»Weiter möchte ich Sie ersuchen, mir über die Vorgänge am Sonntag abend
Auskunft zu geben. Ich muß sie zu Protokoll nehmen.« Horst berichtete,
was er wußte.
»Wo befindet sich die Tote?«
»Im Hause des Torfmeisters zu Moordorf.«
Kein überflüssiges Wort. Was man fühlte, wurde in Schweigen eingesargt.
Wenige waren dabei. Kunz als der Waffenmeister, drei von den Siedlern,
die Hausdienst hatten. Die andern waren beim Bau und auf den Feldern.
An der Mittagstafel natürlich bewegte dies die Geister aufs tiefste.
»Unsere Burg ist geschleift«, sagte Kunz. Das war der Grundton.
»Wir sind und bleiben Soldaten!« rief einer. »Und ein Soldat ohne Waffen
-- was ist das? Die Hunde heben das Bein dagegen auf!«
Es ging ihnen nicht bloß an den Stolz, an die Ehre der Wehrhaftigkeit.
An das Gefühl der Sicherheit griff es. »Jetzt können sie uns mit
Knüppeln totschlagen.«
Metzling, der Grundsätzliche, versuchte eine Rede. Der Zorn der andern
wäre ja gerade durch die Maschinengewehre erregt worden. Sie empfanden
es als Ungerechtigkeit, daß wir welche hatten und sie nicht --
»Und als Gerechtigkeit hätten sie es dann empfunden, wenn sie sie
gekriegt hätten und gingen uns damit zu Leibe!« Ein Einwurf, den das
Lachen der meisten billigte und trug. Für die Minderheit aber, die
theoretischen Schwärmer, wurde die Gerechtigkeit nun doch zum Kampfruf.
Gleiche Waffen -- gleiche Waffenlosigkeit. Nur so kann der Bruderkrieg
aufhören, nur so eine Möglichkeit der Verständigung und Eintracht.
O Ihr weichen Seelen -- schalt Kunz dagegen -- o Ihr erweichten Hirne!
Mit der Idee kam die Erhitzung in die Gemüter, es gab Streit und
Zerklüftung. Zum erstenmal grub sich ein tieferer Riß durch die
Siedlerschaft.
Und wieder an Horst hängten sich die Augen. Er hatte finster dagesessen,
wie abgekehrt, bewegungslos und ehern. Jetzt belebte er sich. Und nahm
das Steuer in die Hand.
»So geraten wir uns also selbst in die Haare. Wollt Ihr einander dies
eine Euch klarmachen. Sie haben uns die Waffen genommen. Sie sagen, daß
die nicht uns, daß die dem Staate gehören. Dem Staat -- wir wollen sie
nicht fragen, wer das ist. Aber bleiben sie dem Staat? Liefert der sie
nicht an unsere Feinde aus? Daran denkt! Und denkt daran, wie nicht bloß
unsere Waffen, wie auch unsere Arbeit dem Feinde ausgeliefert wird.
Alles, was wir schaffen, alle Werte, die wir erzeugen. Unser Haus --
auch das bauen wir für die Feinde. Es wird kein deutsches, es wird ein
französisches Haus. Wenn wir nicht einig sind! Wenn wir nicht einig und
groß uns erheben! Daran denkt, nur daran! Alles -- alles hat dem zu
dienen.«
Es ist der alte Klang in seinem Wort, der alte Führergeist in seiner
Rede Tat. Und seine Augen haben den Mut seiner Worte. Dem beugen sich
alle, dem folgen sie alle. Und in Kunz glüht es: er hat die Höhe, er hat
auch die Hand. Daß er den Willen behalte und die Kraft!
Sie gehen an ihr Tagewerk. Wir fronen nicht! Wer unsere Gedanken hat,
unseren Willen, unseren Mut, der arbeitet frei an freiem deutschen Werk,
Deutschland zur Ehr, Deutschland zur Wehr!
Wir weben am Schicksal des Vaterlands. Schicksal -- was ist Schicksal?
Was wir schaffen ist Schicksal! So bändigen unsere Hände das Geschick,
unsere Zuversicht, die Kraft unserer Sehnsucht, unseres begeisterten
Willens schafft eine neue Wirklichkeit.
