Mangelhaftes, improvisiertes Werkzeug erschwert jede Hantierung, kostet

mehr Mühe und Zeit, bringt geringen Erfolg und läßt schließlich von kleinen

Manipulationen absehen, deren Unterlassung später Arbeit und Unkosten

verursacht. Vor Ankunft des Hundes muß schon alles bereit liegen, die

Anwendung ist zum Teil schon in vorherigen Kapiteln erklärt worden.

Zunächst zur Haarpflege _nur Borstenbürsten,_ niemals Marterinstrumente mit

Stahlborsten, selbst nicht solche auf Gummiunterlage, man entzündet damit

die Haut. Für stockhaarige und rauhhaarige Rassen kurze kräftige Borsten in

Kartätschenform. Für Schoßhunde ganz Weiche lange Borsten, die den Kamm

ersetzen. Nur in Spezialhäusern für Hundeartikel erhält man die Stahlkämme

mit ganz kurzen Zähnen, die zugleich zum Abrupfen des überwuchernden Haares

für Rauhhaarrassen dienen. Dieses soll nie so lang werden, daß es die

Körperformen merklich überragt. Abgesehen von Bart und Augenbrauen

erscheint Rauhhaar, speziell der Terrier, wie ein glatthaariger (nicht

kurzh.) Hund; der deutsche Pinscher, Affenpinscher, wird ein wenig länger

im Haar gehalten, doch schadet auch für ihn der sogenannte Rupfkamm nicht.

Der Zweck der Eisenfeile (für Nagelpflege), harten Zahnbürste ist oben

beschrieben. Zwei Porzellanschalen mit Deckel enthalten kleine,

dichtgeschlossene Schwämme für Augen- und Ohrenpflege, die öfter in

leichtem Desinfektionswasser (Wasser mit etwas Wasserstoffsuperoxydzusatz)

ausgewaschen werden. Ebenso die Bürsten. Ein feineres Staubtuch dient zum

Nachtrocknen der Ohren und Augen. Ein vorzügliches Putzmittel zum

Nachpolieren nach dem Abbürsten ist der _Samthandschuh,_ den man nach

Benutzung mit trockenem Tuch abreibt und gleichfalls von Zeit zu Zeit

waschen läßt. Wenn man sich vor regelmäßiger Haarpflege einbildete einen

sauberen Hund zu besitzen, so wird man sich durch Anblick des Tuches nach

Abreiben des Samthandschuhes überzeugen, daß das Gegenteil der Fall war.

Kein Wunder, daß manche Hunde übelriechen, wenn sie nach Regen feucht in

das Zimmer kommen. Erst durch peinlichste Sauberkeit wird der Haushund zum

Hausgenossen, den man auch berühren darf, ohne sich sofort darauf mit Seife

und heißem Wasser waschen zu müssen. Begreiflich, daß zu solcher Pflege das

richtige praktische blanke Werkzeug gehört. _Schutzdecken_ (Schabracken)

werden nur für kurzhaarige Rassen wie Black and Tan Terriers,

Zwergpinscher, Windhund, Whippet (letzteren nach Renntraining sofort

umgelegt), besonders Windspiel angeschafft; um ihnen ein gefälliges

sportliches Aussehen zu geben, sind sie aus dunklem Tuch, mit Hellen,

blauen oder gelben Streifen eingefaßt. Ausnahmsweise legt man solche aus

Segeltuch und hinten rings geschlossen Doggen an, um aufgeschlagene Rute zu

heilen. Für zarte Schoßhunde schneidet man von abgelegten, gestrickten

Handschuhen die Spitzen ab, läßt den Schnittrand von der Hausfrau

nachgiebig einfassen und zieht sie vor Ausgang bei nassem Schneewetter über

die Füße als _Schutzsocken._ Blendend schön behaarte Yorkshireterriers und

Malteser, die für Ausstellungen vorbereitet werden, müssen solche Schuhe

beständig tragen, damit sie sich nicht kratzen können. Wie die Kravatte des

_Herrn_ nebst Nadel das einzige Bekleidungsstück ist, das Geschmack und

Eleganz verrät, so auch das _Halsband_ des Hundes, das bei der Dogge, dünn

und rund genäht, den eleganten Hals unterstreicht und diskret den Übergang

zum Rücken nicht stört, bei dem schwarzroten Dobermann oder Terrier als

glattes weißes Band das tief glänzende Fell hebt. Dem gedrungenen Bau mit

kurzem Hals durch Wucht und Nägelbeschlag bei der Bulldogge sich anpaßt und

den Schein hervorruft, als müßte dieses fürchterliche Tier an schwerstem

Halsband gebändigt werden. Beim Barzoi und Pudel oder Collie besteht es nur

aus einer vernickelten Kette, die im Haar verschwindet, ohne dieses zu

verletzen. Sportrassen wie Foxterriers, Airedales tragen glattes, schmales

hellgelbes Lederhalsband, z. B. Dreigliederhalsband, das zwar Zughalsband

ist, aber sich nicht völlig zuziehen läßt, wie jedes solche sein sollte,

dazu weit genug, um über den Kopf gestreift zu werden. Auffällig als

solches durch Farbe oder Zierbeschläge darf nur das Halsband der Bulldogge,

der japanische Originalkragen des Chins oder das mit Dachshaaren besetzte

der französischen Bulldoggen sein. Das Eigenartige liegt sonst im Passen

und Schlichtheit. Zum weißen Halsband gehört die Weiße Leine.

