Der Shintoismus ist voll von +phallischen Vorstellungen+; unter seinem
Schutze konnte sich daher die Verehrung des männlichen Zeugungsgliedes
ausgedehnter Verbreitung erfreuen. Man stellte Nachbildungen von ihm
(Phalli) als Wahrzeichen ursprünglich an Wegen auf, die durch Wildnisse
führten, und hoffte dadurch einem Unglück vorzubeugen, besonders gegen
die bösen Geister den Wanderer zu schützen. Früher begegnete man in
Japan ganz allgemein, jetzt noch vielfach in abgelegenen Gegenden
der Nachbildung des männlichen Gliedes in Gestalt von hölzernen
oder steinernen Phalli auf Landwegen, besonders an Kreuzungen,
vor Brücken und Paßübergängen, an Wohnhäusern als Schutzgott für
Reisende und die Bewohner; die Vorübergehenden brachten ihnen Opfer
von Papierschnitzeln, Kleiderfetzen, Blumen und so weiter dar. Ja
schon einfache Naturgebilde, wie Baumwurzeln, aufrechte Steine, die
Ähnlichkeit mit einem männlichen Gliede hatten, genossen die gleiche
Anbetung von seiten der Shintoanhänger. Man begnügte sich schon
damit, die eigenen Geschlechtsteile zu entblößen oder die phallischen
Zeichen an das Haus oder an den zu behütenden Gegenstand zu malen,
um das Unheil der bösen Geister abzuwehren. Ursprünglich besaßen die
phallischen Gottheiten der Japaner keine Tempel; man verehrte sie im
Freien, teils offen dastehend, teils mit einem Schirmdach versehen.
Das Volk wallfahrte zu ihnen und verrichtete hier seine Andacht. In
neuerer Zeit flüchtete sich der Phalluskultus vor der Öffentlichkeit
mehr in geschlossene Heiligtümer. In ihnen finden sich glänzendrot oder
goldfarbig angestrichene Nachbildungen des Gliedes auf den Altären
aufgestellt. Ihnen werden von den Frauen, die sich einen Gatten oder
Kinder wünschen, oder von Personen, die von Geschlechtskrankheiten
befreit sein wollen, Votivgaben in Gestalt kleiner hölzerner, bronzener
oder steinerner Nachbildungen von Phalli dargebracht. Auch werden von
den Altären solche Phalli von Kranken ausgeliehen, um als Amulett
getragen zu werden. Nach erlangter Genesung bringen die Betreffenden
sie wieder zurück und stiften einen neuen Phallus aus Dankbarkeit. Auch
zu Geschenken, besonders zu Liebesamuletten, werden allerlei phallische
Schnitzereien benutzt. Früher veranstaltete man auch Prozessionen,
bei denen ein mächtiger Phallus umhergetragen oder auf einem Wagen
mitgeführt wurde. -- Neben dem männlichen Gliede war in Japan auch die
weibliche Scham vielfach Gegenstand göttlicher Verehrung. Häufig waren
es auch hier wieder natürliche Steingebilde, die Ähnlichkeit mit einem
weiblichen Geschlechtsteil aufweisen und vom Volke angebetet wurden,
in der Hoffnung, durch sie dasselbe zu erlangen wie durch Anbetung des
Phallusgottes.
Der gebildete Japaner bekennt sich zur +Lehre des Konfuzius+, die
ungefähr um dieselbe Zeit wie die Buddhas in Japan Eingang fand. Sie
stimmt mit dem Shintoismus insofern überein, als auch sie predigt,
daß das Wesen des Menschen ursprünglich ein vollkommenes sei, und die
Wichtigkeit kindlicher Pietät und der Unterwerfung unter die Obrigkeit
ihren Anhängern einschärft, weswegen sie auch gut zum japanischen
Lehnsystem paßt und gerade bei den militärischen Klassen ihre Bekenner
gefunden hat. Dagegen sind die religiösen Übungen, die im Kaiserpalast
abgehalten werden, reiner Shintoismus; der oberste Leiter des Reiches
ist auch sein oberster Priester. Der Neujahrstag ist der Hauptfeiertag;
dann betet der Kaiser mit allen Prinzen und Beamten die Sonnengöttin
an und bringt den Geistern seiner Vorfahren Opfer dar; er richtet
seine Gebete gegen die vier Himmelsrichtungen hin für den Frieden
und das Wohl seiner Untertanen. Außer dem Neujahrsfest kennt der
Japaner noch eine ganze Reihe festlicher Tage, an denen Umzüge und
Volksbelustigungen stattfinden (Abb. 26, 30 bis 33, 37 und die farbige
Kunstbeilage). Um eine Gottheit zur Erfüllung eines Wunsches gleichsam
zu zwingen, geht er viele Male um ihren Tempel herum (Abb. 38).
