Abb. 366. Der Scheich von Askalon (im alten Philisterland)

raucht im Empfangszimmer die Nargilehpfeife. Das neben ihm liegende

Schwert ist das Zeichen seiner Würde.]

Die +christlichen Feste+ (Abb. 367 bis 370) sind eng mit der

+Kirche des Heiligen Grabes+ verknüpft. Ursprünglich gab es in

Jerusalem nur zwei heilige Stätten: die der Kreuzigung und die der

Auferstehung; allmählich sind aber noch andere Stellen aufgefunden und

heiliggesprochen worden, die mit dem großen Trauerspiel auf Golgatha im

Zusammenhang stehen. Wenn die Pilger die Schritte Christi auf seinem

Wege nach Golgatha verfolgen, beginnen sie mit der Stelle, an der

Pilatus gestanden haben soll, als er in die Worte ausbrach: „Sehet,

welch ein Mensch!“ Der Bogen über dieser Straße ist als Eccehomobogen

(Abb. 374) bekannt; ihm schließen sich die Stellen an, wo sich seit

Jahrhunderten die verschiedenen Stationen des Kreuzweges dargestellt

finden. Den Schluß des Ganzen bildet die Kirche des Heiligen Grabes

(Abb. 372). Außerhalb derselben werden zu gewissen Zeiten Schauspiele

aufgeführt. Das imposanteste davon ist die Fußwaschung (Abb. 376),

bei der der griechische Patriarch zwölf Bischöfen die Füße wäscht, um

den Heiland darin nachzuahmen. Am Palmsonntag (Abb. 371) findet eine

Wallfahrt hierher statt, mit der eine prachtvolle Schau von Palmzweigen

verbunden ist. Zum +griechischen Osterfest+ zieht das Fest des

Heiligen Feuers die meisten Pilger herbei, die es als die wichtigste

Handlung ihrer Pilgerfahrt ansehen, eine Kerze an der heiligen Flamme

anzuzünden. Wer auf das Gelingen dieser religiösen Handlung besonderes

Gewicht legt, sichert sich bereits Stunden, sogar Tage vorher einen

Platz. Die Stadtverwaltung trifft alle mögliche Fürsorge, daß keine

Störung oder irgendwelche Folgen des Fanatismus sich bemerkbar machen;

sie stellt je eine Kompanie Soldaten in und vor der Kirche auf und

hält eine solche in der nächstgelegenen Kaserne bereit. Denn zu leicht

werden die Zuhörer zu großer Begeisterung und sogar direkt zur Raserei

hingerissen, wenn die Würdenträger der Kirche, mit kostbaren glänzenden

Gewändern geschmückt, erscheinen und die verwirrte Volksmenge

zurückzudrängen suchen, um genügend Platz für den Umzug um das Heilige

Grab zu schaffen. Nachdem dieser dreimal unter wilder Begeisterung

stattgefunden hat, betritt der Patriarch (Abb. 373) das Heilige Grab

und reicht bald eine Fackel aus ihm heraus, die von einem kräftigen

Arm, der darauf schon wartet, sofort ergriffen wird, um nach Bethlehem

getragen zu werden. Es entsteht dann eine große allgemeine Verwirrung;

ein jeder will von diesem heiligen Feuer etwas abbekommen. Allmählich

entleert sich die Kirche, und wer das Glück hatte, seine Kerze

anzuzünden, kehrt freudig heim.