Brustgeschirre erhalten nur solche Rassen, die bei fortgesetztem Ziehen am

Riemen zu Kropf neigen (glatth. Zwergpinscher, Mops). Ein angehängtes

Glöckchen ist eine Zumutung an Nerven des Hundes; geht man aber abends aus,

so ist es nicht unpraktisch, ein solches an kleinem Karabiner zu besitzen,

damit man die Anwesenheit des Hundes hört, wenn man den kleinen dunklen

Kerl nicht sieht. Zum Ausgang in die Stadt gehört die _kurze Führleine;_ je

kürzer man den großen Hund hält, desto leichter und fester hat man ihn in

der Gewalt. Zur Dressur kann man sich selbst die lange Leine aus fester

gedrehter Hanfschnur herstellen. Für harte Hunde benutzt man zur _Dressur_

das unwendbare _Stachelgliederhalsband_ (Torquatus) oder den über das

glatte Lederhalsband an zwei Schleifen über- zustreifende Stachelriemen,

Marke Horridoh, der nach außen gedreht zum Schutz gegen fremde bissige

Hunde dient. Für Hunde, die zum Entweichen oder Wildern neigen, läßt man

sich einen sogenannten _Knüppel_ herstellen. Das ist ein rundes

Hartholzstück von etwa 50 cm Länge und 8 cm Dicke (je nach Größe, diese für

Dobermannpinscher angegeben), dreht in der Mitte eine Ringschraube ein und

befestigt mit 2—3 Verbindungsgliedern einen Karabiner, so daß der an das

Halsband eingehängte „Knüppel” bis auf die Vorderläufe 1⁄3 von oben)

