Abb. 19. Japaner beim Essen.]

Der Shintoismus ist voll von +phallischen Vorstellungen+; unter seinem

Schutze konnte sich daher die Verehrung des männlichen Zeugungsgliedes

ausgedehnter Verbreitung erfreuen. Man stellte Nachbildungen von ihm

(Phalli) als Wahrzeichen ursprünglich an Wegen auf, die durch Wildnisse

führten, und hoffte dadurch einem Unglück vorzubeugen, besonders gegen

die bösen Geister den Wanderer zu schützen. Früher begegnete man in

Japan ganz allgemein, jetzt noch vielfach in abgelegenen Gegenden

der Nachbildung des männlichen Gliedes in Gestalt von hölzernen

oder steinernen Phalli auf Landwegen, besonders an Kreuzungen,

vor Brücken und Paßübergängen, an Wohnhäusern als Schutzgott für

Reisende und die Bewohner; die Vorübergehenden brachten ihnen Opfer

von Papierschnitzeln, Kleiderfetzen, Blumen und so weiter dar. Ja

schon einfache Naturgebilde, wie Baumwurzeln, aufrechte Steine, die

Ähnlichkeit mit einem männlichen Gliede hatten, genossen die gleiche

Anbetung von seiten der Shintoanhänger. Man begnügte sich schon

damit, die eigenen Geschlechtsteile zu entblößen oder die phallischen

Zeichen an das Haus oder an den zu behütenden Gegenstand zu malen,

um das Unheil der bösen Geister abzuwehren. Ursprünglich besaßen die

phallischen Gottheiten der Japaner keine Tempel; man verehrte sie im

Freien, teils offen dastehend, teils mit einem Schirmdach versehen.

Das Volk wallfahrte zu ihnen und verrichtete hier seine Andacht. In

neuerer Zeit flüchtete sich der Phalluskultus vor der Öffentlichkeit

mehr in geschlossene Heiligtümer. In ihnen finden sich glänzendrot oder

goldfarbig angestrichene Nachbildungen des Gliedes auf den Altären

aufgestellt. Ihnen werden von den Frauen, die sich einen Gatten oder

Kinder wünschen, oder von Personen, die von Geschlechtskrankheiten

befreit sein wollen, Votivgaben in Gestalt kleiner hölzerner, bronzener

oder steinerner Nachbildungen von Phalli dargebracht. Auch werden von

den Altären solche Phalli von Kranken ausgeliehen, um als Amulett

getragen zu werden. Nach erlangter Genesung bringen die Betreffenden

sie wieder zurück und stiften einen neuen Phallus aus Dankbarkeit. Auch

zu Geschenken, besonders zu Liebesamuletten, werden allerlei phallische

Schnitzereien benutzt. Früher veranstaltete man auch Prozessionen,

bei denen ein mächtiger Phallus umhergetragen oder auf einem Wagen

mitgeführt wurde. -- Neben dem männlichen Gliede war in Japan auch die

weibliche Scham vielfach Gegenstand göttlicher Verehrung. Häufig waren

es auch hier wieder natürliche Steingebilde, die Ähnlichkeit mit einem

weiblichen Geschlechtsteil aufweisen und vom Volke angebetet wurden,

in der Hoffnung, durch sie dasselbe zu erlangen wie durch Anbetung des

Phallusgottes.

Der gebildete Japaner bekennt sich zur +Lehre des Konfuzius+, die

ungefähr um dieselbe Zeit wie die Buddhas in Japan Eingang fand. Sie

stimmt mit dem Shintoismus insofern überein, als auch sie predigt,

daß das Wesen des Menschen ursprünglich ein vollkommenes sei, und die

Wichtigkeit kindlicher Pietät und der Unterwerfung unter die Obrigkeit

ihren Anhängern einschärft, weswegen sie auch gut zum japanischen

Lehnsystem paßt und gerade bei den militärischen Klassen ihre Bekenner

gefunden hat. Dagegen sind die religiösen Übungen, die im Kaiserpalast

abgehalten werden, reiner Shintoismus; der oberste Leiter des Reiches

ist auch sein oberster Priester. Der Neujahrstag ist der Hauptfeiertag;

