Abb. 81. Anbetung des Kande und Bilinde Yaka

durch einen Schamanen zum Dank für eine erfolgreiche Jagd.]

Die +Religion+ der Wedda ist ein Toten- und Geisterkult. Nach der

allgemeinen Annahme wird der Geist eines jeden Verstorbenen (Mann, Frau

und Kind) wenige Tage nach dem Tode ein Yaka; wie manche allerdings

behaupten, sollen nur Männer dieses Vorzuges teilhaftig werden, die in

ihrem Leben sich durch Tapferkeit, Charakterstärke und Geschicklichkeit

auszeichneten oder die Macht besaßen, die Geister der Verstorbenen

zu beschwören. Diese Geister der Verstorbenen werden insgesamt als

Nae Yaku bezeichnet; sie erscheinen den Überlebenden als wohlgesinnte

Verwandte und Freunde, sofern sie gut behandelt werden, lassen aber

ihren Zorn und Unwillen an ihnen aus und sind ihnen direkt feindlich

gesinnt, wenn man sie vernachlässigt. Daher sind die Wedda bemüht, sie

sich durch Darbringen von Opfern (Abb. 76 u. 77) geneigt zu machen.

Außer den gewöhnlichen Yaku beten die Wedda noch eine Art Obergeister

an, die Seelen zweier Brüder, die einst berühmte Jäger waren, Kande

Yaka und Bilinde Yaka; nach dem allgemeinen Glauben sollen die Nae

Yaku zu diesen gehen, um etwas für ihre überlebenden Angehörigen,

im besonderen bei der Ausübung der Jagd, zu erreichen, und ihnen in

gewissem Sinne Dienste leisten. Haben die Wedda Unglück auf der Jagd

gehabt, dann wenden sie sich mit Bitten an diese großen Geister.

Ihre Anrufe bestehen in einem Tanz um einen in die Erde gesteckten

Pfeil (Abb. 79); die Tänzer schlagen sich dabei im Takte mit den

flachen Händen auf ihre Seiten und rühmen die Tüchtigkeit des Kande

als Jäger. Gelegentlich werden auch größere Feste vor Antreten eines

Jagdzuges gefeiert. Nach der Schilderung, die Seligmann von einem

solchen gibt, wurden zunächst Reis, Kokosnuß und Pfefferschoten mit

bestimmten Wildstücken gekocht und in einer Lichtung des Dschungels

als Opfer hingestellt. Der Schamane hockte sich davor nieder, wendete

sich mit gefalteten Händen an die beiden Kande und Bilinde Yaka (Abb.

81), dankte ihnen für den bisherigen Erfolg, den sie auf der Jagd

den Leuten verliehen hätten, und forderte sie schließlich auf, von

dem Opfer zu nehmen (Abb. 82). Nach kurzer Zeit, währenddessen die

Geister, wie man annahm, sich versorgt hatten, wurde die Speise von

den Wedda aufgezehrt. Darauf wurden auf freiem Platze in der Nähe der

Höhle drei Stöcke zusammengebunden und auf diese ein tönerner Napf,

Kirikoraha, gesetzt und darüber ein Zeremonialpfeil gelegt (Abb. 83).

Alle stimmten nun Gebete an die Yaku an, der Schamane tanzte mit dem

Pfeil und einer Kokosnuß in den Händen um das Gestell und schlug beides

kräftig aneinander, so daß die Kokosnuß zerbrach; die ausfließende

Milch ließ er in die Schüssel laufen; dabei sang er gleichfalls

Beschwörungsformeln. Aus der Art und Weise, wie die Nuß sich spaltete,

weissagte er, ob das nächste Tier, das erlegt werden würde, ein

männliches (bei glattem Bruch) oder ein weibliches (bei zackigen

Rändern) sei. Nachdem er darauf weitergetanzt und die Teilnehmer ihre

Beschwörungsgesänge fortgesetzt hatten, untersuchte der Schamane auch

die Milch, indem er sie sich durch die Finger laufen ließ und etwas

auf seinen Pfeil schüttete (Abb. 84). Zunächst fiel er nun erschöpft

in die Arme eines der Zuschauer, erholte sich aber bald wieder, füllte

seine hohle Hand mit Milch und prophezeite unter Erschütterung des

Körpers und Luftschnappen einigen der Anwesenden gutes Glück bei

der Jagd. Sein aufgeregtes Wesen zeigte jetzt den Teilnehmern an,

daß er vom Kande Yaka besessen sei; er kauerte sich zusammen und tat

so, als verfolge er in Fußspuren die Fährte eines Tieres (Abb. 85).

Darauf erhielt er Bogen und Pfeil und setzte unter großer Aufregung

das Aufspüren des Wildes fort, bis er endlich einen Korb, der vor ihm

auf die Erde gesetzt worden war, mit dem Pfeil durchschoß. Bald darauf

verließ der Geist den Zauberer, und die Zeremonie war zu Ende. Zum

Schluß wurde der Inhalt der Kokosnuß, die dem Yaka geopfert worden

war, an die Festteilnehmer verteilt; ein jeder bemühte sich, etwas zu

erhalten, damit ja nichts davon verloren gehe. Von der Milch wurde

etwas den Hunden auf die Köpfe gerieben, damit sie tüchtiger beim

Aufspüren und Erfassen des Wildes würden.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 82. Der Schamane sagt eine gute Jagd voraus,

nachdem Kande Yaka und Bilinde Yaka angerufen wurden.]

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 83. Anrufung des Kande und Bilinde Yaka.

Der Schamane tanzt um den Dreifuß, er hält in den Händen den

Zeremonialpfeil und die Kokosnuß.]

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 84. Prüfung der Kokosmilch nach dem Tanze.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 80 / 254 题