herabreicht. Mit diesem „Knüppel” kann der Hund mit gehobnem Kopf gehen,

auch ganz langsam traben, sobald er aber springt oder hetzt, schlägt ihm

der Knüppel beständig auf die Vorderbeine. Namentlich für den im Landhaus

gehaltenen zum Ausbrechen geneigten Hund, den man tagsüber im Garten frei

laufen läßt, ist der „Knüppel” zu empfehlen. Hat er sich einige Zeit

bewährt, so kann man ihn durch Absägen auf beiden Seiten kürzen, er wirkt

als Warnung trotz Kleinheit weiter. Wer öfter reist und den Hund von

mittlerer Größe oder Zwerghund mitnimmt, wird sich vorteilhaft einen

_Reise-transportkorb_ mit Gittertür anschaffen, der schon einige Tage vor

der Reise nachts als Lager (geschlossen) dienen soll, so daß sich der Hund

gar nicht aufregt, wenn er in diesem als Reisegepäck aufgegeben oder im

Hotel bei Ausgang eingesperrt wird. Verläßt man das Hotel bei Tage, so

überdeckt man den in dunkle Ecke gestellten Korb, weil sich für das

Hundegehirn Dunkelheit mit Nachtzeit verbindet und er sich dann ruhiger

verhält. Der Pudelbesitzer benötigt die _Haarschere,_ die für großen Schlag

eine Schnittbreite von 42—44 mm, kleinen Schlag 32—35 mm, eine Schnittlänge

von 1⁄4 mm (sogenannte Bartschere) haben soll. Solche mit 1⁄2 mm schneiden

zuweit über der Haut und rupfen. Man ölt gut und setzt kräftig die an der

Stellschraube energisch angezogene Maschine gegen den Haarstrich ein. Hat

das erstemal ein geübter Pudelscherer den Hund frisiert, so ist es dann

eine Kleinigkeit ihn so zu erhalten. Zehen und Gesicht werden alle 8—14

Tage, der Hinterkörper im Sommer alle 14, im Winter jede dritte Woche

nachgeschoren. Überragende Haarspitzen entfernt man beim Wollpudel mit der

Handschere. Nach dem Bad werden die Schnüren mit Tüchern partienweise

trocken frottiert. Leider gehört in vielen Städten zu den aufgezwungenen

Utensilien auch der _Maulkorb_ für alle, oder doch größere Rassen, der

natürlich gegen Verbreitung der Tollwut durch entweichende Hunde keinerlei

Schutz bietet, aber für ängstliche Menschen, die meinen, daß alle Hunde

„beißen”, eine Beruhigung ist. Er soll aus Lederriemen hergestellt und so

lang sein, daß er vorn Nase und Schnauze nicht scheuert; gegen das

Kahlreiben auf Nasenrücken schützt Umwicklung des aufliegenden Lederteils

mit Tuchstreifen. Drahtkörbe sind wohl haltbarer, für kurzhaarige Rassen

eine Marter, sollten höchstens für Zughunde benützt werden. Man nehme ihn

lieber etwas größer als nötig und schütze ihn gegen Abstreifen durch eine

Lederschleife hinten, die durch das Halsband gezogen wird. Es ist

vorteilhaft, den Maulkorb aus schwarzem, weichem Leder Herstellen zu

lassen; hellgelb irritiert das Hundeauge, wie ja auch die schwarze

Hornbrille weniger stört als die mit glänzendem Goldrand. Das Angewöhnen

erfolgt nicht in Haus oder Garten, sondern nach flottem Spaziergang, der

die Aufmerksamkeit ablenkt und zwar in früher Jugend. Haben wir nur noch

gut erzogne und wohlbehütete Hunde, keine beständig sich auf Straßen

herumtreibenden Köter mehr, so wird der Maulkorbzwang von selbst wegfallen.

Die Hundepeitsche braucht nur der Dresseur für den Berufshund (Jäger,

Polizeihundführer), _nicht der Erzieher;_ ihm genügt die Gerte oder ein

leichtes spanisches Rohr.

25. Kapitel.

=Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin.=

Wie das Auge der Spiegel der Seele, so ist die Haut der der Gesundheit. Ein

glattes glänzendes, gut anliegendes Haar verbürgt in Verbindung mit klarem

Auge und kaltfeuchter Nase das Wohlbefinden. Munteres, lebhaftes Verhalten

und guter Appetit sind die Folge. Die Exkremente, konsistent, wenn zu hart

und steinig, so gebe man weniger Knochen und mehr Getränk. Zu viel Kot in

breiiger Form verrät gehaltloses Beifutter, man füttere daher besser (mehr

Eiweißgehalt). Die einfachste Kontrolle für richtige Ernährung und

Verdauung ist also tägliche Beobachtung des Kots. Ist alles in Ordnung, so

genügt ein Blick darauf. Jede Abweichung von dem eingangs beschriebenen

Aussehen erfordert Beachtung. Krankheit kündet sich durch Mattigkeit,

Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit an, wird bei täglicher Haarpflege sofort