dann betet der Kaiser mit allen Prinzen und Beamten die Sonnengöttin

an und bringt den Geistern seiner Vorfahren Opfer dar; er richtet

seine Gebete gegen die vier Himmelsrichtungen hin für den Frieden

und das Wohl seiner Untertanen. Außer dem Neujahrsfest kennt der

Japaner noch eine ganze Reihe festlicher Tage, an denen Umzüge und

Volksbelustigungen stattfinden (Abb. 26, 30 bis 33, 37 und die farbige

Kunstbeilage). Um eine Gottheit zur Erfüllung eines Wunsches gleichsam

zu zwingen, geht er viele Male um ihren Tempel herum (Abb. 38).

Der japanische +Buddhismus+, das Mahayana oder „größere Fahrzeug“,

unterscheidet sich von dem indischen Buddhismus, dem Hinayana oder

„kleineren Fahrzeug“, ganz bedeutend. Während letzterer, die ältere,

einfachere Lehre, sich darauf beschränkt, die Gläubigen durch Entsagen

von allem Weltlichen zu der Stufe eines Arhat hinaufzuführen und von

zahlreichen Wiedergeburten absieht, legt ersterer gerade auf eine

Unendlichkeit von ihnen Gewicht, vermöge deren es einem Menschen

möglich gemacht wird, über die Stufe eines Arhat hinaus zum Bodhisatwa

hinanzukommen, der in seiner nächsten Wiedergeburt dann Buddha selbst

wird. Zahlreiche Tempel und Klöster finden sich in Japan, in denen

eine Unmasse Götter von den einfachsten Stufen des Arhat bis zu den

Bodhisatwa und zum Buddha selbst dargestellt sind. Zahlreiche Sekten,

sowohl des Shintoismus wie des Buddhismus, haben sich im Laufe der

Zeiten gebildet und auch ihre Anhänger gefunden. Die japanische

Regierung übt nämlich die weitgehendste Toleranz auf dem Gebiete der

Religionsübung aus.

Der +Aberglaube+ treibt in Japan so viele Blüten wie wohl bei

keinem Volke der Erde. Wollte man die Unmasse von Legenden und

Gebräuchen aufzählen, die mit dem Aberglauben des japanischen Volkes

zusammenhängen, dann würde dies ganze Bände füllen. Tierkunde und

animistische Philosophie spielen eine große Rolle darin. Von gewissen

Tieren glaubt man, daß sie die Boten bestimmter Götter seien, weswegen

man ihnen kein Leid antut und beim Landvolke direkt mit Achtung

begegnet. So zum Beispiel gibt der Schiffer, wenn er eine Schildkröte

findet, die dem Gott des Meeres heilig ist, ihr zuvor Sake zu trinken,

ehe er sie wieder freiläßt.

[Illustration:

Phot. Yei Ozaki.

Abb. 20. Tatauierter Japaner beim Saketrinken.

Tatauieren ist bei den unteren Schichten Japans sehr verbreitet;

besonders sind es die Kuli, die sich diese Körperverzierung anbringen

lassen. Die Verzierungen gleichen meist denen eines Gewandes. Die

japanischen Tatauierer gelten als die geschicktesten der Erde.]

