Da schallte aus weiter Ferne das Geheul einer Meute Hunde herüber,

schwieg wieder einen Augenblick, und erklang dann lauter und näher als

vorher. Jetzt konnte man schon die verschiedenen, tieferen und höheren

Töne einzelner Braken erkennen, und reißend schnell näherte sich die

Jagd der noch vor wenigen Augenblicken geräuschlosen Einsamkeit. -- Ein

Hirsch, der, um den Fliegen und Mosquito's zu entgehen, dicht versteckt

in einem kleinen Schilfdickicht gelegen hatte, sprang auf, streckte und

dehnte sich, horchte einige Sekunden lang dem näher und näher kommenden

Getos der Meute, und sprang dann mit langsamen aber weit gestreckten

graziösen Sätzen in's Gebüsch, einen stilleren, ungestörten Platz zu

seiner Ruhe zu wählen.

Jetzt schallte das Gebell klar und deutlich, wie nur wenige Schritte

entfernt aus den, mit dornigen Schlingpflanzen dicht durchflochtenen

und durchwachsenen Büschen; dürre Äste krachten, das trockene Laub

raschelte, das ganze Gewirr von Schlinggewächsen kam in Bewegung,

und heraus stürzte mit offenem, dampfenden Rachen, aus dem die rothe,

lechzende Zunge hing, mit zurückgelegten Ohren, mit gesträubtem Haar,

ein gewaltiger Bär, und versuchte über die kleine offene Fläche hinweg

das gegenüber liegende Dickicht zu erreichen. Ihm auf den Fersen aber

folgten fünf mächtige Hunde, und kaum hatte er die Hälfte der kleinen

Waldprairie durchrannt, als der schnellste und kräftigste von ihnen,

ein schwarz und grau gestreifter Bursche mit rothen, glühenden Augen und

fürchterlichem Gebiß, an seiner Seite war und ihn faßte.

Mit Blitzesschnelle wandte sich der Bär und versuchte seinen Verfolger

mit der Tatze zu erreichen und zu vernichten. Das kluge Thier aber, mit

dieser Jagd vertraut und die Gefahr kennend die in der, mit furchtbarer

Kraft geführten Tatze seines Feindes lag, entging durch einen gewandten

Seitensprung dem wohlgeführten Schlage. Ehe aber der Bär, der sich

augenblicklich wieder zur Flucht wandte, das Zurückprallen seines

Feindes benutzen konnte, das schützende Waldesdunkel zu erreichen, in

welchem wild über einander gestürzte Bäume der verfolgten Bestie den

größten Vorsprung gegeben haben würden, überholten die vier anderen

Rüden jetzt den Verfolgten und umzingelten im Nu das zur äußersten Wuth

gereizte Thier. Vergebens war's, daß sich dieses zur Wehr stellte, und

mit einer Gewandtheit, die Niemand dem anscheinend plumpen Geschöpfe

zugetraut haben würde, nach allen Seiten hin gegen die angreifenden

Hunde Front machte und sie zurückschlug; vergebens, daß schon drei der

kühnsten und unvorsichtigsten ihre Kampflust mit dem Tode gebüßt, und

erschlagen oder schwer verwundet am Boden zuckten; andere, die der Jagd

nicht so schnell hatten folgen können, nahmen die Plätze der Getödteten

ein, und griffen mit immer erneuerter Wuth den vom langen Lauf

erschöpften Bären an.

Durch einige wohlgeführte und todbringende Schläge jedoch, die

wieder zweien der Meute das Leben kosteten, verschaffte er sich einen

Augenblick Luft und stand schnaufend, mit glühendroth unterlaufenen

Augen, die weißen Zähne bis über das Zahnfleisch hinauf entblößt, einen

frischen Angriff erwartend, da, während die Hunde bellend und heulend

ihn umsprangen. Oft aber, indem sie schon einen raschen Anlauf

versuchten, wurden sie nur durch eine schnelle zuckende Bewegung, ein

Drehen des Kopfes, ein Blinzeln des Auges ihres gefürchteten Feindes

zurückgescheucht, daß sie winselnd zur Seite sprangen, gleich darauf so

viel eifriger ihre Angriffe zu wiederholen.