festgestellt. Bei katarrhalischem Aussehen von Nase und Auge wird sofort

beim Junghund die Körpertemperatur (im After, Spitze des Fiebertermometers

behufs leichten Einführens mit Vaseline oder Öl eingefettet) gemessen,

beträgt sie über 39 ° C., etwa 39,5 und dünstet die Haut übel aus, so liegt

Staupeverdacht (Sucht) vor, gibt man sofort etwas Hefe, hält den Hund warm

im Zimmer und ruft einen Tierarzt, der selbst Züchter oder Spezialist von

Hunden ist. Das übliche Futter bleibt sogleich weg, etwas geschabtes rohes

Fleisch, falls roh nicht genommen, leicht angebraten und ganz klein

geschnitten. Man versäume keine Zeit mit „unfehlbaren Staupemitteln”, die

je nur _eine_ bestimmte der zahlreichen Formen treffen, überlasse etwaige

Injektion dem Tierarzt. Es ist weder nötig, daß alle Hunde die Staupe

bekommen, noch schützt ein Anfall unbedingt gegen weitere; es ist nur

wahrscheinlich, daß ein kräftiger Hund, der die Staupe überstanden, gegen

nächste Infektion geschützt ist oder sie leicht überwindet. Bleibt nach

schwerer Sucht ein Nervenleiden (Zucken, Schwäche in Hinterhand), so soll

das unheilbare Tier lieber erlöst werden, es ist zeitlebens ein Schwächling

ohne Zuchtwert. Abgang von dünnflüssigem Kot ohne Fieber und Mattigkeit

wird sofort mit Diät bekämpft. Tagelang kein kaltes Wasser, gegen Durst

höchstens Reiswasser, als Nahrung Schleimsuppe durch ganz geringen

Fettzusatz schmackhaft gemacht. Dazu Ruhe, Wärme, keine Medikamente, noch

Heilmittel nach Laienvorschlägen. Unschädlich, doch wirksam sind kleine

Gaben von Bismut. salicyl. Einmaliges Erbrechen, namentlich von Gras oder

ähnlichen Fremdkörpern gibt zur Beunruhigung noch nicht Anlaß, zumal junge

Hunde leicht erbrechen. Liegt bei solchem Verdacht vor, daß der Hund auf

Spaziergang Aas (Fleischgift) oder Giftbrocken aufgenommen hat, so ist

innerlich mit Kalomel (Dosierung je nach Größe durch Apotheker) zu reinigen

und gegen Herzschwäche etwas Kognak einzuflößen. Wird ein Hund richtig

ernährt, erhält er in der Jugend genügend Knochen, Nährsalze, Lebertran

gegen Rachitis, hat er reichlich Bewegung, so ist er widerstandsfähig und

wird höchst selten erkranken, namentlich wenn ihn Reinlichkeit gegen

Infektion und Hautkrankheiten schützt. Zeigt die Haut kleine, rundliche,

kahle Stellen ohne Juckreiz, so liegt Flechte vor; die befallenen Stellen

werden mit Jodtinktur, die immer in kleinen Fläschchen vorrätig sein

sollte, bepinselt. Haarausfall, heftiger Juckreiz, häßliche Hautstellen

verraten Räude. Selbst die früher für unheilbar gehaltene Acarusräude ist

durch energische Einreibung mit Schwefeloxydul (Chem. Fabrik

Marienfelde-Berlin) heilbar, die gegebnen Vorschriften sind genau zu

befolgen, da sonst wirkungslos. Fast alle Mittel helfen, nur muß die Kur

bei den meisten sehr gewissenhaft befolgt werden. Es kommt weniger auf das

Mittel selbst als auf die Anwendung an. Bei obigem Mittel genügt einmalige

Einreibung. Hervorragend gegen Sarkoptesräude, Ekzem, Herpes hat sich

Odhlen (Bayer) bewährt.

Bei zufälligen Verletzungen wasche man nicht mit nächstem Wasser aus, damit

bringt man nur Keime aus der Umgebung in die Wunde; man betupfe die

Umgebung der Wunde mit Jodtinktur, sorge daß der Hund nicht kratzt und

scharrt. Den Wundrand selbst bepinselt man mit Perubalsam, der in jede

Hundehausapotheke gehört, um bei Räude, Flechte, empfindliche Stellen wie

die Augenumgebung zu behandeln. Ebenso soll eine Schachtel mit Borsäure

immer vorrätig sein, am besten in kleinen Dosierungen (von 3 oder 6 g), um

z. B. mit 100 g Wasser sofort eine 3prozent. Lösung zum Waschen tränender

Augen herstellen zu können. Eine weitere Schachtel stehe mit einem

trocknenden Desinfektionsmittel bereit wie Tannoform (Merck), Euguform

(Güstrow), letzteres ein Idealmittel gegen alle Hautentzündungen

(Wespenstiche) und Brandwunden, um kleine Wunden damit zu bestreuen. Da

diese Pulver nasse Wunden rasch abtrocknen, entziehen sie den Mikroben ihre

Lebensbedingungen. Hautabschürfungen überzieht man mit Jodoform-Kollodium.

Tiefere Bißwunden spült man mit 5prozent. Karbollösung mit Wundirrigator

und taucht die Fingerspitzen in diese vor Berührung. Zerschneidet sich der

Hund durch Tritt in Glasscherben einen Ballen, so stillt man die Blutung

mit Eisenchloridwatte, desinfiziert die Wunde, überstreicht sie mit

Jodoformkollodium. Hierüber quer Heftpflaster, Mullbinde und Beobachtung

des Hundes gegen Abreißen des Verbandes (Anlegen an Lager an kurze Kette

oder sogenannten Halskranz, in Spezialgeschäften vorrätig). Da man Tiere

nicht überreden kann, muß man Medikamente „eingeben”. Lösliche Arznei und

Emulsionen gießt man aus der Flasche am Lefzenwinkel bei erhobnem Kopf ein,

hält einen Augenblick die Nase zu, so daß der Hund durch das Maul atmen

muß, wobei er schluckt. Größere Pillen taucht man in Öl und steckt sie tief

in den Schlund, hält das Maul einige Zeit zu, streichelt die Kehle entlang.

Pulver oder Tropfen kann man in Gelatinekapsel füllen und ebenso in den

Schlund schieben. Der Apparat „Pilleneingeber” erfordert sachkundige

Handhabung. Bei kleinen jungen Hunden ist das schwierig; einige Tropfen (z.

