Gisbert war mit einem Schutztrupp auf dem Hofe zurückgeblieben.
Verdächtige Gestalten schlichen um die Mauer. Dankwart fand sich ein und
richtete vor dem Maschinengebäude aus altem Material einen Scheinwerfer
her. Es war Krieg.
Ruhig verliefen die Nachtstunden. Die Mannschaft wurde schläfrig, da es
auf den Morgen zuging. Der Himmel sternenlos, dunstig die Luft und
schwül, unheimlich warm für die Jahreszeit. Kein Hauch regte sich.
Da zuckt etwas durch die Nacht. Ein leichter Windstoß. Tastend, wie
fragend. Und wieder ein leiser Ruck. Und dann ein kurzes Schnauben. Und
wieder Stille. Und dann holt der Wind tief Atem, und nun pustet er vor
sich hin. Erst noch gemächlich, wie zum Spaß und wie für sich selber.
Dann aber bläst er mit voller Lunge, daß auch die andern was haben.
Noch ist es dunkel, noch wird er des Dunstes und der Wolken nicht Herr.
Aber der Widerstand reizt ihn und jetzt faucht er zornig sie an. Ein
junger Frühlingssturm braust in die Welt.
Da -- ein Bersten -- ein Krachen -- als wenn Granaten splittern -- was
ist es, das sein Ungestüm zerbricht? Ist es an den Gebäuden, ist es an
den Bäumen des Parkes?
Herrgott! Flammen schlagen auf! Da auf dem Strohdach der Scheune! Es
sind wirklich Granaten gewesen.
»Feuer!« brüllt der Ruf. Alles ist gleich auf den Beinen. Nach dem
Spritzenhaus!
In fressenden Streifen peitscht der Wind die Glut über das Dach.
Der Inspektor, halb angezogen, ist zur Stelle. Herr von Borkhus
erscheint am Fenster -- hinkt eiligst zum Hof hinunter -- der Diener, im
Hemd, folgt mit den Kleidern -- notdürftig zieht der Herr sich an.
Der Diener hat das Feuerhorn von der Wand im Flur gerissen. Nun bläst er
von der Schwelle in die Nacht -- immer im weißen wehenden Hemd -- wie
einer der Cherubim anzusehen.
In der Baracke hören sie den Ruf, der Torfmeister hört ihn, durch die
Dorfstraße wälzt sich der Schall.
Helfer kommen. Die Spritze ist am Werk. Der Inspektor befiehlt.
In wilder Arbeit -- all die rotbegluteten Gestalten -- die feurigen
Gesichter verzerrt in fiebernder Mühsal -- das Scheunendach eine
prasselnde Flamme -- ganze Bündel Feuer reißt der Wind ihm aus -- und
streut sie auf die Ställe -- die gilt es zu retten, auf ihre Dächer den
Wasserstrahl! Pumpen! Pumpen!
Und das Vieh in Sicherheit bringen!
Wenn nur der Sturm nicht so mit Flugfeuer wütete.
Ungebärdig die Tiere. Die Pferde keilen und steigen. Angeschirrt sind
sie, daß man sie halten kann. Wie die Wahnsinnigen toben sie in der
Sturmflut des Lichtes und der Lohe, reißen an den Zügeln, wollen zurück
in den Stall. Wie soll man sie bändigen?