und zur Abwehr von epidemischen Seuchen unter den Eingeborenen. Einer
der Tänzer unter dem Blätterwerk ist vom Geiste besessen.]
Die +sexuelle Moral+ ist bei den Wedda von jeher eine außerordentlich
hohe gewesen und ist es auch jetzt noch; sowohl Verheiratete wie auch
Unverheiratete sind gewohnheitsgemäß keusch. Die Leute leben streng
monogam und halten sich die gegenseitige Treue bis in den Tod. Bei
seiner +Werbung+ bringt der junge Mann dem Vater seiner Erkorenen
Geschenke in Gestalt von Honig, getrocknetem Wild und Fleisch der
Warneidechse dar, dieser ruft seine Tochter herbei und übergibt sie
der Obhut ihres Gatten, für den sie sofort ein Gürtelband anfertigt.
Bei der +Heirat+ überläßt der Vater meistens seinem Schwiegersohne
ein Stück Land, für gewöhnlich einen Hügel, der von einer Kolonie
Felsenbienen bewohnt ist, oder er schenkt ihm etwas aus seinem
persönlichen Besitze, wie einen Bogen oder ein bis zwei Pfeile, auch
wohl einen Hund. Ein anderer Brauch, der jetzt bereits im Schwinden
begriffen ist, besteht darin, daß der Bräutigam zugleich mit den
Eßwaren für den Vater des Mädchens diesem eine Haarlocke überreicht,
die entweder von seiner Schwester oder von ihm stammen muß. Es war dies
früher allgemeine Sitte und gehörte gleichsam zur Hochzeitszeremonie;
unterließ der Bräutigam dieses Geschenk, so konnte das Mädchen darauf
bestehen, daß sie eine Haarlocke erhielt. Anderseits aber war es auch
Pflicht der Schwester des Bräutigams, sich für diesen beziehungsweise
seine Braut eine Haarlocke abschneiden zu lassen, wenn sie wußte, daß
es sich dabei um eine Hochzeitsgabe handelte. Nur wenn die Schwester
zufällig fort oder überhaupt nicht vorhanden war, mußte der junge
Mann die Locke seinem eigenen Haar abschneiden. Der Grund für diese
eigentümliche Sitte ist ein ganz prosaischer. Bei den Wedda ist es
allgemein üblich, daß die Frauen, aber nur die verheirateten, falsche
Haare tragen, angeblich, damit der Haarknoten recht kräftig aussehen
soll. Diese Erklärung erscheint aber recht unwahrscheinlich für ein
Volk, das so herzlich wenig Wert auf sein Äußeres legt, wie die Wedda.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 88. Weddazauber.
Um festzustellen, welcher Yaka für eine Krankheit verantwortlich zu
machen ist, balanciert der Wedda seinen Bogen und wartet ab, bei
welchem Namen dieser zu schwingen anfängt.]
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 89. Geburtszeremonie bei den Wedda.
Der Vater der Schwangeren bedeckt diese mit einem Wila und sagt das
Geschlecht des zu erwartenden Kindes voraus.]
+Witwen+ dürfen sich wieder verheiraten, gewöhnlich verbinden sie
sich mit einem unverheirateten Bruder des verstorbenen Mannes, sofern
dies möglich ist. Auch ihre sexuelle Moral steht ebenso hoch wie die
der unverheirateten Mädchen. -- Auffällig ist, daß bei den Wedda sich
Kinder von Bruder und Schwester, also Cousin und Cousine über Kreuz
heiraten dürfen, eine Verbindung, die anderwärts für Blutschande gilt.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 90. Geburtszeremonie bei den Wedda.
Der Vater der Schwangeren bittet mit dem Wila in der Hand um eine
glückliche Entbindung seiner Tochter.]
Trotzdem die Religion der Wedda in einem Totenkult gipfelt, machen sie
mit ihren +Verstorbenen+ keine besonderen Umstände. Stirbt jemand, so
bleibt sein Körper einfach in der Höhle oder unter dem Felsenspalt
liegen, wo der Tod eintrat; die Leiche wird weder gewaschen noch
bekleidet oder in irgend einer Weise geschmückt, man läßt sie auf
dem Rücken liegen und deckt sie nur mit Blättern und Zweigen zu; in
früheren Tagen wälzte man noch einen Stein auf die Brust, jedenfalls um
zu verhindern, daß die Seele austrete und die Überlebenden belästige.