Dieser Glaube, von Horst bezeugt, dem Führer, dem Propheten, lebte in
ihrer Arbeit. Ihr Werk gedieh und stärkte sie durch sein Wachstum.
Horst aber -- und Kunz wurde seines Mißtrauens nicht Herr -- blieb wie
zugeriegelt und suchte die Einsamkeit.
Der alte Hüne im Moor hatte sein Kind allein begraben. Niemand hatte die
Stunde gewußt, niemand erfuhr die Stelle. Die Genossen hatten eine große
Leichenfeier gewollt. Die Blutzeugin für die große Sache! Wie konnte die
Straße ihrer entbehren! Sie kamen zu dem Alten und forderten. Er wies
sie ab. Sie drohten, da jagte er sie zum Teufel.
Und als sie zum drittenmal anrückten, mit Verfügungen der Behörde, da
war es zu spät, da war die Tote nicht mehr über der Erde. Die Behörde
hatte wichtigeres zu tun, als gegen den »alten Narren« gesetzlich
vorzugehen. So behielt Lud Uhlenbrook recht, und das Moor behielt Lona,
sein Kind.
Fremd war der Alte für Horst geworden. Er und sein Moor. Da sie den
letzten Abschied von Lona, von Lonas Bild ihm versagt hatten. Den
Gräberkult hatte der Krieg ihm abgewöhnt, er brauchte auch hier keine
Stätte des Gedenkens. Aber die Gesinnung des Alten, sein eifersüchtiger
Haß -- er konnte das böse Auge des wilden Druiden nicht vergessen -- war
nicht ein Feindseliges darin?
Bald würde er ja dafür sein Lächeln haben, aber noch schwärte etwas.
Vielleicht, weil er den Riesen so gut begriff, wie ein Verwandtes. Weil
er sich sagte, ich hätte es auch getan -- hätte es auch tun mögen.
Er trug nun mal die leere Stelle in sich, da Lona von ihm gegangen war.
Weit voneinander standen die Pfeiler unseres Glaubens. Aber da sie
wuchsen aneinander, aufstrebten gegen einander, wölbten sie sich nicht
einander entgegen? Hätten sie nicht zu einem Kuppelbau helfen können für
das eine große deutsche Wollen?
Von mir zu Dir sollte die große Einheitslinie reichen. Gewiß, wärest Du
nicht ein Weib gewesen, mir ein Wohlgefallen und eine Sehnsucht, meine
Blicke hätten nicht immer und immer zu Dir den Weg genommen, unbeirrt,
hinüber über all die Fluten, die zwischen uns und gegen uns brandeten.
Zu Herrn Knubart hätten sich von mir nicht diese Fäden gesponnen.
Nun, da Du hinsankst, ist die Brücke eingestürzt -- ob sie leicht war,
von schönen Träumen gehalten, sie war doch, und fester wäre sie
geworden, und einmal hätte sie getragen. Die Brücke ist zerstört und die
Fluten branden weiter.
Hat es Sinn, gegen sie anzukämpfen, sie einzudämmen, mit neuen Brücken
sie zu überspannen? Der innere Feind! Steht er nicht als Verhängnis in
den Sternen uns geschrieben? Unser unabwendbares Verderben?
Das Tagewerk lag hinter ihm. Schwer und ehrlich hatten sie wieder
gescharwerkt. Er ging an den jungen dem Ödland abgerungenen Feldern
vorüber. Das Moorkorn, der Hafer, sproß, auch die Kartoffeln zeigten
schon ihre kräftigen, bewußten, schwarzgrünen Schößlinge. Es lag wie ein
Segen auf den Breiten, und er war nicht froh. Eine Kraft war nun einmal
von ihm gegangen, ein Teil seines Lebens war verdorrt, und wieder warf
das Verzagen ihn nieder.
Was können wir noch, was wollen wir noch? Haben die Ängste, die Nöte,
die Qualen, die Schauer des Krieges und die schlimmeren des Friedens
nicht unser Wesen welk und blaß unser Blut gemacht? Wir haben nichts und
können uns nichts geben, so viel und heftig wir bei uns anpochen! Sind
wir nicht die bekannten Bettler, die an eigenen Türen betteln? Kann von
uns der Erlöser kommen?
