Doch vergebens war dießmal ihr leises, flehendes Winseln, mit dem sie

den Schuß ihres Herrn zu beeilen glaubten; dieser schien sich plötzlich

anders besonnen zu haben, setzte die Büchse ab, und begann auf's

Neue den Baum, fast mit noch größerer Aufmerksamkeit als vorher, zu

untersuchen.

Nach langem, bedächtigen Ausblicken schien er sich endlich von dem, was

er wissen wollte, überzeugt zu haben, stellte seine Büchse gegen einen

umgestürzten Stamm, der nicht weit vom Baume lag, schnallte seinen

Gürtel ab, in welchem Messer und Tomahawk staken, zog sein Jagdhemd

aus und kehrte dann mit dem Gürtel, den er in der Hand hielt, zur Eiche

zurück, welche die Hunde, die zwar aufmerksam allen Bewegungen ihres

Herrn gefolgt waren, dennoch nicht aus den Augen ließen.

»Ich versuchs,« murmelte er endlich vor sich hin, »ich versuch's und

fang ihn lebendig; bringe ich den jungen Panther nach Little Rock, so

bekomme ich dort mit Leichtigkeit meine 10-15 Dollars für ihn, schieß

ich ihn dagegen, so ist das Fell keinen Bit werth. Die Alte muß überdieß

geflohen sein, denn ich kann sie nirgends im Baume sehen, und für

10 Dollars läßt man sich schon einmal von solch einem jungen Teufel

kratzen; also Pantherchen, paß auf, ich komme!«

Mit diesen Worten ging er zu seinem Pferde, das ruhig graste, schlang

einen Strick, der um dessen Hals gewunden war, von demselben ab,

schnallte seinen eigenen Gürtel wieder um, in den er das Messer steckte,

den Tomahawk aber zurückließ, und begann den starken Baum, den er nicht

umklammern konnte, zu ersteigen, indem er das Seil, dreifach genommen,

um den Stamm warf, die beiden Enden desselben, und zwar so kurz, als er

sie fassen konnte, ergriff, und dann mit deren Hülfe, indem er bald mit

dem rechten, bald wieder mit dem linken Arme sich bedächtig am Baume in

die Höhe zog, denselben erstieg.

Die Hunde verstanden augenblicklich, was er beabsichtige und umsprangen

winselnd und jauchzend die Wurzeln der Eiche.

Langsam zwar, aber sicher klomm er an dem geraden, schlanken Stamm, wohl

40 Fuß empor, ehe er an die ersten Äste kam und dort einen Augenblick

Athem schöpfen und sich ausruhen konnte; hier fühlte er auch nach seinem

Messer, ob das noch fest stak, blickte zum jungen Panther, der noch

bewegungslos an demselben Ast wie früher angeschmiegt lag, empor,

schlang sich jetzt das Seil, dessen er nun, da er die Äste zum Anhalten

hatte, nicht mehr bedurfte, um die Schultern, und stieg, gewandt die

Zweige als Sprossen seiner natürlichen Leiter benutzend, schnell und

leicht zu dem jungen Panther hinauf, der zwar, ohne sich zu regen,

liegen blieb, aber dennoch die glühenden Blicke fest auf den nahenden

Feind geheftet hielt.

Aber noch andere und wildere Blicke beobachteten und bewachten das

Fortschreiten des Jägers, der von solch grimmiger, gefährlicher Nähe

keine Ahnung hatte, und zwar Niemand anders als die Mutter des Jungen,

die auf einem dicht danebenstehenden verdorrten Baume, dessen Zweige in

die des andern hineinragten, auf einen Ast niedergeduckt, zum Sprunge

fertig da lag und mit dem Schwanze leise wedelnd nur die noch weitere

Annäherung des Jägers zu erwarten schien, um mit gewaltigem Satze sich

auf den Kühnen, der ihre Brut greifen wollte, zu werfen, und ihn mit

Zahn und Tatze zu vernichten.