So schnell wie möglich wird die Höhle von den Angehörigen verlassen
und für längere Zeit gemieden. Nach Jahren pflegen die Söhne zumeist
wieder zu dieser Stätte zurückzukehren und die etwa noch vorhandenen
Knochen einfach in den Dschungel zu werfen. -- Um die Geister gut zu
stimmen, hält man es gewöhnlich für notwendig, den Verstorbenen eine
Opfergabe, meistens ein bis zwei Wochen nach dem Tode, darzubringen;
dieses Opfer muß aus gekochtem Reis und Kokosnußmilch, häufig auch
noch aus Betelblättern und Arekanuß bestehen. In jeder Gemeinde gibt
es wohl immer einen Schamanen, der die erforderliche Macht und die
Kenntnisse besitzt, um die Geister, die Yaku, anzurufen; er fordert die
kürzlich Verstorbenen auch auf, zu kommen und das ihnen dargebotene
Opfer anzunehmen. Der Yaka kommt, nimmt von dem Schamanen Besitz und
spricht durch dessen Mund mit heiseren gutturalen Tönen, daß er
mit dem Opfer zufrieden sei und sich bemühen werde, den Angehörigen
seiner Sippe bei der Jagd behilflich zu sein; oft gibt er ihnen auch
an, welche Richtung die Männer beim nächsten Jagdausflug einzuschlagen
haben, um Beute heimzubringen. Nachdem die Seele den Schamanen
verlassen hat, verzehren die versammelten Hinterbliebenen den Reis,
gewöhnlich sogleich an der Stelle, wo sie das Opfer darbrachten.
[Illustration: Singhalesische Teufelstänzer,
die groteske, Dämonen darstellende Holzmasken tragen. Diese Dämonen
sollen in Krankheitsfällen durch die Teufelstänzer versöhnt werden.
Über den Rücken des linken Tänzers hängt eine dreiköpfige, die Maske
überragende Kobra. Alle Dämonen stellen sich die Singhalesen mit
großen weißen Fangzähnen und starren, unbeweglichen Augen vor. Diese
sonderbaren Teufelstänze sollen gewöhnlich einen guten Einfluß auf den
Kranken ausüben.]
Die herrschende Klasse auf Ceylon sind die +Singhalesen+, ein aus
Nordindien eingewanderter Volksstamm, der zwar bei seinem Erscheinen
schon gemischt war, aber im großen und ganzen doch in seinem Äußeren
die Merkmale des Hindutypus seines Ursprungslandes bewahrt hatte.
Dementsprechend besitzen sie feine, regelmäßige Züge; besonders
die Frauen sind manchmal wirkliche Schönheiten (Abbild. 91). Von
ihren dunkelhäutigen Mitbewohnern der Insel unterscheiden sich die
Singhalesen durch ihre größere Gestalt (die Männer im Durchschnitt
hundertdreiundsechzig Zentimeter), eine geringere Pigmentierung der
Haut, die ein helles Braun oder hellbräunliches Gelb aufweist, eine
größere und schmalere, feinere Nase und reichliches Körper- und
Barthaar; schöngepflegte Vollbärte sind keine Seltenheit unter ihnen.
[Illustration: Abb. 91. Singhalesin.]
Die Singhalesen +wohnen+ zumeist in +Dörfern+ (Abb. 93) in den Tälern
und Falten der Gebirge im Innern, sowie an der Küste; hier größtenteils
in besonderen Vierteln der großen Städte.
Ihrem +Charakter+ nach sind die Singhalesen klug, höflich, würdevoll
und ernst, auch selbstbewußt; die des Unterlandes aber verweichlicht,
schlaff und energielos. Dieser Eindruck wird noch durch ihre
+Kleidung+ erhöht. Ein um die Hüften geschlungenes Tuch macht bei
beiden Geschlechtern das nationale Gewand aus; es hat bei den Männern
verschiedene Länge, je nach der sozialen Rangordnung seines Trägers.
Die Singhalesen zerfallen nämlich in eine Reihe +Berufskasten+;
die vornehmste Kaste stellen die Goiwansa (die höheren Beamten und
Grundbesitzer); es folgen sodann im Range die Karawo (Fischer), die
Tschaudo (Palmweinbauern), die Atschari (Handwerker allerlei Art) und
so weiter; auf der niedrigsten Stufe stehen die Rodiya (Abb. 92),
denen jeglicher Verkehr mit Menschen höherer Klasse verboten ist.
