Ein nordischer Sommer ist schnell verflogen, ist schnell abg

Geschichten aus den vier Winden

Ein Verzeichnis

sämtlicher Bücher von

Max Dauthendey

findet sich am Schluß

dieses Buches

Max Dauthendey

Geschichten aus den

vier Winden

6. bis 8. Tausend

Albert Langen Verlag, München

1921

Copyright 1915 by Albert Langen, Munich

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung.

(Siehe auch Art. III der Übereinkunft zwischen

Deutschland und Rußland zum Schutze von Werken

der Literatur und Kunst vom August 1913.)

_Albert Langen_ _Max Dauthendey_

Druck von Hesse & Becker in Leipzig

Einbände von E. Ä. Enders in Leipzig

Geschichten aus den vier Winden

Seite

Das Giftfläschchen 7

Himalayafinsternis 41

Hecksel und die Bergwerkflöhe 77

Zwei Reiter am Meer 129

Auf dem Weg zu den Eulenkäfigen 143

Nächtliche Schaufenster 173

An eine Sechzehnjährige 195

Zur Stunde der Maus 209

Die Kurzsichtige und der Komet 241

Das Iguanodon 281

Das Giftfläschchen

Berlin war ein Feuerbrand von Sonne. Die Dächer der Häuser und die

Fenster zitterten vor Junihitze, so wie die Hitzeluft über Steinwüsten

zittert. Es war, als heizten die Scharen der Autos mit ihren

Benzindämpfen die Straßen, wie fliegende Öfen. Und die Sonne schien

an diesem heißen Junitag nicht von der Stelle zu wandern. Überall war

Sonne, überall Höllenhitze.

Vom Stettiner Bahnhof in Berlin fuhr abends der Zug voll von

Skandinaviern nach Saßnitz. Es war, als ob alle Menschen vor der

deutschen Junihitze flüchteten. Das vornehme palastartige Fährboot, das

in vier Stunden in der Nacht von Saßnitz übers Meer nach Trelleborg

fährt, landete aber am Morgen in Schweden im flachen Schonen immer noch

wie von der berliner Hitze begleitet.

Der Drang, möglichst rasch nach dem kühleren Norden zu kommen, ließ uns

nirgends Halt machen. Wir, die Frau, die ich liebe, und ich, hatten

uns vorgenommen, zuerst die Route an der Westküste von Trelleborg bis

Strömstad zu fahren und dann nach Lappland zu reisen. Wir reisten die

zwölf Stunden von Trelleborg bis zur nördlichen Grenze Schwedens an der

Westküste ohne Aufenthalt, mit Ausnahme einer kurzen Mittagpause in

Gothenburg, und wir waren am Abend um sieben Uhr am Ende unserer ersten

Reiseroute in Strömstad angekommen.

Zweiundzwanzig Stunden trennten mich hier von Berlin, so sagte mir der

Fahrplan. Aber meine Augen hatten mir unterwegs von Stunde zu Stunde

gesagt: jede Stunde wird hier ein Jahrtausend, und in Strömstad trennen

dich zweiundzwanzig Jahrtausende von Berlin.

Kaum stieg ich am Ende der Sackbahn in Strömstad aus, so versank ich

in diese Jahrtausende wie ein Meteor, das von einem fremden Stern auf

die Erde gefallen ist. Und nicht nur zwei kleine Stufen stieg ich

vom Trittbrett der Eisenbahn bis zum Perron der schwedischen Erde,

sondern ich war wie zweiundzwanzig Tausend Meilen tief in eine fremde

Erde -- bei einem fremden Meer, bei einem fremden Himmel, bei einer

fremden Sonne -- eingedrungen, als ich in Strömstad aus dem Waggon

gestiegen war. Und ich kam nicht mehr los und saß dort bei Strömstad

auf einer Insel im Meer und ließ mir neue Ohren wachsen, und soviel

Haare ich sonst auf dem Kopf hatte, so viele Augen schien ich jetzt im

Kopf zu haben. Mein Herz, das sonst in Deutschland im Gewohnten und

Althergebrachten eingekapselt saß, flutete und löste sich und wurde wie

das Herz Adams am Tag, da Gott ihm das Paradies zeigte und alle Bäume.

Die Insel, auf der ich saß, und wo ich die Reisebillette meiner anderen

beiden großen Reiserouten in Schweden verfallen ließ, hieß Koster.

Es ist eine Insel im Kattegat, und sie wird dreimal in der Woche von

einem Dampfschiff angelaufen, das den Weg in dreiviertel Stunden von

Strömstad zurücklegt und die Post bringt. Das macht aber nichts, wenn

auch die Post dreimal in der Woche dorthin kommt, diese Insel ist und

bleibt doch für mich immer und ewig ein Pünktchen am Ende der Welt.

Schon »am Ende der Welt« angekommen zu sein -- nachdem man noch

zweiundzwanzig Stunden vorher in Berlin die Automobile rasen sah

--, das ist etwas Verblüffendes und Erstaunliches, und ich habe

mir vorgenommen, ein ganzes dickes Buch über die Insel Koster zu

schreiben. Aber mit dieser kleinen Erzählung hier will ich euch nur den

Mund wässerig machen auf dieses Pünktchen am Ende der Welt, auf diese

Insel, dieses Kopfkissen aller Seligkeit. Ob das Buch, das ich einmal

über diese Insel schreiben will »die Königstöchter von Koster« heißen

soll, oder »die Insel der heiligen Kühe«, oder »wilde Rosen, Wachholder

und Urgestein«, oder »die Insel am Ende der Welt«, das weiß ich heute

noch nicht genau zu sagen. Die Titel verrate ich aber hier nur deshalb,

weil sie andeuten, was dort alles zu finden ist für den, der sich ein

Billett nimmt und in zweiundzwanzig Stunden von Berlin hinreist und

zweiundzwanzig Jahrtausende in der Zeit zurück, in der Urzeit dort

ankommt.

Stellt euch meine Insel vor. Nachdem wir in Südschweden, in Schonen,

aus dem Eisenbahnfenster zuerst weite Kornflächen gesehen hatten und

grüne Waldzüge, aus denen die herrlichsten Buchen und die stämmigsten

Eichen nah am Meer die Luft mit Blätter- und Rindenduft würzen

und die reichen Gehöfte dort umwehen, verläßt uns plötzlich die

weiche sinnliche Erde. Statt der runden Buchenwälder wachsen runde

Granithügel auf, und von allen Bäumen bleiben nur noch die Tannen am

Wege, die Birken und die Eichen. Aber der Buche, dem Ahorn, der Pappel,

dem Nußbaum und der Kastanie, -- allen diesen geht der Atem aus vor dem

Granit, der mit rostroten Eisenadern gezeichnet ist. Das Land ist dort

mit Granit gepanzert, und hinter Gothenburg beginnt eine Steinzone,

wie sie sich kein Deutscher in keiner Ecke Deutschlands träumen kann,

nicht in den Alpen, nicht im Riesengebirge, -- nirgends; und auf

meiner Reise um die ganze Erde, die ich vor fünf Jahren machte, bin

ich niemals, selbst nicht am Himalaja, einer solch grotesken Steinwelt

begegnet, wie die ist, die sich von Gothenburg bis nach Strömstad

breitet. Am Meer ist die unterhaltendste Partie dieser Steinwelt die

Station Fjellbacka, die nur eine Schiffstation ist und keine Eisenbahn

hat. An der Eisenbahn aber, zwischen Gothenburg und Strömstad, ist es

hauptsächlich der Umkreis um die Station Tanum; hier ist die Steinwelt

derart furchtbar, daß das Land hier nicht mehr von Menschen bevölkert

scheint, nicht von Tieren, nicht von Vögeln, nicht von Bäumen, sondern

von gigantischen blauen und grauen Granitfiguren.