Der japanische +Buddhismus+, das Mahayana oder „größere Fahrzeug“,
unterscheidet sich von dem indischen Buddhismus, dem Hinayana oder
„kleineren Fahrzeug“, ganz bedeutend. Während letzterer, die ältere,
einfachere Lehre, sich darauf beschränkt, die Gläubigen durch Entsagen
von allem Weltlichen zu der Stufe eines Arhat hinaufzuführen und von
zahlreichen Wiedergeburten absieht, legt ersterer gerade auf eine
Unendlichkeit von ihnen Gewicht, vermöge deren es einem Menschen
möglich gemacht wird, über die Stufe eines Arhat hinaus zum Bodhisatwa
hinanzukommen, der in seiner nächsten Wiedergeburt dann Buddha selbst
wird. Zahlreiche Tempel und Klöster finden sich in Japan, in denen
eine Unmasse Götter von den einfachsten Stufen des Arhat bis zu den
Bodhisatwa und zum Buddha selbst dargestellt sind. Zahlreiche Sekten,
sowohl des Shintoismus wie des Buddhismus, haben sich im Laufe der
Zeiten gebildet und auch ihre Anhänger gefunden. Die japanische
Regierung übt nämlich die weitgehendste Toleranz auf dem Gebiete der
Religionsübung aus.
Der +Aberglaube+ treibt in Japan so viele Blüten wie wohl bei
keinem Volke der Erde. Wollte man die Unmasse von Legenden und
Gebräuchen aufzählen, die mit dem Aberglauben des japanischen Volkes
zusammenhängen, dann würde dies ganze Bände füllen. Tierkunde und
animistische Philosophie spielen eine große Rolle darin. Von gewissen
Tieren glaubt man, daß sie die Boten bestimmter Götter seien, weswegen
man ihnen kein Leid antut und beim Landvolke direkt mit Achtung
begegnet. So zum Beispiel gibt der Schiffer, wenn er eine Schildkröte
findet, die dem Gott des Meeres heilig ist, ihr zuvor Sake zu trinken,
ehe er sie wieder freiläßt.
[Illustration:
Phot. Yei Ozaki.
Abb. 20. Tatauierter Japaner beim Saketrinken.
Tatauieren ist bei den unteren Schichten Japans sehr verbreitet;
besonders sind es die Kuli, die sich diese Körperverzierung anbringen
lassen. Die Verzierungen gleichen meist denen eines Gewandes. Die
japanischen Tatauierer gelten als die geschicktesten der Erde.]