Er wanderte nach Westen. Über den Himmel zog, da die Sonne sich neigte,
der Perlmutterglanz eines brechenden Auges. Da vor ihm lag das Moor.
Schatten schreckten über ihn hin, er kehrte sich um und ging zurück, den
Goldbergen entgegen. Belastet schritt er und geduckt und blickte nicht
auf.
Was huscht da, zuckt und zupft an seinen gesenkten Wimpern? Ein
Lichtschein von Osten, da es Abend wird?
Augenflimmern eines überreizten Gehirns -- er hält es der Mühe nicht
wert, die Lider zu heben. Aber das Licht pocht und klopft und fordert.
Es ist, als wenn jemand das Sonnenlicht mit einer Spiegelscheibe
auffängt und ihm schräg gegen den Sehnerv peitscht.
Nun muß er mit dem Blick in die Höhe und da -- oben auf den Goldbergen
-- hier sprudelt des Glanzes Quell -- eine Lichtgestalt -- ein
Strahlendiadem zu Häupten -- ein weibliches Wesen -- ist es erdgeboren?
Hoch und schlank und königlich -- nie hat auf Erden eine solche
Haarkrone geleuchtet! Mit den Lichtern ihres Hauptes spielen die
Sonnenstrahlen wie mit Schwestern.
Verzaubert in dem Lichtkegel steht Horst. Jetzt bewegt sich die Gestalt
schreitet herab, in den Schatten, die Sonne löst sich aus den Flechten,
der Strahlenbann erlischt, Horst ist wieder im Menschenland.
Er geht der hellen Frau entgegen, immer noch tastend, geblendet und
unfrei. Sie aber ist die leuchtend junge Unbefangenheit und nimmt ihren
Weg gradaus zu ihm.
Da sie vor ihm steht, atmet er erleichtert auf -- all dies Überirdische
und Vollkommene hat sich zu einer annehmbaren Wirklichkeit gewandelt.
Beruhigende Mängel zeigen sich, das Gesicht hat gar nichts Erhabenes und
Verklärtes, die Züge sind nicht einmal schön, nur herzerfrischend offen,
und die stahlblauen Augen nicht groß, nicht tief, aber daseinsinnig, die
alles, was sie sehen, als eigenes mehr oder weniger selbstverständliches
Geschenk an sich nehmen. Die Nase erscheint breiter als sie ist, weil
ein kleiner Sattel von Sommersprossen sie deckt. Die prachtvollen,
weitläufig gestellten Zähne in dem vollen Mund schlürfen die Lebensluft
wie einen köstlichen Trank.
Ein daseinsfrohes, daseinsstarkes, freies, gerades Menschenkind wie
andere auch -- nur das Haar, das wundervolle, in dem das Licht alle
Goldfarben aufklingen läßt, von der Waberlohe des Braungold bis zu dem
stillen schweren Glanz des reifenden Weizens bleibt in märchenhafter
Höhe.
Sie spricht, die Stimme ist hell, ein wenig hart für einen Mädchenmund.
Das behutsame Schriftdeutsch, das zuerst etwas nach dem Fremdenführer
schmeckt, hat nordischen Klang.
»Verzeihen Sie mir, mein Herr. Sind Sie bekannt in dieser Gegend?«
»O ja, wenn ich mich Ihnen zur Verfügung stellen darf.«
»Ich bin nun einmal so abscheulich pedantisch -- ich muß von allen
Sachen den Namen wissen -- besonders in geographischen Dingen -- meine
Freundinnen sagen, daß ich recht eigentlich nach Deutschland gehöre.«
»Wo alles so schrecklich pedantisch ist.«
Sie errötet und bekommt ein liebes verlegenes kindliches Gesicht. »Ich
wollte damit sagen, weil es das Land der Geographie ist. Der großen
Geographen und der Atlanten. Ich will nichts Böses sagen gegen Ihr
Deutschland. Jetzt am allerwenigsten. Ich habe Deutschland lieb. Mehr,
als viele Deutsche es haben.«
Nun fliegt Horst mit ganzem Herzen zu ihr. Ich habe Deutschland lieb!