Das Meer, das vor Jahrhunderten noch hier in das Land hereinreichte,

hat das Steinreich in ein Figurenreich verwandelt, durch urewige

Waschungen. Die gerundeten Bergfiguren gleichen bald riesigen

versteinerten Walrossen, bald meilenlangen Herdenzügen von Mammuttieren

und den Rücken versteinerter Elefantenherden. Dazwischen lagern

Schichten von versteinerten Urweltbäumen, von denen mancher eine Meile

lang scheint; und von der Totenstille, die dieser blaugraue Granit

ausströmt, macht sich kein Ohr, das bisher nur in Gebirgen, Feldern und

in Wäldern gelebt hat, eine Vorstellung.

Hier und da sitzen eine Holzhütte, ein zwerghafter Baum, ein winziges

Fleckchen Rasen wie verschollen zwischen diesen ungeschlachten grauen

Granitungeheuern. Das graue Land dort am Meer scheint wie mit einer

einzigen Rüstung voll Eisenbuckeln bedeckt. Und wo der Bahnweg den

Granit mit Dynamit zersprengt hat, wirkt der Mensch im Vorbeifahren

wie eine Ameise, vor der Geste eines einzigen gespaltenen Blockes,

der auch nach der Sprengung seinen Starrsinn nicht aufgegeben hat

und herausfordernd daliegt, wie ein Gigant, den das Dynamit nur ein

bißchen auf die Seite gerollt hat, an dem aber das Dynamit wie machtlos

verrauchte. Denn wenn auch der gigantische Riesenblock gespalten wurde,

er ist ja nur ein Sandkorn, auf das das Dynamit hintrat, und auf Meilen

liegt hier die Welt voll neuer Granitbuckel. Und der Gedanke kommt

einem, daß es kein Zufall ist, daß in Schweden, dem Granitlande, Nobel,

der Erfinder des Dynamits, geboren wurde. Schweden, dieses Stein- und

Eisenland von ursprünglichster Kraft, forderte direkt das menschliche

Gehirn dazu auf, dem Steintrotz einen Menschentrotz entgegenzustemmen

und das Dynamit zu erfinden.

Ebenso steinig wie der Küstenlandstreifen von Gothenburg bis Strömstad

sind auch die Inseln, die Schären, die dem Küstenstreifen vorgelagert

sind. Und die Insel Koster ist ungefähr eine der letzten großen Schären

im Norden, ehe das Meer in die Kristianiabucht einschneidet. Diese

Steininseln und der Steinlandstreifen waren einst die eigentliche

Heimat der alten Wikinger. Hier sind noch Inschriften, Runensteine, und

bei Strömstad auf einem Hügel das berühmte steinerne Wikingschiff.

Auf der Insel Koster gibt es aber in den Talsenkungen einige Bäume:

Erlen und kurze Eichen. Die ganze Insel wirkt durch ihre seltsamen

Zwergbäume, Zwergeichen und Zwergwacholder, die in gedrungenen grünen

Figuren auf dem manchmal himmelblauen Granitgestein wachsen, zwerghaft

wie die Landschaft eines japanischen Gartens.

Zwischen dem Heidekraut auf dieser Insel und bei den reichen wilden

Rosenbüschen, die ganz überschüttet von rosa Kelchen dastanden, als

ich im Juni landete, liegen die seltsamsten Steine zerstreut; dort ein

blendend weißer, wie ein großes Marmorei, dort ein gelber, wie ein

harter Honigbrocken oder wie ein Stück Bernstein, dort ein rosenroter

wie eine Fleischkeule von einem geschlachteten Tier, dort ein schwarzer

flacher wie ein Rabenflügel oder ein runder wie ein Seehundkopf. Hinter

den Wacholderfiguren und unter den schirmartigen kurzen Eichen, deren

Kronen flach wie grüne Teller auf dem Stamm wachsen, von den Seewinden

wie mit einem Messer beschnitten, -- bei diesen kleinen Eichen und

großen Wacholderbüschen weiden glänzende rothaarige Kühe und Kühe, weiß

und schwarz gesprenkelt, als hätten sie sich von der Nacht bemalen

lassen mit dunkeln Flecken und mit weißen Flecken vom Mond, mit gelben

und roten Flecken von der Sonne. Und die wandernden Kühe mit ihren

Flecken, auf der totstillen Insel bei den Flecken der fleischfarbenen

schwarzen, weißen und blauen Steine, wandern in der feuerblauen

Meerumrahmung, zwischen den grünen Sonnenflecken unter den Eichen,

zwischen den rosa Flecken der Rosenbüsche und im Weihrauchgeruch der

Wacholderbüsche, wie vierbeinige kauende Götzenbilder. Tags fressen sie

immer alle nach einer Richtung hin gewendet, den Sonnenschein zwischen

den geschweiften Hörnern auf der Stirne tragend, und hinter ihnen

kreischen die silberweißen Flecken von Möwenscharen im indigoblauen

Junihimmel. Nachts, in den Sommernächten, in denen die Sonne kaum für

eine Viertelstunde um Mitternacht untergeht, liegen die Kühe draußen

unter den Eichen und schlafen alle mit der Stirn nach Osten gerichtet

und liegen beieinander in der lauen Dämmerung der hellen Nacht und

unter den Schirmen der Eichen wie ein schwarzweißer Teppich von

Hermelin.

Kleine Hütten sind überall zerstreut. In einer, bei einem großen

Getreidefelde, wohnt der König von Koster. Es ist der älteste und der

reichste Fischer und hat fast die ganze Insel mit seinen Söhnen und

Töchtern bevölkert. Die Königstöchter waschen und bügeln, schlagen Gras

und mähen Korn, melken die Kühe und singen abends. Die Königssöhne

spielen abends auf Fideln und Mundharmonikas, nähen tags Fischernetze,

fahren Mist, liegen draußen in den Booten, sehen nach ihren

Hummerkästen und angeln Makrelen und Dorsche, drehen Taue und teeren

Taue und ziehen im Winter hinunter nach Gothenburg auf den Heringsfang.

Manche Fischer wurden Kapitäne auf Last- und Personendampfern an

der Steinküste, andere wurden Matrosen und fahren rund um die Erde.

Andere wanderten nach Amerika aus und wollten Gold holen in Klondyke,

und kamen heim statt mit Gold mit amerikanischen Zeitungspapieren

in den Taschen und gingen wieder zurück zu ihren Hummerkästen und

Angelschnüren.

