Abb. 433. Neger bei der Herstellung von Rindenstoff.]

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Abb. 434. Kavirondofrau.

Sie ist mit einem Ziegenfell bekleidet, in das ein Muster eingebrannt

ist; von weitem erweckt dieses den Eindruck, als sei es ein

Leopardenfell.]

Was die +Kleidung+ anbetrifft, so begegnen wir bei den Jaluo und den

südlichen Wagaia (Abbild. 429) noch vollständiger Nacktheit, und

trotz oder vielmehr gerade wegen dieser Nacktheit stehen diese Stämme

sittlich so hoch wie wohl selten Negerstämme. Man ersieht hieraus,

daß die Bekleidung nichts mit der Moral zu tun hat. Manchmal wird

ein kleiner Schamschutz (Abb. 431) oder ein Ziegenfell (auch um den

Hals gelegt) getragen. Auf diese Häute werden seltsame Flecken-

oder Streifenmuster eingebrannt, so daß sie von weitem wie Tiger-

oder Leopardenfelle aussehen (Abb. 434). Bei den Wagaia erfordert

es der gute Ton, daß ein verheirateter Mann, der bereits Vater ist,

vor seiner Schwiegermutter niemals ohne Ziegenfell erscheinen darf,

sonst würde sie ernstlich beleidigt sein und auf Zahlung einer

Ziege bestehen. Ältere Frauen bekleiden sich mit einer Art Troddel

oder Bindfadenschwanz, der von ihrem Taillengürtel herabhängt (Abb.

432). Berührt etwa ein Mann, und wäre es selbst der eigene Gatte,

dieses Anhängsel, so muß er eine Ziege opfern, andernfalls würde

dem Aberglauben zufolge die betreffende Frau schwer krank werden

oder gar sterben. Der Taillengürtel besteht meistens aus Perlen oder

Kaurimuscheln; er wird von allen afrikanischen Schönen getragen; selbst

wenn noch andere Kleidung darüber gezogen wird, behält man ihn bei.

Andere Stämme, besonders die Frauen bei ihnen, kleiden sich in gegerbte

Häute, die entweder wie ein Schurz vorn und hinten herunterhängen

oder den Unterkörper ganz umhüllen (siehe die Kunstbeilage), oder in

selbst durch Klopfen angefertigte Rindenstoffe (Abb. 433). Diese werden

togaähnlich um den Körper geschlungen und oft über der einen Schulter

zusammengeknotet, so daß entweder beide Arme oder wenigstens einer

frei bleibt (Abbild. 436). Eigenartig ist die Kleidung der Waheia,

ein Rock aus feinen geschlitzten Fasern der Raphiapalmenblätter oder

von Grashalmen, die auf einer Schnur aufgereiht sind. Dieser wird

meistens wie ein Rock um die Hüften getragen oder auch nach Art eines

Mäntelchens um den Hals gelegt. Die mehr südlich und nach der Küste

zu wohnenden Bantustämme haben in manchen Gegenden die Kleidung vom

Sansibartypus (Abb. 435) angenommen, die für gewöhnlich in einem

Lendentuch aus weißem oder gemustertem Kattun, einer Hose und einer

ärmellosen Jacke oder in einem langen Araberhemd, beziehungsweise einer

Zusammenstellung beider Trachten (siehe die farbige Kunstbeilage) und

einem Fes besteht. An der Küste kennt man auch bereits Anzüge nach

europäischem Schnitt. Die Bantufrauen dieser Gegenden tragen vielfach

lange baumwollene Gewänder, die den ganzen Körper einhüllen und unter

den Armen befestigt werden, oder auch geradezu arabische Frauenkleider.

-- Die mohammedanischen Frauen der besseren Kreise gehen nach den

Vorschriften des Islams verhüllt über die Straße (Abb. 437).

[Illustration:

Phot. W. Ladbury.

Abb. 435. Kleidungs- und Schmuckstücke der Suaheli (Sansibar).

Perlenarbeiten, ausgelegte Sandalen, Armbänder und Kämme aus Elfenbein,

eine Schnupftabaksbüchse, Nasenringe.]

