+Vielweiberei+ ist unter den ostafrikanischen Stämmen sehr verbreitet.
Der Masai pflegt sogar außer seinen Ehefrauen sich noch Nebenfrauen
zu halten, je nach seinen Vermögensverhältnissen. Die zuerst
angeheiratete Gattin ist indessen die Hauptgattin und steht über den
späteren Frauen. -- Zwischen Schwiegereltern und Schwiegersohn bestehen
unzählige Gepflogenheiten. Bei den Lendu darf der Schwiegervater
seinen Schwiegersohn nicht besuchen, bei den Batoro ihn nicht einmal
mehr sehen. Der Unyoroschwiegersohn hat niederzuknien, wenn er seiner
Schwiegermutter begegnet, und anderes mehr.
[Illustration:
Aus „Kolonie und Heimat“.
Abb. 466. Erzschmelzen bei den Wagaia am Viktoriasee.
In der Mitte wird aus nassen Bananenblättern ein Ring gebildet. In
diesen wird Holzkohle und das Eisenerz gelegt. In dem Ring sind
Öffnungen, durch die mit Blasebälgen Luft zugeführt wird. Diese Bälge
werden, wie man auf dem Bilde sieht, durch Auf- und Niederstoßen der
Stangen bedient.]
+Eheliche Treue+ ist bei manchen Stämmen, vor allen bei den Masai, ein
unbekannter Begriff, und zwar sowohl für den Mann wie für die Frau.
Läuft eine Frau ihrem Manne weg und kehrt sie zu ihren Eltern zurück,
so haben diese, falls sie ihre Tochter wieder ins Haus nehmen, den
Brautpreis zurückzuerstatten. Es kommt aber auch vor, daß der Mann sich
seine Frau wieder holt, dann nimmt er aber für gewöhnlich ein kleines
Geschenk mit.
[Illustration:
Phot. H. H. Johnston.
Abb. 467. Zauberer der Kavirondo.
Er behandelt Wunden mit allerlei Salben, versucht aber auch wohl,
Kranke dadurch zu heilen, daß er aus einer Kalabasse Kiesel über sie
ausschüttet.]
Ehebruch pflegt bei den Bantu mit einer Geldstrafe an den beleidigten
Ehemann bestraft zu werden. Diese besteht manchmal nur in einer Ziege,
manchmal auch wieder in der Höhe des ursprünglichen Preises der Frau.
Die Masai und Nandi betrachten Ehebruch als kein schweres Vergehen,
belegen ihn aber ab und zu doch auch mit einer Geldstrafe. Manche
Stämme indessen ahnden solches Vergehen schwer und, wenn das Mädchen
unverheiratet war, sogar mit dem Tode. Die Manyema, sowohl Mann wie
Frau, führen wirklichen Kampf mit der Frau oder dem Manne, mit denen
ihr Lebensgefährte Ehebruch beging. Kommt einer dabei ums Leben, dann
müssen die Verwandten die Fehde aufnehmen.
[Illustration:
Aus „Kolonie und Heimat“.