Besonders an den +Fuchs+ knüpft sich eine Unmenge von Aberglauben und
Sagen. Diese Vorstellungen scheinen von der ursprünglichen Annahme
ausgegangen zu sein, daß Füchse, die in den Reisfeldern gesehen werden,
den Reisgeist verkörpern. Allmählich verband sich dieser Aberglaube
mit der Verehrung der Shintogöttin des Überflusses zu Ise, und so
kommt es, daß heutzutage viele Leute aus dem Volke irrtümlicherweise
den Fuchs anbeten, dem sie alle möglichen übernatürlichen Fähigkeiten
zuschreiben. Im Winter werden ihm besonders Opfergaben gespendet; man
bringt ihm außer seinen Lieblingsleckerbissen noch Fettkerzen und
Seidenwatte dar, damit er sich erwärme. Ein weitverbreiteter Aberglaube
ist, daß er sich in die Gestalt einer schönen Frau verwandeln könne,
um junge Männer zu bezaubern und zu verführen; der Tod ist für diese
stets der Ausgang des Liebesabenteuers. Daher gilt der Fuchs auch
in gewissem Sinne als Schutzpatron der Teehäuser. Man meint auch,
daß ein solcher verwandelter Fuchs eine große Freude daran verspüre,
verspätete Wanderer auf falsche Wege oder in Gefahr zu bringen, sowie
daß er imstande wäre, den Leuten Visionen von Häusern und Dienern
vorzuzaubern und Prozessionen in dünne Luft aufgehen zu lassen. Man
erzählt sich Geschichten von Männern, die jahrelang mit verwandelten
Füchsen verheiratet waren, ohne dies zu wissen, und daß die Fuchsfrau
so lange die Rolle einer liebenden und treuen Gattin spielte, bis
sie durch die Geisteraustreibung eines Priesters gezwungen wurde,
ihre richtige Gestalt wieder anzunehmen, oder durch den Angriff von
Hunden entlarvt wurde, die imstande sind, solche verwandelte Füchse
zu unterscheiden. -- Der +Dachs+ spielt im japanischen Aberglauben
ebenfalls eine wichtige Rolle; er steht hier im Geruche eines listigen
Betrügers, der gern auf Kosten des Landvolkes Possen und Schabernack
spielt. Den Pferden schneidet er die Schwänze ab, macht, daß man bei
der Bezahlung falsches Geld weiter gibt, läßt Fische aus der Bratpfanne
verschwinden, Pferde aus verschlossenen Ställen entlaufen und anderes
mehr. Der Dachs soll sogar Priester täuschen, indem er vor ihnen die
Gestalt Buddhas entstehen läßt und sich in einen Mönch verwandelt,
um mit ihnen die heiligen Bücher durchzustudieren. -- Von alters her
glauben die Japaner auch an die Macht zum Guten beim +Hunde+. Dieses
Tier gilt als besonderer Beschützer der Frauen, kleinen Kinder und
Häuser; das Zeichen für Hund wurde den Kindern mit roter Farbe auf die
Stirn geschrieben, und heutigentags werden Hundebildnisse dem Kinde,
wenn es sich im Tempel vorstellt, mitgegeben. Der Kaiser hielt sich
eine besondere Leibwache, deren Pflicht es war, zu bestimmten Zeiten
wie Hunde zu bellen, um böse Einflüsse und Teufel zu vertreiben.
Schließlich sei noch der +Katze+ gedacht, an die sich ebenfalls
allerhand unheimliche Geschichten knüpfen. Von solchen Tieren mit
langem Schwanz glaubt man, daß sie im Alter Kobolde werden, weswegen
man jungen Kätzchen, die mit einem langen Schwanz zur Welt kommen,
diesen kürzt. Der Katzenkobold soll den Menschen stillstehende
Spinnräder drehen, ihnen im Schlafe die Decken entfernen, auf dem
Fußboden und auf den Dächern nachts unheimliche Lichter tanzen lassen
und manchmal sogar zu einem Vampyr werden, in diesem Falle alte Frauen
anfallen, sie verschlingen und ihre Gestalt annehmen.
[Illustration: Abb. 21. Japanischer Shintopriester.]
Auch +alte Bäume+ sind vielfach von Aberglauben umgeben. Man umzäumt
sie oft mit geweihten Strohseilen oder den weißen Papierstreifen des
Shinto und stellt winzige Torii und Stein- oder Holzschreine an ihrer
Wurzel auf, beziehungsweise legt solche in die Höhlung ihres Stammes.
Solche alte ehrwürdige Bäume denkt man sich von Geistern bewohnt und
meint, daß die Geister der Pflaumen-, Kirsch- und Weidenbäume die
Gestalt lieblicher junger Frauen annähmen. Es gibt hierüber mancherlei
Legenden, daß solche weibliche Wesen sich mit guten und heldenhaften
Männern ehelich verbunden hätten, auch daß die Baumgeister, weil man
ihnen Generationen hindurch Pflege angedeihen ließe, den Schutz über
die Familie übernähmen, ihre Mitglieder vor Unheil warnten und ihnen
verborgene Schätze offenbarten. Auch einigen Blumen, wie der Päonie,
der Lotusblume und der Chrysantheme, spricht man Geister zu. Werden sie
von einer Stelle, die ihnen lieb geworden ist, entfernt, dann welken
sie und gehen ein; anderseits erweisen sie sich für liebevolle Pflege
auch erkenntlich. So erzählt man sich, daß ein Päoniengeist einem alten
Gelehrten, der die Pflanze mit großer Geduld und Sorgfalt gepflegt
hatte, in seiner Einsamkeit als blühendes junges Mädchen erschienen
sei, um ihn aufzuheitern.
