Abb. 188. Die moderne Form des Ram-Lila oder Ram-Schauspieles.]

+Abergläubische Vorstellungen+ (Abb. 200) beeinflussen die wichtigsten

Augenblicke im Leben des Hindu; besonderes Gewicht legt er darauf,

den bösen Blick abzuwenden. Um den etwaigen Einfluß der Planeten

unschädlich zu machen, werden bestimmte Dinge als Almosen verteilt,

so bei ungünstiger Konstellation des Saturn sieben verschiedene

Getreidearten oder etwas Schwarzes, wie Eisen oder ein schwarzer

Büffel, oder bei der des Mondes weiße Gegenstände, wie Silber, Reis,

eine weiße Kuh, ein weißes Gewand und anderes mehr. Zahlreiche

Gebräuche knüpfen sich aus dem gleichen Grunde an die +Geburt+ eines

Kindes, die je nach den verschiedenen Gegenden ganz verschieden und

auch ziemlich kompliziert ausfallen. Sie dauern ungefähr so lange, bis

die Mutter ihre Reinigung durchgemacht hat, was im Durchschnitt etwa

vierzehn Tage dauert, aber sich auch bis zu vierzig Tagen ausdehnen

kann; für bestimmte Tage sind meistens auch bestimmte Zeremonien

vorgeschrieben. So wird das Hindukind nach seiner Geburt mit Staub von

Backsteinen eingerieben, die in der Sonne getrocknet wurden, darauf

aber sofort in lauem Wasser gebadet. Es wird auch von der Hebamme

fünfmal in die Luft geworfen. Öl wird auf den Fußboden der Stube und

unter das Bett der Wöchnerin gegossen oder der Handgriff eines Pfluges

unter ihr Bett gelegt; in dasselbe kommt grünes Gras zu liegen, Senf-

und Dillkörner werden über ihren Kopf ausgestreut und sodann in einen

irdenen Topf zusammen mit Feuer getan, das sie mit dem Fuße austreten

muß. In den nächsten Tagen werden der Mutter die Nägel beschnitten

und so weiter. Eine ganz sonderbare Zeremonie wird mit der Wöchnerin

am sechsten Tage im Staate Jindh und in seiner Umgebung vorgenommen.

Man errichtet auf der einen Seite des Hauses neben der Tür sieben

konzentrische Kreise aus Kuhdung, legt in den innersten Haufen ein

Vierannastück und steckt sieben Zweige vom Besenginster hinein, ebenso

trägt man auf der anderen Seite der Haustür einen Haufen aus dem

gleichen Material auf, auf das aber eine Rupie gelegt und ebenfalls

sieben Ginsterzweige gesteckt werden, und breitet schließlich noch in

der Mitte vor der Türschwelle auf einer Platte fünfeinhalb Sers Weizen,

sowie ein weibliches Gewand aus. Darauf kommt die Mutter heraus, läßt

sich nieder und betet diese Dinge an. Der Weizen, die Kleider und die

beiden Münzen werden schließlich dem Sohne von des Vaters Schwester

überlassen. Merkwürdigerweise spielt Kuhdung bei der Geburt der Hindu

verschiedentlich eine große Rolle. -- Wird ein Kind bereits im achten

Monat geboren, dann behauptet man, daß es entweder am achten Tage,

im achten Monat, achten oder achtzehnten Jahre sterben wird. Einem

totgeborenen oder unmittelbar nach der Geburt gestorbenen Kinde wird

durch die Nase ein goldener Ring gezogen, damit es nicht der Familie

Unglück bringe. -- Die Nachgeburt und die Nabelschnur werden für

gewöhnlich verbrannt.

Bei der +Namensgebung+ findet eine besondere Zeremonie statt. Ein rohes

Viereck mit Diagonalen wird mittels Kuhdung auf die Wand gemalt, in

jede Ecke und Kreuzung von ihm ein Stück Muschelgeld eingelassen und

das Ganze mit Zinnober bestrichen; davor werden Kuchen gestellt. Das

Kind wird ganz mit Öl eingerieben, um die Augen herum mit Augensalbe

bemalt und in neue Gewänder gekleidet; gleichzeitig erhält es zum

ersten Male Ringe um Arme und Knöchel gelegt und Geld in die Hand

gesteckt. Darauf bekommt es seinen Namen. Dieser wird ihm meistens von

dem ältesten Familienmitgliede gegeben; für seine Auswahl ist entweder

das Urteil des Astrologen oder das Los ausschlaggebend.

[Illustration:

Phot. Underwood & Underwood.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 119 / 254 题