[Illustration:
Phot. Amerikanische Kolonie, Jerusalem.
Abb. 369. Weihnachtsprozession der römisch-katholischen Gemeinde in
Bethlehem bei der Rückkehr in die Kirche.]
Auf ein gegebenes Zeichen wird jedes Lamm ergriffen, auf den Rücken
geworfen und erhält mit dem Opfermesser einen Schnitt quer durch den
Hals. Das Blut spritzt aus der Wunde, das Osterlamm rollt auf die
Seite und verendet nach kurzem Todeskampf. Die Stirnen der Knaben,
die im inneren Kreise stehen, werden mit Blut gezeichnet; die Männer
umarmen und küssen sich, freuen sich und wünschen sich Glück, daß die
Lämmer ihrer Erlösung gefallen sind. Nachdem der Hohepriester die
Tiere sorgfältig geprüft hat, ob sie vorschriftsmäßig getötet wurden,
ohne Fehl sind und nicht mehr leben, wird kochendes Wasser aus den
Kesseln über sie gegossen, worauf die jungen Männer daran gehen, die
Wolle abzuzupfen und die Eingeweide zu entfernen. Diese werden in der
Grube verbrannt. Die Tierleiber werden auf lange Stangen aufgespießt
und den Flammen zum Braten übergeben. Damit die Grube die Hitze
halte, deckt man sie mit nasser Erde zu. Das Braten dauert bis gegen
Mitternacht. Inzwischen kommen die einzelnen Familien zusammen, um das
ungesäuerte Brot und die bitteren Kräuter zu essen; sie bieten sie auch
den Besuchern, die sich vielfach aus Neugierde einfinden, an. Damit
keine Störung von dieser Seite geschehe, ist während der ganzen Feier
türkisches Militär kommandiert, das die Ordnung aufrecht zu erhalten
hat; natürlich wird es dafür von den Samaritanern reichlich bezahlt.
Wenn das Fleisch nachts fertig gebraten ist, wird es aus der Grube
gezogen und von den Gläubigen, die mit gegürteten Lenden, Stäben in den
Händen und Schuhen an den Füßen dastehen, in großer Eile verzehrt.
[Illustration:
Mit Genehmigung von Braun & Co., Dornach.
Vor der Klagemauer Jerusalems.