Da erscholl nahe und laut der Jagdruf ihres Herrn, des jungen Lobston.

-- Sie horchten; noch einmal ertönte der ermunternde Zuruf des jungen

Mannes, der seinem Vater, mit dem er die Jagd begonnen, voraus geeilt

war. Sobald er die Hunde hörte, trieb er sie zu neuen Anstrengungen, den

Feind aufzuhalten, bis er selbst mit Kugel und Messer den Gefährlichen

abfangen und das Land von ihm befreien könne. Schweren Schaden hatte der

Gefräßige nämlich den Heerden der Nachbarschaft zugefügt, und mancher

Hund war schon in seiner Verfolgung geopfert worden, wobei er sich bis

jetzt jedesmal durch seine ungemeine Schnelle und fürchterliche Kraft

den Feinden entzogen und gewisse, sichere Dickichte erreicht hatte, in

die ihm weder Hund noch Pferd folgen konnte und wollte.

Dießmal schien aber sein Schicksal besiegelt zu sein, denn mit Tigerwuth

und alle Gefahr verachtend, warfen sich jetzt die Hunde, von der Stimme

ihres Herrn gestachelt, auf den gemeinsamen Feind. Umsonst wüthete er

gegen sie mit Zahn und Tatze, umsonst erfaßte er den Lieblingshund des

jungen Lobston, gerade als dieser auf dem Kampfplatz erschien, in seine

tödtliche Umarmung, daß das gequälte Thier laut aufheulte und seinem

Herrn, den es schon dreimal aus Todesnoth gerettet hatte, wie Hilfe

rufend, entgegen schrie. Fang und Klaue verachtend, bedeckte die jetzt

zu rasender Wuth gereizte Meute den Bär, daß er mit ihnen, kämpfend und

um sich hauend, zu Boden stürzte.

Der junge Lobston war nahe bei dem rollenden, wogenden Knäuel, den die

wüthenden Thiere bildeten, vom Pferde gesprungen, und hatte mehrere

Augenblicke vergebens gesucht, dem Bären eine Kugel beizubringen. Kaum

hie und da konnte er auf Augenblicke ein Stück von dessen Fell sehen,

so hielten ihn die Hunde bedeckt, und die Büchse hinwerfend, das Messer

herausreißend, stürzte er sich gegen den Niedergeworfenen.

In demselben Augenblicke sprang dieser, wie durch Zauberei von den

Hunden befreit, die nach allen Himmelsrichtungen geschleudert von ihm

weg flogen, empor, und das erste, was sich seinen vernichtenden Blicken

zeigte, war sein grimmigster Feind, der mit geschwungenem Messer auf ihn

zustürzen wollte.

Der Anblick des mit Schaum und Blut fast überzogenen Thieres war

fürchterlich, und mit solcher schrecklichen Mordgier im Blick sprang es

auf den erschrockenen Jäger zu, daß dieser, der noch nie einen gereizten

Bären in seiner ganzen Furchtbarkeit geschaut hatte, sich entsetzt

wandte und zu fliehen versuchte.

Nur einen Angstschrei konnte er ausstoßen, als ihn die Bestie erreichte

und niederschlug; in demselben Augenblicke aber hatten sich auch die

Hunde wieder gesammelt, kamen ihrem jungen Herrn zu Hilfe, zwangen den

Bären, ihn loszulassen und folgten dem sich langsam Zurückziehenden in

den dichteren Wald.

Da krachten wieder die Büsche und dürren Äste desselben Dickichts, aus

welchem vor wenigen Minuten der junge Lobston herauskam, und dessen

Vater, ein alter, weißhaariger Greis, sprengte auf den Wahlplatz.

