaillons auf stahlgrünem Grunde zierten die Wände.
Ein leichter Feston von weißen Rosen verband die Medaillons, welche an
himmelblauen Bändern aufgehängt schienen. Die Hinterwand des Tempels
hatte zwei Türen, die auf Rollen gingen und geöffnet eine reizende
Aussicht gewährten. Vor dem Tempel stand auf einer Wiese der »Altar der
Tugend« und »nur diejenigen, welche der Tugend opfern, können in diesem
Tempel aufgenommen werden.« Ein Postament mit Fuß- und Kopfgesims, an
einer Seite ein Kranz mit Rosen, darüber eine Schleife, bezeichnet »Der
Tugend« ist davon heute noch erhalten.
[Illustration: Abb. 7 =Hütte der Einsamkeit= Aus dem Seifersdorfer Tal
(Nach Becker)]
Ein Fußpfad, auf der einen Seite mit Rosen, auf der andern mit Dornen
eingefaßt, führte zur »Hütte der Einsamkeit« (Abb. 7), aus Moos und
Schilf erbaut, mit einer Inschrift aus der Messiade:
»Einen Becher der Freuden hat in der Rechten,
Der Linken ein wütender Dolch
Die Einsamkeit, reicht dem Beglückten ihren Becher,
Dem Leidenden reicht sie den wütenden Dolch hin.«
Nicht weit davon befand sich unter einem Schilfdach »Der Betstuhl des
Einsiedlers« und Lorenzos Grab.
[Illustration: Abb. 8 =Denkmal der Freundschaft= im Seifersdorfer Tal
(heutiger Zustand)]
In einer natürlichen Felsennische wurde der Freundschaft ein Denkmal
errichtet. Es ist heute erneuert (Abb. 8). An eine »gotische Vase«,
die in ihrer Form freilich davon nichts erkennen läßt, ist eine Platte
gelehnt mit der Aufschrift: »Der gotischen Freundschaft.« Die Inschrift:
»An des Freundes Seite
Duftet die Rose weit süßer;
Und des Dornes Spitze
Wird stumpf«
war früher an der Felswand angebracht.
[Illustration: Abb. 9 =Denkmal »Den Sängern des Thales«= im
Seifersdorfer Tal (heutiger Zustand)]
Unter alten Bäumen, auf einem Steinhügel finden wir weiter heute noch
ein rundes Postament von Sandstein mit der Inschrift: »Den Sängern des
Tales« (Abb. 9) und »Naumann und Neumann«, mit Beziehung darauf, daß
Kapellmeister Naumann ein vom Kriegssekretär Neumann im Seifersdorfer
Tal gedichtetes Lied in Musik setzte. In einem kleinen Vorhof mit
Moosbank las man früher die Inschrift:
[Illustration: Abb. 10 =Hüttgen und Garten der Hirtin der Alpen= Aus
dem Seifersdorfer Tal (Nach Becker)]
»O laßt beim Klange süßer Lieder
Uns lächelnd durch das Leben gehn,
Und sinkt der letzte Tag hernieder,
Uns bei dem Lächeln stille stehn.«
[Illustration: Abb. 11 =Herders Denkmal= im Seifersdorfer Tal (heutiger
Zustand)]
Wenige Überreste von Mauerwerk mit einer kleinen, etwa im Halbkreis
vorgelagerten Terrasse bezeichnen den Platz, wo früher in einem
ländlichen Gärtchen die Hütte Adelaidens, der Hirtin der Alpen
gestanden hat, aus rohen Baumstämmen gezimmert und mit »gotischen
Fenstern« versehen. Aus der Mitte des Daches ragte eine Buche heraus,
»die den Anblick der Hütte noch reizender machte.« Aus dem einen
Fenster der Hütte erblickte man jenseits des Wassers auf einem
Rasenhügel eine Urne, mit der Inschrift: »~Dorestan victime l’amour~,«
in bezug auf Adelaidens Geliebten. Nicht weit davon, in einer der
reizendsten Gegenden des Tales, stellt ein leichtes »Hüttchen der
Hirtin der Alpen« (Abb. 10) Adelaidens Ruheplatz vor. Er gewährte
Ausblick nach dem Denkmal ihres Geliebten. Heut ist an diese Stelle
Herders Büste versetzt worden (Abb. 11) mit der Inschrift: »Des
Menschen Leben beschränkt ein enger Raum, / ein engerer beschränkt
seinen Sinn, / sein Herz der engste. / Um sich her zu sehen, zu
ordnen, was man kann, / unschuldig zu genießen, was uns die Vorsicht
gönnt. / Und dankbar froh hinweg zu gehen: / das ist des Menschen
Lebensgeschichte. / Nicht Idee, es ist Gefühl.« Der Sockel, auf dem es
steht, trägt noch die Inschrift: »~A Dorestan~«, als Überrest seines
Denkmals.