_Nie aber, solange die Könige, die Königstöchter und die Königssöhne

von Koster zurückdenken können, hat es auf dieser Insel einen Diebstahl

oder gar einen Totschlag gegeben. Niemals war eine Gerichtssitzung

oder ein Polizist auf Koster gewesen._ Die Menschen dieser Insel sind

unschuldig wie der Mensch am ersten Tage der Schöpfung.

Dies alles muß man vorher wissen, um die winzige Geschichte von dem

winzigen Giftfläschchen zu verstehen. --

Es war kurz nach Johanni, als das große Makrelenboot abfuhr, das

die jungen Leute von Koster und von den umliegenden Inseln abgeholt

hatte, um hinaus in die Nordsee zu fahren und draußen während des

Makrelenfangs liegen zu bleiben, bis es Herbst wurde. Dieser war der

wichtigste Sommertag für alle Bewohner der Insel: der Abfahrtstag des

Makrelenbootes. Im kleinen Hafensund schwamm, als das große Boot mit

seinen großen rotbraunen Segeln wie eine Riesenpflugschar im Meer um

die Ecke der Insel verschwand, ein Dutzend Rudernachen. In jedem Boot

saßen ein oder zwei Frauensleute und hielten ihre Schürzen vor das

Gesicht und weinten. Es waren Frauen, die ihre Männer fortsegeln sahen,

Bräute ihre Bräutigams und Mütter ihre Söhne.

Das ganze weibliche Königsgeschlecht von Koster saß dort auf dem Wasser

und weinte, und auf dem Mammutrücken der blauen Granitklippen standen

vereinzelt einige Hofhunde, die hinter ihren fortziehenden Herren

herbellten, und neben den weinenden Frauen in den Booten bellten andere

Hunde, so daß die Luft voll Schluchzen und Bellen war.

Ein älterer Mann, den alle den »Heiden« nannten, weil er fürchterlich

fluchen konnte und seit Jahren niemals bei einer Kirchenversammlung

auf einer der Inseln gesehen wurde, er, der früher Kapitän gewesen

war und zwei Dampfschiffe verloren hatte, trat jetzt auf mich zu und

reichte mir ein kleines Fläschchen mit einem zusammengefalteten kleinen

Zettel. Der Alte war blaurot im Gesicht, und sein grauer Spitzbart

saß ihm trotzig kurzgeschnitten am Kinn. Er hatte seinen guten blauen

sonntäglichen Tuchanzug an und seine alte Kapitänsmütze auf, mit einer

goldenen Borte daran.

»Sir,« sagte er, denn er sprach mit Vorliebe einige Brocken Englisch,

um seine höhere Weltkenntnis vor den andern Bewohnern der Insel

hervorzutun. Er untermischte immer seine Rede mit »Well« und »Allright«

und verabschiedete sich nie, ohne »Goodbye« zu sagen.

»Sir, ich habe das gefunden,« sagte er und schob mir das kleine

Fläschchen aufdringlich in die Hand, als wenn dieses mir eben erst aus

der Tasche gefallen wäre. Und breitspurig wanderte er davon.

»Ich habe das nicht verloren,« rief ich ihm nach. Er aber sah sich

nicht mehr um und stolperte über die Granitbuckel und über das

Heidekraut und zeigte mir seinen breiten ungeheuren Rücken, der so

viereckig war, als trüge er eine große Schulschiefertafel unter dem

Rock.

Auf dem kleinen Zettel, den er mir mit dem Fläschchen gegeben hatte,

und an welchem man noch den Abdruck des Fläschchens bemerkte, das

in das Papier eingewickelt gewesen war, auf diesem Zettel stand

mit vergilbter alter Tinte das Wort »Gift« geschrieben, dreimal

unterstrichen und dann:

»_Zehn Tropfen_ reizen die Sinnlichkeit (es war ein derberes Wort

gebraucht, das ich hier nicht wiedergeben kann).

_Zwanzig Tropfen_ bringen den _Wahnsinn_ und

_jeder Tropfen_ darüber -- _den Tod_.« So stand auf dem Zettel. --

Ich betrachtete das Fläschchen verblüfft. Es war mit einer

gelbwässerigen Flüssigkeit zur Hälfte gefüllt und mochte vielleicht

vierzig Tropfen enthalten.

Da stand ich nun plötzlich mitten auf der großen unschuldigen

Steininsel, umgeben von der Freudigkeit des Sommerhimmels, umgeben von

der unendlichen Festlichkeit des durchdringend blauen Sommermeeres,

sah die unschuldigen buntscheckigen Kühe ihre vollen Euter über das

Heidekraut tragen, sah sie in friedlichen gutmütigen Reihen wildes

Rosenlaub, Eichenlaub und Kräuter auf dem Granit abweiden, diese

Kühe, die gutmütig wie die Erdgüte selber waren; ich hörte die wilden

Bienen und die Hummeln, die sich über die Blüten des Heidekrauts

summend verbreiteten, und sah sie Honig suchen, Sonnensüße für den

Winter sammeln; ich sah dann über die Insel hin, auf welcher niemals

noch eine böse Tat begangen worden war, wo man nicht Gefängnis, nicht

Gericht und keine menschliche Niedertracht kennen gelernt hatte.

Und ich, ich hatte da plötzlich ein schauderhaftes Gift in einem

kleinen Fläschchen zwischen meinen Fingern, eine kleine Hölle von

vierzig Tropfen. Mit diesen vierzig Tropfen konnte ich Selbstmord

begehen und Mord. Ich schaute auf die weinenden Bräute hinunter, auf

die jungen weinenden Frauen, die in den Booten neben den bellenden

Hunden jetzt langsam wieder zum Ufer zurückruderten, und die von

ihren Männern verlassen waren. Hier konnte ich Unheil stiften, ich

konnte blindlings den Verführer spielen. Ein paar Tropfen in ein Glas

Milch, ein paar Tropfen in einen Teller Suppe hätten die züchtigen,

unschuldigen, aber zu derber Sinnlichkeit veranlagten Fischermädchen in

geile, gierige, männertolle Furien verwandeln können. Ich schauderte

vor diesen ekelhaften Gedanken, die mir von diesem Giftfläschchen

aufgezwungen wurden, und wunderte mich. Ich schauderte vor dem winzigen

Giftfläschchen, das da plötzlich in meine Hände gekommen war, hier

fern von aller überreizten Kultur, fern von dem großen Menschentrubel

Europas, fern von jener Welt, in der Abenteuer, Morde und Selbstmorde

täglich die Zeilen der Zeitungen überschwemmten. Hier, sozusagen am

Ende der Welt, wie kam hier, zweiundzwanzig Jahrtausende hinter Berlin,

auf diese unschuldige Erde dieses rasend und liebestoll machende Gift?

