28 Deanstreet, Soho, London, 3. Dezember 1852.

Lieber Frederic!

Du würdest schon lange Antwort auf den Brief (mit der Einlage des

Aufsatzes für Dana) erhalten haben, wenn ich nicht doppelt beschäftigt

und abgehalten gewesen wäre durch das Diktieren meiner Broschüre in

Reinschrift und dann durch Besuche von Weerth, Strohn, Damm usw.

Die Broschüre wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der Schweiz gedruckt

bei Schabelitz junior, der sich von seinem Alten separiert und eine

eigene Buchhandlung etabliert hat. Außerdem kann Cluß, wenn er die

Produktionskosten damit herauszuschlagen meint, die Sache in Washington

drucken lassen. Gedruckt _muß_ die Sache werden, schon um als

öffentliches Dokument nach Ausbruch der Revolution vorhanden zu sein.

Ich habe noch neue, sehr interessante Entdeckungen über das Komplott

Cherval usw. gemacht, die Du hoffentlich gedruckt lesen wirst.

Weerth kam Sonntag abend, fand mich sehr beschäftigt und nicht ganz

rosig gelaunt. Er fragte mich, „was ich denn eigentlich über die Kölner

Geschichte schreiben wolle?“ – und dies zwar in etwas vornehm näselndem

Tone. Ich fragte ihn, „was er in Westindien wolle?“, und nach Zeit von

einer Viertelstunde verschwand er. Dienstag abend kam er wieder und

sagte mir, er hätte eigentlich nicht wieder kommen wollen, habe aber dem

Andringen Freiligraths nachgegeben. Ich habe ihm nämlich Sonntag sehr

beschäftigt und verdrießlich geschienen. Ich nahm mir die Freiheit,

Herrn Weerth darauf aufmerksam zu machen, daß er neun Zehntel der Zeit,

die ich ihn kenne, immer verdrießlich und malcontent war, was er von mir

nicht behaupten werde. Nachdem ich ihm den Kopf etwas gewaschen, fand er

sich wieder zurecht und wurde – wieder der alte Weerth. Ich finde, daß

er verdammt verbürgert ist und seine Karriere zu sehr „_au sérieux_“[1]

nimmt. Strohn ist wenigstens immer der alte und _pas trop fin_.[2]

Bonapartes Kaiserreichhonigmonate sind prächtig. Der Kerl hat immer auf

Pump gelebt. Machen wir die Pumpanstalten in Frankreich so allgemein und

allen Klassen der Franzosen so zugänglich als möglich – und alle Welt

wird glauben, daß das Millennium herangekommen ist. Dazu direkt eine

eigene Bank für _stockjobbery_ und _railwayhumbug_.[3] Der Kerl bleibt

sich immer gleich. Der Industrieritter und der Prätendent verleugnen

keinen Augenblick einer den anderen. Wenn er nicht Krieg macht und bald

macht, so geht er an den Finanzen kaputt. Gut ist’s, daß Proudhons

Erlösungspläne sich in der einzigen Form realisieren, in der sie

praktikabel sind – als Kreditschwindel und mehr oder minder direkte

Prellerei.

Ich freue mich sehr auf Deine Ankunft hierher.

Dein K. Marx.

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[1] Ernsthaft.

[2] Nicht zu fein.

[3] Aktienspekulationen und Eisenbahnschwindel.

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Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 152 / 196 题