[Illustration:
Phot. A. J. N. Tremearne.
Abb. 508. Geisterkultus bei den Negern Nordafrikas.
Eine schwarze Ziege wird beräuchert, in besonderer Weise gefüttert und
hierauf den Geistern geopfert.]
Neben den Tanzmädchen gibt es auch +Tanzknaben+, die Khewalin; diese
tragen gewöhnliche männliche Kleidung, lassen sich aber ihr Haar wie
Mädchen lang wachsen und durchflechten es geradeso wie diese mit Münzen.
Die Ägypter, vor allem die Fellachen, sind sehr +abergläubisch+; sie
schreiben den Zaubermitteln und Amuletten jeglicher Art große Macht zu.
Daher trägt jeder Bauer ein derartiges Schutzmittel in einer kleinen
Lederhülle auf dem bloßen Körper. Oft ist es nur ein Koranspruch, den
ihm ein öffentlicher Schreiber aufgeschrieben hat, denn für gewöhnlich
sind die Fellachen des Schreibens unkundig. Auch ist bei dem Fellachen
der Glaube an Geister stark eingewurzelt, die er für bösartig hält.
Besondere Scheu hat er vor den Gräbern der alten Ägypter; denn diese
hält er für den Sitz der Teufel oder Afrîts. Dessenungeachtet hat er an
vielen Orten, besonders in Theben, die alten Grabstätten in Wohnhäuser
umgewandelt. Kein Fellache begibt sich an einem dunkeln Abend ins
Freie, aus Furcht vor diesen mächtigen Teufeln, auch wird er sich
hüten, einen modernen Begräbnisplatz zu überschreiten, obwohl alle,
die hier ruhen, seine Mitgläubigen waren und man im Leben nichts gegen
sie einzuwenden gehabt hatte.
Die +Geburtsgebräuche+ der beiden Religionen in Ägypten unterscheiden
sich nur durch den christlichen Taufritus. Die Geburt eines Knaben wird
mit besonderer Freude aufgenommen; reiche Fellachenfamilien lassen sich
dann Tänzer, sowohl Ghawazu wie Khewalin -- die letzteren schicken
sich mehr bei der Geburt eines männlichen Familienmitgliedes -- aus
der Stadt kommen. Am siebenten Tage wird das Kind den Freundinnen der
Mutter in großem Staat vorgeführt, in einem Siebe geschüttelt und
feierlich im Harem umhergetragen.
[Illustration:
Phot. Lehnert & Landrock, Tunis.