[Illustration: Abb. 22. Geishas bei der Toilette.]
+Gespenster+, die den Gegenstand vieler Erzählungen bilden, werden
meistens als Wesen mit wirren und lose über die abgemagerten Gesichter
fallenden Haaren, von durchsichtigem Körper, dessen unterer Teil wie
ein Dunst ohne Füße entlang ziehe, geschildert. Allgemein glaubt man,
daß die Geister der Verstorbenen aus dem Grabe zurückkehren, um die
Angehörigen entweder zu trösten und ihnen Gutes zu erweisen, oder auch
die, die ihnen bei Lebzeiten Unrecht zugefügt hatten, zu bestrafen.
Man meint sogar, daß allzu starke Liebe oder Haß imstande seien,
zu bewirken, daß der Geist eines lebenden Menschen sich vom Körper
loslöse, um sich dem Gegenstand seiner Liebe oder seines Hasses zu
nahen.
Auch das tägliche Leben des Japaners ist von unzähligen
+abergläubischen Gebräuchen+ durchsetzt. Ebenso wird den
+Vorbedeutungen+ ein großer Wert beigelegt und bestimmte Handlungen,
wie Hochzeit, Umzug, Reise nicht unternommen, ohne einen Wahrsager
vorher um Rat gefragt zu haben. Ganz besonders aber herrscht der
Aberglaube auf dem Gebiete der Heilkunde. Unsere Abbildung 34 zeigt
eine alte Japanerin, die sich vom Rheumatismus zu heilen sucht,
indem sie den bronzenen Stier an der Stelle streicht, an der in
ihrem eigenen Körper das Leiden sitzt. Von Kind auf ist ihr diese
Heilmethode vertraut. Das bronzene Standbild ist ganz blank von dem
jahrhundertelangen Darüberstreichen der Hände.
[Illustration:
Phot. Yei Ozaki.
Abb. 23. Buddhistischer Priester.
Die japanische Form des Buddhismus unterscheidet sich wesentlich von
der indischen. Gelehrte fanden bemerkenswerte Ähnlichkeiten ihres
Ursprungs und ihrer frühen Geschichte mit dem Christentum.]
Abergläubische Furcht setzt auch bereits bei dem werdenden Menschen
im Mutterleibe ein. Eine Frau, die gern Kinder haben möchte, muß an
der Stelle niederknien, wo eben vorher ein Kind geboren wurde. Um sich
ihre schwere Stunde zu erleichtern, darf sie über keinen Bambusbesen
schreiten, ebensowenig auf Eierschalen treten, die Kochpfanne, aus der
man ihr zu essen gegeben hat, nicht abwaschen, sondern muß sie halb mit
Wasser gefüllt stehen lassen, auch muß sie eine Kormoranfeder in den
Händen halten, ein Stückchen Papier mit der Abbildung des Schutzpatrons
der Gebärenden verschlucken, einen Absud von ungeborenen Hirschkälbern
trinken und anderes mehr. Früher scheinen die Schwangeren allgemein in
besonderen Hütten niedergekommen zu sein, was noch heute auf einzelnen
kleinen Inseln üblich ist. Die +Geburtshilfe+ lag vordem und jetzt
noch auf dem Lande in den Händen weiser Frauen (Samba-san, das heißt
verarmtes Frauenzimmer oder Toriage-baba, das heißt aufhebendes Mädchen
genannt), die zur Beschleunigung der Geburt den Unterleib zu kneten
(ambuk) pflegten. Der +Nabelstrang+, der niemals mit einem eisernen
Messer abgeschnitten werden darf, sondern nur mit einem Bambusspan,
einem Dornen oder Porzellanscherben, wobei siebenmal auf ihn gehaucht
werden muß, wird in mehrere Bogen Papier eingewickelt, mit dem Namen
der Eltern versehen und dem Familienarchiv übergeben. Stirbt das
Kind, dann wird er mitbegraben, erreicht es das erwachsene Alter, dann
bekommt es den Nabelstrang zurück und trägt ihn beständig bei sich.