Sorglos schwang sich _Wiston_ von Ast zu Ast, und war schon dicht unter

dem Jungen, das sich jetzt leise erhob und nach Art der Katzen den

Rücken biegend auf dem Aste stand und nach dem Jäger herunterschaute,

die Gefahr, welche dessen Nähe mit sich brachte, noch nicht so recht

begreifend; da hielt der Jäger, wand das Seil von seinen Schultern,

machte schnell eine Schlinge daraus, um sie über den Kopf des Jungen zu

werfen, und schaute, sich auf zwei anderen Ästen feststellend, eben

zu diesem empor, um den rechten Zeitpunct abzuwarten, als er, gerade

gegenüber, kaum zehn Schritte von sich entfernt, in die glühenden

Augen der Pantherin blickte, die sich eben zum entscheidenden Sprunge

niederbog.

Von Kindheit auf im Walde erzogen und mit den Gefahren, die den

einsamen Jäger so oft bedrohen, bekannt und vertraut, behielt er in

dem fürchterlichen Augenblick Besinnung genug, schnell und ehe der ihm

gegenüber liegende Feind seine Absicht errathen konnte, den Stamm der

Eiche, auf dem er stand, zwischen sich und die Bestie zu bringen, was

ihm durch eine rasche Bewegung gelang; es war aber die höchste Zeit

gewesen, denn in demselben Momente schnellte auch die dunkle Gestalt des

Panthers auf den Platz, den er eben verlassen hatte, herüber, und seine

glühenden Augen schauten in die des unerschrockenen Jägers, der den

linken Arm um einen Zweig gewunden, in der Rechten das blanke Messer,

mit jedem Athemzuge erwartete, das gereizte Thier auf sich herabspringen

zu sehen.

Die Pantherin jedoch, durch das Auge, das Jener fest auf sie geheftet

hielt, eingeschüchtert, begnügte sich damit ihr Junges beschützt

zu wissen, und jede Bewegung ihres Feindes auf das Aufmerksamste zu

beobachten, während sie, kaum sechs Fuß von ihm entfernt, mit dem

Schweife wedelnd da lag.

Zuerst glaubte sich _Wiston_ verloren, denn wenn auch sein Messer eine

gute und starke Waffe selbst gegen den grimmigsten Feind sein konnte, so

war doch schon der Platz allein, wo er stand, und wo ihn der geringste

Fehltritt zerschmettert in die Tiefe gesandt haben würde, nicht zu einem

Kampf mit solchem Feinde geeignet; kaum fand er daher, daß sein Gegner

sich damit begnügte, ihn zu bewachen, als er schnell, aber vorsichtig

und ohne irgend eine rasche Bewegung zu machen, die das Ungethüm hätte

reizen können, das Messer in die Scheide schob und langsam seinen

Rückzug antrat.

Der Panther, als er sah, daß Jener sich mehr und mehr von ihm entfernte,

folgte ihm langsam, und mehreremal zuckte _Wiston's_ Hand nach dem

Stahl, wenn sich die schlanke Gestalt der Katze zum Sprung niederbog,

immer aber konnte sich diese nicht zu einem offenen Angriff, Aug' in

Aug, entschließen.

So erreichte er den untersten Ast wieder, schlang das Seil um den Stamm,

erfaßte beide Ende desselben, und glitt bedächtig, aber doch so schnell

als möglich hinab. Die Hunde hatten aber indessen ihren Feind in den

Ästen bemerkt, wie er ihrem Herrn folgte, und in toller Wuth, fast zur

Verzweiflung getrieben, daß sie ihn nicht erreichen konnten, sprangen

sie empor und bellten und heulten auf eine herzbrechende Art.

Endlich gewann _Wiston_ wieder den festen sicheren Boden; seine Kleider

waren zerrissen, das Blut tropfte von seinen Armen, denn die rauhe Rinde

des Stammes hatte sie zerschnitten, seine Kräfte waren erschöpft und

seine Kniee zitterten; aber nicht einen Augenblick vergönnte er sich

zum Ausruhen, sondern sprang zu dem Ort, wo seine Büchse lehnte, ergriff

diese und hob sie, um den Panther aus seiner sicher geträumten Höhe

herabzuholen; aber vergebens bemühte er sich das schwere Rohr auch

nur eine Secunde lang still und unbeweglich zu halten, seine Glieder

zitterten, und er war genöthigt sich niederzuwerfen, um auszuruhen. Aber

kein Auge wandte er von der, jetzt dicht an den Stamm angeschmiegten

Gestalt der Bestie, neben der das Junge, keine Gefahr weiter fürchtend,

mit emporgehobenem Schweife, auf einem etwas vortretenden Aste stand,

und sich behaglich an der Mutter strich.