Diese Paria dürfen ihr Gewand nur bis zu den Knien, höchstens bis zu
den Waden reichen lassen, dagegen die Goiwansa dürfen ein solches
bis zu den Knöcheln tragen, was für große Vornehmheit gilt. In den
Städten des Unterlandes tragen die Männer außerdem noch eine nach
europäischem Schnitt angefertigte Jacke, im Berglande aber gehen sie
mit entblößtem Oberkörper einher. Einen besonders weichlichen Eindruck
macht die +Haartracht+ der Männer. Ihr langes Haar wird nach hinten
zusammengerafft und durch einen halbkreisförmig gebogenen, quer über
den Hinterkopf gelegten Schildpattkamm zurückgehalten. Im Oberland,
wo diese Tracht nicht üblich ist, wird das Haar durch ein um den Kopf
gelegtes Tuch hochgehalten oder bleibt auch ganz unbedeckt. Der Rock
der Frauen gleicht dem der Männer; es wird von ihnen gleichfalls ein
langes Tuch um den Unterkörper geschlungen, aber es ist so lang, daß es
noch den Oberkörper einzuhüllen vermag. Sein Ende wird nämlich über die
linke Schulter geworfen und an der Taille wieder unter das untere Stück
eingesteckt. Den untersten Kasten ist es verboten, mit dem gleichen
Stück auch den Oberkörper zu bedecken; sie müssen hierzu ein besonderes
Tuch verwenden. -- Alle Singhalesen bekunden eine große Vorliebe für
Schmuck, von dem wohl keine Körperstelle freigelassen wird; Finger,
Vorder- und Oberarm, Hals, Ohren, Taille und selbst Fußgelenke und
Zehen werden, wenn es die Verhältnisse erlauben, mit Schmuck gleichsam
überladen, der nach Möglichkeit aus Edelmetallen (Gold und Silber)
sowie aus Edelsteinen und Perlen besteht. Bei festlichen Gelegenheiten
wird von den Frauen ein wahrer Prunk entfaltet; wo der eigene Besitz
dazu nicht ausreicht, wird der Zierat von guten Bekannten geliehen.
[Illustration: Abb. 92. Rodiya, die Bewohner von Hadirawalani.]
Die Singhalesen sind ein +ackerbautreibendes+ Volk; in den Städten
üben sie auch verschiedene Handwerke aus und bekunden hierin einen
entschieden künstlerischen Sinn. Die meiste Arbeit im Haus, sowie im
Garten und auf dem Felde verrichtet die Frau.
Alle Singhalesen bekennen sich zum +Buddhismus+ (Abb. 94), aber
ihre +religiösen Übungen+ umfassen mancherlei Handlungen und
Zeremonien aus anderen, niederer stehenden Religionen, unter anderem
das Darbringen von Opfergaben, und ein verwickeltes Ritual zur
Versöhnung verschiedener Klassen von Teufeln, Yakan genannt, sowie zur
Beseitigung schädlicher Einflüsse von seiten der Gestirne oder lokaler
Gottheiten, der Geister von Ortshäuptlingen und sonstigen bedeutenden
Persönlichkeiten, darunter auch einigen Königen. Dieser Geister muß
es eine große Menge geben, denn Listen, von denen man weiß, daß sie
unvollständig sind, zählen deren ungefähr hundertzwanzig mit Namen auf.
Man hält sie im allgemeinen für wohlgesinnt und wohlwollend, aber oft
auch für feindlich und schädlich und bringt ihnen daher Opfer dar. Alle
diese Dienste verrichten geschulte Vermittler oder Priester. Unter den
heiligen Handlungen, die sie vornehmen, um einen Dämon zu bewegen, daß
er von seinem Opfer Abstand nehme, das er mit Krankheit heimgesucht
hat, machen verschiedentlich Tänze (Abb. 95 und 96) den Hauptanteil
an den Zeremonien aus; in anderen Fällen werden Opfer dargebracht und
phantastischer Kopfschmuck und Masken getragen (siehe die farbige
Kunstbeilage). -- Wie im übrigen Indien, so werden auf Ceylon für den
Tempeldienst besondere Tänzerinnen, die sogenannten Nautschmädchen
(Abb. 80), schon von klein auf ausgebildet.
[Illustration: Abb. 93. Eingeborenenhütte in einer Kokosplantage
(Wälawatta bei Colombo).]
[Illustration:
Phot. Platé & Co.