Die Geschichte des Fläschchens war die:

Der Heide, der alte Kapitän, erzählte sie mir endlich notgezwungen

nach ein paar Tagen. Ich traf ihn zufällig wieder, bei einem Besuch

in einer Hütte, wo man seit ein paar Wochen einen plötzlich tobsüchtig

gewordenen jungen Mann eingesperrt hielt. Die Leute sagten, der junge

Mann hätte beim Fischen auf offener See einen Sonnenstich bekommen,

und einige Männer, die nicht mit dem Makrelenboot auf den Nordseefang

hinausgezogen waren, mußten abwechselnd bei dem Tobsüchtigen Wache

halten, denn die Gemeinde hatte sich noch nicht entscheiden können,

diesen als wahnsinnig in ein Spital einer der Städte an der Küste

abzuliefern. Ich hatte bis jetzt noch nichts von dem geheimgehaltenen

Wahnsinnigen der Insel gewußt und fand auf einem Spaziergang durch

Zufall die Hütte, im Innern der Insel, wo der Tobsüchtige von seiner

Wache von vier Männern, die sich täglich ablösten, festgehalten wurde.

Dort fand ich auch unter den Wachthabenden den alten Kapitän, der mir

das Giftfläschchen gegeben hatte.

Er war besonders dort begehrt, da er, wie die Leute sagten, »feste

Handschuhe anhabe«, womit sie seine straffen Fäuste meinten. Nach dem

zufälligen Zusammentreffen am Makrelenbootstag mit dem Kapitän, hatte

ich diesen täglich in seiner Hütte aufgesucht und ihn niemals daheim

getroffen. Jetzt nahm ich ihn zur Seite und bestand darauf, daß er mir

die genaue Herkunft des Giftfläschchens berichten sollte.

Da hörte ich endlich nach vielem unverständlichem Geknurre: wohl habe

er die Flasche »gefunden«; aber das war schon ungefähr _dreißig Jahre_

her. Er fand sie in der Kapitänskabine eines Dampfers, den er sich

gekauft hatte, und der ihm dann gestrandet war. In einem Geheimfach des

Schiffsbücherschrankes stand dies Fläschchen in Papier eingewickelt,

und der Alte behauptete, er habe bis heute keinen Tropfen daraus

vergossen. Ich glaubte es ihm.

Wir hockten einander gegenüber auf zwei Steinen im Heidekraut. In der

Nähe bei uns rannte eine schwarze angepflockte Ziege, schwarz wie des

Teufels Großmutter, meckernd hin und her. Und obwohl es schon gegen

Abend war, wo sich die Kühle des Meeres mit der Granitwärme der Steine

vermengt, wischte sich der alte Kapitän, während er mir erzählte,

doch fortgesetzt die blaurote Stirn ab, auf welcher ihm ein steter

Angstschweiß zu perlen schien.

Ich hatte in den paar Tagen vorher niemals richtig den Entschluß fassen

können, das Fläschchen ins Meer zu schleudern oder an einem Steine zu

zerschellen oder es zu öffnen und den Inhalt auszuschütten. Hundert

Gründe spukten in meinem Hirn und sprachen dafür und dagegen, das

Fläschchen los zu werden. Welches Unglück konnte es anrichten, wenn das

Fläschchen, das fest verkittet war, im Meer weiterschwamm und von einem

Fischernetz oder einem Hummerkasten aufgefischt wurde!

Oder wenn sein Inhalt, wenn ich es zerschellte, herumspritzte und

vielleicht auf eine Erdbeere, eine Wacholderbeere oder irgend ein

Teekraut fiel, welches Kinder sammelten. Ins Feuer werfen! Wer weiß

ob das Fläschchen verbrannte und nicht in der Asche gefunden wurde.

Irgendwo vergraben! Auch das war recht unzuverlässig. Ich durfte es

nicht einmal mehr in meinem Zimmer stehen lassen, nicht in meinem

Koffer. Seit ich dieses Giftfläschchen in die Hand bekommen hatte,

lebte ich nicht mehr mein eigenes Leben. Ich lebte so wie die Wache,

die einen Tobsüchtigen bewacht und ihre Aufmerksamkeit zersplittern

muß zwischen Verstand und Irrsinn. Ich war nicht mehr harmloser

Beobachter des Lebens. Ich trug mit dem Giftfläschchen wie ein

Zauberer geheimnisvolle Kräfte der schwarzen Magie in der Tasche, ich

erschien mir über alle menschlichen Begriffe einer dämonischen Kraft,

einer Willkür, preisgegeben. Mit einem Wort, -- ich war nicht mehr ich.

Ich war der Sklave dieses Giftfläschchens geworden. Ich schrie nachts

im Traum auf, träumte vom Vergiften und Morden; und so wie der Kapitän

jetzt, hatte ich mir in den letzten drei Tagen, seit ich das Gift

besaß, hundertmal den Angstschweiß von der Stirn wischen müssen.

»Dreißig Jahre,« hatte der Kapitän erzählt, »habe ich das Fläschchen

mit mir getragen und habe es nicht los werden können. Jahrelang habe

ich eine Lust gehabt, es zu behalten, jahrelang eine Lust, es zu

vernichten. Mein ganzes Leben ist von diesem Fläschchen gelenkt worden.

Bald fühlte ich mich übermütig allmächtig durch den Giftbesitz, bald

unheimlich verfolgt. Die Leute nennen mich, seitdem ich das Gift

besitze, den ›_Heiden_‹.«

Ich begriff den alten Mann. Ich war in den drei Tagen, in denen ich das

Gift besaß, mir selbst fremd geworden. Aber ich hätte das Fläschchen um

keinen Preis hergegeben, wenn man es von mir gefordert hätte. Und als

der Alte sagte: »Was haben Sie mit dem Giftfläschchen getan?« log ich

mitten im Sonnenschein, zwischen den gütig kauenden Kühen, umgeben vom

himmelblauen Meer, log ich mich aus dem Paradies hinaus. »Ich habe es

fortgeworfen,« sagte ich, damit es der Alte nicht zurückfordern konnte.

--

Was wollte ich mit dem Fläschchen tun? Ich wollte es doch los sein!

Warum gab ich es ihm nicht? Warum warf ich es ihm nicht vor die Füße?

Ich fühlte, wie mich das viereckige Fläschchen in meinem weißen

Flanellsommeranzug unbequem drückte, und ich fuhr seitdem ängstlich,

oft mitten in den ruhigsten Stunden, plötzlich mit der Hand nach meiner

Westentasche. Ich wich dem Kapitän von diesem Tage an aus, damit er

nicht nach dem Fläschchen fragen sollte. --

Mitten in dem herrlichen Gesicht dieses Sommers 1910, mitten in dem

herrlichen Gesicht dieser Insel am Ende der Welt, die nie eine Schuld,

nie ein Verbrechen, nie eine Niedertracht kannte, trug ich nun diesen

Ekelfleck mit mir in der Westentasche herum, diesen Giftfund, dieses

Giftfläschchen. Täglich wünschte ich das Gift zu behalten und täglich,

es los zu werden. --

Ein nordischer Sommer ist schnell verflogen, ist schnell abgekühlt.

Schon ein paar Wochen nach Johanni, wenn die Nächte wieder die

Dunkelheit wie eine schwarze Maske über das Land legen und die

paar Wiesenflecken abgemäht sind, die es da gibt, und die paar

Kornstrecken, und Ende Juli schon der Stillstand eines frühen Herbstes

die Bäume aussehen läßt, als wären sie aus verblichenem grünem Papier

angefertigt, dann werden all die Kühe in die Ställe zu den Hütten

heimgetrieben, und eine Totenstille, Langweile und Leere sitzt bald an

Stelle des Saftes und der Frische im Steingesicht dieser Insel. Die

kleinen Hütten ertrinken abends im Nebel. An Stelle der Kühe laufen

weiße Möwenscharen auf den abgemähten Wiesen herum, Wiesen, die nur

jährlich einmal Gras geben, dann nicht mehr wachsen und sich mit den

weißen Möwen bedecken, die des Morgens vor Sonnenaufgang anzusehen sind

wie der Vorschein frühen Schnees.