_Wiston_ erholte sich bald, faßte noch einmal seine Büchse, zielte lange

und sicher, und donnernd schallte das Echo von fernen Hügeln herüber.

Die Bestie, vom tödtlichen Blei durchbohrt, zuckte zusammen, sprang

empor und kletterte in wilder Eile von Zweig zu Zweig in den Gipfel

des Baumes; die dünnen Äste schwankten unter ihr; jetzt hatte sie

den höchsten Punct erreicht -- höher hinauf wollte sie; das schwache

Laubwerk gab nach -- sie stürzte, faßte noch mit den gewaltigen Tatzen

im Herunterfallen nach den Blättern und Ranken und schmetterte, von den

Hunden heulend erwartet, verendet zu den Füßen _Wiston's_ nieder.

Zwar stand diesem jetzt kein weiteres Hinderniß entgegen, das Junge

lebendig zu fangen, das ängstlich bis zu den niedrigsten Ästen des

Baumes der Mutter gefolgt war, doch hatte er das erste Mal seine Kräfte

zu sehr angestrengt, und vermochte nicht auf's Neue den beschwerlichen

Weg anzutreten; er lud daher seine Büchse wieder und brachte es mit

sicherem Schusse in den Bereich der Hunde, die mit grimmiger Wuth über

dasselbe herfielen.

In wenigen Minuten waren die Felle abgestreift und auf den Pony

geworfen, und von den Hunden gefolgt, trabte der kühne Jäger neuer Beute

und neuen Gefahren entgegen.

Wandernde Krämer.

In den Vereinigten Staaten, wo die Farmer und Pflanzer nicht, wie in

Europa, in Dörfern und Marktflecken zusammen, sondern vereinzelt auf

ihrem eigenen Lande und von diesem umgeben wohnen, ist natürlich der

Handel und Verkehr zwischen den verschiedenen, isolirt liegenden und

oft meilenweit von einander getrennten Besitzungen, wenn auch nicht

gehindert, doch sehr erschwert, und feststehende Kaufläden könnten nur

denen zum Nutzen und zur Bequemlichkeit gereichen, deren Ansiedelung

sich gerade in ihrer Nähe befänden.

Da nun aber der Farmer nicht gern sein Land verläßt, an das ihn

dringende Arbeiten fesseln, um irgend einen kleinen unbedeutenden

Gegenstand, den er vielleicht auch entbehren kann, einzukaufen, und

sich lieber einmal eine Zeitlang ohne solche Gegenstände behilft, die er

sich, wenn er sie eben bei der Hand hätte, wirklich anschaffen würde, so

fanden es die Handelsleute bald für nöthig, anstatt auf seinen Besuch zu

warten, ihn selbst aufzusuchen, und durchzogen nun entweder in eigener

Person mit ihren Waarenpäcken das Land oder schickten ihre Leute aus,

während sie dem Laden zu Hause vorstanden.

Vorzüglich fanden die Deutschen an dieser Beschäftigung Geschmack,

besonders unter diesen die Israeliten, (denn von all den wandernden

_deutschen_ Krämern in ganz Amerika sind kaum ein Hundertstel

Christen) und von New-York und New-Orleans, später von Cincinnati aus

durchstreiften sie mit unermüdlicher Ausdauer jeden Winkel der Union.