B. Chenoposanöl gegen Spulwürmer, das scharf riecht) bringt man durch List

bei. Aus fetter Wurst, die sich streichen läßt, bereite man eine flache

Oblate in Größe einer Kupfermünze, tropft darauf 1—3 Tropfen Medizin in

kleine Höhlung. Das Ganze wird vorsichtig zusammengerollt, so daß kein

Geruch nach außen dringt. Dann gibt man als Lockmittel von derselben Wurst

einige Kugeln gleicher Größe, zuletzt die mit der Arznei, die gierig

morgens nüchtern hinabgeschlungen und gar nicht erst mit der Nase geprüft

wird. Am Abend vorher fällt das Futter, vor allem der Knochen, weg; der

Magen muß möglichst leer sein, besonders bei Wurmmitteln, die rasch mit den

toten Würmern abgehen sollen. Mancher scheinbare Mißerfolg (keine Würmer im

Kot) grade prompter Wurmmittel (Allegan-Bayer) beruht darauf, daß die toten

Würmer verdaut worden sind, was leicht zu Darmkatarrh führt. Hunden, die

jedes Medikament sofort erbrechen, gibt man 1⁄2 Stunde vorher etwas dicke

Schleimsuppe. Hilft auch das nicht, vorher ein Anästhesinpulver oder eine

Lösung von Novocain. (1 %) mit Suprarenin in Bittermandelwasser.

Ausgenommen bei Wurmkuren verschont man die Hunde möglichst mit

Arzneimitteln, selbst wenn man gerne helfen möchte. Einige Tage kein

Wasser, dafür Diät (Schleimsuppen) sind besser als Verstopfungs-, Abführ-,

Brech-, Stärkungsmittel. Von letzteren ist Rotwein mit Ei (falls nicht

freiwillig genommen, eingegossen), geschabtes oder kleingewiegtes Fleisch

das beste. Der ruhende Hund braucht sehr wenig. Ein Kalbsschwanz genügt für

einen Tag. Und auch sonst lieber etwas knapp gehalten, so daß man die

Rippen ganz leicht angedeutet durchsieht, ist gesünder als gemästet.

Natürlich darf der Junghund nie wie ein Gerippe mit Fell überzogen sich

anfühlen, sondern eher prall. Der ältere Hund hingegen sei hart durch

Muskulatur, so daß es die Hand schmerzt, wenn man fest auf ihn klopft. Ist

das der Fall, so ist er nicht nur in vollster Gesundheit, sondern auch ein

Muster rationeller Haltung, die dem Besitzer Ehre macht.

26. Kapitel.

=Altersschwäche und Tötung.=

Das traurigste Kapitel dieses Buches, dem wir an Härte nehmen wenn wir die

Naturnotwendigkeit uns klar machen. Von mehr als einem Hundebesitzer haben

wir, von dessen ehemaligem Liebling sprechend, gehört, daß sein Tod der

einzige Schmerz gewesen sei, den er je seinem Herrn zugefügt habe. Wird ein

Hund vernünftig gehalten, erhält er, völlig ausgewachsen, nicht zuviel

Eiweiß dessen Schlacken das Leben kürzen, auch nicht zu viel Salze, die

durch Flüssigkeits- aufnahme die wichtigsten Säfte verdünnen, so wird er

bei Kraft und Wohlgestalt, die zugleich Schönheit und Gesundheit sind, ein

hohes Alter ohne frühe Altersschwächen erreichen. Wir wollen nicht durch

Aufzählungen von einzelnen Hunden, wie Barzois, Spitze, Foxterriers, die 18

bis sogar etwas über 20 Jahre alt werden, falsche Erwartungen erwecken. Das

sind Ausnahmen. Sicher ist nur, daß sogenannte trockne Rassen (von harter

Struktur mit Stahlknochen) um 1⁄4—1⁄3 älter werden, als solche von Masse

mit Falten, Halshaut, starken Knochen. Letztere gehen früher „aus dem

Leim”, bekommen unförmigen Kopf, neigen zu Fettansatz, dem rechtzeitig

durch trockne Ernährung Vorgebeugt werden muß. Was rastet, rostet. Um vor

frühzeitigem Altern zu schützen, darf es auch dem älteren Hund nie an

erfrischender, angemessener Bewegung fehlen. Knochen werden nach

vollendetem 4. bis 5. Jahr keine mehr gegeben, die Zähne sorgfältig

gepflegt und gegen Belag vorgegangen. Riesen und Zwerge altern früher,

solche mittlerer Größe später. Hunde von brauner Farbe, schwarze mit

gelben, statt rostroten Abzeichen, bekommen früher graue Schnauze als

erstes, jedermann kenntliches Alterszeichen. Doch wer denkt bei Anschaffen

des Welpen oder Junghundes schon an dessen Alter. Stellen sich merkliche

Altersschwächen ein, Trübung des Auges, und verminderte Sehfähigkeit,

abgenütztes Gebiß, Unfähigkeit und infolgedessen Unlust zur Bewegung,

mürrisches Wesen als Abwehr gegen Störung des Ruhebedürfnisses, das sich

bei Unbehagen bis zur Bissigkeit steigert (bösartig aus Laune wird kein

Hund!), so wäre es falsches Mitgefühl, hier nicht erlösend einzugreifen.