Oft habe ich des Morgens vor Sonnenaufgang, da ich Bayer bin und in dem

katholischen Lande an Morgenläuten, Mittag- und Abendläuten gewöhnt

bin, hinausgehorcht. Aber nichts rührte sich. Es gab auf der Insel

keine Kirche, keine einzige Glocke, und die Leute fuhren ihre Kinder

zur Taufe mit Kähnen auf andere Inseln. Ebenso mußten die Brautpaare

und die Leichen oft tagelang auf guten Segelwind warten, um zur

Hochzeit oder ins Grab auf die ferne Kircheninsel zu kommen.

Die Insel Koster selbst lag glockenlos in der großen blauen Glocke des

Himmels, und der »Heide«, der alte Kapitän, hatte recht, wenn er einmal

in der Handelsbude, in dem einzigen Kaufladen, den es auf der Insel

gibt, dröhnend auf den Tisch schlug und ausrief:

»Was brauchen wir hier Christentum, wir auf Koster! In alter Zeit waren

wir Heiden und Helden. Und jetzt ist uns das Heldentum verboten. Aber

Heiden sind wir immer noch im Grunde. Wir zahlen unsere Steuern, und

die Sonne scheint nicht schöner, ob wir Christen sind oder Heiden. Und

die Makrelen und die Heringe lassen sich so gut fangen von den Heiden,

wie von den Christen.«

Und das stämmige Königsgeschlecht von Koster lächelt gutmütig über

seinen Stammheiden, über den Kapitän.

Der Sommer war hier früher zu Ende, als man sich in Deutschland

vorstellen kann. Und in den ersten Tagen des August sahen die Frau,

die ich liebe, und der ich noch nichts von dem Giftfläschchen in meiner

Westentasche erzählt hatte, und ich, wir beide sahen mit Frösteln das

schnelle Müdewerden der nordischen Sommersonne. Und eine unbändige

Sehnsucht nach neuer Sonne wachte jeden Morgen mit uns auf und war

jeden Abend unser letztes Gespräch.

Frauen, die sich sehr geliebt fühlen, fassen immer resoluteste

Entschlüsse. So sagte diese Frau eines Tages:

»Wir wollen nach Italien. Dort ist es noch Hochsommer. Es ist viel zu

spät für die lappländische Reise. Wir würden nur den schönen Eindruck

von Koster verwischen. Schweden ist zu schön, als daß man es in

einem Sommer flüchtig durchreisen kann. Man muß viele Sommer darauf

verwenden, um alle seine Schönheiten zu erreisen. Damit wir den Norden

recht verstehen, sollen wir jetzt als Kontrast den Süden aufsuchen.«

Ich deutete schwerfällig und gewissenhaft wie jeder Mann auf den großen

Koffer, in welchem die Wintersachen für Lappland lagen, auf Pelz und

Wolle. »Sollen die ganz umsonst hieher gewandert sein?« fragte ich.

Aber hartnäckig, weil sie meine Sehnsucht nach Sonne kannte, sagte die

Frau:

»Wenn du soviel Respekt vor Koffern hast, möchte ich sie schon gleich

ins Meer versenken.«

»Gerade so wie ich mein Giftfläschchen,« entfuhr es mir. Und nun mußte

ich die ganze Geschichte vom Giftfläschchen, das mir wie ein Dämon in

der Westentasche saß, und das den Kapitän wie ein Dämon dreißig Jahre

lang gefoltert hatte, meiner Geliebten erzählen.

»Das ist ein neuer Grund,« rief diese erfinderisch aus. »Ich sehe,

du und ich, wir werden dieses Giftfläschchen ebensowenig los wie der

Heide, der Kapitän. Aber es fällt mir gar nicht ein, deine Liebe mit

einer Giftflasche zu teilen. Wir müssen nach Rom und das Gift an der

einzigen Stelle der Welt, wo es hingehört und keinen Schaden anrichtet,

abliefern.«

»Ja, wenn noch in Rom die alten Römer leben würden,« meinte ich. »Aber

dort sind ja nur Ruinen, wie du selbst immer sagst.«

»Dort ist der heilige Vater! Seiner Heiligkeit drückst du einfach das

Fläschchen in die Hand, so wie es der Kapitän dir plötzlich in die Hand

gedrückt hat.«

»Liebende Frauen sind weise Frauen,« sagte ich. Und indessen sie die

Koffer packte und die Wolle für Lappland zu unterst stopfte und dabei

italienische Lieder vor sich hinsang, reiste ich in sechzig Stunden von

Strömstad direkt nach Rom, immer das Giftfläschchen in der Westentasche

betastend, daß es mir nicht auskäme.

Als ich in Rom dann das Fläschchen Seiner Heiligkeit in die Hand

drückte, wie es mir die weise und liebe Frau geraten hatte, lächelte

Pius und sagte verständnisvoll:

»Das macht nichts, das kommt öfters vor.«

»Natürlich,« sagte ich eilfertig aus Verlegenheit. »Darf ich Eure

Heiligkeit fragen, was Sie damit anfangen werden,« setzte ich neugierig

hinzu.

»Das stellen wir zu den andern,« nickte der Papst. Und ebenso nickte

Seine Eminenz, der Kardinal del Val, der bei meiner Audienz zugegen

war: »Das stellen wir zu den andern.«

Das Gespräch wurde in den vatikanischen Gärten geführt, die mir

durch ihre Regelmäßigkeit, regelrecht gestutzte Taxushecken, etwas

pedantisch und langweilig vorkamen, mir, der ich gerade von der _Insel

der heiligen Kühe_ kam, _vom Lande, wo die Steine sprechen_, von

_Wacholder_, _wilden Rosen_ und _Urgestein_, _von_ der _schwedischen

Heideninsel_, wo in der blauen Glocke des Himmels die Sonne täglich

zu einem Fest geglänzt hatte, wo das große freie Meer geläutet hatte,

und wo die Fischerleute arm, bescheiden und ehrlich waren wie der

Fischer Petrus und wie die Apostel, welche einst Fischer waren am See

Genezareth.

»Und um die Erde sind Sie auch gereist?« meinte Seine Eminenz der

Kardinal. »Und haben einen amerikanischen Bischof unterwegs getroffen,

der von allen Göttern der Welt ein Probebild mit nach Philadelphia

nahm! Der ganze Vatikan hat diesen Winter »die geflügelte Erde«

studiert. Wenn die sündige Erde wirklich rundum so voll schöner Wunder

ist, wie Sie da beschreiben, dann gibt sie uns hier vieles Nachdenken.