In wohlhabenderen Kreisen schneidet man ihn in zwölf Stücke und legt
jedes Stückchen in ein aus Zedernholz angefertigtes, mit Kranichen,
Schildkröten, Bambus, das heißt mit lauter glückbringenden Dingen
bemaltes Tönnchen und vergräbt dieses zusammen mit Reis, Hanf, Stroh
und Geld im Hofe in der Richtung der in zwölf Teile eingeteilten
Windrose. Die +Nachgeburt+ wird ebenfalls unter dem Hause an einer vom
Priester näher bezeichneten Stelle tief vergraben, und zwar die von
Knaben zusammen mit einem Schreibpinsel und einem Stückchen Tusche, von
einem Mädchen mit einer Nadel und etwas Garn. Am Nabel des Neugeborenen
wird eine sogenannte Moxe (Zunder) abgebrannt, was Bauchweh im späteren
Leben verhüten soll.
[Illustration:
Phot. Yei Ozaki.
Abb. 24. Einsegnung einer Feuerwehrstandarte durch einen Shintopriester,
die nach Neujahr zur Schau gestellt wird. Den Feuerwehrleuten ist ihre
Standarte das, was den Soldaten ihre Fahne bedeutet.]
Bei der großen Liebe, mit der die Japaner an Kindern hängen, wird die
+Geburt+ eines neuen Erdenbürgers mit Freuden begrüßt; besonders die
eines männlichen Nachkommen, was schon in dem Sprichwort zum Ausdruck
kommt: „Der Glanz des Mannes ist siebenfacher Glanz.“ Verwandte und
Freunde eilen auf die Nachricht hin mit Gratulationsgaben herbei; sie
schenken Eier, Obst, Kuchen und getrockneten Fisch, auch Krepp, Seide
oder Kattun für das Kindchen.
Der +wichtigste Tag im Leben des japanischen Kindes+ ist der
Muja-Mairi, das ist der „Tag des Tempelbesuches“ (der einunddreißigste
für die Knaben und der dreiunddreißigste für die Mädchen), an dem
es aufs kostbarste geschmückt feierlich zum Altar des Schutzgottes
der Gegend getragen und unter den Schirm desselben gestellt wird
(Abb. 35). Innig betet hier die Mutter, daß das kleine Leben vor
jeglichem Schaden und Krankheit bewahrt bleiben möge, und der Priester
überreicht dem Kinde in liebevoller Weise ein Amulett in Gestalt
einer kleinen Holztafel, die es fortan immer in einem gestickten
Täschchen oder einem solchen aus Brokat um die Taille mit sich trägt.
An diesem glückbringenden Tage werden rote Bohnen mit Reis gekocht
und in Lackkästchen mit Deckeln (Jubako), die man hierfür besonders
herstellt, getan; man schickt diese, mit besticktem Krepp oder Brokat
bedeckt, an alle Verwandten und Freunde, die dem Kinde bei der Geburt
Geschenke machten. Außerdem wird dieses ihnen zum erstenmal zu Besuch
gebracht und erhält hier allerlei Spielzeug, von dem am beliebtesten
ein Hund aus Papiermaché ist; dieser soll, am Kopfende des Bettes
aufgestellt, die Teufel vertreiben. Ein zweites Fest, das ungefähr am
hundertundneunten Tage nach der Geburt stattfindet, ist die +Zeremonie
des „ersten Essens“+ des Kindes. In Anwesenheit der Freunde der Familie
wird vor ihm ein Tablettchen mit Reis, Suppe und Fisch (der aber ganz
sein und noch den Kopf haben muß) hingesetzt und seine Lippen mit
dieser Speise befeuchtet. Auch hieran schließt sich ein fröhliches
Zusammensein. Überhaupt hat das Leben des japanischen Kindes recht
viele Festtage zu verzeichnen.
[Illustration:
Phot. Yei Ozaki.