Schwer schüttelte Wolfrat den Kopf. »Ich spür's -- daß ich -- hin bin.«

»Herr!« mahnte Desertus und verschlang mit flehender Gebärde die Hände.

»Sprich, Wolfrat, was war es, was ich deinem Weibe sagen sollte?«

»Meine Seph -- mein Bub --« rang es sich in Schmerz über Wolfrats

blutige Lippen.

»Und das Mädchen?« fiel Desertus mit bebender Stimme ein. »Sie ist deine

Schwester nicht?«

»Sie ist ein Herrenkind.«

»Wessen Kind?«

»Das weiß ich nit.«

»Um Gottes Barmherzigkeit willen, wer ist ihr Vater, wer ist ihre

Mutter?«

»Ich -- weiß -- nit.«

In Verzweiflung faßte Desertus den Kopf des Sudmanns. »Mensch! Ich

beschwöre dich! Wie heißt die Burg, in der das Kind geboren wurde?«

Kaum merklich schüttelte Wolfrat den Kopf, er wußte keine Antwort.

»Wo stand die Burg?«

»Ich -- weiß -- nit.«

»Wie kamst du zu dem Kinde?«

»Aus dem -- Feuer -- hab ich's --« Er wollte weiter sprechen. Quellendes

Blut erstickte seine Stimme.

»Wolfrat!« schrie Desertus aus gemartertem Herzen.

Herr Heinrich legte die Hand auf seinen Arm.

»Dietwald, sieh, Pater Eusebius bringt das Sakrament!«

Desertus bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und trat zurück.

Ein großer, von drei Knechten geführter Kahn hatte am Ufer angelegt.

Haymo stieg ans Land; er trug das ewige Licht. Pater Eusebius, eine

kleine gebeugte Greisengestalt, brachte das Ziborium, das von

goldgesticktem Mäntelchen umhüllt war. Er ließ sich neben Wolfrat

nieder, dessen Kopf auf dem Arm des Propstes ruhte.

Niemand sprach. Die Knechte knieten mit gefalteten Händen im Schiff. Auf

den Zinnen der Berge erlosch der letzte Schein der sinkenden Sonne.

Tiefe Stille lag über Wald und Wasser.

Als Pater Eusebius mit murmelnder Stimme das Gebet zu sprechen begann,

fing drüben über dem See in der Bartholomäer Klause die Glocke zu läuten

an, und von allen Felswänden klang ein leises Echo der schwebenden Töne.

Mit erlöschenden Sinnen empfing Wolfrat das Sakrament und lag schon

bewußtlos, als Pater Eusebius sich erhob.

»Dietwald!« sagte Herr Heinrich. »Wahre das Allerheiligste!«

Mit zitternden Händen faßte Pater Desertus den Kelch, drückte die Lippen

auf seinen Rand und deckte das Mäntelchen darüber.

Eusebius, der Priester, verwandelte sich in den Arzt; er tat, was seine

Kunst an solchem Orte zu tun vermochte.

»Ist noch Hilfe?« fragte Herr Heinrich, schon mit Zweifel in der Stimme.

»Nicht mehr bei Menschen!« lautete die ruhige Antwort des Greises.

Der Klosterjaeger: Roman aus dem XIV. Jahrhundert · 第 37 / 52 题