Der +Pflege der Haare+ wird vielfach besondere Sorgfalt zuteil,

auch von seiten der Männer (Abb. 438). Darüber trägt man zuweilen

ganz sonderbaren Kopfputz (Abb. 440 und 443). In einzelnen Gegenden

wird das Haar allerdings vollständig abrasiert oder nur in kleinen

Büschelchen stehen gelassen. Die Masaimänner verlängern durch

Einflechten von Rindenfasern ihr Kopfhaar und machen sodann starke

Zöpfe daraus, von denen einer hinten weit herabhängt und noch mit

Zeugstreifen fest umwickelt wird, der andere oder auch mehrere kürzere,

neben- und übereinander angeordnet, nach vorn fallen (Abb. 441).

Ihre Frauen rasieren sich häufig den Kopf (Abb. 442 und 446), so daß

ihr Haar kaum länger als einen Zentimeter ausfällt. Ganz eigenartig

ist die Haartracht der Wahima. Die Männer dieses Volkes lassen sich

Streifen in Spiralform auf ihrem Schädel ausrasieren und ziehen die

stehengebliebenen Haare nach oben aus. Die jungen Mädchen drehen sich

unter Zuhilfenahme von Butter das Haar zu langen dicken Strähnen, die

ihnen über Ohr und Augen herabfallen, und flechten als Schmuck noch

Kaurimuscheln und Perlen in sie hinein.

[Illustration:

Phot. C. Ponting.

Abb. 436. Eine Kikuyufrau mit ihrem Kinde.

Auf dem Rücken trägt sie eine schwere Last Holz an einem über die Stirn

laufenden Tragband.]

Zur +Verschönerung+ des Körpers wird er mit Ziernarben bedeckt oder

mit Farbe (Ocker oder weißem Ton) angemalt (Abb. 444), entweder ganz

oder nur einzelne Teile, zum Beispiel bei den Waganda die Beine; auch

werden die Zähne teilweise ausgeschlagen, sowie allerhand Gegenstände

in die durchbohrten und manchmal mächtig erweiterten Ohrläppchen (Abb.

446, 447 und 449), Nasenflügel und Lippen (Abb. 445) eingefügt. Die

Wagogo tragen wohl die größten Ohrpflöcke; die Wagaia stecken durch das

Bohrloch des Ohres dünne Rindenholzstückchen, die mit eingebrannten

Strich- und Kreismustern verziert sind und überdies an ihren Enden

häufig noch ein Federbüschelchen aufweisen; die Masai hängen sich

mächtige Spiralscheiben (Abb. 448) mittels kleiner Riemchen an die

Ohren und so weiter. Das Drolligste an Lippenschmuck bieten jedoch die

Sarafrauen, die sich die Lippen durchbohren und diese Öffnung durch

stetes Einstecken immer größer werdender Holzscheiben derart erweitern,

daß ihre Lippen, mit diesem Zierat ausgestattet, wie ein Schnabel

vorstehen (Abb. 451) und sie am Essen, Trinken und Sprechen ziemlich

behindern. An sonstigem +Schmuck+ sind sehr beliebt und allenthalben

in Ostafrika verbreitet eiserne oder messingene Ringe, die um Arme und

Beine und um den Hals getragen werden, manchmal einer über dem anderen

(Spiralen) bis zu ganz anständigem Gewicht (Abb. 453). Besonders die

Masai sind große Verehrer solchen „gewichtigen“ Schmuckes (Abb. 450);

ihre Krieger tragen sogar ganze Kragen aus Eisendraht.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Abb. 437. Vornehme Mohammedanerinnen machen unter einem Schleierzelt

einen Gang durch die Stadt (Lamu).]

[Illustration:

Aus: S. A. Elena di Francia, Duchessa d’Aosta, Viaggi in Africa.

Negerfrauen aus Ostafrika, die in Flaschenkürbissen Bier auf dem Kopfe

tragen.]

Die Afrikaner sind alle auf ihre Art ziemlich +musikalisch+, doch ist

ihre Musik eher als rhythmisch denn als harmonisch zu bezeichnen. Die

großen Negerfürsten halten sich meistens eigene Musikbanden (Abb. 452).