Sein Jagdhemd hing in Fetzen an ihm herunter, sein Gesicht war blutig

und zerrissen, und lang flatterten ihm die weißen Locken beim scharfen

Ritt um die Stirn. Auf der Hetze hatte er seine Mütze verloren, als

er im rasenden Sprung, bei dem Roß und Reiter in den unzerreißbaren

Schlingpflanzen hängen geblieben, über eine umgestürzte Eiche

hinweggesetzt, gestürzt und gegen einen Baum geschleudert war. Eben

wollte er, seinem Pferde die Hacken in die Seite setzend, über den

blutigen Fleck hinübersprengen, der Jagd zu folgen, als er seinen Sohn

ohnmächtig, das Gesicht der Erde zugekehrt, am Boden liegen sah, und

mit krampfhaftem Zucken das Pferd zurückriß, daß es hochaufbäumend sich

beinah mit dem wilden Reiter überschlagen hätte.

»William!« rief er mit vor Angst erstickter Stimme, »William -- um

Gotteswillen antworte, bist Du verwundet?« und alles Andere vergessend,

sprang er vom Pferd, das schnaubend und keuchend stehen blieb, und

versuchte den Sohn aufzurichten.

Dieser holte nur schwach Athem und schlug mit Mühe die Augen auf, den

Vater zu bewillkommnen. Sein Gesicht war todtenbleich und, wie seine

vorn ganz aufgerissenen Kleider, mit Blut überzogen.

Der alte Mann kniete neben ihm und legte den Kopf des Kindes auf sein

Knie, während der Verwundete zu lächeln versuchte. Da schlugen, nicht

sehr weit entfernt, die Hunde wieder wie rasend an, und heulten und

jauchzten, daß der alte Jäger unwillkürlich seinen Kopf hob und den

bekannten Tönen lauschte.

»Sie haben ihn auf einem Baume,« murmelte William leise.

»Ich weiß wohl, ich weiß wohl,« sagte der Alte, »aber laß ihn da sitzen

und laß die Hunde darunter verhungern; ich kann Dich nicht verlassen.«

»Geh -- geh,« bat der Sohn -- »o laß ihn dießmal nicht entkommen.«

»Aber, William, Du liegst schwer verwundet hier, ich weiß nicht einmal

wie schwer und ich sollte Dich jetzt verlassen? nicht um alle Bären in

Arkansas -- laß mich lieber sehen, wo Dich die Bestie getroffen hat,«

und mit vorsichtiger Hand versuchte er die Kleider zu entfernen, um die

Wunde zu entdecken; aber ein Schmerzensschrei des Kindes hinderte ihn,

und besorgt zog er die helfende Hand zurück.

»Es thut wohl recht weh?« fragte er ängstlich.

»Vater -- schieß den Bär,« bat der Sohn, »ich sterbe hier vor Ungeduld

-- höre nur, wie uns die Hunde rufen -- der alte Wolf ruft mich!«

»Aber soll ich Dich hier allein lassen?« fragte der Alte, noch

unschlüssig.

»Du bist in zehn Minuten wieder zurück, und wenn ich den Knall der

Büchse und den Sturz des Bären höre, werde ich wieder gesund!«

Die Hunde heulten jetzt wirklich auf eine herzzerreißende Art, und der

alte Jäger, von den Bitten des Sohnes und seinem eignen Wunsche, ein

schwerverwundetes Kind zu rächen, gedrängt, winkte dem ihm freudig

Zulächelnden noch ein kurzes Lebewohl, sprang auf sein Pferd und seinen

Jagdruf ausstoßend, der von der Meute jubelnd beantwortet wurde, war er

in wenigen Sekunden im Waldesdunkel verschwunden.

Bald darauf ließ das Bellen der Hunde nach, ein Augenblick ängstlichen

Stillschweigens, der früheren Todtenstille ähnlich, herrschte, und der

Verwundete hob sich mit unendlicher Mühe etwas auf seinem Ellbogen in

die Höhe, um sein Gesicht nach der Seite hin zu kehren, von welcher

her er den Schuß zu hören erwartete. Da krachte der scharfe Knall der

Büchse; die Hunde stießen einen Schrei aus, und gleich darauf schallte

der dumpfe Fall des schweren Thieres, das von seiner erklommenen Höhe

herabstürzte, zu dem jungen Mann herüber. Hochauf athmete der, und sank

zufrieden lächelnd auf die Wurzel des Baumes zurück, unter dem er lag.

