In den Sarg gibt man dem Toten einen Bambusstab und einen Beutel
mit buddhistischen Amuletten, Gebetssprüchen und einer Münze (für
die Überfahrt) mit und bestreut das Ganze mit Weihrauchpulver und
getrockneten Anisblättern. Stirbt ein Ehemann, so pflegt die Frau ihr
Haar abzuschneiden und es ebenfalls in den Sarg zu legen; sie will
damit bekunden, daß sie nie wieder heiraten wird; übereinstimmend
mit diesem Entschlusse bestellt sie zu gleicher Zeit ihre eigene
Totentafel, die mit der ihres verstorbenen Gatten gemeinsam auf
dem Hausaltar und im Familientempel Aufstellung findet. Indessen
beschränkt sich dieser Brauch nur auf die Ehefrauen der oberen Klassen,
die dadurch fortan ihre Keuschheit anzeigen wollen.
In der Nacht vor einem +Begräbnis+ (Abb. 54 und 55) halten die
Hausangehörigen Wache, die Priester sagen dabei Gebete her. Auf die
Nachricht von dem Tode machen die Freunde und Bekannten sofort ihren
Beileidsbesuch; sie senden gleichzeitig oder bringen ein Geschenk in
Form von Geld als Beitrag zu den Begräbniskosten mit, die in Japan
ungewöhnlich hohe sind und auch nicht gespart werden, wenn es gilt,
einen Toten zu ehren. Das Geld wird in weißes Papier gewickelt, mit der
Bezeichnung „koden“ (Weihrauchgeld) versehen und mit einem schwarz und
weißen Bande zugeschnürt. Die Familie macht zum Zeichen ihres Dankes
innerhalb fünf Wochen nach dem Begräbnis ein Gegengeschenk in Form von
Klößen aus grünen und weißen Bohnen, sowie von Blechdosen mit Tee. Auch
sendet man Kuchen, und zwar merkwürdigerweise bei solchem traurigen
Anlaß in gerader Zahl, hingegen bei freudigen Ereignissen in ungerader
Zahl.
[Illustration:
Phot. Gebr. Haeckel.
Abb. 50. Öffentliches Haus im Yoshiwara.
Die Geishas mit abrasierten und schwarz aufgemalten Augenbrauen,
weißgepudertem Gesicht und bronzierten Lippen sitzen in farbenprächtige
Gewänder gekleidet hinter Holzgittern.]
Der vertrauteste Gegenstand in einem japanischen Haushalte ist
der +Familienaltar+, auf dem die Tafeln, welche den Toten geweiht
sind, die Ihai, aufbewahrt werden. Der buddhistische Altar ist
vornehmer ausgestattet, meistens lackiert, sein Inneres vergoldet.
Der Shintoaltar dagegen besteht nur aus einfachem weißen Holz in der
Form des archaistischen Shintotempels. Sind die Leute Anhänger des
Buddhismus, so wird jeden Morgen von dem ersten Reis und Tee eine
Opfergabe den Ihai auf dem Altar entrichtet; jeden Monat wird den
Geistern am Todestage ein winziges Gemüsemahl serviert, dazu werden
Blumen in kleinen Vasen hingestellt und Weihrauch verbrannt. Die
Shintoanhänger ihrerseits opfern alle zehn Tage und am wiederkehrenden
Todestage im Monat Sake, ungekochten Reis, rohes Fleisch, Obst und
Gemüse dem „Erhabenen Geiste“. Weihrauchverbrennen gestattet jedoch
die shintoistische Religion nicht, läßt dafür aber bei feierlichen
Gelegenheiten und auch beim Begräbnisgottesdienst Zweige der ~Cleyera
japonica~ darbringen (Abb. 55). Auch die Shintoisten betrachten alles,
was mit dem Tode zusammenhängt, als unrein. Bei eintretendem Todesfall
wird daher der Altar mit weißem Papier zugedeckt, um das Eindringen
verunreinigter Luft zu verhindern; nach dem Begräbnis vollziehen die
Priester eine feierliche Reinigung, indem sie Salz über das ganze Haus
streuen und am Grabe geweihte Stäbe über die Trauernden schwenken.
[Illustration:
Aus dem Handb. d. Sexualwissenschaften.