Nun, _qu’en pensez-vous, mon cher maître renard_?[2] Hat der
„_Suisse_“[3] für bar Geld mich an die preußische Regierung verkauft?
Sechs Wochen jenseits der Grenze in einem Dorfe, die affektierte
Ängstlichkeit, kein Wort über die in der Schweiz gebliebenen Exemplare,
trotz meinem Dringen kein Exemplar hierhergeschickt!
Soll einem unter solchen Umständen nicht die Lust zum Schreiben
vergehen? Immer zu arbeiten _pour le roi de Prusse_!
_Que faire?_[4] Denn so darf der „_Suisse_“ nicht durchschlüpfen.
_Quant à_[5] Dana, so hat er meinen Wechsel _honoriert_. Der „brave“
Bamberger gab mir ursprünglich 5 Pfund darauf, ließ mich dann vierzehn
Tage hin und her nach der City rennen, zahlte endlich erst diese Woche,
nachdem sich meine Wirtin seit Wochen dem Heulen (wörtlich) ergeben
hatte. Seit der Zeit habe ich wieder sieben Artikel der Tribune
geschickt. Morgen schicke ich wieder einen. Ich würde mich jetzt
herausarbeiten, wenn ich nicht die verfluchte _dette consolidée_[6] auf
dem Pelze hätte. Auch diese wäre zu einem bedeutenden Teile abgetragen
worden, hätte der elende Schweizer mich nicht wieder ins _néant_[7]
gestürzt.
Ich muß nun notwendig, um den Dana warm zu halten, einen längeren
Artikel über _haute politique_[8] schreiben. Also die _détestable
question orientale_,[9] womit mir ein miserabler Yankee von hier in der
Tribune Konkurrenz zu machen sucht. Aber diese Question ist vor allem
militärisch und geographisch, also nicht von meinem Departement. Du mußt
Dich also noch einmal _exécuter_.[10] Was aus dem türkischen Reiche
werden soll, ist mir „spanisch“. Ich kann also keinen allgemeinen
Gesichtspunkt geben.
Nur für einen Zeitungsartikel – wo es übrigens nötig wäre, durch
militärisch-geographisch-historische Draperie möglichst an der
eigentlichen Question vorbeizuschlüpfen – scheinen mir folgende
Anhaltspunkte, direkt von Montenegro ausgehend, nötig:
1. Trotz aller Schikanen und Zeitungskannegießerei wird die _question
orientale_ nie der _Anlaß_ zu einem europäischen Kriege werden. Sie wird
immer wieder diplomatisch zugetuscht werden, bis das allgemeine Hallo
auch hier dem Zutuschen ein Ende macht.
2. _Encroachments of Russia_[11] in der Türkei. Gelüste von Österreich,
Ambition von Frankreich. Interessen von England. Kommerzielle und
militärische Wichtigkeit dieses Streitapfels.
3. Im Falle des allgemeinen Hallos wird die Türkei England zwingen, auf
die revolutionäre Seite zu treten, denn hier notwendig seine Kollision
mit Rußland.
4. Notwendige Auflösung des muselmännischen Reiches. _D’une manière ou
de l’autre_[12] wird [es] in die Hände der europäischen Zivilisation
geraten.
Es wäre für den Moment noch speziell bei der Montenegrogeschichte zu
verweilen, bei der miserablen Rolle, die England jetzt offiziell spielt.
Sultan nur nachgegeben, weil Frankreich und England ihre Hilfe nicht
zugesichert. Beide Länder haben in dieser Frage, unter der Maske der
_entente cordiale_,[13] gegeneinander kokettiert mit der heiligen
Allianz. Darauf hinzuweisen, daß die herrschende Oligarchie in England
auch schon deswegen stürzen muß, weil sie unfähig geworden, ihre alte
Rolle nach außen zu spielen, die englische Nation dem Kontinent
gegenüber an der Spitze zu behaupten.
_Tout ça est très pauvre, mais enfin, il me faut un ou deux articles sur
cette question pour tuer mon concurrent._[14]
Dein K. M.
Deine Übersetzung meines Sutherlandartikels ist famos. Ich selbst
scheine einiges Talent fürs Englischschreiben zu haben. Hätte ich nur
den Flügel [Wörterbuch], eine Grammatik und einen besseren Korrektor als
Mr. Pieper.
Ich schreibe heute noch einmal nach dem Kontinent. Gelingt es mir, so
viel Geld zusammenzubekommen, da es jetzt mit Schabelitz nichts ist, daß
meine Frau wenigstens ruhig abwarten kann, bis ein zweiter Wechsel auf
Dana, den ich diesmal auf 30 Pfund zu treiben denke, gezogen und zurück
sein kann, so komme ich vielleicht im April einige Tage zu Dir, _pour
restituer mes forces_[15] und um einmal ungestört mit Dir über die
jetzigen Verhältnisse zu kohlen, die nach meiner Ansicht bald zu einem
_earthquake_[16] führen müssen.
Die Morning Post behauptet, in Lancashire beschäftigten die Fabrikanten
ihre Arbeiter nur mehr _short time_,[17] die _prosperity_[18] gehe ihrem
Ende zu usw. Wie verhält es sich damit?
Dein K. M.
Bis zu diesem Augenblick – und es ist 11-1/2 Uhr – hat Dronke Nr. 2 noch
nicht gebracht. Der Junge liegt wahrscheinlich noch zu Bett. Wir müssen
durchaus unsere Partei neu rekrutieren. Cluß ist gut. Reinhardt in Paris
ist fleißig. Lassalle, trotz der vielen „abers“, ist _dur_[19] und
energisch. Imandt und Liebknecht sind zäh und jeder in seiner Art
nutzbar. Aber alles das ist keine Partei. Der Exleutnant Steffen,
Exzeuge beim Kölner Prozeß, jetzt Schulmeister in einer Anstalt bei
London, scheint mir tüchtig. _Lupus grows from day to day older and
becomes more crotchety._[20] Dronke ist und bleibt ein „angenehmer
Müßiggänger“.
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[1] Ohne Arzt.
[2] Was halten Sie davon, mein lieber Meister Fuchs?
[3] Schweizer.
[4] Was tun?
[5] Was [Dana] betrifft.
[6] Konsolidierte Schuld.
[7] Nichts.
[8] Hohe Politik.
[9] Scheußliche orientalische Frage.
[10] Ins Unvermeidliche schicken.
[11] Eingriffe Rußlands.
[12] Auf die eine oder andere Weise.
[13] Freundschaftliche Verständigung.
[14] Alles das ist sehr dürftig, aber schließlich muß ich einen oder
zwei Artikel über die Frage haben, um meinen Konkurrenten
totzumachen.
[15] Um meine Kräfte wiederherzustellen.
[16] Erdbeben, Katastrophe.
[17] Kurze Zeit [das heißt weniger Stunden pro Tag oder Woche].
[18] Geschäftsblüte.
[19] Hart, beziehungsweise stählern.
[20] Lupus [W. Wolff] altert zusehends und wird immer grillenhafter.
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