Abb. 87. Kolamaduwazeremonie zur Heilung von Krankheiten des Viehs

und zur Abwehr von epidemischen Seuchen unter den Eingeborenen. Einer

der Tänzer unter dem Blätterwerk ist vom Geiste besessen.]

Die +sexuelle Moral+ ist bei den Wedda von jeher eine außerordentlich

hohe gewesen und ist es auch jetzt noch; sowohl Verheiratete wie auch

Unverheiratete sind gewohnheitsgemäß keusch. Die Leute leben streng

monogam und halten sich die gegenseitige Treue bis in den Tod. Bei

seiner +Werbung+ bringt der junge Mann dem Vater seiner Erkorenen

Geschenke in Gestalt von Honig, getrocknetem Wild und Fleisch der

Warneidechse dar, dieser ruft seine Tochter herbei und übergibt sie

der Obhut ihres Gatten, für den sie sofort ein Gürtelband anfertigt.

Bei der +Heirat+ überläßt der Vater meistens seinem Schwiegersohne

ein Stück Land, für gewöhnlich einen Hügel, der von einer Kolonie

Felsenbienen bewohnt ist, oder er schenkt ihm etwas aus seinem

persönlichen Besitze, wie einen Bogen oder ein bis zwei Pfeile, auch

wohl einen Hund. Ein anderer Brauch, der jetzt bereits im Schwinden

begriffen ist, besteht darin, daß der Bräutigam zugleich mit den

Eßwaren für den Vater des Mädchens diesem eine Haarlocke überreicht,

die entweder von seiner Schwester oder von ihm stammen muß. Es war dies

früher allgemeine Sitte und gehörte gleichsam zur Hochzeitszeremonie;

unterließ der Bräutigam dieses Geschenk, so konnte das Mädchen darauf

bestehen, daß sie eine Haarlocke erhielt. Anderseits aber war es auch

Pflicht der Schwester des Bräutigams, sich für diesen beziehungsweise

seine Braut eine Haarlocke abschneiden zu lassen, wenn sie wußte, daß

es sich dabei um eine Hochzeitsgabe handelte. Nur wenn die Schwester

zufällig fort oder überhaupt nicht vorhanden war, mußte der junge

Mann die Locke seinem eigenen Haar abschneiden. Der Grund für diese

eigentümliche Sitte ist ein ganz prosaischer. Bei den Wedda ist es

allgemein üblich, daß die Frauen, aber nur die verheirateten, falsche

Haare tragen, angeblich, damit der Haarknoten recht kräftig aussehen

soll. Diese Erklärung erscheint aber recht unwahrscheinlich für ein

Volk, das so herzlich wenig Wert auf sein Äußeres legt, wie die Wedda.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 88. Weddazauber.

Um festzustellen, welcher Yaka für eine Krankheit verantwortlich zu

machen ist, balanciert der Wedda seinen Bogen und wartet ab, bei

welchem Namen dieser zu schwingen anfängt.]

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 89. Geburtszeremonie bei den Wedda.

Der Vater der Schwangeren bedeckt diese mit einem Wila und sagt das

Geschlecht des zu erwartenden Kindes voraus.]

+Witwen+ dürfen sich wieder verheiraten, gewöhnlich verbinden sie

sich mit einem unverheirateten Bruder des verstorbenen Mannes, sofern

dies möglich ist. Auch ihre sexuelle Moral steht ebenso hoch wie die

der unverheirateten Mädchen. -- Auffällig ist, daß bei den Wedda sich

Kinder von Bruder und Schwester, also Cousin und Cousine über Kreuz

heiraten dürfen, eine Verbindung, die anderwärts für Blutschande gilt.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 90. Geburtszeremonie bei den Wedda.

Der Vater der Schwangeren bittet mit dem Wila in der Hand um eine

glückliche Entbindung seiner Tochter.]

Trotzdem die Religion der Wedda in einem Totenkult gipfelt, machen sie

mit ihren +Verstorbenen+ keine besonderen Umstände. Stirbt jemand, so

bleibt sein Körper einfach in der Höhle oder unter dem Felsenspalt

liegen, wo der Tod eintrat; die Leiche wird weder gewaschen noch

bekleidet oder in irgend einer Weise geschmückt, man läßt sie auf

dem Rücken liegen und deckt sie nur mit Blättern und Zweigen zu; in

früheren Tagen wälzte man noch einen Stein auf die Brust, jedenfalls um

zu verhindern, daß die Seele austrete und die Überlebenden belästige.

