Abb. 459. Hochofen in Mpororo.]

Die Ansichten der ostafrikanischen Völker über das +moralische Leben

der jungen Leute+ sind sehr geteilt; während man auf der einen

Seite die Jungfräulichkeit hoch einschätzt und einen vorehelichen

Geschlechtsgenuß mißbilligt, legt man auf der anderen wieder auf

Reinheit vor der Ehe kein weiteres Gewicht. Zur letzten Gruppe gehören

unter anderen die Masai. Hier haben sich die jungen Krieger (Abb. 473)

eines Bezirkes zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die einen

bestimmten Kral bewohnt; die Verheirateten leben in einem besonderen

Kral (Abb. 469). Ein Kriegerkral beherbergt etwa fünfzig bis hundert

junge Leute und fast die doppelte Anzahl junger Mädchen, die, abgesehen

von den notwendigen Hausarbeiten, wie im besonderen dem Melken des

Viehs, in erster Linie zur Unterhaltung jener dienen. Jeder Krieger

besitzt ein Lieblingsmädchen, das beständig bei ihm wohnt und, solange

er sich im Kral aufhält, ihm auch Treue halten soll. Wenn er aber

abwesend ist, sucht sich das junge Mädchen einen anderen Liebhaber.

Diesem ihrem Wunsche gibt sie beim Tanz dadurch Ausdruck, daß sie

am Schluß desselben auf einen ihr gefallenden Krieger in kurzen

Hochsprüngen zueilt. Damit will sie andeuten, daß sie ihn abends zum

Schäferstündchen erwartet. Hüpft er in gleicher Weise in die Höhe, dann

liegt darin eine zusagende Antwort.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 216 / 254 题