Für die +Juden+ ist die +Klagemauer+ (siehe die Kunstbeilage) der

Anziehungspunkt in Jerusalem; seit vielen Jahrhunderten bildet sie

die Stätte, zu der Tausende und aber Tausende hinströmen, um über den

Steinen ihres verlorenen Erbes zu weinen. Doch kommen die Juden auch

bei freudigen Anlässen in ihrer Stadt zusammen. So bietet +Purim+,

das Fest, das zur Erinnerung an die Niederlage von Haman und das

Vorrücken von Mardochai gefeiert wird, Gelegenheit zu ausgelassener

Freude. Besonders auch die Kinder belustigen sich dabei, weil allerlei

Süßigkeiten in der Form von Schuhen, Pantoffeln und Hüten unter die

Jugend verteilt werden. Wenn dann das Buch Esther vom Rabbi in der

Synagoge vorgelesen wird und die versammelten Andächtigen den Namen

Haman hören, fangen alle an, mit den Füßen zu stampfen und auszurufen:

„Sein Name soll ausgelöscht werden“; die Kinder, die sich draußen

aufhalten, schütteln die Klappern, die sie von den Eltern zu diesem

Zweck erhalten haben, und schlagen mit Holzhämmern gegen die Mauer.

Ferner sei des +Laubhüttenfestes+ gedacht, des einzigen Festes, das

wohl noch in seiner ursprünglichen Einfachheit gefeiert wird. Man baut

Hütten (Abb. 375) aus Schilfrohr und Baumzweigen auf den Dächern der

Häuser, den Balkonen und auch in den Gärten und schmückt sie mit Obst,

wie es das Alte Testament vorschreibt.

[Illustration:

Phot. Amerikanische Kolonie, Jerusalem.

Abb. 367. Christliche Pilger baden im Jordan.

Ihre Gewänder haben die Länge des Salbsteins in der heiligen

Grabeskirche zu Jerusalem, auf den nach der Legende der Leichnam

Christi vor seiner Bestattung gelegt wurde.]

In Palästina besteht noch eine kleine, nicht einmal zweihundert

Seelen zählende jüdische Sekte, die das Passahfest (siehe die farbige

Kunstbeilage) noch ganz nach der Sitte ihrer Vorväter auf dem heiligen

Berge Gerizim, der ihre Wohnstätte überblickt, feiert. Es sind dies

die +Samaritaner+. Die dabei stattfindenden Riten werden ganz nach

dem Plan vollzogen, wie ihn das zweite Buch Mosis im 12. Kapitel

schildert. Sie schlagen ihre Zelte (Abb. 377) so dicht wie möglich in

zwei Reihen auf; darunter ist das wichtigste ein längliches Zelt für

das Tabernakel, dicht beim Opferplatz, der sich neben dem Zelt des

Hohenpriesters befindet. Neun Tage lang werden die Vorbereitungen zu

dem hohen Feste getroffen, im besonderen die Lämmer durch reichliches

und sorgfältiges Waschen für das Opfer zurechtgemacht. Am letzten

Abend, dem fünfzehnten des Monats Nisan, kleiden sich Männer und

Knaben in weiße Baumwollhemden und Hosen (Abb. 380); die Frauen legen

ebenfalls ihre beste Kleidung an, bleiben aber in den Zelten. In einem

Graben, dem Tabernakel gerade gegenüber, legt man Feuer an und bringt

darüber zwei große Kessel zum Wasserkochen an; währenddessen wird das

„Gesetz“ gelesen (Abb. 378). Am Ende dieses Grabens wird eine große,

etwa zwei Meter tiefe Grube gegraben und in ihr gleichfalls ein Feuer

entzündet, um das Opfer zu verbrennen. Zwei Stunden vor Sonnenuntergang

versammeln sich die männlichen Samaritaner im Tabernakel mit Ausnahme

der jungen Leute, denen die Aufgabe zufällt, die Lämmer zu töten und

auch auf das kochende Wasser, sowie die Feuer acht zu geben. Das Gesetz

wird noch einmal verlesen, wobei die Gesichter der Zuhörer den Ruinen

des Tempels auf der Bergesspitze zugewendet sind, und dann werden bei

Sonnenuntergang die Lämmer den jungen Burschen zum Schlachten gebracht;

die übrigen Samaritaner versammeln sich um die Opfer.

[Illustration:

Phot. Underwood & Underwood.

Abb. 368. Prozession am Sankt-Simons-Fest der griechisch-katholischen

Kirche.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 182 / 254 题