Besonders an den +Fuchs+ knüpft sich eine Unmenge von Aberglauben und

Sagen. Diese Vorstellungen scheinen von der ursprünglichen Annahme

ausgegangen zu sein, daß Füchse, die in den Reisfeldern gesehen werden,

den Reisgeist verkörpern. Allmählich verband sich dieser Aberglaube

mit der Verehrung der Shintogöttin des Überflusses zu Ise, und so

kommt es, daß heutzutage viele Leute aus dem Volke irrtümlicherweise

den Fuchs anbeten, dem sie alle möglichen übernatürlichen Fähigkeiten

zuschreiben. Im Winter werden ihm besonders Opfergaben gespendet; man

bringt ihm außer seinen Lieblingsleckerbissen noch Fettkerzen und

Seidenwatte dar, damit er sich erwärme. Ein weitverbreiteter Aberglaube

ist, daß er sich in die Gestalt einer schönen Frau verwandeln könne,

um junge Männer zu bezaubern und zu verführen; der Tod ist für diese

stets der Ausgang des Liebesabenteuers. Daher gilt der Fuchs auch

in gewissem Sinne als Schutzpatron der Teehäuser. Man meint auch,

daß ein solcher verwandelter Fuchs eine große Freude daran verspüre,

verspätete Wanderer auf falsche Wege oder in Gefahr zu bringen, sowie

daß er imstande wäre, den Leuten Visionen von Häusern und Dienern

vorzuzaubern und Prozessionen in dünne Luft aufgehen zu lassen. Man

erzählt sich Geschichten von Männern, die jahrelang mit verwandelten

Füchsen verheiratet waren, ohne dies zu wissen, und daß die Fuchsfrau

so lange die Rolle einer liebenden und treuen Gattin spielte, bis

sie durch die Geisteraustreibung eines Priesters gezwungen wurde,

ihre richtige Gestalt wieder anzunehmen, oder durch den Angriff von

Hunden entlarvt wurde, die imstande sind, solche verwandelte Füchse

zu unterscheiden. -- Der +Dachs+ spielt im japanischen Aberglauben

ebenfalls eine wichtige Rolle; er steht hier im Geruche eines listigen

Betrügers, der gern auf Kosten des Landvolkes Possen und Schabernack

spielt. Den Pferden schneidet er die Schwänze ab, macht, daß man bei

der Bezahlung falsches Geld weiter gibt, läßt Fische aus der Bratpfanne

verschwinden, Pferde aus verschlossenen Ställen entlaufen und anderes

mehr. Der Dachs soll sogar Priester täuschen, indem er vor ihnen die

Gestalt Buddhas entstehen läßt und sich in einen Mönch verwandelt,

um mit ihnen die heiligen Bücher durchzustudieren. -- Von alters her

glauben die Japaner auch an die Macht zum Guten beim +Hunde+. Dieses

Tier gilt als besonderer Beschützer der Frauen, kleinen Kinder und

Häuser; das Zeichen für Hund wurde den Kindern mit roter Farbe auf die

Stirn geschrieben, und heutigentags werden Hundebildnisse dem Kinde,

wenn es sich im Tempel vorstellt, mitgegeben. Der Kaiser hielt sich

eine besondere Leibwache, deren Pflicht es war, zu bestimmten Zeiten

wie Hunde zu bellen, um böse Einflüsse und Teufel zu vertreiben.

Schließlich sei noch der +Katze+ gedacht, an die sich ebenfalls

allerhand unheimliche Geschichten knüpfen. Von solchen Tieren mit

langem Schwanz glaubt man, daß sie im Alter Kobolde werden, weswegen

man jungen Kätzchen, die mit einem langen Schwanz zur Welt kommen,

diesen kürzt. Der Katzenkobold soll den Menschen stillstehende

Spinnräder drehen, ihnen im Schlafe die Decken entfernen, auf dem

Fußboden und auf den Dächern nachts unheimliche Lichter tanzen lassen

und manchmal sogar zu einem Vampyr werden, in diesem Falle alte Frauen

anfallen, sie verschlingen und ihre Gestalt annehmen.

[Illustration: Abb. 21. Japanischer Shintopriester.]

Auch +alte Bäume+ sind vielfach von Aberglauben umgeben. Man umzäumt

sie oft mit geweihten Strohseilen oder den weißen Papierstreifen des

Shinto und stellt winzige Torii und Stein- oder Holzschreine an ihrer

Wurzel auf, beziehungsweise legt solche in die Höhlung ihres Stammes.

Solche alte ehrwürdige Bäume denkt man sich von Geistern bewohnt und

meint, daß die Geister der Pflaumen-, Kirsch- und Weidenbäume die

Gestalt lieblicher junger Frauen annähmen. Es gibt hierüber mancherlei

Legenden, daß solche weibliche Wesen sich mit guten und heldenhaften

Männern ehelich verbunden hätten, auch daß die Baumgeister, weil man

ihnen Generationen hindurch Pflege angedeihen ließe, den Schutz über

die Familie übernähmen, ihre Mitglieder vor Unheil warnten und ihnen

verborgene Schätze offenbarten. Auch einigen Blumen, wie der Päonie,

der Lotusblume und der Chrysantheme, spricht man Geister zu. Werden sie

von einer Stelle, die ihnen lieb geworden ist, entfernt, dann welken

sie und gehen ein; anderseits erweisen sie sich für liebevolle Pflege

auch erkenntlich. So erzählt man sich, daß ein Päoniengeist einem alten

Gelehrten, der die Pflanze mit großer Geduld und Sorgfalt gepflegt

hatte, in seiner Einsamkeit als blühendes junges Mädchen erschienen

sei, um ihn aufzuheitern.