Der Handel ist das Lebensprincip der Israeliten, davon liefert Amerika

den unläugbaren Beweis; dort wird ihnen keine Schranke gesteckt, in der

sie sich bewegen müssen; dort sind sie durch Vorurtheile oder Gesetze an

keine Beschäftigung, an kein Gewerbe gebunden, sie stehen mit der ganzen

übrigen Bevölkerung auf Einer Stufe; was sie aber auch im Vaterlande

getrieben haben mögen, welches Handwerk, welche Kunst, es bleibt sich

gleich, in Amerika, wo sie wählen dürfen, greifen sie nach dem Handel

und werden mit sehr wenigen Ausnahmen Kaufleute, oder geht das nicht,

Krämer und Hausirer, wie man sie dort nennt, »Pedlars.« Zwar ist ein

kleiner Theil dieser Pedlar, wie schon gesagt, Christen; doch dieser

sind so wenige und sie verlieren sich so sehr unter der Masse, daß sie

kaum einer Erwähnung verdienen, und nur die wirklichen Yankees (die

Bewohner der nordöstlichen Staaten der Union) concurriren bedeutend mit

ihnen, und nehmen auch wirklich in diesem Geschäftszweig, selbst den

Juden gegenüber, den ersten Rang ein. Wir aber haben es hier erst

vor allen Dingen mit den Deutschen zu thun. -- In einem der Seehäfen

angekommen besteht die Baarschaft der wandernden Krämer, wenigstens die

der ärmern Classe, gewöhnlich noch aus wenigen Dollars, mit denen sie

denn auch nicht säumen, ohne weiteren Zeitverlust ein »Geschäft zu

beginnen.« Ein schmaler Korb (zum Umhängen) wird vor allen Dingen

angeschafft, dahinein ein kleiner Vorrath von etwas Band und Zwirn,

einige Kämme und Zahnbürsten, Hosenträger und Zahnstocher, wunderbar

schimmernde Hemdknöpfchen und Näh- und Stecknadeln und andere derartige

Sachen gekauft, und der Weg zu ihrem Glück ist gebahnt.

Noch versteht der angehende Kaufmann keine Sylbe von der Sprache des

Landes, das er jetzt zu seiner Heimath gemacht hat, =yes= und =no= und

noch ein paar kleine Hülfswörter, wie =very cheap= (sehr billig)

und =very good= (sehr gut) ausgenommen, mit einer liebenswürdigen

Dreistigkeit aber sucht er vorzüglich die amerikanischen Häuser auf

(denn die Deutschen selbst sind schlechte Kunden), und knüpft hier

mit der Hülfe von solch barbarischen Wörtern und lebensgefährlichen

Gesticulationen ein Gespräch an, daß die Leute, wenn sie nicht den ohne

alles weitere Eintretenden beim ersten Anlauf aus der Thüre werfen, sehr

häufig geneigt sind eine Kleinigkeit zu kaufen, die sie natürlich im

Leben nicht benutzen können, blos um das Mienen- und Gebärdenspiel wie

die außerordentliche Unterhaltung des »jungen Amerikaners« eine kurze

Zeit zu genießen.

Das dauert aber nur wenige Monate; in fast unglaublich kurzer Zeit

lernt der Pedlar die Landessprache wenigstens so weit, daß er sich

verständlich ausdrücken kann, und nun beginnt das eigentliche Leben

desselben.

Wie der Schmetterling aus der Puppe, so kriecht er mit seinem mächtigen

Packen und einem tüchtigen Wanderstab versehen aus den Straßen der engen

Stadt hervor und flattert, wenn man überhaupt mit einem Waarenballen von

einigen 60 Pfund auf den Schultern flattern kann, hinaus ins Weite, den

fernwohnenden Farmern das an Herrlichkeiten zuzutragen, was er entweder

auf Auctionen mit baarem Gelde eingekauft, oder von bekannten Kaufleuten

auf Credit erhalten hat.

In dem Staat, in welchem er Handel treibt, muß er freilich eine

bestimmte Taxe, sogenannte Licence entrichten, weiter ist er aber auch

in nichts gebunden, und kann an Waaren ausbieten, was ihm nur immer

und wo es ihm beliebt; deshalb haben sie sich auch über die ganzen

östlichen, südlichen und mittlern Staaten ausgebreitet, und nur die ganz

westlich liegenden größtentheils den Amerikanern überlassen, da dort die

Gegend noch zu unbebaut ist und ihnen der Anblick von wilden Thieren,

die, wenn auch einzeln, doch dann und wann umherstreifen, keineswegs zu

behagen scheint.