Wir hatten wirklich nicht geglaubt, daß noch etwas irdisch Schönes

an der Welt wäre. Wir dachten, wir hätten alles Verführerische mit

heiliger Christenstrenge ausgemerzt.«

»O!« rief ich aus und machte meinen Mund größer auf, als in den

vatikanischen Gärten erlaubt ist, »wenn Sie nur ›die geflügelte Erde‹

gelesen haben, dann haben Sie noch nicht vom Schönsten gehört, was ich

gesehen habe.«

Seine Heiligkeit, welche wir auf den Wegen des Gartens zwischen uns

gehen ließen, setzte sich auf das Stühlchen, das die Schweizer Wache,

die hinter uns ging, ihm unterschob. Der Papst hielt immer noch mein

Giftfläschchen zwischen den Fingern, obwohl es ihm der Kardinal öfters

hatte abnehmen wollen. Der Papst hielt das Giftfläschchen gegen die

Sonne:

»Wieviel Gifttropfen sind darin und wie wirken sie?«

Ah, dachte ich. Dem Papst geht es jetzt wie dem Heiden auf Koster. Der

Kapitän hat das Fläschchen auch nicht mehr hergegeben, als er es einmal

zwischen den Fingern hatte. Und obwohl ich vom Allerschönsten, was es

auf der Welt gab, eben hatte erzählen wollen, hatte der Papst nicht

zugehört, sondern immer an das Gift denken müssen.

Der Kardinal kam mir zuvor und beantwortete die Fragen, die das Gift

betrafen, und ich bewunderte dabei des Kardinals scharfes Gedächtnis,

der alles genau behalten hatte, was ich ihm über das Giftfläschchen

vorher mitgeteilt hatte.

»Was gibt es Schöneres in der Welt als Rom,« fragte der Papst,

schwärmerisch durch das Giftfläschchen den römischen Himmel betrachtend.

»Die Insel Koster,« sagte ich prompt. »Dort würden Eure Heiligkeit sich

einmal recht von allem Glockengeläute erholen.«

Auch der Kardinal ließ sich jetzt von der Schweizer Wache, die auf

seinen Wink herbei eilte, ein Stühlchen unterschieben.

Da saßen sie nun vor mir in dem Taxusheckengang, Seine milde Heiligkeit

im weißen fleckenlosen Gewand und der Kardinal im Scharlachkleid.

Wenn jetzt nur die Frau, die ich liebe, und die ich auf Koster singend

beim Kofferpacken zurückgelassen habe, aus der Taxushecke käme! Nur sie

könnte mir jetzt aus der peinlichen Verlegenheit helfen, dachte ich.

Denn dieses mit dem Glockengeläute habe ich verkehrt gesagt, das sah

ich den beiden Italienern an den gelben Gesichtern an.

»Die Insel Koster, trotzdem sie keine Kirche und keine Glocken hat,«

fuhr ich fort und eilte mich mit den Worten, um mich bei den Italienern

wieder in Gunst zu reden, »diese Insel Koster ist nämlich heute noch

der unschuldigste Platz der Welt. Dort gab es noch nie eine Lüge, nie

einen Diebstahl, nie einen Mord; nie mußte dort jemals das Gericht

einschreiten und keine Polizei. Die Menschen dort sind noch die

reinsten unschuldigsten Heiden,« platzte ich heraus, weil mich die

hochmütigen Gesichter der römischen Herren ärgerten.

Meine Worte mußten sehr gut gewirkt haben, denn Seine Heiligkeit

lächelte Seine Eminenz an, und Seine Eminenz lächelte Seine Heiligkeit

an. Und diese Lächeln gingen miteinander über die Taxushecken, über die

Palmen und über die weißen Geländer der Terrassen des vatikanischen

Gartens, versöhnlich hinauf bis in den üppigen blauen römischen Himmel.

Der Papst hob das Giftfläschchen, das zugleich mit dem großen Ring am

Daumen seiner Hand funkelte, wieder ans Licht.

Die Allmacht dieses Siegelringes zuckte mir zu gleicher Zeit mit dem

Schiller des Giftfläschchens entgegen. Ich verstand nicht sogleich,

daß diese Geste des Papstes mir meine schöne unschuldige Insel Koster

beleidigen wollte.

»Menschliches Gift kann lange im Verborgenen leben,« sagte der alte

Mann mit den blassen Wangen, mit dem blassen Kinn, mit der blassen Nase

und mit den blassen Augen, die mir plötzlich unheimlich lebensmüde aus

dem dunkelgrünen schwülen Palmengarten entgegenleuchteten.

»Lieber Dichter, habt Ihr nicht dieses Gift, wie Ihr erzählet, von

jener Barbareninsel gebracht?« tönte es ironisch von seinen blassen

Lippen.

»Ja,« sagte ich eifrig, meine Insel Koster verteidigend. »Das Gift

kam von der Welt dorthin. Aber jetzt ist kein Gifttropfen mehr dort.

Ich habe alles Gift Eurer Heiligkeit gebracht, direkt nach einer

Sechzigstundenfahrt, und das Giftfläschchen gleich übergeben, damit

Eure Heiligkeit es aus der Welt schaffen.«

»Mein Lieber,« sagte die weiße Figur vor mir, die da unter dem blauen

römischen Himmel im Garten zugleich mit dem Kardinal von dem Stühlchen

aufstand, und deren weiße Lippen tief Atem holten, als wollten sie mir

eine tiefe Wahrheit sagen, und ich dachte schon vorschnell:

Seine Heiligkeit wird sagen: _nichts kann das Gift der Welt aus der

Welt schaffen, nicht der Papst, nicht der Dichter, nicht die Christen,

nicht die Heiden. Und ich dachte, daß ich mit dieser großen Weisheit

dann entlassen würde._

Aber nein, -- Pius reichte mir nur die Hand, die das Giftfläschchen

hielt, zum Abschiedskuß, und mit den Augen auf das Fläschchen deutend:

»Mein Lieber, wir werden es zu den andern stellen.« -- -- --

»Wenn das nur nicht großes Unglück anstiftet,« sagte später die Frau,

die ich liebe, zu mir. »Das kann nicht gut sein, wenn man im Vatikan

ein Giftfläschchen zum andern stellt. Der Kapitän auf Koster, der

dreißig Jahre das Fläschchen aufbewahrt hatte, ist ganz wild davon

geworden, und die Leute nannten ihn schließlich einen Heiden. Wenn nur

nicht der ganze Vatikan von dem Kostergift wild wird!«

Und wirklich, die vielgeliebte Frau hatte wieder recht. Ein paar Wochen

später schon begann die Geschichte mit den Modernisteneiden, und die

Bannflüche fliegen seitdem wie Giftpfeile aus dem Vatikan über die

Alpen.

»Das kommt davon,« sage ich zu meiner Frau (wenn ich die Bayerische

Landeszeitung aus der Hand lege, worin der Memminger so genau die

Zustände und die Aufregungen des Papstes schildert), -- »das kommt

davon, daß der Papst als Ratgeber nur Kardinäle und keine Frau hat. Die

Liebe einer Frau ratet besser als alle Kardinäle.« --

Himalajafinsternis

Das ist der Fluch und zugleich die Wollust des Reisens, daß es dir

Orte, die dir vorher in der Unendlichkeit und in der Unerreichbarkeit

lagen, endlich und erreichbar macht. Diese Endlichkeit und

Erreichbarkeit zieht dir aber geistige Grenzen, die du nie mehr los

werden wirst.