So schnell wie möglich wird die Höhle von den Angehörigen verlassen

und für längere Zeit gemieden. Nach Jahren pflegen die Söhne zumeist

wieder zu dieser Stätte zurückzukehren und die etwa noch vorhandenen

Knochen einfach in den Dschungel zu werfen. -- Um die Geister gut zu

stimmen, hält man es gewöhnlich für notwendig, den Verstorbenen eine

Opfergabe, meistens ein bis zwei Wochen nach dem Tode, darzubringen;

dieses Opfer muß aus gekochtem Reis und Kokosnußmilch, häufig auch

noch aus Betelblättern und Arekanuß bestehen. In jeder Gemeinde gibt

es wohl immer einen Schamanen, der die erforderliche Macht und die

Kenntnisse besitzt, um die Geister, die Yaku, anzurufen; er fordert die

kürzlich Verstorbenen auch auf, zu kommen und das ihnen dargebotene

Opfer anzunehmen. Der Yaka kommt, nimmt von dem Schamanen Besitz und

spricht durch dessen Mund mit heiseren gutturalen Tönen, daß er

mit dem Opfer zufrieden sei und sich bemühen werde, den Angehörigen

seiner Sippe bei der Jagd behilflich zu sein; oft gibt er ihnen auch

an, welche Richtung die Männer beim nächsten Jagdausflug einzuschlagen

haben, um Beute heimzubringen. Nachdem die Seele den Schamanen

verlassen hat, verzehren die versammelten Hinterbliebenen den Reis,

gewöhnlich sogleich an der Stelle, wo sie das Opfer darbrachten.

[Illustration: Singhalesische Teufelstänzer,

die groteske, Dämonen darstellende Holzmasken tragen. Diese Dämonen

sollen in Krankheitsfällen durch die Teufelstänzer versöhnt werden.

Über den Rücken des linken Tänzers hängt eine dreiköpfige, die Maske

überragende Kobra. Alle Dämonen stellen sich die Singhalesen mit

großen weißen Fangzähnen und starren, unbeweglichen Augen vor. Diese

sonderbaren Teufelstänze sollen gewöhnlich einen guten Einfluß auf den

Kranken ausüben.]

Die herrschende Klasse auf Ceylon sind die +Singhalesen+, ein aus

Nordindien eingewanderter Volksstamm, der zwar bei seinem Erscheinen

schon gemischt war, aber im großen und ganzen doch in seinem Äußeren

die Merkmale des Hindutypus seines Ursprungslandes bewahrt hatte.

Dementsprechend besitzen sie feine, regelmäßige Züge; besonders

die Frauen sind manchmal wirkliche Schönheiten (Abbild. 91). Von

ihren dunkelhäutigen Mitbewohnern der Insel unterscheiden sich die

Singhalesen durch ihre größere Gestalt (die Männer im Durchschnitt

hundertdreiundsechzig Zentimeter), eine geringere Pigmentierung der

Haut, die ein helles Braun oder hellbräunliches Gelb aufweist, eine

größere und schmalere, feinere Nase und reichliches Körper- und

Barthaar; schöngepflegte Vollbärte sind keine Seltenheit unter ihnen.

[Illustration: Abb. 91. Singhalesin.]

Die Singhalesen +wohnen+ zumeist in +Dörfern+ (Abb. 93) in den Tälern

und Falten der Gebirge im Innern, sowie an der Küste; hier größtenteils

in besonderen Vierteln der großen Städte.

Ihrem +Charakter+ nach sind die Singhalesen klug, höflich, würdevoll

und ernst, auch selbstbewußt; die des Unterlandes aber verweichlicht,

schlaff und energielos. Dieser Eindruck wird noch durch ihre

+Kleidung+ erhöht. Ein um die Hüften geschlungenes Tuch macht bei

beiden Geschlechtern das nationale Gewand aus; es hat bei den Männern

verschiedene Länge, je nach der sozialen Rangordnung seines Trägers.

Die Singhalesen zerfallen nämlich in eine Reihe +Berufskasten+;

die vornehmste Kaste stellen die Goiwansa (die höheren Beamten und

Grundbesitzer); es folgen sodann im Range die Karawo (Fischer), die

Tschaudo (Palmweinbauern), die Atschari (Handwerker allerlei Art) und

so weiter; auf der niedrigsten Stufe stehen die Rodiya (Abb. 92),

denen jeglicher Verkehr mit Menschen höherer Klasse verboten ist.