Natürlich wählt sich der Pedlar stets _den_ Strich Landes, auf welchem

die meisten Ansiedlungen liegen und der noch am wenigsten von seinen

Collegen heimgesucht ist; dort geht er dann von Farm zu Farm und fragt,

ob die Inwohnenden etwas von Waaren nöthig haben. Gewöhnlich lautet

die Antwort »nein.« Da aber der Mann selten zu Hause ist und die Frauen

stets gerne sehen möchten, was der Krämer denn eigentlich in dem großen,

schweren Packen für Kostbarkeiten verborgen trägt, so erhält dieser

leicht die Erlaubniß seinen Ballen zu öffnen und seine Waaren

auszubreiten. Erhält er die übrigens auch nicht, so bleibt sich das im

Grunde gleich, denn öffnen thut er ihn doch, und seine Sachen zeigt

er auch vor, ehe er geht, Stück für Stück, ob er nun freundliche oder

mürrische Zuschauer um sich sieht.

Das Ausbreiten der Waaren in einsamer, den Städten fernliegender Hütte,

hat aber seinen doppelten Nutzen; erstlich sehen die Bewohner derselben

so viele Sachen, welche sie gut gebrauchen können, ja deren sie wohl gar

nothwendig bedürfen, vor sich und werden dadurch an manche Kleinigkeit

erinnert, die sie sonst vergessen hätten; und dann gewinnt auch

die Waare selbst, in der unscheinbaren niedern Hütte, auf dem rohen

Holztisch, in der ganzen hausbackenen Umgebung zur Schau gestellt, ein

ganz anderes Ansehen. Wie verführerisch glänzen die schildpattähnlich

gemalten Hornkämme von dem schlauen Krämer gegen den dunkeln Scheitel

des neben ihm stehenden erröthenden Mägdeleins gehalten; wie feenhaft

zauberisch glitzern die mächtig großen Vorstecknadeln und Ohrgehänge

auf den sauber gebürsteten, schwarzen sammtmanchesternen Kissen und die

goldenen Ringe mit den Brillanten und Rubinen auf der schwarzen Rolle

aufgereiht wie Bretzeln am Fenster eines Bäckerladens; welche kaum

geahnte Pracht eröffnet sich nicht in den jetzt aufgeschlagenen Stücken

Kattun, dessen wunderliche Muster, mit den blitzähnlichen Zickzacks und

unzähligen Monden und Sternen selbst der ältern Farmersfrau ein

lautes »Ach« der Bewunderung entlocken; und dann erst gar die seidenen

Halstücher und Bänder, die Perlmutterknöpfe und Haarnadeln mit den

kleinen farbigen Glaskugeln oben drauf, die Haarschleifen und Armbänder,

die Ketten und feuerstrahlenden Ohrringe, das alles muß in einem solchen

Blockhaus, mitten im Walde gesehen werden, um ganz den, wenigstens für

den Verkäufer wünschenswerthen und günstigen Eindruck hervorzubringen.

Der Pedlar läßt seine Waaren gewöhnlich nur für baar Geld aus den

Händen; kennt er aber seine Leute oder sieht er an der ganzen Umgebung,

daß er gerade nicht viel zu fürchten hat, so creditirt er wenigstens

einen Theil derselben, was ihm zu gleicher Zeit Entschuldigung für einen

zweiten Besuch gewährt. Ein anderes ist es mit den »Jewelry pedlars«

oder denen, die nur goldene Schmuckwaaren, einige Taschenuhren und

_silberne_ Löffel führen. Diese geben _nie_ Credit, weil sie aus sehr

vernünftigen Gründen nie ein und denselben Ort zweimal besuchen: sie

trauen dem Frieden nicht recht und sind selten geneigt, dem Mann wieder

unter die Augen zu treten, dem sie früher von ihren Waaren verkauft

haben.