Wenige Minuten darauf aber sprengte auch schon in vollem Carriere sein

Vater wieder zurück, warf sich vom Pferde und kniete an der Seite des

todtmatten jungen Mannes nieder, der bleich, mit geschlossenen Augen,

aber leise athmend da lag.

»William,« sagte er, leise seinen Arm berührend, »William -- schläfst

Du?«

»Nein, Vater,« hauchte der Kranke, die Augen aufschlagend und ihn

freundlich anblickend -- »hast Du den Bär?«

»Hier ist seine Tatze,« sagte der Alte, indem er dem Sohne die blutige,

abgeschnittene Tatze des Ungethüms hinhielt -- »der ist nicht mehr

schädlich.«

»Nun sterb' ich gern,« hauchte der Jüngling, und erfaßte seines Vaters

Hand.

»Sterben, William? Thorheit -- komm, sei ein Mann; steh' auf, komm, ich

helfe Dir,« und mit Todesangst im Blick, versuchte er den Verwundeten zu

unterstützen.

»Vater, Du thust mir weh!« seufzte dieser.

»Um Gotteswillen, wo fehlt es Dir denn?« fragte der alte Mann, jetzt

wirklich zum ersten Mal die Möglichkeit vor Augen sehend, daß sein Sohn

zum Tode verwundet sein könne.

»Hier,« sagte dieser, indem er auf seine rechte Brust zeigte -- »hier --

es ist Alles aufgerissen, im Rücken sticht es auch recht -- und -- die

Mosquito's sind so bös.«

»William,« fragte der Vater in seiner Herzensangst, »kannst Du reiten?«

Der Sohn schüttelte traurig den Kopf.

In Todesangst rang der Vater die Hände und stöhnte endlich mit leiser,

drängender Stimme:

»Aber hier kannst Du nicht liegen bleiben, William; die Insekten

brächten Dich um, kein Mensch könnte Dich pflegen und Du müßtest

verschmachten, wenn die Sonne morgen wieder so heiß wie heute brennt.

Wir sind aber kaum vier Meilen von unserem Haus, Du weißt, der Bär

wandte sich ganz wieder dem Flusse zu und es kann kaum 200 Schritt bis

zur Bayou sein. Ich will Dich aufnehmen und tragen; ich thue es gewiß

vorsichtig!«

»Ach, ich bin zu schwer für Dich, Vater!« seufzte der junge Mann.

»Nein, nein, William, ich habe Dich zu tausendmal getragen. Damals warst

Du freilich noch kleiner und ich war stärker, Du bist aber jetzt krank

und ich will Dich schon vorsichtig fortbringen.«

Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, beugte er sich nieder, hob leise

und sanft den Verwundeten auf, nahm ihn in seine Arme und wanderte mit

starken Schritten heimwärts, fortwährend in das bleiche Antlitz

seines Sohnes schauend, das bei jedem Fehltritt, bei der geringsten

Erschütterung schmerzhaft zusammenzuckte und dessen Farbe mit jedem

Augenblicke fahler und bleicher wurde. Zwei Meilen mochte der alte

Lobston den Sohn wie ein krankes Kind also getragen haben, als dieser

flehend bat ihn nieder zu legen und ruhen zu lassen, er könne es nicht

mehr aushalten. Der Vater willfahrte der Bitte und legte ihn in's

Gras, und brachte ihm in seinem Blechbecher, den er am Gürtel trug, zu

trinken; dann aber trieb er auch um so mehr, das schützende Obdach

des Hauses zu erreichen, aus der Nachbarschaft dort weibliche Pflege

herbeizuholen.

