Abb. 520. Im Frauengemach (Nordafrika).]

Bei den +Juden+ geht, wie schon erwähnt, der +Hochzeit+ das Mästen

des jungen Mädchens voraus. Die Hochzeitsfeierlichkeit spielt sich

hier in ganz anderer Weise als bei den Mohammedanern ab. Sie findet

in der Synagoge oder im Schlafzimmer der angehenden Eheleute statt.

Die Ankunft des Bräutigams wird von den Frauen mit einem eigenartigen

Ruf oder Kururua begrüßt; er wird hineingeleitet, bindet sich eine

seidene Schärpe um den Hut und nimmt zur Linken der Braut Platz. Der

Rabbi segnet das Paar ein, betet für sein Wohlergehen, legt seine Hände

ineinander und läßt die Ringe wechseln. Sodann nimmt er ein Glas Wein

in die eine Hand, breitet die andere über die Neuvermählten aus und

bietet beiden zum Trinken an, worauf das Glas zertrümmert wird. Man

verabreicht auch Wein in kleinen Gläsern an die nahestehenden Freunde

und Verwandten, sowie Süßigkeiten an alle Teilnehmer der Trauung.

Über die +Sittlichkeit+ der nordafrikanischen Stämme scheinen die

Ansichten auseinanderzugehen; zumeist wird allerdings berichtet, daß

man streng auf Moralität sowohl vor wie in der Ehe halte, indessen

kommen auch Ausnahmen vor. Eine solche macht der ganze Stamm der Uled

Nail in Algerien. Hier gehen sämtliche Mädchen in Begleitung ihrer

Mütter oder älteren Schwestern in die von Fremden und Nomaden gut

besuchten Oasenstädte und geben sich dort für mehrere Jahre dem Gewerbe

der Prostitution hin. Nachdem sie sich damit ein kleines Vermögen

erworben haben, kehren sie in ihre Heimat zurück und bekommen als

begüterte Frauen hier leicht einen Gatten.

[Illustration:

Phot. A. B. Liley.

Abb. 521. Ein Geschichtenerzähler.

Es sind dies bei der maurischen Bevölkerung sehr beliebte

Persönlichkeiten. Manche dieser Erzähler füllen die Pausen durch

Musikvorträge aus einem Tamburin oder einer zweisaitigen Geige aus;

andere lassen sich von ihren Dienern im Chor begleiten.]

Ist ein Araber ernstlich +erkrankt+, dann wird der Priester gerufen,

um zu sehen, was er für ihn tun kann. Der Sterbende wird von ihm

aufgefordert, zu beichten und sein Glaubensbekenntnis herzusagen;

das genügt für sein Seelenheil. Daneben kommt aber auch wieder der

Aberglaube zu seinem Recht. Man holt ein Huhn und schneidet ihm

die Kehle durch. Ein Knabe muß es dann eine Strecke weit in einer

bestimmten Richtung forttragen. Begegnet ihm dabei niemand, dann

darf man auf Genesung des Kranken rechnen; sollte er aber doch auf

jemand stoßen, obwohl man die Nachbarn davor zu warnen pflegt, ihm

in den Weg zu laufen, so ist dies eben Kismet, wie der Mohammedaner

zu sagen pflegt, das Schicksal, der Wille Allahs. Die +Leichen- und

Bestattungsgebräuche+ sind die gleichen, wie wir sie bereits von der

islamitischen Bevölkerung Ägyptens oben kennen gelernt haben. Die

Beisetzung erfolgt in einem Grabe, auf das eine Platte aus Marmor oder

aus gemauerten Ziegelsteinen, die angeweißt werden, zu liegen kommt.

Ein darauf angebrachter Fes oder Turban bezeichnet ein männliches

Grab. In der Mitte der Platte wird ein Loch angebracht, das man

mit Opfergaben aus Brot und Wasser versieht, damit der Geist des

Verstorbenen daran merke, daß die Hinterbliebenen ihn nicht vergessen

haben.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 522. Szene von einer Berberhochzeit.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 253 / 254 题