Der größte Betrug wird in dieser Hinsicht mit den Argentan-Löffeln

getrieben, die in den Städten unter dem Namen =german silver=

oder deutsches Silber bekannt sind und wo, besonders in Ohio, den

leichtgläubigen Farmern unter dem Vorwande, daß _deutsches_ Silber nur

eine andere Art, aber sonst eben so gut sei, das Dutzend Eßlöffel zu

18 und 20 Dollars verkauft wurde. Hätten die Gesetze in diesen Fällen

wirklich einschreiten wollen, so würden sie nichts haben ausrichten

können, denn die Waare war unter dem rechten Namen, »deutsches Silber,«

wenn auch zu einem übermäßigen Preise, verkauft, die Landleute selbst

aber, welche mit der Zeit, obgleich erst durch Schaden, klug wurden,

schwuren nachher freilich dem Pedlar, sobald er sich wieder blicken

lassen würde, furchtbare Strafe zu. Dieser jedoch trieb dann schon

in einem anderen Staat, entweder weiter westlich oder südlich, -- wer

konnte sagen wohin er gezogen, -- sein Wesen, und nur wenige Jahre

bedurfte es, so hatte sich der arme Packträger ein Pferd oder gar einen

kleinen Wagen angeschafft, auf dem er jetzt seine Waaren, in bedeutend

größerer und besserer Auswahl, durch das Land fuhr.

Louisiana besonders wimmelt von diesen Leuten und es kommt dort vor,

daß mehrere derselben zusammenlegen und sich ein Pferd gemeinschaftlich

kaufen, um ihre Waarenballen fortzuschaffen; das arme Thier ist aber

dann wahrlich zu bedauern, denn erstens muß es die sicherlich übermäßige

Last, und gewöhnlich auch noch abwechselnd einen der hoffnungsvollen

Jünger Mercurs schleppen, und nicht selten geschieht es dann, daß solch

ein gequältes Geschöpf zusammenbricht und nicht weiter kann.

In Louisiana besteht der Hauptnutzen des Pedlars in dem Verkehr mit den

Negern und besonders den Negerinnen, welche, da sie die Plantagen nicht

verlassen dürfen, für alles das, was sie gebrauchen, einzig und allein

auf diese wandernden Krämer angewiesen sind. Den jungen Mulattinnen und

Mestizen fehlt es dabei nicht an Geld, besonders wenn sie schön

sind, und sie wissen den Minnesold natürlich auf keine andere Art zu

verwenden, als daß sie Putz und Kleider dafür einkaufen, die ihnen

von den geschäftigen Deutschen in reicher Auswahl zugeführt werden.

Grellrothe Tücher, Glasperlen, auffallend bunte Kattune und alle Arten

von Schmuck finden hier einen ausgezeichneten Markt, und der Nutzen an

diesen Gegenständen, die spottbillig auf den Auctionen in New-Orleans

eingekauft werden, ist bedeutend. Am meisten verdienen diese Leute aber

mit dem verbotenen Handel, wie das fast stets der Fall ist.

Den Negern dürfen sie nämlich keinen Whiskey verkaufen, wie überhaupt

kein Kaufmann in den Sklavenstaaten; und die Strafen, welche für

Übertretung dieses Gesetzes bestimmt sind, werden sehr streng

beobachtet; der Krämer weiß aber der Gefahr entdeckt zu werden, sehr gut

zu entgehen; Verrath ist von den Negern selbst nicht zu befürchten und

eine mittlere, doppelte Wand im Wagen birgt den geheimen Schatz, aus dem

sie heimlich die Flaschen der durstigen Sklaven füllen.