Sie gehen auf den höchsten der Hügel. Er hört von ihr, daß sie Schwedin
sei, mit ihrem Vater unterwegs, der eine Studienreise mache.
Kriegsgeschichtler sei er -- also ein Fachgenosse, denkt Horst. Im
Archiv der Kreisstadt seien wichtige Dokumente aus der Schwedenzeit.
Auch im Pfarrarchiv von Moordorf. Sie hätten hier ein kleines Landhaus
an der See gemietet und wollten wochenlang bleiben. Dann führen sie in
ihrer Jacht wieder nach Hause.
Horst vergilt Offenheit mit Offenheit. Bald wissen sie voneinander wie
alte Bekannte.
»Ich möchte, daß Sie Vater kennen lernten«, sagt Ingeborg Thorild. »Er
ist zu dem Herrn Pfarrer nach Moordorf gegangen. Ich soll ihm
entgegenkommen. Wollen Sie mich begleiten?«
Ob Horst das will! So geht er mit ihr den Weg zurück, den er gekommen
ist in Düsternis. Jetzt ist Licht um ihn her, er kann aus seinem
seelisch zerwühlten Gesicht in die Welt blicken wie ein glücklicher
Knabe.
Sie mit ihrer jungen unbekümmerten Wichtigkeit führt das Gespräch.
Erzählt von ihrer Heimat, die sie leidenschaftlich liebt. Auf einem
alten halb verfallenen Edelsitz in Södermanland wohne sie. Ihr Vater mit
seinem Bruder, beide alte Offiziere, haben ihn billig gekauft. Nun werde
er so nach und nach wieder aufgebaut. Bis heute seien die bewohnbaren
Räume fast ganz von der Bücherei ihres Vaters eingenommen. Die
Gutswirtschaft führe ihr Onkel. Aber der sei kränklich, und der Arbeit
sei es zu viel für ihn.
»Kennen Sie Schweden?«
»Nein.«
»Seltsam -- dieser Landstrich hier könnte auch bei uns sein. Die Heide,
das Moor, die Findlingsblöcke. Nur haben wir mehr, und sie sind
mächtiger. Und düsterer sind unsere Wälder.«
Sie kommen an dem Moor vorüber, das all seine goldenen Blumen entzündet
hat. Die Abendfeuer sprühen über sie hin.
Ingeborg bleibt stehen. »Jetzt fängt wohl auch mein Moor zu blühen an.
Als wir abfuhren, schlief es noch.« Es ist eine Zärtlichkeit in den
Worten, und Horst, in dem ein Dunkles aufsteigt, fragt: »Sie haben zu
Ihrem Moor ein besonderes Verhältnis?«
»Ja, das hab ich. Es ist wie ein alter Freund. Niemand erzählt mir so
schöne Geschichten.«
Jetzt denkt Horst an die Frau, die hier im Moorgrund liegt. Die immer
nur Schauer vor dem Moore erlebt hat. Wie sagte der Alte damals? Wer
vorm Moore bangt, wird von ihm gelangt! An diese leuchtende, lachende
Nordländerin rührt solches Grauen nicht. Wie gut habt Ihrs gehabt,
weitab von Kriegsnot und Friedensleid, daran unsere deutschen Frauen
vergehen.
Ihr habt gut Lachen und Leuchten, Ihr Fremden -- ja, Ihr Fremden! Und
eine Absage, ein Widerstand, fast eine Feindschaft erhebt sich in Horst
gegen dieses vom Glück gepflegte Mädchen. Bei Lona sind seine Gedanken,
der deutschen Frau, die das deutsche Schicksal zerschlug und zerbrach.
Was gehst Du mich an, Du Fremde, in Deinem Glanz? Kalt ist er mir,
kalter und ferner Nordlandschein.
Und der alte Herr, der uns da entgegenkommt -- ja lauf ihm nur in die
Arme! Was kümmert Ihr mich, Ihr beide!
Dokumente »aus der Schwedenzeit« will er hier aufstöbern. Und sie sagt
das mit ihrem strahlenden Gleichmut. Die Schwedenzeit! Wißt Ihr nicht,
daß sie ein Brandmal ist und ein Schandmal! Für uns das eine, das andere
für Euch. Wie habt Ihr die deutschen Lande gebrandschatzt, ihre Bewohner
gefoltert, die deutschen Seelen gepeinigt und verheert. Was habt Ihr als
Raubgut über die Ostsee verfrachtet! Das ausgeplünderte Deutschland,
Eure Schlösser, Eure Geschlechter hat es reich gemacht.