Abb. 94. Eine tragbare buddhistische Bethalle.
An der Vorderseite sind Masken in Relief angebracht, die Dämonen
vorstellen; einige davon sind von Cobraköpfen überragt. Zwei Dämonen
bewachen die Seiten.]
Ist jemand von einer Krankheit befallen, dann wenden sich die
Angehörigen zuerst an einen eingeborenen Arzt. Wenn dessen medizinische
Behandlung nach einigen Tagen ohne Wirkung zu bleiben scheint, nehmen
sie an, daß die Krankheit auf diese Weise nicht gehoben werden könne,
sondern von einem feindlichen Einflusse, entweder von einem bösen
Blick oder einem Dämon oder einer schädlichen Einwirkung der Gestirne
herrühren müsse. Sie wenden sich jetzt an einen Wahrsager, der, nachdem
er sich hat Bericht erstatten lassen, für gewöhnlich erklärt, daß
das Leiden die Tat eines bestimmten Dämons sei, und daher empfiehlt,
ihm eine Opfergabe zu versprechen. Der Priester, der diese vollzieht,
befestigt als äußerlich sichtbares Zeichen, daß dieser Forderung
Genüge geschah, an die kranke Person ein Bare (Merkmal), entweder
eine in ein Stückchen gelbgefärbten Kattuns eingewickelte Münze um
den Hals oder Arm, auch einen dreifachen ebenso gefärbten Faden, oder
ein zusammengelegtes Taschentuch und anderes mehr, hängt auch ein
entsprechendes Merkmal in seinem Hause oder Kornspeicher auf. Soll
daraufhin die Versöhnung des Dämons vor sich gehen, so kommt an einem
festgesetzten Tage oder Abend der Priester mit noch einem oder mehreren
anderen ins Haus des Kranken, wo sich auch bereits Tamtamschläger
eingefunden haben. Auf einem auf vier Stöcken hergerichteten Tischaltar
wird eine Speise gekocht, deren Auswahl sich nach dem zu versöhnenden
Dämon richtet, und diesem auf Bananenblättern als Tellern geopfert.
Den Altar umstehen kleine Dochtlämpchen. Alles, was für die Zeremonie
verwendet und geopfert wird, muß drei Reinigungen oder Läuterungen
durchmachen. Es wird Weihrauch in einem Fäßchen geschwungen oder auf
einen brennenden Stock gestreut, und die Enden eines weißen Tuches
von genügender Länge werden von dem Priester in Form einer Acht
in horizontaler Richtung geschwungen. Der Priester ist mit einem
weißen Tuch bekleidet, das Haupt und Schultern bedeckt. Gleichzeitig
werden die Tamtame so laut wie möglich geschlagen und Rohrpfeifen
und Trompeten geblasen, um die Aufmerksamkeit des Dämons auf sich zu
lenken. In manchen Fällen erfassen die Priester die Fackeln, schwingen
sie und tanzen umher; die ganze Szene macht auf jeden Zuschauer einen
ganz unheimlichen Eindruck, auch auf den Kranken, der ihr von Anfang
bis zu Ende beiwohnt. Wird der oberste der Teufel, Sanni Yaka, der
Krämpfe, heftige Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und so weiter veranlaßt,
angerufen, so kommen Masken in Anwendung. Es gibt deren nicht weniger
als zweiunddreißig, jede von ihnen, ausgenommen die letzte, läßt
äußerlich bestimmte, meistens verzerrte Züge eines Leidens erkennen,
die er verursacht; die letzte Maske zeigt den Teufel aber in seiner
wahren Gestalt als eine milde, gutartig aussehende Persönlichkeit. Wird
er um Gnade angegangen, dann legt einer der Priester eine der Masken
an, tritt aus dem Hintergrunde hervor, berührt die Speise, tanzt ein
wenig und zieht sich darauf wieder zurück. Sodann erscheint er oder
ein anderer mit einer neuen Maske; dies geht immer so weiter, bis
alle zweiunddreißig Masken vorgeführt worden sind. Nach Ablauf dieser
Zeremonie muß der Kranke dann genesen sein.
[Illustration:
Phot. Platé & Co.
Abb. 95. Singhalesische Stocktänzer,
die hockend oder stehend um den in der Mitte befindlichen
Leiter herumtanzen, indem sie gleichmäßig im Takt ihre Stöcke
gegeneinanderschlagen.]
[Illustration:
Phot. Platé & Co.