Ich vermesse mich nicht, die Geschichte des Weltkrieges zu schreiben.
Das mag ruhigeren Zeiten vorbehalten bleiben, in denen die Menschheit
einigermaßen Distanz zu den Ereignissen des Weltkrieges gewonnen hat.
Wohl aber glaube ich, heute schon einiges -- und nicht ganz Unwichtiges
-- zur Geschichte des Weltkrieges sagen zu können und sagen zu müssen.
Mein persönliches Schicksal hat mich so geführt, daß ich seit einer
Reihe von Jahren an den Entwicklungen, die dem Kriege vorausgingen, die
den Knoten schürzten und ihn zeitweise wieder zu entwirren schienen,
daß ich schließlich an den Ereignissen des Krieges selbst mittelbar
oder unmittelbar, Einblick nehmend oder handelnd, beteiligt war.
Die Welt dürstet nach Aufklärung; sie will wissen, wie es hat so kommen
können und ob es hat so kommen müssen. Ihr Urteil über Personen,
Einrichtungen, Vorgänge hängt von dieser Aufklärung ab; und ihr Urteil
wird, da alles noch im Flusse des Werdens ist, das Schicksal der Völker
und Völkergemeinschaften gestalten helfen. Ich glaube mich, soweit ich
es vermag, in den Dienst dieses Bedürfnisses nach Aufklärung stellen zu
sollen.
Meine Absicht geht dabei auf mehr als auf eine Bereicherung der
Memoirenliteratur. Sie geht darauf, die Fülle der Ereignisse in ihrem
großen Zusammenhang zu erfassen und sie so zur Darstellung zu bringen,
wie ich sie sehend und handelnd erlebt habe. Der Nachdruck wird dabei
auf der Schilderung der Tatsachen liegen, vor allem auf der Darstellung
derjenigen Vorgänge, an denen ich unmittelbar beteiligt war. Im
Urteil, namentlich im Urteil über Personen, Parteien, Berufsstände
und Volksschichten, werde ich mir nach Möglichkeit die Zurückhaltung
auferlegen, die mir Pflicht eines mitbeteiligten Darstellers noch nicht
abgeschlossener Vorgänge zu sein scheint.
Der aufrichtige Wille zur Wahrheit hat mir die Feder geführt. Deshalb
wage ich zu hoffen, daß diese Blätter dazu beitragen werden, der viel
mißhandelten und grausam entstellten Wahrheit wieder zu ihrem Rechte
zu verhelfen und damit beizutragen zu einer Gesundung der Gemüter und
Zustände in Deutschland wie zur Schaffung erträglicher Verhältnisse
zwischen den Völkern.
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Der vorliegende Band behandelt die Vorgeschichte des Weltkrieges. Die
Darstellung der Vorgänge des Weltkrieges selbst ist in der Hauptsache
bereits abgeschlossen und wird diesem ersten Bande in naher Zeit folgen
können.