Dem Tier ist das Geistesleben, das dem Menschen das Greisenalter in

liebevoller Umgebung noch erträglich macht, versagt; es vegetiert, sich

selbst und anderen zur Last. Man verwechsle nicht die Wehleidigkeit, sich

selbst einen kurzen Abschiedsschmerz zu ersparen, mit falschem Mitgefühl,

das ein Tier langsam verkümmern läßt. Ohne Beratung und quälende

Erörterungen mit den Angehörigen faßt man den Entschluß selbst, erzählt

erst bei Rückkehr _ohne_ Hund, was unvermeidlich war und hält schon den

Ersatz in Gestalt des pflegebedürftigen Nachfolgers bereit. Das

herzerfrischende Spiel des jungen Hundes, sein sprudelnder Übermut, lassen

fast wider Willen den Schmerz vergessen, und die Entwicklungsmöglichkeiten

des noch unreifen Charakters trösten besser als es der Ersatz durch einen

schon fertig ausgewachsenen Hund je vermöchte. Niemals gebe man den

gealterten Hund in _fremde_ Hand ab. Ein Schuß aus kleinkalibrigem

Gewehr, dicht hinter dem Ohr von rückwärts eingesetzt, tötete durch

Eindringen in das Kleingehirn sofort. Am besten gibt eine geübte, sichre

Hand den Schuß ab, man entfernt sich erst, wenn man den Schuß gehört und

sich durch Anblick vom Tod überzeugt hat. Tötung mit starker Morphiumgabe

ist nicht zu empfehlen; es wird meist erbrochen und müßte durch

Einspritzung direkt in den Blutlauf gebracht werden. Gegen Vorhalten von

Chloroform wehren sich Hunde heftig. Die wäßrige Lösung von Blausäure,

zersetzt sich trotz besten Verschlusses rasch. Andre Gifte, wie Strichnin,

sind zu langsam in der Wirkung. Mit Recht wünscht jeder Hundefreund daß

sein Tier nicht leide und sofort tot sei. Tierarzt Hauck-Wien empfiehlt

nach zahlreichen Anwendungen seinen Kollegen folgendes einfache und leicht

ausführbare Verfahren bei Zuführung von Hunden zur Tötung: Man löst für

Hund größter Rasse 5 g Kalium cyanatum in etwa 15 g Wasser, schüttet aus

dem Fläschchen diese Lösung im Lefzenwinkel ein. Rechts vom Einschüttenden

steht ein Gehilfe mit einem Fläschchen gewöhnlichen Haushaltessigs. Sofort

nachdem der Hund den letzten Schluck der Cyankaliumlösung zu sich genommen,

wird schnell etwas Essig hinterher eingeflößt und der Hund sich selbst

überlassen. Der Tod tritt innerhalb weniger Sekunden durch die plötzliche

Blausäureentwicklung ein, kaum daß man die Hand von ihm losgelassen hat.

Ehe wir diesen Ratschlag hier weitergaben, haben wir selbst bei einigen

solchen Vergiftungen assistiert und uns überzeugt, daß der Hund ohne

Krampf, lautlos wie völlig gelähmt, zusammenfällt und niedersinkt, selbst

die Gesichtszüge zeigten keine Spur von überstandenen Schmerzempfindungen.

Selbstverständlich kann der Tierarzt auch eine eigens neu angefertigte

Lösung einspritzen, doch muß er dann einige Tage vorher von dem Besuch

zwecks Tötung unterrichtet werden.

Und einige Tage vorher wird auch schon der Nachfolger erworben; am besten

ein noch hilfloses, pflegebedürftiges Hündchen, das unsre Zeit und Gedanken

völlig in Anspruch nimmt und unsre Angehörigen über den schmerzlichen

Verlust eines treuen Freundes hinwegbringt. Bei der zweiten Erziehung hat

man viel gelernt, was nun praktisch verwertet wird. Allerdings handelt es

sich ebenso wie in den Ausführungen dieses Buches nur um kleine Hilfsmittel

und Handgriffe. Die Hauptsache muß der Erzieher _selbst_ besitzen und

mitbringen, und das ist genau dasselbe wie beim Einreiten des Pferdes:

_eine unendliche Geduld, ein feines Gerechtigkeitsgefühl und eine

hochanständige Gesinnung._

=Zu unseren Bildern.=

1. Langh. St. Bernhardshündin, Champion _„Fatime Cannstatt”_ 2274.

Besitzer: Frau Hofkapellmeister Marg. Kahler, Schwerin. Züchter: H. Voppel, Cannstatt.