Wenn sich deine Seele, ohne daß dein Leib reist, an einen Ort hin

versetzt, in dem du nie warst, so kann sie an dem Ort bald im

Sonnenschein, bald im Regen, bald im Winter, bald im Frühling wandern,

geisterleicht in einer Geisterlandschaft. Hast du aber den Ort einmal

reisend mit deinem Leib erreicht und wirkliche Tage dort erlebt, so

bist du dem Gefängnis der Wirklichkeit verfallen. Sobald du dich in

späteren Jahren an den bereisten Ort im Geist zurückversetzt, kommst du

nicht über die Grenzen der ehemaligen wirklichen Tage hinaus. Du siehst

jenen Ort immer wieder, in ermüdender Wiederkehr, in derselben Tages-

oder Jahreszeitstimmung, in der du ihn damals gesehen. Du kannst ihn

nicht willkürlich mehr verwandeln. Du bist verdammt, ihn ewig genau

so zu sehen, wie er sich dir auf der Reise gezeigt hat. Dies ist der

Fluch, der die Seele des Reisenden belastet. Die Flügel der Geistigkeit

werden ihm von der Wirklichkeit beschnitten. Der Vielgereiste haftet

mehr an der Erde als der Niegereiste. Er erscheint mir sterblicher als

die übrigen Sterblichen.

Es gibt eine einzige Möglichkeit, den Wirklichkeitsbann des

Reisens zu durchbrechen und abzuschütteln. Das geschieht, wenn wir

unsterbliche Erlebnisse heimbringen; wenn sich das Schicksal des

Reisenden mit Menschenschicksalen fremder Orte so verknüpft, daß der

Ort, die Landschaft, das Gesehene ganz an Bedeutung verlieren, ins

Nichts sinken, und das am eigenen Schicksal Erfahrene Zeit, Ort und

Wirklichkeit überragt.

Solche Erlebnisse sind selten, aber eins, zwei solcher Erlebnisse auf

großen Reisen bleiben einem im Blut und Geist haften und überfallen

einen zeitweise in der Erinnerung, und solche Erlebnisse können

uns modernen Menschen den Schauer, die Ehrfurcht und die Erhebung

ersetzen, die die früheren naiven Menschen in Gotteshäusern vor ihren

Altären und Göttern empfanden, vor Göttern, die wir Modernen längst zum

alten Eisen gelegt haben.

Ehe ich auf meinen Reisen oben im Himalajagebirge gewesen, konnte ich

mir diese höchsten Erdzinken immer nur tief in weißem Schnee und unter

ewig eisigblauem Himmel vorstellen, ähnlich den Erinnerungsbildern, die

ich vom Montblanc, von den Dolomiten und den Schweizer Alpen mit mir

trug. Jetzt aber, nachdem ich vor Jahren am Himalaja war, sehe ich dort

im Geist keine ehernen Gletscher, keinen eisblauen Himmel mehr. Ich

sehe dort die Erde grau in grau wandern, denn es war im Februar, als

die Nebel aus der indischen Talsohle wie graue Felder heraufstiegen,

Nebel in allen Schattierungen, in Schatten und Beleuchtungen wechselnd.

Es war, als flögen die Berge; dann wieder versanken sie. In den

Sternennächten wirbelten diese Nebel im Mondschein. Der riesige

Himalaja schien sich fortzuwälzen. Bald stellten sich die Nebel wie

Riesentreppen auf, schlugen sich zum Himmel hinauf und drehten sich

um ihre Achsen wie ungeheuere Windmühlenflügel. Es blieb kein Oben,

kein Unten, kein Links und kein Rechts mehr bestehen, als wäre der

Himalaja eine Gedankenwelt geworden, in der sich fluchtartig Bilder und

Eindrücke, Wirklichkeit und Unwirklichkeit jagten.

Siebentausend Fuß hoch oben in Darjeeling, dem weltbekannten

Erholungsort der englisch-indischen Beamten, Offiziere und reichen

Kaufleute, waren im Februar die meisten Villen geschlossen. Sie liegen

mit ihren Glaswänden und Glasveranden wie aus Bergkristall aufgebaut

an der Berglehne der hohen Gelände von Darjeeling. Dazwischen ziehen

sich Teegärten mit niedrigem Teegebüsch hin, denn der Tropenbrodem,

der vom großen indischen Reiche am Fuße des Himalaja zu den Höhen von

Darjeeling heraufraucht, bringt einen Atem von Fruchtbarkeit über diese

Südabhänge des Himalaja.

Heimgekehrt nach Europa, wäre ich jetzt, wenn ich an den Himalaja

zurückdenke, ewig dazu verbannt, dort droben in Darjeeling den

unendlichen, lautlosen, träufelnden Februarregen zu sehen, der aus den

Nebelschwaden niedertroff, und ich müßte immer in die nebelwandernden

Berge schauen, die mir nie mehr stillstehen würden, wäre mir nicht

dort jenes Erlebnis begegnet, das mich zeitlos und weltlos ansieht,

nicht gebunden an Tag und Jahreszeiten, sondern nur gebunden an die

Allmenschlichkeit, an das Menschenherz, das rund um die Erde, an allen

Orten gleich handelnd liebt und leidet, als wäre es ein einziges Herz.

Eines Nachmittags hatten mich die fünf Tibetaner, die meine Rikscha

schoben, nach dem einzigen tibetanischen Tempel gefahren, der an einem

Ende des Bergdorfes Darjeeling, nach langen Fahrten, auf verschlungenen

Wegen erreicht wird. Der Tempel war einfach wie ein weißgekalktes

Scheunenhaus und unterschied sich fast in nichts von tibetanischen

Bauernhäusern. Er lag am senkrechten Abhang, von einigen verwilderten

Bäumen umstanden, ein wenig einfach, und man hätte ihn ebensogut von

weitem für einen kleinen Gasthof halten können.

Ich mußte einen nassen Vorgarten durchschreiten und hörte von weitem

einen regelmäßig klingenden Ton. Es war der Laut der Gebetsmühlen, die

nach jeder Umdrehung antönen. Unter dem Vordach des Tempelhauses stand

eine mannshohe und mannsdicke gelbe Röhre aufgerichtet. Sie war von

oben bis unten eng mit Gebeten beschrieben. Ein Tempelknabe in gelber

Kutte drehte mit der Hand den gelben Zylinder, der sich auf einem

Gestell rund um eine Achse bewegte. Jede Umdrehung des Zylinders galt

soviel als das vollständige Ablesen der tausend Gebete, die eingedrängt

auf ihr geschrieben waren.

Drinnen im Tempel war es dunkel wie in einem Stall. Hinter dicken

Holzgittern standen die geschnitzten Götter, deren alte gebräunte

Vergoldung kaum noch glänzte. Da war kein friedlicher Gott darunter.

Alle Götter standen oder hockten in wilden verrenkten Stellungen, als

wären sie den verzerrten Nebeln draußen nachgebildet.

