25. Januar.

Meine Frau hat sich heute ans Klavier gesetzt. Singen will sie wohl noch

nicht, aber ich habe doch wieder Musik in meinem Heim gehört, und die

Melodieen von einst haben unseren Sinn gleichsam auf einen neuen,

helleren Ton gestimmt. Ueberhaupt ist in letzter Zeit etwas Neues über

sie gekommen, etwas Neues, das mehr verspricht, als das Frühere. Sie ist

zum Leben erwacht und ist mit uns Andern wie zuvor. Noch nicht so recht

vielleicht. Aber ich fühle, wie sie uns mit jedem Tage näher kommt.

Zuweilen glaube ich, was sie sagt, daß all das kommt, weil sie weiß, daß

sie nun bald scheiden wird und daß diese Hoffnung sie aufrecht hält.

Aber zuweilen glaube ich, daß wenn es auch jetzt so sein mag, all dies

doch auf dem Wege ist, in etwas Größeres hinüberzugleiten, das sie

selbst mit Verwunderung und Angst spürt, aber nicht glauben will.

Wie es damit ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß ich jetzt nicht

verzweifelt bin, wie ich früher war. Denn jetzt lebe ich unter dem

Schicksal, das das meine ist und das -- geschehe was da will --, so wie

ich es jetzt sehe, nichts Häßliches in ihr Leben und in das meine

bringen kann. Das hatte ich gefürchtet.

Das Buch vom Brüderchen: Roman einer Ehe · 第 13 / 21 题