[Illustration: Abb. 22. Geishas bei der Toilette.]

+Gespenster+, die den Gegenstand vieler Erzählungen bilden, werden

meistens als Wesen mit wirren und lose über die abgemagerten Gesichter

fallenden Haaren, von durchsichtigem Körper, dessen unterer Teil wie

ein Dunst ohne Füße entlang ziehe, geschildert. Allgemein glaubt man,

daß die Geister der Verstorbenen aus dem Grabe zurückkehren, um die

Angehörigen entweder zu trösten und ihnen Gutes zu erweisen, oder auch

die, die ihnen bei Lebzeiten Unrecht zugefügt hatten, zu bestrafen.

Man meint sogar, daß allzu starke Liebe oder Haß imstande seien,

zu bewirken, daß der Geist eines lebenden Menschen sich vom Körper

loslöse, um sich dem Gegenstand seiner Liebe oder seines Hasses zu

nahen.

Auch das tägliche Leben des Japaners ist von unzähligen

+abergläubischen Gebräuchen+ durchsetzt. Ebenso wird den

+Vorbedeutungen+ ein großer Wert beigelegt und bestimmte Handlungen,

wie Hochzeit, Umzug, Reise nicht unternommen, ohne einen Wahrsager

vorher um Rat gefragt zu haben. Ganz besonders aber herrscht der

Aberglaube auf dem Gebiete der Heilkunde. Unsere Abbildung 34 zeigt

eine alte Japanerin, die sich vom Rheumatismus zu heilen sucht,

indem sie den bronzenen Stier an der Stelle streicht, an der in

ihrem eigenen Körper das Leiden sitzt. Von Kind auf ist ihr diese

Heilmethode vertraut. Das bronzene Standbild ist ganz blank von dem

jahrhundertelangen Darüberstreichen der Hände.

[Illustration:

Phot. Yei Ozaki.

Abb. 23. Buddhistischer Priester.

Die japanische Form des Buddhismus unterscheidet sich wesentlich von

der indischen. Gelehrte fanden bemerkenswerte Ähnlichkeiten ihres

Ursprungs und ihrer frühen Geschichte mit dem Christentum.]

Abergläubische Furcht setzt auch bereits bei dem werdenden Menschen

im Mutterleibe ein. Eine Frau, die gern Kinder haben möchte, muß an

der Stelle niederknien, wo eben vorher ein Kind geboren wurde. Um sich

ihre schwere Stunde zu erleichtern, darf sie über keinen Bambusbesen

schreiten, ebensowenig auf Eierschalen treten, die Kochpfanne, aus der

man ihr zu essen gegeben hat, nicht abwaschen, sondern muß sie halb mit

Wasser gefüllt stehen lassen, auch muß sie eine Kormoranfeder in den

Händen halten, ein Stückchen Papier mit der Abbildung des Schutzpatrons

der Gebärenden verschlucken, einen Absud von ungeborenen Hirschkälbern

trinken und anderes mehr. Früher scheinen die Schwangeren allgemein in

besonderen Hütten niedergekommen zu sein, was noch heute auf einzelnen

kleinen Inseln üblich ist. Die +Geburtshilfe+ lag vordem und jetzt

noch auf dem Lande in den Händen weiser Frauen (Samba-san, das heißt

verarmtes Frauenzimmer oder Toriage-baba, das heißt aufhebendes Mädchen

genannt), die zur Beschleunigung der Geburt den Unterleib zu kneten

(ambuk) pflegten. Der +Nabelstrang+, der niemals mit einem eisernen

Messer abgeschnitten werden darf, sondern nur mit einem Bambusspan,

einem Dornen oder Porzellanscherben, wobei siebenmal auf ihn gehaucht

werden muß, wird in mehrere Bogen Papier eingewickelt, mit dem Namen

der Eltern versehen und dem Familienarchiv übergeben. Stirbt das

Kind, dann wird er mitbegraben, erreicht es das erwachsene Alter, dann

bekommt es den Nabelstrang zurück und trägt ihn beständig bei sich.

