Meine Frau hat sich heute ans Klavier gesetzt. Singen will sie wohl noch
nicht, aber ich habe doch wieder Musik in meinem Heim gehört, und die
Melodieen von einst haben unseren Sinn gleichsam auf einen neuen,
helleren Ton gestimmt. Ueberhaupt ist in letzter Zeit etwas Neues über
sie gekommen, etwas Neues, das mehr verspricht, als das Frühere. Sie ist
zum Leben erwacht und ist mit uns Andern wie zuvor. Noch nicht so recht
vielleicht. Aber ich fühle, wie sie uns mit jedem Tage näher kommt.
Zuweilen glaube ich, was sie sagt, daß all das kommt, weil sie weiß, daß
sie nun bald scheiden wird und daß diese Hoffnung sie aufrecht hält.
Aber zuweilen glaube ich, daß wenn es auch jetzt so sein mag, all dies
doch auf dem Wege ist, in etwas Größeres hinüberzugleiten, das sie
selbst mit Verwunderung und Angst spürt, aber nicht glauben will.
Wie es damit ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß ich jetzt nicht
verzweifelt bin, wie ich früher war. Denn jetzt lebe ich unter dem
Schicksal, das das meine ist und das -- geschehe was da will --, so wie
ich es jetzt sehe, nichts Häßliches in ihr Leben und in das meine
bringen kann. Das hatte ich gefürchtet.