Und nun kommst Du, der Erforscher dieser verruchten und verfluchten Zeit
-- fast so verrucht und verflucht wie die unsere! Kommst Du nicht mit
einem Kopf daher, der wie geschnitten ist aus einem Bild jener zehnfach
vermaledeiten Tage! Den Du noch barhaupt trägst, mit dem Hut in der
Hand, ihn besonders zu bekräftigen!
Das graue Haar hängt lang bis auf den breiten Klappkragen hinab -- warum
ist es kein Spitzenkragen? Der paßte schon zu dem betonten Knebelbart!
Und der Reiterobrist in Baners oder Torstensons Heerschar wäre fertig.
Weht an dem grauen Schlapphut nicht die Straußenfeder?
Will dieser Mann einen alten Schweden uns vormimen? Will er uns höhnen
mit dem dreißigjährigen Krieg, will er -- was noch schlimmer wäre --
unsere heutige höllenböse Zeit mit ihm trösten?
Gewappnet tritt Horst dem Herrn entgegen. Aber, wie er ihm in die Augen
sieht, machen die ihn wehrlos. Von so junger, fast jungenhafter
Treuherzigkeit sind sie und von so inniger Kraft reifen Denkens und
ehrlichen Glaubens. Hier ist nichts von Schaustellung, von Pose und
Geste. Ganz natürlich ist das Gepräge des Gesichts hineingewachsen in
die Zeit, in die seine Arbeit sich vertieft. Der vornehme Kopf eines
ernsten Forschers neigt sich grüßend von der hohen, sehnigen Gestalt zu
Horst herüber.
Das gemeinsame Fachgebiet führt sie gleich enger zusammen. Mitteilsam,
wie seine Tochter, erzählt Oberst Thorild, daß er hier den Spuren Bauers
nachgehe, dessen Leben und Kriegskunst seine letzten Untersuchungen
behandeln.
Wie frei und froh sie sich aussprechen, diese glücklichen, unberührten,
von Krieg und Not und Schmach nicht zu Tode geschundenen Menschen! Was
hat das Elend, die Unehre, die Schande aus uns gemacht! Was sind wir
karg und schweigsam geworden, mürrisch, mißtrauisch, verschlossen und
verkrochen! Und mit Neid blickt er die beiden an, und wieder mit einem
Zorn.
Dann aber, als auch der Vater sein Bekenntnis für Deutschland ablegt,
hebt sich sein Sinn wieder höher und flammt und schlägt dem Bekenner
entgegen.
Der alte Herr hält sich tapfer zurück. Nicht zu viel seines Mitgefühls
gibt er mit einem Male her, um das Bejammernswerte nicht allzu
schmerzlich hervorzukehren. Dafür muß erst noch ihre Freundschaft
wachsen.
Ermutigendes spricht er. In dem Siedlungswerk sieht er ein Heil.
Auch bei ihnen in Schweden sei es not, neue Wohnungs- und
Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen und die Menschen bodenständig zu
machen, zu erdfesten eigenen Herren. Er selbst sei in der
Siedlungsbewegung tätig und habe eigenes Land hergegeben. Gern würde er
sich einmal die Hohenmoorer Niederlassung ansehen. Dann bat er Horst,
sie in ihrem nahen Landhause zu besuchen. Und Ingeborg fügte hinzu:
»Nicht wahr, Sie kommen bald!«
So klang in dem Lebensakkord von Horst ein neuer Ton auf. Die Freunde
hoben den Kopf, als er heute abend heimkam. Kunz, dem Gisbert immer mehr
entglitt, schnaufte fröhlich vor sich hin. Man gewöhnte sich schon
daran, unter Schemen und Gespenstern hinzugleiten -- wollen wir jetzt
wieder an unsere Blutwärme glauben, an unsere Muskeln?
Und nun weiter zum Krieg gegen die Friedensnot! Freudig hart werde unser
Sinn, hart wie unsere Hände!