Nordasien.
Nordasien wird von einer Reihe Völkerstämme eingenommen, die
verschiedenen Rassen angehören, aber unter den gleichen klimatischen
Verhältnissen und Lebensbedingungen auch ziemlich dieselbe Kultur
angenommen haben. Da sind zunächst die +Altasiaten+ als die
Urbevölkerung im Osten dieses Gebietes zu nennen; zu ihnen gehören die
Tschuktschen oder Tschautschu (Abb. 299), die Korjäken, die Itälmen
oder Kamtschadalen, die Aleuten (bereits auf der Verbindungsbrücke
nach Amerika hin), die Inkagiren, Tschuvanen, Inuit oder Eskimo und
die Jenissejer (Abb. 298). Von allen dürften als am meisten typische
Vertreter noch die Tschuktschen gelten, Leute von mittlerer Größe,
hellbrauner Hautfarbe, straffem, schwarzem Kopfhaar, breitem Gesicht
mit vorstehenden Backenknochen, gerader Nase, horizontalstehenden
großen Augen und geringem Bartwuchs. Die übrigen Stämme lassen schon
mehr oder minder mongolischen Einschlag erkennen. Denn eigentliche
+Mongolen+ sind auch bis nach Sibirien vorgedrungen, die Tungusen
(Abb. 305) mit der Untergruppe der Lamuten und Orotschonen (Abb.
307) und die Burjäten (Abb. 303), die in ihrem Äußern deutlich ihre
Abstammung erkennen lassen. Eine dritte Gruppe bilden die +Ainu+
(im Norden Sachalins und am Mündungsgebiet des Amur) mit den aus
ihnen (mit Mandschumongolen?) hervorgegangenen Mischvölkern der
Giljaken und Golde. Hierzu kommen dann noch Vertreter der +türkischen
Völkerfamilie+, die Jakuten (Abb. 300, 302) und Tataren und schließlich
solche der +finnisch-ugrischen+ Völkergruppe, die Ostjaken, Samojeden
(Abb. 297), Karagassen, Sojoten und so weiter. Die Völker dieser
Abstammung sind gekennzeichnet durch Kleinwüchsigkeit, hellgelbe
Haut, schlichtes, dunkles, seltener helles Haar, dunkle Augen mit
schräg verlaufender Lidspalte, flaches Gesicht, kurze, an der Wurzel
eingedrückte Nase, die nach vorn in eine runde Kuppe endigt und
große Nasenflügel aufweist, großen Mund mit wulstiger, herabhängender
Unterlippe, kleines rundes Kinn und spärlichen Bartwuchs.
Ihrem +Charakter+ nach sind alle diese Völker gutmütig, bieder,
verträglich, gastfrei, ehrlich und widerstandsfähig in dem Ertragen von
Strapazen, andererseits aber auch selbstbewußt, großprahlerisch, unter
Umständen streitsüchtig, wenn sie sich unterordnen sollen, faul und
besonders stark dem Trunke ergeben.
[Illustration:
Aus: Buschan, Völkerkunde.