Die +Kleidung+ der Japaner besteht in einer Hose und einem Kittel, die
beim Landvolke aus mit Indigo gefärbtem Hanf-, bei den Stadtbewohnern
aus farbigem Baumwollgewebe (Abb. 17) und bei den Wohlhabenderen aus
Seidenstoffen angefertigt sind. Vielfach hat bereits europäische
Kleidung Eingang gefunden, die bei der Arbeit praktisch und sparsamer
ist. In seinem Heim jedoch bevorzugt jeder Japaner, sei er Offizier,
Beamter, Gelehrter oder Geschäftsmann, den bequemeren Kimono, der dem
Träger etwas Würdevolles und, besonders bei weiblichen Wesen, recht
Malerisches verleiht. Es ist dies ein aus einem Stück hergestelltes,
schlafrockähnliches Gewand, das vom Hals bis zu den Füßen reicht,
lange viereckige Ärmel besitzt und mit einem Gürtel, dem Obi,
zusammengehalten wird. Der Schnitt ist für beide Geschlechter der
gleiche. Jede Jahreszeit erfordert ihr besonderes Kleid, ebenso die
Etikette bei den verschiedenen Anlässen; es geht in Japan geradeso
zeremoniell zu wie in China. Im Winter trägt man wattierte Kimono;
vielfach wird ein Kimono über den anderen gelegt, um sich vor Kälte
zu schützen, denn da man in Japan in Holzhäusern wohnt, deren Räume
nur durch Papierwände abgeschlossen sind, so herrscht in diesen bei
kühlerer Witterung eine ziemlich niedrige Temperatur. Der Obi der
Männer ist ein schmaler Gurt aus gerippter Seide oder Brokat bei
festlichen Gelegenheiten und aus weißem Krepp oder Seide im Hause.
Der der Frauen (Abb. 14) bildet den kostbarsten Teil des weiblichen
Gewandes und wird für besonders feierliche Gelegenheiten aus
prachtvollem Goldbrokat hergestellt. Er ist etwa dreißig Zentimeter
breit und mißt vier bis viereinhalb Meter. Er wird in der Länge
zusammengefaltet, um die Taille gelegt und an den Enden zu einer
flachen Schleife auf dem Rücken zusammengebunden; infolge eingelegter
Polsterung stehen diese dann vom Körper weit ab. Vorn wird der Gürtel
noch durch eine goldene oder mit Edelsteinen verzierte Klammer
gehalten. Bei den unverheirateten Mädchen wird der Obi so gebunden,
daß die Enden bis an die Schulter in die Höhe stehen (geradeso wie ein
„Pfeil“ in einem Köcher, weswegen die Mode auch ihren Namen erhalten
hat). Das Kleid der Japanerin mutet recht schön und malerisch an,
eignet sich aber nicht zur Arbeit und hindert die körperliche Bewegung.
Die Männer ziehen sich stets noch einen Überzieher (Haori) an, der
denselben Schnitt wie ein Kimono hat, aber nur bis zu den Knien reicht
und mit einer weißseidenen Schnur geschlossen gehalten wird. Die
zeremonielle Robe ist mitten auf dem Rücken, auf den Ärmeln und auf
jeder Seite der Brust mit der Familienverzierung in Weiß versehen.
Arbeiter, Zimmerleute, Jinrikschazieher und so weiter tragen einen
baumwollenen Rock (Happi), der mit großen roten oder weißen Zeichen
gemustert ist, die die Zunft oder den Stand des Trägers bezeichnen;
der private Jinrikschazieher trägt das Familienwappen seines Herrn in
Seide gestickt auf dem Rücken (Abb. 16). Die Fußbekleidung ist, sofern
der Japaner nicht barfuß geht, eine Leinensocke (Tabi), bei der die
große Zehe von den übrigen getrennt ist, um den Sandalenriemen durch
die Lücke führen zu können. Die Kopfbedeckung fällt verschieden aus.
Die kunstvolle Haarfrisur der Frauen erfordert das Schlafen auf einer
Nackenstütze. Gegen den Regen hängt sich das Landvolk Strohmäntel um
und trägt Regenschirme aus Ölpapier. Bei den Männern der niederen
Klassen (Kuli, Pferdeknechten) ist das +Tatauieren+ (Abb. 20) sehr
beliebt; es soll bei ihnen, die wegen ihrer anstrengenden Arbeit
leicht in Schweiß geraten und daher nur wenig bekleidet einhergehen,
die Kleidung ersetzen. Tatsächlich werden vorzugsweise die Stellen am
Körper tatauiert, die man sonst bedeckt trägt. Vögel, Drachen, Blumen
und weibliche Schönheiten geben die Motive auf Rücken, Brust, Lenden
und Schultern ab. Bei den Frauen ist +Bemalen+ des Gesichtes und
Halses mit einer weißen Paste (Abb. 22), +Ausrupfen der Augenbrauen+,
+Rotschminken+ der Lippen und +Schwarzfärben+ der Zähne üblich. Die
Japaner +wohnen+ in niederen, nur einen bis zwei Stock hohen, aus Holz
gebauten Häusern, die weder Keller noch Boden besitzen. Die Stelle von
Fenstern vertreten Schiebetüren, deren Füllung aus Papier besteht.
Feste Zimmer gibt es in ihnen nicht, die Innenräume werden nach Bedarf
durch verschiebbare Wände aus Papier hergestellt. Den Boden bedecken
Binsenmatten, zur Heizung dienen messingene Kohlenbecken. -- Die
Lagerstätten sind auf dem Boden ruhende Matratzen und eine wollene
Zudecke. Die sonstige Ausstattung der Zimmer ist eine bescheidene;
außer Schränken finden sich für gewöhnlich nur noch Wandschirme,
Ständer für Blumen und einige wenige Rollbilder an der Wand.
[Illustration: Abb. 13. Japanerin vom Satsumatypus.
(Sammlung Bälz.)]
Die Japaner +genießen+ mit Vorliebe Reis, sehr wenig Fleischspeisen und
als Getränke heißen Reiswein (Sake) und Tee (Abb. 19); Genußmittel ist
ihnen der Tabak, den auch die Frauen gern rauchen (Abb. 18). -- Ihre
+Ackerwirtschaft+ steht noch auf der Stufe des Gartenbaues.
[Illustration:
Phot. Yei Ozaki.
Abb. 14. Japanerin beim Ankleiden.