2. Deutsche Dogge, _„Rolf v. d. Rheinschanze”._ Züchter u. Besitzer: Jos. Rembold, Ludwigshafen a. Rh.

3. Brauner Dobermann, _„Salto v. Rottal”._ Besitzer: Boxler, München.

Züchter: Jos. Schweiger, Pfarrkirchen i. Rottal, Nied.-Bay.

4. Importierter Airedaleterrier, _„Zetland Recruit”_ 6032. Besitzer: F.

Röhrl, München.

5. Engl. Windhund, Champion _„Tasso v. Solten”._ 381. Besitzer: Oblt. Gg.

Boxler, Augsburg. Züchter: Tierarzt Dr. Erb, Gießen.

6. Münchener Boxerrüde, Sieger _„Udo v. Adelegg”._ Züchter u. Besitzer:

Edmund Halter, Isny.

7. Importierte engl. Bulldogge, _„Astor Astoria”_ 1193. Besitzer: M.

Gruber, Hamburg.

8. Importierter engl, drahthaariger Foxterrier, Sieger _„Handy Maesthead”._

Besitzer: Rud. Piesbergen, Berlin W. 8.

9. Rauhh. Pinscher, Sieger _„Strupp v. Schnauzerluft”_ 1936. Besitzer u.

Züchter: Wilh. Stierle, Pforzheim.

10. Kleiner Pudel, _„Nang-i-Lat v. Sadowa”_ 4324. Züchter: Wolf, Berlin.

Besitzer: Pudelzwinger Sirius (Frl. Flora Kalender) Ebersteinburg bei

Baden-Baden.

11. Französ. kleine Bulldogge, „Jubicka Patzig”._ Züchter u. Besitzer: Frau

Flora Kunstmann, Murnau-München.

12. Blenheimspaniel, _„Darling v. Ravensburg”._ Besitzer: Theo Krumm,

Ravensburg.

Bilder sollen für sich selbst sprechen und keine Erklärung benötigen.

Unsere kurzen Ausführungen gelten auch nicht ihnen, sondern den

dargestellten Hunden, deren Züchtern oder Besitzern. Unter etwa 100

Aufnahmen von nahezu gleicher technischer Vollendung, die eine Spezialität

des Münchener Tierphotographen A. Dauer,Briennerstr. 17 ist, wurde nur ein

Dutzend ausgewählt teils weil sie hervorragende, verdienstvollste

Zuchttiere waren oder noch sind (wie Nr. 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9 u. 10), teils

weil sie charakteristisch für die erfolgreichen Zwinger sind, aus denen sie

hervorgingen oder in welchen sie heute noch stehen und wirken. Nicht mehr

aktuell, da sie eine frühere Generation darstellen, sind nur zwei Bilder (1

u. 12). Im Bild der St. Bernhardshündin Champion Fatime ehren wir den vor

einigen Jahren verstorbenen Altmeister Hch. Boppel, Cannstadt dem diese

Rasse zu unauslöschlichem Dank verpflichtet ist. Gerade in dem

Charakteristischen dieser Rasse dem seelenvollen Ausdruck, ist die Aufnahme

kaum zu übertreffen. Dasselbe gilt von dem letzten Portrait, des kleinen

weißroten Blenheimspaniel Darling, was die Darstellung eines nich mehr

lebenden Siegers entschuldigen mag. Trotzdem bleiben diese zwei Abbildungen

immer lebendig. Mit der Zusammenstellung und Auswahl der Rassen, unter

etwas 40 solcher, sollte zugleich dem Anfänger ein Wink gegeben werden. Die

Riesen der Hundewelt, den mächtigen St. Bernhardshund und die kraftvolle

Dogge, verpflanze man nicht in die Großstadt und Mietwohnung, wo sie

verkümmern. Im Garten, Park, Lagerplatz, Fabrikhof, auf auf dem Lande, wo

sie wachen und zugleich schützen, sind sie am Platze. Die gelbe Dogge Rolf

(Nr. 2) ist aus dem ersten Doggenzwinger des Südwestens hervorgegangen,

dessen Zuchtideal Verbindung von Größe und Adel ist. Auch

Polizeihundrassen, wie der so dressurwillige und wuchtige Airedale, dem

Energie aus den Äugen leuchtet, oder der schneidige Dobermannpinscher

benötigen Auslauf und Arbeit; sie sind keine Zimmerhunde. Zetland Recruit

(Nr. 4) zeigt die Rassig- keit der Importation, mit der von Zeit zu Zeit

unsere festländische Zucht kluger Haushunde aufgefrischt werden muß. Wem

Rauhhaar etwas mühsam in Behandlung ist, der wählt den Dobermann im kurzen,

glänzenden Gewand. Sieger Salto v. Rottal (Nr. 3) entstammt der Zucht des

niederbayerischen Kenners edler Hunde, Jos. Schweiger in Pfarrkirchen.