In wohlhabenderen Kreisen schneidet man ihn in zwölf Stücke und legt

jedes Stückchen in ein aus Zedernholz angefertigtes, mit Kranichen,

Schildkröten, Bambus, das heißt mit lauter glückbringenden Dingen

bemaltes Tönnchen und vergräbt dieses zusammen mit Reis, Hanf, Stroh

und Geld im Hofe in der Richtung der in zwölf Teile eingeteilten

Windrose. Die +Nachgeburt+ wird ebenfalls unter dem Hause an einer vom

Priester näher bezeichneten Stelle tief vergraben, und zwar die von

Knaben zusammen mit einem Schreibpinsel und einem Stückchen Tusche, von

einem Mädchen mit einer Nadel und etwas Garn. Am Nabel des Neugeborenen

wird eine sogenannte Moxe (Zunder) abgebrannt, was Bauchweh im späteren

Leben verhüten soll.

[Illustration:

Phot. Yei Ozaki.

Abb. 24. Einsegnung einer Feuerwehrstandarte durch einen Shintopriester,

die nach Neujahr zur Schau gestellt wird. Den Feuerwehrleuten ist ihre

Standarte das, was den Soldaten ihre Fahne bedeutet.]

Bei der großen Liebe, mit der die Japaner an Kindern hängen, wird die

+Geburt+ eines neuen Erdenbürgers mit Freuden begrüßt; besonders die

eines männlichen Nachkommen, was schon in dem Sprichwort zum Ausdruck

kommt: „Der Glanz des Mannes ist siebenfacher Glanz.“ Verwandte und

Freunde eilen auf die Nachricht hin mit Gratulationsgaben herbei; sie

schenken Eier, Obst, Kuchen und getrockneten Fisch, auch Krepp, Seide

oder Kattun für das Kindchen.

Der +wichtigste Tag im Leben des japanischen Kindes+ ist der

Muja-Mairi, das ist der „Tag des Tempelbesuches“ (der einunddreißigste

für die Knaben und der dreiunddreißigste für die Mädchen), an dem

es aufs kostbarste geschmückt feierlich zum Altar des Schutzgottes

der Gegend getragen und unter den Schirm desselben gestellt wird

(Abb. 35). Innig betet hier die Mutter, daß das kleine Leben vor

jeglichem Schaden und Krankheit bewahrt bleiben möge, und der Priester

überreicht dem Kinde in liebevoller Weise ein Amulett in Gestalt

einer kleinen Holztafel, die es fortan immer in einem gestickten

Täschchen oder einem solchen aus Brokat um die Taille mit sich trägt.

An diesem glückbringenden Tage werden rote Bohnen mit Reis gekocht

und in Lackkästchen mit Deckeln (Jubako), die man hierfür besonders

herstellt, getan; man schickt diese, mit besticktem Krepp oder Brokat

bedeckt, an alle Verwandten und Freunde, die dem Kinde bei der Geburt

Geschenke machten. Außerdem wird dieses ihnen zum erstenmal zu Besuch

gebracht und erhält hier allerlei Spielzeug, von dem am beliebtesten

ein Hund aus Papiermaché ist; dieser soll, am Kopfende des Bettes

aufgestellt, die Teufel vertreiben. Ein zweites Fest, das ungefähr am

hundertundneunten Tage nach der Geburt stattfindet, ist die +Zeremonie

des „ersten Essens“+ des Kindes. In Anwesenheit der Freunde der Familie

wird vor ihm ein Tablettchen mit Reis, Suppe und Fisch (der aber ganz

sein und noch den Kopf haben muß) hingesetzt und seine Lippen mit

dieser Speise befeuchtet. Auch hieran schließt sich ein fröhliches

Zusammensein. Überhaupt hat das Leben des japanischen Kindes recht

viele Festtage zu verzeichnen.

[Illustration:

Phot. Yei Ozaki.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 64 / 254 题