Das Lieblingsinstrument, das wohl bei keinem Stamme fehlen dürfte,

ist die +Trommel+, ein aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestehender

Zylinder, der mit Fell, meistens Ziegenfell, oder Eidechsenhaut

überzogen ist. Die Masai kennen kein weiteres Instrument. Die Trommel

kommt in allen Größen vor und spielt bei jedweder Zeremonie eine große

Rolle; sie erschallt im Kriege wie im Frieden, um Regen herbeizuführen,

als Ruf zu den Waffen und als Werkzeug zum Signalisieren. Zur Feier

fast jedes Ereignisses werden Tänze abgehalten (Abb. 454 und 455), bei

denen die Trommel und Biertrinken die Hauptsache ausmachen. Die Suaheli

verwenden die Trommel in Verbindung mit Opfern auch dazu, Teufel

auszutreiben. Steht von einem Menschen fest, daß er von einem bösen

Geiste besessen ist, so ordnet der Medizinmann an, daß ein Trommeln

abgehalten und gewisse Tiere geopfert werden. Dieses Trommeln wird

oft viele Tage lang ununterbrochen fortgesetzt, bis die bösen Geister

gewichen sind.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 438. Ein Sabeimann vom Nandistamme.

Die Haare sind mit Fett und Ton zu kleinen Klumpen gedreht und mit fein

geschnittenen Muschelplatten behängt.]

Mehr den wirklichen +Musikinstrumenten+ nähern sich die +Blashörner+

aus Elefantenzähnen und Antilopenhörnern, ferner kleine +Pfeifen+

aus Elfenbein, Holz oder Knochen, sowie +Flöten+ (Abbild. 458)

aus Rohr (auch Panflöten). Die Hörner werden allerdings häufiger

zu Signalzwecken benutzt. Ein über ganz Afrika sehr verbreitetes

Instrument ist ferner die +Sansa+, in ihrer einfachsten Form ein Brett,

auf dem eine Anzahl elastischer Stäbe oder Plättchen aus Holz oder

Eisen angebracht sind, die an dem einen Ende fest aufliegen, während

sie an dem anderen frei in die Luft ragen. Man spielt die Sansa in der

Weise, daß man die Plättchen mit dem Daumen herabdrückt und sie wieder

zurückschnellen läßt. Die Banyoro besitzen ein eigenartiges Instrument,

das an unsere Xylophone erinnert: an zwei Stangen sind Holzbalken von

verschiedener Länge befestigt, die mit einem Stock geschlagen werden.

Von den Saiteninstrumenten findet sich in Ostafrika die über ganz

Afrika verbreitete +Sese+, die Negergitarre, sowie +Harfe+ und +Lyra+,

die aus Nordostafrika stammen.

Für Unterhaltungsspiele hat der Neger großes Interesse (Abb. 456 u.

457). Sehr beliebt, nicht nur unter den Negern Ostafrikas, sondern

unter den Schwarzen des ganzen Erdteils überhaupt, ist das Nsolo (Abb.

463). Es wird entweder in achtundvierzig, in vier Parallelreihen

angeordneten Löchern, die man auf dem Erdboden aushebt, oder auf

einem Brett, das die erforderliche Anzahl Aushöhlungen besitzt, mit

Steinchen, Scherben oder Samenkörnern gespielt.

Das Handwerk steht unter den ostafrikanischen Negern in ziemlicher

Blüte. In erster Linie ist hier die Eisentechnik zu nennen, sowohl

die Gewinnung und Verhüttung des Rohmaterials (Abb. 459) wie auch im

besonderen die weitere Verarbeitung, und das Schmiedehandwerk, in

dem es einzelne Stämme zu wirklich meisterhafter Fertigkeit gebracht

haben. Die Öfen, in denen man das Erz verhüttet, sind über einen Meter

hoch und aus Lehm gebaut (Abb. 439); sie werden abwechselnd mit einer

Schicht Holzkohle und einer Lage Eisenerze beschickt; um den Ofen herum

sind eine größere Anzahl Löcher angebracht, die zur Aufnahme der Düsen

des Blasebalges, für gewöhnlich eines Ziegenfelles, dienen (Abb. 466).

Auch in der Schnitzkunst (Herstellung von Milchgefäßen, Schnitzen von

Löffeln und Köchern), Bearbeitung von Elfenbein (Abb. 460), Anfertigung

von Booten und so weiter verraten die Neger ein ziemliches Geschick. In

den Bereich der Frauentätigkeit fällt die Herstellung von Tongefäßen

(Abb. 461) und Flechtarbeiten.

[Illustration:

Aus „Kolonie und Heimat“.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 206 / 254 题