Sanft nahm er den Verwundeten wieder auf und trug ihn mit unendlicher

Mühe durch die Unzahl hochaufwachsender Cypressenwurzeln, die den Weg

überall unterbrachen. Ängstlich vermied er dabei auch die kleinste

Erschütterung, während keiner von ihnen weiter ein Wort sprach, bis der

Vater endlich das, ihm peinlich werdende Schweigen brach und, sich zum

Sohne niederbeugend, lispelte:

»Nur noch eine Viertelstunde, mein William, nur noch eine Viertelstunde,

dann lege ich Dich sanft auf Dein Bett und rufe Nachbar Spellens Anna.

Die soll Dich pflegen und dann wird Dir bald wieder besser werden. Zu

Hause nehmen wir auch die blutigen Kleider ab und -- aber William,«

unterbrach er sich ängstlich, indem er still stand.

Der Sohn schlug noch einmal die Augen zu ihm auf, öffnete den Mund, als

wenn er reden wollte, streckte sich und athmete tief auf, während ein

tiefer Schmerz ihm durch das Antlitz zuckte.

»William!« rief der Greis entsetzt, »William! so antworte doch -- thue

ich Dir weh? --«

Der Sohn antwortete nicht mehr -- er war todt.

Der Vater legte den Körper in's Gras, rieb ihm die Schläfe, nahm seinen

Kopf auf den Schooß, erfaßte seine Hände; es war nutzlos, sein Kind war

todt.

Da übermannte ihn einen Augenblick sein Gefühl; er warf sich auf den

Leichnam und schluchzte laut; dann aber, sich gewaltsam sammelnd, stand

er ruhig auf, nahm die Leiche wieder in seine Arme, und trug sie, so

sorgfältig als er das verwundete Kind gehalten hatte, dem jetzt nur noch

wenige hundert Schritte entfernten Hause zu. Dort angekommen, legte er

die Leiche auf das Bett, rückte einen Sessel daneben und des Kindes Hand

in die seinige nehmend, legte er seinen Finger auf dessen Pulsader, um

den leisesten Schlag derselben zu vernehmen, das unbedeutendste Zucken

seiner Augenlider zu bemerken. Es war die letzte Hoffnung des Vaters,

dem starren unerbittlichen Tode gegenüber.

Ruhig und geduldig, ja vielleicht ohne sie zu bemerken, hielt der Greis

die Stiche von ganzen Schaaren Mosquito's aus, die ihn umschwärmten,

beobachtete sogar mit fieberhafter Spannung die einzelnen der kleinen

Blutsauger, wenn sie sich auf das Gesicht der Leiche niederließen, zu

entdecken, ob noch nicht aller Lebenssaft aus den Adern des einzigen

Kindes gewichen sei. Die Mosquito's aber senkten ihren Stachel in die

Haut und tauchten umsonst mit der langen Spitze desselben nach der

warmen Nahrung, zogen ihn wieder heraus, versuchten an einer anderen

Stelle und verließen dann, summend und unmuthig, den blutlosen Leichnam.

So kam die Nacht; der alte Mann stand auf und zündete ein Licht, von

Hirschtalg und Bienenwachs gegossen, an, das er auf den Tisch stellte

und denselben nahe zum Bett rückte. Dann setzte er sich selbst wieder

auf seine alte Stelle, und die Hand des Kindes in der seinigen,

erwartete er das erste Tageslicht. Als nun endlich der Morgen dämmerte,

die Sonne hinter den Baumwipfeln emportauchte, da stand er auf,

ging hinaus, nahm eine Hacke und fing an das Grab seines Erst- und

Einzig-Geborenen zu bereiten.

Als die Grube tief genug war, wickelte er die Leiche in die wollene

Jagddecke, küßte noch einmal Lippe und Stirn des Kindes, senkte ihn

sanft hinab, legte dachartig lange Schindeln über ihn hinweg, daß ihn

die Erdschollen nicht berühren konnten und füllte das Grab aus.