[Illustration: Abb. 12 »=Tempel des Amor=« im Seifersdorfer Tal (Nach
Becker)]
Mitten auf blumiger Wiese hatte man den Tempel des Amor errichtet
(Abb. 12). »Keine Brücke führte zu ihm hinüber, um von dem Gebiete des
kleinen gefährlichen Gottes entfernt zu bleiben.« Die heute noch gut
erhaltene Figur des Amor (Abb. 13), in jeder Hand eine Sanduhr haltend,
stand in der Mitte des Tempels. Auf einer Sandsteintafel ist noch zu
lesen:
[Illustration: Abb. 13 »=Tempel des Amor=« im Seifersdorfer Tal
(heutiger Zustand)]
»Eine Sanduhr in jeglicher Hand erblick ich den Amor!
Wie? Der leichtsinnige Gott! mißt er uns doppelt die Zeit?
Langsam rinnen aus einer die Stunden entfernter Geliebten,
den Gegenwärtigen fließt eilig die Zeit.«
[Illustration: Abb. 14 =Grundriß des Schloßgartens zu Machern=
(Nach J. E. Lange: Machern. Für Freunde der Natur und Gartenkunst)]
Wenn wir diese Denkmäler, von denen wir einige wenige herausgriffen,
kritisch betrachten, so müssen wir feststellen, daß man von
Kunstwerken allgemein nicht sprechen kann. Wir dürfen sie nicht auf
ihre äußerliche Form, sondern müssen sie auf ihren Stimmungswert,
in dem sie die Zeitgenossen schufen, betrachten und finden dann das
Seifersdorfer Tal als eines der charakteristischsten Kulturdenkmale
jener Zeit. »Du siehst,« sagt Hasse, »überall den Charakter des Naiven
und Unschuldigen; du hörst den lieblichen Idyllenton; du wandelst
unsichtbar von guten Menschen umgeben. Hast du Lorenzos Stimmung,
so kannst du hier tagelang schwärmen.« Doch melden sich auch in
der Entstehungszeit des Tales schon kritische Stimmen, denn Hasse
fährt fort: »In Seyfersdorf spricht, so vielfach auch die Anlagen
sind, nur eine ruhige, etwas schwärmerische Empfindung zu deinem
Herzen. Die Idee des Einfachen scheint die einzige Regel der ganzen
Anlage zu seyn; daher bemerkst du Mangel an Abwechselung. Die vielen
Tempelchen und Hütten haben etwas Eintöniges, und die Entfernung alles
Kunstgepränges giebt hier und da der Dekoration etwas Kleinliches. Will
man kunstrichterlich absprechen, so läßt sich freilich Seyffersdorf
mit Wörlitz nicht vergleichen. Hier ist mit edler Pracht die Kunst der
Alten und Neuern vereinigt.«
[Illustration: Abb. 15 »=Wilhelms Ruhe=« im Schloßgarten zu Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat, Dresden)]
Der Park zu Wörlitz hatte auf ganz Deutschland einen großen Einfluß
ausgeübt und naturgemäß auch auf das benachbarte Sachsen. Racknitz
schildert das mit folgenden Worten: »Unerwartet trat in Deutschland
aus dem Zustand der bloßen Natur eine Anlage hervor, die allgemeinen
Beifall fand und dem Geschmack eine bessere Richtung gab. Diese Anlage
ist das Schloß und der Garten zu Wörlitz.« Herzog Franz von Dessau
schuf sie in den Jahren 1769 bis 1773. Als Gartenkünstler stand ihm
Johann Friedrich Eyserbeck zur Seite. Die Natur bot einen, schon an
sich reich gestalteten See, dessen Buchten vermehrt wurden und den
Kanäle mit kleineren Wasserstücken vereinten. Die im Bogen den Park
umziehenden Schutzdämme bieten eine schöne Promenade mit weitem Blick
ins Land. Hinzu treten Hügel und künstliche Felsen, sowie freie Plätze,
die Raum boten für Stimmungsarchitekturen im Sinne von Hirschfeld. Hier
konnte sich der Geist der Empfindsamkeit, wie wir ihn im Seifersdorfer
Tal als beherrschend fanden, entfalten. Im ganzen aber überwog doch
der Sinn für künstlerische Gestaltung, das Streben nach größeren
Landschaftsbildern, und architektonisch durchgebildete Bauwerke führten
zu einer Schöpfung, die mit Recht großes Aufsehen erregte und großen
Einfluß auf die deutsche Gartengestaltung fand.
Das charakteristischste Beispiel für diese künstlerischen Ziele
in Sachsens Gartengeschichte liefert wohl der Park zu Machern bei
Wurzen, der in nahezu alter Form auf uns heute überkommen ist. Die
grundlegenden Gedanken dürften vom Besitzer selbst ausgegangen sein.