Leichter und flotter als der Dobermann ist der englische Windhund, auch zur

Pflege von Rennsport geeignet, ein eleganter, sauberer Haushund, der in Dr.

Erb, Gießen, einen sachverständigen Förderer gefunden hat. Unter den

Bildern fehlt der Schäferhund, der mehr als Haushund ist. Eine einzige

Aufnahme von ihm würde der Verbreitung und Vielseitigkeit nicht genügend

Rechnung tragen. Das erfolgt dafür in einem stattlichen Sonderwerk im

gleichen Verlag: „Der deutsche Schäferhund in Liebhaberhand” in

weitestgehender Weise. Hingegen durfte unter den Haushunden im engeren

Sinne der kleinere, stämmige Münchener Boxer nicht fehlen, der seine

Anspruchslosigkeit an Raum der Mietwohnung anpaßt. Er quittiert nicht durch

Nervosität wenn er einmal während einiger Regenwochen den geliebten Auslauf

entbehrt, ist klug, gelehrig; doch wenn nötig, stellt er seinen Mann. Etwas

phlegmatischer ist die breite, niedrige, englische Bulldogge (Nr. 7),

Knochen, ein Stiernacken, dunkle Falten, vorstehender, breiter Unterkiefer

lassen sie drohend erscheinen, während sie der gutmütigste Hausgenosse ist.

Ihr Antipode, ganz Temperament, das ihn manchmal fortreißt, wenn er nicht

beschäftigt wird oder er keine Hand über sich weiß, ist der drahthaarige

Foxterrier. Richtig geleitet eine Perle und ebenso gefälliger, wie

lebhafter Begleithund. Etwas beherrschter, klug und dressurwillig ist der

deutsche Schnauzer. Sieger Strupp (Nr. 9) entstammt der Zucht, von Wilh.

Stierle in Pforzheim. Der Vollendetste Familienhund für die Großstadt ist

her kleine Pudel (fälschlich Zwerg genannt), Boxer nd Pinscher haben etwas

über Stuhlsitzhöhe, der Pudel steht um eine Handbreite darunter. Er ist

ganz Gemüt, von überraschender Intelligenz, dabei ein kluger Wächter, dem

nichts entgeht, der aber auch nie aus Übereifer Lärm schlägt wie der

cholerische Spitz. Zur Vollendung ist der kleine Pudel durch Zwinger Sirius

(Frl. Flora Kalender, Neckarsteinburg) gebracht. Ihr Stamm basiert auf

Champ. Nang-i-Lat (Nr. 10); mindestens ein Dutzend dieser Schwarzen tummelt

sich beständig in dem auf waldigem Bergesgipfel gelegenen Zwinger. Der

Clown unter den Hunden, grotesk in der Form, immer freudig erregt, ist die

Moderasse der französischen Bulldogge, von der zwei Schläge, eine geströmte

und weißbunte (Caille) existieren. Der Klub für franz. Bulldoggen mit Sitz

in München, wo auch die abgebildete „Jubicka” (Nr. 11) gezüchtet ist, hat

diese Auslandsrasse eingeführt und zu einer der französischen Zucht jetzt

mindestens ebenbürtigen Höhe geführt. Unter den zahlreichen

Zwerghundrassen, von denen die des glatthaarigen Zwergpinschers die

verbreitetste, die des Affenpinschers die härteste ist, dürfte die Palme

der Schönheit den langhaarigen Seidenhunden (Malteser, Toyspaniels)

gebühren. Fremdartiger noch sind die Chins und Pekingesen. In bestechender

Farbe, weiß mit orangeroten Platten, seidigschlichter Behaarung, klugem

Gesichtseindruck steht der Blenheim (Nr. 12) an der Spitze der 4

Toyspanielarten. Doch äußere bestechende Schönheit macht nur einen kleinen

Teil des Wertes unserer vierfüßiigen Lieblinge aus. Die Hauptsache sind

ihre _innersten Eigenschaften,_ ihre Charakter- und Gemütsanlagen, die wir

durch Erziehung wecken und zur Entfaltung bringen, durch Dressur in

nützliche Bahnen lenken.

=Anmerkungen zur Transkription.=

Nur eine sehr kleine Anzahl offensichtlicher Rechtschreibfehler wurden

korrigiert. Grenzfälle wurden belassen um eine möglichst genaue

Repräsentation der Erstausgabe von 1924 zu erstellen.

Der original Schriftsatz verwendet g e s p e r r t e Schrift zur

Hervorhebung von Begriffen. Für die vorliegende „Plain Text” Version sind

diese durch _Unterstriche_ markiert.

Die Verwendung von schwerer Schrifttype (z.B. in den Kapitelüberschriften)

wird durch =Gleichheitszeichen= ausgezeichnet.

Jedermanns Hundebuch · 第 6 / 6 段