Herr Schluttemann drehte sich auf die Seite. »Aber Cäcilia!«

»Auf! Auf! Auf!«

»Aber Cäcilia!« wimmerte Herr Schluttemann. »Geht denn der Teufel schon

wieder los? Alle Tag und alle Tag! Nicht einmal ausschlafen soll der

Mensch können! Kreuz Teufel! Laß mich in Ruh! Oder ich fahr dir noch

einmal mit groben Pratzen in die Zöpf!«

Frater Severin schüttelte seufzend den Kopf, überließ den Vogt seinem

grausamen Traum und stieg mit starren Beinen über die Leiter hinunter.

Herr Schluttemann hatte sich tief eingewühlt in das Heu, als umschlänge

er mit seinen Armen das Kissen, das er an jedem Morgen fest über die

Ohren zu drücken pflegte, wenn Frau Cäcilia ihre Predigt begann. Die

lautlose Ruhe, die ihn plötzlich umgab, mochte ihm als etwas

Ungeheuerliches erscheinen. Er richtete sich erschrocken auf und starrte

mit großen, runden Augen im Dämmerlicht des Heubodens umher.

»Ach sooo!« flötete er, als er das stille Wunder langsam zu begreifen

begann. Dann lachte er vergnügt vor sich hin. »Jetzt kann geschehen, was

will, jetzt schlaf ich mich einmal aus!« Sprach's, legte sich wieder auf

die Seite und streckte sich behaglich: »Aaah!« Eine kleine Weile, und er

schlief schon wieder.

»Herr Vogt!« rief Frater Severin in der Küche. Herr Schluttemann hörte

nicht.

»Vogt! Vogt! Wo seid Ihr?« rief Herr Heinrich selbst. Vogt Schluttemann

hörte nicht. »So laßt ihn schlafen!« lächelte der Propst. »Das irdische

Vergessen ist über ihn gekommen.« Er drohte mit dem Finger zum Heuboden

hinauf: »Wartet nur, Vogt, der Morgen kommt schon wieder, da Euch die

Donner des Gerichtes wecken! ^Dies irae, dies illa^!«

»^Jactat scopas turturilla!^«[15] kicherte Frater Severin, die zweite

Zeile der ernsten Hymne in seinem Küchenlatein lustig parodierend, und

ließ sich vor dem Herde nieder, um mit vollen Backen in die Kohlen zu

blasen.

Als Herr Heinrich hinüberging zur Jägerhütte, kam ihm Gittli

entgegengelaufen. »Herr, Herr! Er wachet schon!« stammelte sie. »Mein

Gott, und so viel sorgen tut er sich, Ihr könntet ihm harb sein, weil

ihm so was hat geschehen können.« Die Freude redete aus ihr, aber es war

eine zitternde Freude; nun konnte Haymo sprechen, nun mußte er sagen,

was geschehen war.

Sie blieb, als Herr Heinrich die Hütte betrat, an der Türe stehen,

Freude im Herzen, Angst in der Kehle.

Der Klosterjaeger: Roman aus dem XIV. Jahrhundert · 第 20 / 52 题