Viel bedeutendere Geschäfte machen übrigens in diesem Artikel die großen

Flat- und Kielboote, welche für den heimlich ausgeschenkten Whiskey,

wenn sie einmal eine kurze Zeit am Ufer anlegen, Landesproducte

annehmen, als Hühner, Ferkel, Truthühner, Mais und was die Sklaven

sonst selber ziehen oder in der Geschwindigkeit stehlen können, welche

Gegenstände der wandernde Krämer freilich nicht im Handel annehmen kann,

da er keinen Ort hat, an dem es möglich wäre, diese Sachen zu verbergen,

auch bliebe ihm, im Fall es entdeckt würde, kein Weg zur Flucht

offen, während die Bootsleute weiter nichts zu thun haben, als ihr Tau

loszubinden, wo sie in wenigen Stunden mit dem Strome hinabtreibend

unter der Masse ähnlicher Fahrzeuge verschwinden und vielleicht zehn

Meilen weit unten denselben Handel auf's neue beginnen.

Wunderbar ist es übrigens in der That, wie diese Pedlars, besonders in

einigen Staaten noch, ihren Lebensunterhalt verdienen können, denn

z. B. Louisiana, Ohio, Pennsylvanien und selbst Kentucky sind mit ihnen

ordentlich überschwemmt; die Amerikaner kennen sie aber schon, wissen,

daß es wirklich positive Unmöglichkeit ist, einen derselben loszuwerden,

ohne ihm eine Kleinigkeit abzukaufen und fügen sich dann auch meistens

mit vieler Ruhe in das doch einmal unvermeidliche Schicksal.

Hat sich der Pedlar nun endlich nach langen, mühsam und auf der

Landstraße durchlebten Jahren etwas erspart, so giebt er das wandernde

Leben auf und wird »Storekeeper,« d. h. er miethet sich irgendwo an der

Dampfboot-Landung eines kleinen Städtchens oder einer Stadt, und ist das

nicht möglich, im Innern des Ortes selbst einen Laden, und beginnt ein

Geschäft mit fertigen Kleidungsstücken, inclusive Hüten, Mützen, Schuhen

und Stiefeln, Messern, Pistolen, goldenen Ringen und Vorstecknadeln.

Die sämmtlichen Kleiderläden der Vereinigten Staaten (es bestehen deren

Tausende) gehören auf diese Art, mit nur sehr wenig Ausnahmen, deutschen

Israeliten, von denen viele in kurzen Jahren ein recht anständiges

Vermögen zusammengescharrt haben, und sämmtliche Städte eben dieser

Staaten, die an einem Fluß oder sonstigen Wassercours liegen, sind

auf diese Art im wahren Sinne des Wortes mit wehenden und flatternden

Kleidungsstücken garnirt, zwischen denen unter jeder Thür ein mit vieler

Aufmerksamkeit frisirter, sehr elegant gekleideter, und die rothen

Finger mit Ringen, die scheinende Weste mit Ketten und Vorstecknadeln

überladener junger Mann steht und die Vorübergehenden fortwährend

mit lauter Stimme einladet, sein »wohlassortirtes Lager« etc. etc.

in Augenschein zu nehmen; ja oft _sogar_ mit wahrer Todesverachtung

besonders ärmlich Gekleidete gewaltsam in das Heiligthum seines

Verkaufslocals hineinzerrt, wo er im düstern Schatten einer Unzahl

flatternder Beinkleider das unglückliche Opfer förmlich zu irgend einem

Handel zwingt.

Diese Kaufleute übrigens, die einst wandernde Krämer gewesen, geben

ihren ärmern, noch umherstreifenden Collegen selten oder nie Credit; sie

mögen wohl wissen, wie sie es selbst in früheren Zeiten getrieben,

und wie oft ein solcher nomadischer Händler, wenn er eine Zeitlang

Kleinigkeiten im Vertrauen auf seine Redlichkeit erhalten und verkauft,

auch stets richtig bezahlt hat, mit dem ersten größeren Waarenballen

spurlos verschwindet, und erst wieder in einem andern Staat, wo möglich

5 bis 600 Meilen von dem ersten entfernt, auftaucht. Ihn durch die

Gesetze zu verfolgen, ist kaum möglich, der angeführte Kaufmann erfährt

vielleicht auch den neuen Aufenthaltsort seines Schuldners erst nach

geraumer Zeit, wenn die Schuld selbst schon lange verjährt ist.

Amerikanische Wald- und Strombilder. Zweiter Band. · 第 8 / 11 段