Diese Paria dürfen ihr Gewand nur bis zu den Knien, höchstens bis zu

den Waden reichen lassen, dagegen die Goiwansa dürfen ein solches

bis zu den Knöcheln tragen, was für große Vornehmheit gilt. In den

Städten des Unterlandes tragen die Männer außerdem noch eine nach

europäischem Schnitt angefertigte Jacke, im Berglande aber gehen sie

mit entblößtem Oberkörper einher. Einen besonders weichlichen Eindruck

macht die +Haartracht+ der Männer. Ihr langes Haar wird nach hinten

zusammengerafft und durch einen halbkreisförmig gebogenen, quer über

den Hinterkopf gelegten Schildpattkamm zurückgehalten. Im Oberland,

wo diese Tracht nicht üblich ist, wird das Haar durch ein um den Kopf

gelegtes Tuch hochgehalten oder bleibt auch ganz unbedeckt. Der Rock

der Frauen gleicht dem der Männer; es wird von ihnen gleichfalls ein

langes Tuch um den Unterkörper geschlungen, aber es ist so lang, daß es

noch den Oberkörper einzuhüllen vermag. Sein Ende wird nämlich über die

linke Schulter geworfen und an der Taille wieder unter das untere Stück

eingesteckt. Den untersten Kasten ist es verboten, mit dem gleichen

Stück auch den Oberkörper zu bedecken; sie müssen hierzu ein besonderes

Tuch verwenden. -- Alle Singhalesen bekunden eine große Vorliebe für

Schmuck, von dem wohl keine Körperstelle freigelassen wird; Finger,

Vorder- und Oberarm, Hals, Ohren, Taille und selbst Fußgelenke und

Zehen werden, wenn es die Verhältnisse erlauben, mit Schmuck gleichsam

überladen, der nach Möglichkeit aus Edelmetallen (Gold und Silber)

sowie aus Edelsteinen und Perlen besteht. Bei festlichen Gelegenheiten

wird von den Frauen ein wahrer Prunk entfaltet; wo der eigene Besitz

dazu nicht ausreicht, wird der Zierat von guten Bekannten geliehen.

[Illustration: Abb. 92. Rodiya, die Bewohner von Hadirawalani.]

Die Singhalesen sind ein +ackerbautreibendes+ Volk; in den Städten

üben sie auch verschiedene Handwerke aus und bekunden hierin einen

entschieden künstlerischen Sinn. Die meiste Arbeit im Haus, sowie im

Garten und auf dem Felde verrichtet die Frau.

Alle Singhalesen bekennen sich zum +Buddhismus+ (Abb. 94), aber

ihre +religiösen Übungen+ umfassen mancherlei Handlungen und

Zeremonien aus anderen, niederer stehenden Religionen, unter anderem

das Darbringen von Opfergaben, und ein verwickeltes Ritual zur

Versöhnung verschiedener Klassen von Teufeln, Yakan genannt, sowie zur

Beseitigung schädlicher Einflüsse von seiten der Gestirne oder lokaler

Gottheiten, der Geister von Ortshäuptlingen und sonstigen bedeutenden

Persönlichkeiten, darunter auch einigen Königen. Dieser Geister muß

es eine große Menge geben, denn Listen, von denen man weiß, daß sie

unvollständig sind, zählen deren ungefähr hundertzwanzig mit Namen auf.

Man hält sie im allgemeinen für wohlgesinnt und wohlwollend, aber oft

auch für feindlich und schädlich und bringt ihnen daher Opfer dar. Alle

diese Dienste verrichten geschulte Vermittler oder Priester. Unter den

heiligen Handlungen, die sie vornehmen, um einen Dämon zu bewegen, daß

er von seinem Opfer Abstand nehme, das er mit Krankheit heimgesucht

hat, machen verschiedentlich Tänze (Abb. 95 und 96) den Hauptanteil

an den Zeremonien aus; in anderen Fällen werden Opfer dargebracht und

phantastischer Kopfschmuck und Masken getragen (siehe die farbige

Kunstbeilage). -- Wie im übrigen Indien, so werden auf Ceylon für den

Tempeldienst besondere Tänzerinnen, die sogenannten Nautschmädchen

(Abb. 80), schon von klein auf ausgebildet.

[Illustration: Abb. 93. Eingeborenenhütte in einer Kokosplantage

(Wälawatta bei Colombo).]

[Illustration:

Phot. Platé & Co.

