+Abergläubische Vorstellungen+ (Abb. 200) beeinflussen die wichtigsten
Augenblicke im Leben des Hindu; besonderes Gewicht legt er darauf,
den bösen Blick abzuwenden. Um den etwaigen Einfluß der Planeten
unschädlich zu machen, werden bestimmte Dinge als Almosen verteilt,
so bei ungünstiger Konstellation des Saturn sieben verschiedene
Getreidearten oder etwas Schwarzes, wie Eisen oder ein schwarzer
Büffel, oder bei der des Mondes weiße Gegenstände, wie Silber, Reis,
eine weiße Kuh, ein weißes Gewand und anderes mehr. Zahlreiche
Gebräuche knüpfen sich aus dem gleichen Grunde an die +Geburt+ eines
Kindes, die je nach den verschiedenen Gegenden ganz verschieden und
auch ziemlich kompliziert ausfallen. Sie dauern ungefähr so lange, bis
die Mutter ihre Reinigung durchgemacht hat, was im Durchschnitt etwa
vierzehn Tage dauert, aber sich auch bis zu vierzig Tagen ausdehnen
kann; für bestimmte Tage sind meistens auch bestimmte Zeremonien
vorgeschrieben. So wird das Hindukind nach seiner Geburt mit Staub von
Backsteinen eingerieben, die in der Sonne getrocknet wurden, darauf
aber sofort in lauem Wasser gebadet. Es wird auch von der Hebamme
fünfmal in die Luft geworfen. Öl wird auf den Fußboden der Stube und
unter das Bett der Wöchnerin gegossen oder der Handgriff eines Pfluges
unter ihr Bett gelegt; in dasselbe kommt grünes Gras zu liegen, Senf-
und Dillkörner werden über ihren Kopf ausgestreut und sodann in einen
irdenen Topf zusammen mit Feuer getan, das sie mit dem Fuße austreten
muß. In den nächsten Tagen werden der Mutter die Nägel beschnitten
und so weiter. Eine ganz sonderbare Zeremonie wird mit der Wöchnerin
am sechsten Tage im Staate Jindh und in seiner Umgebung vorgenommen.
Man errichtet auf der einen Seite des Hauses neben der Tür sieben
konzentrische Kreise aus Kuhdung, legt in den innersten Haufen ein
Vierannastück und steckt sieben Zweige vom Besenginster hinein, ebenso
trägt man auf der anderen Seite der Haustür einen Haufen aus dem
gleichen Material auf, auf das aber eine Rupie gelegt und ebenfalls
sieben Ginsterzweige gesteckt werden, und breitet schließlich noch in
der Mitte vor der Türschwelle auf einer Platte fünfeinhalb Sers Weizen,
sowie ein weibliches Gewand aus. Darauf kommt die Mutter heraus, läßt
sich nieder und betet diese Dinge an. Der Weizen, die Kleider und die
beiden Münzen werden schließlich dem Sohne von des Vaters Schwester
überlassen. Merkwürdigerweise spielt Kuhdung bei der Geburt der Hindu
verschiedentlich eine große Rolle. -- Wird ein Kind bereits im achten
Monat geboren, dann behauptet man, daß es entweder am achten Tage,
im achten Monat, achten oder achtzehnten Jahre sterben wird. Einem
totgeborenen oder unmittelbar nach der Geburt gestorbenen Kinde wird
durch die Nase ein goldener Ring gezogen, damit es nicht der Familie
Unglück bringe. -- Die Nachgeburt und die Nabelschnur werden für
gewöhnlich verbrannt.
Bei der +Namensgebung+ findet eine besondere Zeremonie statt. Ein rohes
Viereck mit Diagonalen wird mittels Kuhdung auf die Wand gemalt, in
jede Ecke und Kreuzung von ihm ein Stück Muschelgeld eingelassen und
das Ganze mit Zinnober bestrichen; davor werden Kuchen gestellt. Das
Kind wird ganz mit Öl eingerieben, um die Augen herum mit Augensalbe
bemalt und in neue Gewänder gekleidet; gleichzeitig erhält es zum
ersten Male Ringe um Arme und Knöchel gelegt und Geld in die Hand
gesteckt. Darauf bekommt es seinen Namen. Dieser wird ihm meistens von
dem ältesten Familienmitgliede gegeben; für seine Auswahl ist entweder
das Urteil des Astrologen oder das Los ausschlaggebend.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.