Der Graf Carl Heinrich August von Lindenau beschäftigte sich seit
dem Jahre 1760 mit der Planung. Ihm standen zur Seite der Kondukteur
J. F. Lange in Leipzig und später der preußische Bauinspektor E. W.
Glasewald. Jeder schrieb ein Buch über den Garten zu Machern. 1796
erschien das von Lange mit einem Gartengrundriß (Abb. 14), woraus wir
schließen, daß er bis zu dieser Zeit im Garten tätig war und wohl vor
allem den Gartenplan schuf. 1799 gab Glasewald die »Beschreibung des
Gartens zu Machern« heraus mit den genauen Plänen seiner Bauten.
[Illustration: Abb. 16 »=Das Bauernhaus=« im Schloßgarten zu Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat, Dresden)]
Den Hauptreiz gibt Machern wie auch dem Wörlitzer Park das Wasser. Es
ist beachtenswert, daß die großen Teiche klare Grundformen behalten
und nicht, wie wir in späteren Zeiten vielfach verfolgen, durch
Einbuchtungen, Inseln und Inselchen in ihrer Wirkung verkleinert
werden. Der Zusammenschluß des Wassers zu einem einheitlichen Ganzen
ist freilich nicht so gelungen wie in Wörlitz. Die Einzelteile treten
in geringe Beziehung zueinander und ebenso fügen sich die »englischen
Dreiecke« peinlich unvermittelt ein. Sie beherbergen nun die
Stimmungsszenerien, wie wir sie im Seifersdorfer Tal fanden. Doch ist
auch hierin ein größerer Zug zu spüren. Einige Beispiele mögen das an
Hand der Bilder klar legen.
Die zur Erinnerung an den Aufenthalt König Friedrich Wilhelms II. von
Preußen am 10. Juli 1792 »Wilhelmsruhe« bezeichnete Anlage ist auch
heute noch gut erhalten (Abb. 15). Eine Treppe aus Bruchsteinen führt
hinab zu einem großen Platz, den an der einen Seite eine Felswand durch
eine sanfte Biegung amphitheatralisch einschließt. Sie dient einer aus
rohen Steinplatten errichteten Bank zu Lehne. Vor dieser steht ein
steinerner Tisch. »Eine lachende Aussicht über eine Wiese entzückt um
so mehr, weil wir sie nicht vermuteten. Im Vordergrund bildet eine
Eiche und eine Birke mit ihren hängenden Ästen eine malerische Gruppe.«
[Illustration: Abb. 17 =Das Mausoleum= im Schloßgarten zu Machern
(heutiger Zustand)]
Nach Osten führt der Weg zu einer Schweizer Hütte, »welche man
gewöhnlich das Bauernhaus nennt« (Abb. 16). Glasewald stellt den Bau im
Grundriß, Schnitt und in der Ansicht dar und sagt darüber: »Mitten auf
dem vorspringenden Strohdach erhebt sich ein Türmchen mit einer Glocke.
Die äußeren Wände sind mit Rohr begleitet und inwendig ist eine einzige
einfache Stube und eine Kammer, Vorplatz und Treppe. Beide Zimmer sind
tapeziert, und zwar stellen die Decken Holzwerk, die Seitenwände aber
Quadersteine vor, aus deren Fugen Efeu hervorwächst, die Fußböden sind
mit Steinplatten belegt. Vor dem Hause findet sich unter dem Schutz
des überhängenden Daches eine Ruhebank und ihr gegenüber stehen vier
majestätische Eichen, unter welchen einfache Sitze angebracht sind.
Unsre Einbildungskraft läßt die friedlichen Bewohner dieser Hütte hier
ausruhen. Sie haben einen sanften Abhang hinunter, die liebliche Wiese
im Auge, auf welche ihr Vieh weidet und in einiger Entfernung die
Landstraße. Rechts im Gebüsch liegt eine Kegelbahn, wo sich oft der
Besitzer mit seinen Freunden vergnügt.« Sie ist jetzt verschwunden, das
Bauernhaus aber in nahezu alter Gestalt erhalten.
An der nördlichen Seite des Baues windet sich der Weg den Berg hinan.
Zur Linken erhebt sich im Gebüsch ein mächtiger Pyramidenbau, der
schon auf Langes Plan abgebildet ist, bei Glasewald aber fehlt,
und daher auch wohl nicht von ihm herrührt. Es ist eine stattliche
Steinpyramide, vor die sich ein dorischer Giebelbau legt (Abb. 17). Den
großen Innenraum überdeckt ein Kreuzgewölbe. Die an den Seitenwänden
befindlichen Nischen sind mit Urnen und Tränenkrügen besetzt. »In
diesem Tempel der Erinnerung seiner Entschlafenen pflegt der Graf mit
seiner Familie zu speisen – hier feiert er seine Familienfeste.« Auf
der nördlichen Seite befindet sich der Eingang zur Gruft, in der sich
der Besitzer beisetzen lassen wollte, was aber nicht geschah. Der Bau
ist noch heute gut erhalten.
[Illustration: Abb. 18 »=Eingang zur Ritterburg=« im Schloßgarten zu
Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat Dresden)]