Aus unzähligen Ölnäpfchen, voll kleiner Nachtlichter, flimmerten

winzige Flämmchen. Wie die Futtertröge der Götter, so standen sie da

vor den Gittern und nährten die speckigen Goldgesichter mit ihrem Ruß

und belebten sie mit dem Gewimmel ihrer knisternden Flämmchen.

Nicht an allen Wänden standen Götterbilder. Es waren da Lücken, und

dort am berußten und schmutzigen Wandkalk entdeckte ich Photographien,

Ansichtspostkarten und Holzschnitte aus illustrierten englischen

Zeitungen. Es waren Bilder von englischen, deutschen, französischen,

russischen Prinzen und Generälen und Abbildungen von neuerfundenen

Maschinen, Bilder, welche von den tibetanischen Priestern heilig

gesprochen waren, vielleicht um den Europäern zu schmeicheln,

vielleicht auch aus abergläubischer Furcht vor unbekannten fremden

Seelenkräften.

Am Fußboden in einer Ecke bemerkte ich geleerte englische Bierflaschen.

Ein paar tibetanische Priester mit glattrasierten kahlen Köpfen, in

schmutziggelben Kutten, hockten am Boden und rauchten, lehnten mit dem

Rücken an der Wand und stierten zur offenen Tür hinaus, zu der ein

wenig Tageslicht in den fensterlosen Raum hereinfiel und glasig auf den

Augäpfeln der Priester glänzte.

Die knisternden Reihen von Nachtlichtern, die blöden Augen der

Priester und hie und da hinter den Gittern ein Götterbauch, an

dessen abgenütztem Gold sich die Ölflämmchen spiegelten, der

süßliche Tabakrauch aus den Priesterpfeifen und ein noch süßlicherer

Geruch von erkaltetem Räucherwerk, die grotesken Papierfetzen aus

illustrierten europäischen Zeitschriften, -- dieser Wirrwarr von

zeitlosem Spuk --, und draußen im Türviereck die ewig im Nebel

fortwandernden Himalajaberge wie Spuklandschaften, die bald in den

Himmel stiegen, bald zur Erde fielen, ein Nebelgekröse, das plötzlich

bis zur Tür herankroch; die gelben Ungeheuer der Gebetmühlen, die sich

einförmig drehten und in regelmäßigen Zwischenräumen mit einem dünnen

Metallton anschlugen, -- all das sah abenteuerlich aus, einfältig und

ungeheuerlich zu gleicher Zeit. Denn es bestand schon seit Tausenden

von Jahren und schien unvergänglich wie die Götter der Dummheit,

die neben den Göttern des Verstandes und des Gefühls ewig die Erde

beherrschen.

Aber wie die Abgründe draußen vor der Tempeltür, an deren Rändern

das Schwindelgefühl saß, das Menschen, Tiere und Steinmassen in die

Himalajaschluchten reißen konnte, so lag hinter dem Gefühl der dumpfen

Dummheit, die in dieser stallartigen Tempelstube hockte, zugleich

eine kaltblütige Grausamkeit. Sie blickte beinahe schelmisch aus den

stieren Augen der kahlköpfigen tibetanischen Priester und grinste

grotesk freundlich aus den lachenden Mäulern der Gesichtsmasken der im

Halbdunkel hockenden Götterfiguren.

Meine fünf tibetanischen Wagenschieber, die wie Eskimos in sackartigen

Kleidern vermummt steckten und von hünenhaften Kräften waren, fuhren

mich dann im Rikschawagen zurück, an fast senkrechten Bergwegen

hinauf. Dabei wieherten sie wie Pferdchen, meckerten wie Geißböcke

und prusteten wie Walrosse. Zugleich verfolgten meinen Wagen drei

tibetanische Riesenweiber, die ihre Schmuckketten aus kleinen

blauen Türkisen, Brocken Bergkristall und Stücken ungereinigter

Silberbronze, mit rötlichem Carneol verarbeitet, vom Hals und von den

Armgelenken rissen und mir zum Verkauf vor mein Gesicht hielten. Immer

gestikulierend sprangen die Tibetfrauen neben meinen Wagenrädern hin

und her, umgeben von einer bellenden Schar wilder Himalajahunde.

Eine der Frauen nahm sich während des Springens die Türkisenohrringe

ab, eine andere drehte von ihrer Hand einen plumpen Silberring mit

rotem Carneolstein, die dritte zog sich bronzene Haarpfeile aus ihrem

ungekämmten, verwilderten und vom Regen nassen Haarknoten. Einige Worte

Englisch und hundert geschnatterte tibetanische Worte, durchsetzt

mit Hundegebell und begleitet vom Gelächter und Geschnauf meiner

schwitzenden Wagenschieber, schallten mir unausgesetzt vor den Ohren.

Endlich kaufte ich dem einen Weib einen Ring ab, und da der

Rikschawagen an den Abhangwegen im Fahren keinen Augenblick halten

konnte, wurde der bewegte Handel durch Zuwerfen des Ringes und

Zurückwerfen des Geldes abgeschlossen.

Zwei der Frauen blieben jetzt zurück. Nur das dritte Weib, das immer

noch ihre Haarpfeile verkaufslustig in der Luft schwang, haftete noch

an der Seite meines Wagens, vom Gekläff der Hunde umgeben.

Als die Tibetanerin mich kaufunlustig sah, lockte sie mit den Augen,

so daß ihr die Wagenschieber tibetanische Scherzworte zuriefen, gegen

die sie sich eifrig verteidigte. Da mich die Haarpfeile nicht reizten

und des Weibes Augen mich nicht überreden konnten, fuhr sie immer neben

dem Wagen herspringend, mit den Händen in die Falten ihres sackgroben

Mantelkleides und fand in irgend einer Tasche eine kleine Silberkette,

die mir aber ebensowenig gefiel. Zugleich aber, wie sie die Kette in

der Luft schüttelte, flog, zwischen ihren Fingern durch, ein kleines

Bronzeamulett, das an einer Darmseite angebunden gewesen, und flog zu

mir in den Wagen auf meinen Schoß.

Mit einem Blick sah ich, daß das Amulett ein echtes kleines

Bronze-Götzenbild war, nicht größer als ein Fingerglied. Es stellte in

viereckigen primitiven Formen zwei winzige Menschen dar, einen nackten

Mann, an welchem eine nackte Frau emporkletterte.

Ich schloß meine Hand, in die das Amulett gefallen war, griff mit

der andern Hand in meine Westentasche, in der ich loses Silbergeld

trug, und warf dem Weib ein paar große Silbermünzen zu. Sie sah mich

erstaunt an, fing blitzschnell das Geld auf und blieb zurück. Zufällig

bog der Wagen um eine Wegecke. Ich konnte jetzt das Weib, das in dem

Haufen der bellenden Hunde stillstand, noch einmal von weitem sehen.

Sie schüttelte fortwährend den Kopf, als verstünde sie nicht, wie sie

zu dem Gelde gekommen sei. Sie hielt die Haarpfeile im Mund zwischen

den Zähnen und wickelte die Geldstücke in ein kleines Stückchen gelben

Tuches. Vielleicht war es dasselbe Stückchen Tuch, in welchem vorher

die Silberkette und das Amulett eingewickelt gewesen.

Geschichten aus den vier Winden · 第 1 / 14 段