Abb. 49. Bordellstraße im Yoshiwara.]

In den Sarg gibt man dem Toten einen Bambusstab und einen Beutel

mit buddhistischen Amuletten, Gebetssprüchen und einer Münze (für

die Überfahrt) mit und bestreut das Ganze mit Weihrauchpulver und

getrockneten Anisblättern. Stirbt ein Ehemann, so pflegt die Frau ihr

Haar abzuschneiden und es ebenfalls in den Sarg zu legen; sie will

damit bekunden, daß sie nie wieder heiraten wird; übereinstimmend

mit diesem Entschlusse bestellt sie zu gleicher Zeit ihre eigene

Totentafel, die mit der ihres verstorbenen Gatten gemeinsam auf

dem Hausaltar und im Familientempel Aufstellung findet. Indessen

beschränkt sich dieser Brauch nur auf die Ehefrauen der oberen Klassen,

die dadurch fortan ihre Keuschheit anzeigen wollen.

In der Nacht vor einem +Begräbnis+ (Abb. 54 und 55) halten die

Hausangehörigen Wache, die Priester sagen dabei Gebete her. Auf die

Nachricht von dem Tode machen die Freunde und Bekannten sofort ihren

Beileidsbesuch; sie senden gleichzeitig oder bringen ein Geschenk in

Form von Geld als Beitrag zu den Begräbniskosten mit, die in Japan

ungewöhnlich hohe sind und auch nicht gespart werden, wenn es gilt,

einen Toten zu ehren. Das Geld wird in weißes Papier gewickelt, mit der

Bezeichnung „koden“ (Weihrauchgeld) versehen und mit einem schwarz und

weißen Bande zugeschnürt. Die Familie macht zum Zeichen ihres Dankes

innerhalb fünf Wochen nach dem Begräbnis ein Gegengeschenk in Form von

Klößen aus grünen und weißen Bohnen, sowie von Blechdosen mit Tee. Auch

sendet man Kuchen, und zwar merkwürdigerweise bei solchem traurigen

Anlaß in gerader Zahl, hingegen bei freudigen Ereignissen in ungerader

Zahl.

[Illustration:

Phot. Gebr. Haeckel.

Abb. 50. Öffentliches Haus im Yoshiwara.

Die Geishas mit abrasierten und schwarz aufgemalten Augenbrauen,

weißgepudertem Gesicht und bronzierten Lippen sitzen in farbenprächtige

Gewänder gekleidet hinter Holzgittern.]

Der vertrauteste Gegenstand in einem japanischen Haushalte ist

der +Familienaltar+, auf dem die Tafeln, welche den Toten geweiht

sind, die Ihai, aufbewahrt werden. Der buddhistische Altar ist

vornehmer ausgestattet, meistens lackiert, sein Inneres vergoldet.

Der Shintoaltar dagegen besteht nur aus einfachem weißen Holz in der

Form des archaistischen Shintotempels. Sind die Leute Anhänger des

Buddhismus, so wird jeden Morgen von dem ersten Reis und Tee eine

Opfergabe den Ihai auf dem Altar entrichtet; jeden Monat wird den

Geistern am Todestage ein winziges Gemüsemahl serviert, dazu werden

Blumen in kleinen Vasen hingestellt und Weihrauch verbrannt. Die

Shintoanhänger ihrerseits opfern alle zehn Tage und am wiederkehrenden

Todestage im Monat Sake, ungekochten Reis, rohes Fleisch, Obst und

Gemüse dem „Erhabenen Geiste“. Weihrauchverbrennen gestattet jedoch

die shintoistische Religion nicht, läßt dafür aber bei feierlichen

Gelegenheiten und auch beim Begräbnisgottesdienst Zweige der ~Cleyera

japonica~ darbringen (Abb. 55). Auch die Shintoisten betrachten alles,

was mit dem Tode zusammenhängt, als unrein. Bei eintretendem Todesfall

wird daher der Altar mit weißem Papier zugedeckt, um das Eindringen

verunreinigter Luft zu verhindern; nach dem Begräbnis vollziehen die

Priester eine feierliche Reinigung, indem sie Salz über das ganze Haus

streuen und am Grabe geweihte Stäbe über die Trauernden schwenken.

[Illustration:

Aus dem Handb. d. Sexualwissenschaften.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 68 / 254 题