Das beendet, rollte er mit unsäglicher Mühe einen abgehauenen, zu

Fenzstangen bestimmten Eichenstamm auf das Grab, schlug die Rinde

oben ab, und grub mit seinem schweren Jagdmesser, das er meiselartig

gebrauchte, den Namen seines Sohnes in rohen Buchstaben auf den Stamm.

An demselben Tag noch fing er die beiden Pferde wieder auf, die er an

dem gestrigen Unglücksabend im Walde verlassen hatte, bepackte sie mit

dem Nöthigsten, was er bei einer neuen Ansiedelung zunächst zu brauchen

glaubte, und zog über den Arkansas hinüber nach den Masserne-Gebirgen,

dort ungestört den Tod seines geliebten Kindes beweinen zu können.

Das Haus stand verlassen und öde, der Stamm aber, der auf dem Grab des

Jägers lag, war jeden Sonntag Morgen mit frischen, bunten Waldblumen

geschmückt. Ein junges Mädchen kniete dann wohl eine Stunde lang, die

Stirne auf die rauhe Rinde gepreßt, still daneben und netzte mit ihren

Thränen die rauhe Decke des jungen Backwoodsman.

Druck von _Alexander Wiede_ in Leipzig.

[

Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Großgeschriebene

Umlaute waren im Original als Ae, Oe und Ue abgedruckt und wurden durch

Ä, Ö und Ü ersetzt. Offensichtliche Wortfehler wurden korrigiert, bei

Zweifeln der Originaltext beibehalten. Eine Liste der vorgenommenen

Änderungen befindet sich hier am Buchende, Änderungen in der Zeichensetzung

sind dort nicht aufgeführt.

Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt:

Sperrung: _gesperrter Text_

Antiquaschrift: =Antiquatext=

Änderungen

Seitenangabe

originaler Text

geänderter Text

im Inhaltsverzeichnis

Herrn von Sechingen im Urwald gefiel 1

Herrn von Sechingen im Urwald gefiel 219

Seite 261

undankbarer Mensch -- Charleh Fischer ein -- Aufschneider sei.

undankbarer Mensch -- Charley Fischer ein -- Aufschneider sei.

Seite 274

Sie sind mir so wilkommen, wie die Blumen im Mai

Sie sind mir so willkommen, wie die Blumen im Mai

Seite 281

scheint dann die liebe Sonne und zwischern die muntern Vögel

scheint dann die liebe Sonne und zwitschern die muntern Vögel

Seite 284

mit allem möglichen Schies- und Jagdgeräth behangen

mit allem möglichen Schieß- und Jagdgeräth behangen

Seite 293

den Ohio, einen großen, schönen Strom

den Ohio, einem großen, schönen Strom

Seite 315

sich die Verhältnisse ziemlich gleich leiben,

sich die Verhältnisse ziemlich gleich bleiben,

Seite 317

bis einer der Sitzenden aufstand, welchen er dann

bis einer der Sitzenden aufstand, welchem er dann

Seite 335

an's Herz legte, das letzverübte Verbrechen zu gestehen,

an's Herz legte, das letztverübte Verbrechen zu gestehen,

Seite 336

das er glaube einen Menschen hier in der Gegend gesehen zu haben

daß er glaube einen Menschen hier in der Gegend gesehen zu haben

Seite 366

Der Irländer erkläre, er könne keine hundert Schritte

Der Irländer erklärte, er könne keine hundert Schritte

Seite 368

mit zugeschnürter Kehle an einem Chesnutast in Pensylvanien

mit zugeschnürter Kehle an einem Chestnutast in Pensylvanien

Seite 388

In Louisiana besteht der Haupnutzen des Pedlars

In Louisiana besteht der Hauptnutzen des Pedlars

Seite 403

Aus ist der Preis gerade für diesen Artikel

Auch ist der Preis gerade für diesen Artikel

Seite 404

Diese Krämerboote zeichnen sich vor den ernsteren Kameraden

Diese Krämerboote zeichnen sich vor den ersteren Kameraden

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Amerikanische Wald- und Strombilder. Zweiter Band. · 第 11 / 11 段