Abb. 94. Eine tragbare buddhistische Bethalle.

An der Vorderseite sind Masken in Relief angebracht, die Dämonen

vorstellen; einige davon sind von Cobraköpfen überragt. Zwei Dämonen

bewachen die Seiten.]

Ist jemand von einer Krankheit befallen, dann wenden sich die

Angehörigen zuerst an einen eingeborenen Arzt. Wenn dessen medizinische

Behandlung nach einigen Tagen ohne Wirkung zu bleiben scheint, nehmen

sie an, daß die Krankheit auf diese Weise nicht gehoben werden könne,

sondern von einem feindlichen Einflusse, entweder von einem bösen

Blick oder einem Dämon oder einer schädlichen Einwirkung der Gestirne

herrühren müsse. Sie wenden sich jetzt an einen Wahrsager, der, nachdem

er sich hat Bericht erstatten lassen, für gewöhnlich erklärt, daß

das Leiden die Tat eines bestimmten Dämons sei, und daher empfiehlt,

ihm eine Opfergabe zu versprechen. Der Priester, der diese vollzieht,

befestigt als äußerlich sichtbares Zeichen, daß dieser Forderung

Genüge geschah, an die kranke Person ein Bare (Merkmal), entweder

eine in ein Stückchen gelbgefärbten Kattuns eingewickelte Münze um

den Hals oder Arm, auch einen dreifachen ebenso gefärbten Faden, oder

ein zusammengelegtes Taschentuch und anderes mehr, hängt auch ein

entsprechendes Merkmal in seinem Hause oder Kornspeicher auf. Soll

daraufhin die Versöhnung des Dämons vor sich gehen, so kommt an einem

festgesetzten Tage oder Abend der Priester mit noch einem oder mehreren

anderen ins Haus des Kranken, wo sich auch bereits Tamtamschläger

eingefunden haben. Auf einem auf vier Stöcken hergerichteten Tischaltar

wird eine Speise gekocht, deren Auswahl sich nach dem zu versöhnenden

Dämon richtet, und diesem auf Bananenblättern als Tellern geopfert.

Den Altar umstehen kleine Dochtlämpchen. Alles, was für die Zeremonie

verwendet und geopfert wird, muß drei Reinigungen oder Läuterungen

durchmachen. Es wird Weihrauch in einem Fäßchen geschwungen oder auf

einen brennenden Stock gestreut, und die Enden eines weißen Tuches

von genügender Länge werden von dem Priester in Form einer Acht

in horizontaler Richtung geschwungen. Der Priester ist mit einem

weißen Tuch bekleidet, das Haupt und Schultern bedeckt. Gleichzeitig

werden die Tamtame so laut wie möglich geschlagen und Rohrpfeifen

und Trompeten geblasen, um die Aufmerksamkeit des Dämons auf sich zu

lenken. In manchen Fällen erfassen die Priester die Fackeln, schwingen

sie und tanzen umher; die ganze Szene macht auf jeden Zuschauer einen

ganz unheimlichen Eindruck, auch auf den Kranken, der ihr von Anfang

bis zu Ende beiwohnt. Wird der oberste der Teufel, Sanni Yaka, der

Krämpfe, heftige Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und so weiter veranlaßt,

angerufen, so kommen Masken in Anwendung. Es gibt deren nicht weniger

als zweiunddreißig, jede von ihnen, ausgenommen die letzte, läßt

äußerlich bestimmte, meistens verzerrte Züge eines Leidens erkennen,

die er verursacht; die letzte Maske zeigt den Teufel aber in seiner

wahren Gestalt als eine milde, gutartig aussehende Persönlichkeit. Wird

er um Gnade angegangen, dann legt einer der Priester eine der Masken

an, tritt aus dem Hintergrunde hervor, berührt die Speise, tanzt ein

wenig und zieht sich darauf wieder zurück. Sodann erscheint er oder

ein anderer mit einer neuen Maske; dies geht immer so weiter, bis

alle zweiunddreißig Masken vorgeführt worden sind. Nach Ablauf dieser

Zeremonie muß der Kranke dann genesen sein.

[Illustration:

Phot. Platé & Co.

Abb. 95. Singhalesische Stocktänzer,

die hockend oder stehend um den in der Mitte befindlichen

Leiter herumtanzen, indem sie gleichmäßig im Takt ihre Stöcke

gegeneinanderschlagen.]

[Illustration:

Phot. Platé & Co.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 83 / 254 题