Lieber Marx!
Ich wußte nicht, daß Du mit der Übersetzung so pressiert bist, ich ließ
die Sache etwas hingehen, weil ich, wie gesagt, nicht wohl war und dann,
weil Pieper so sehr zudrängte, um ihn etwas zu ärgern. Ich gab mich
indes gleich gestern dran, und wäre auch fertig geworden, wäre nicht
gegen 2 Uhr mittags der ältliche Herr Schily in mein Zimmer getreten,
der in Liverpool mit einem angeblichen Sodapatent eine Fabrik anlegen
will, die 400 bis 500 Prozent reinen Gewinn bringen soll und je nach
Umständen 4-1/2 Millionen Taler pro Jahr abwerfen kann. Diesen
abenteuerlichen Plan wollte er mit mir durchsprechen – er war drauf und
dran, sich mit einigen Tausend Talern, die ihm sein Bruder verschaffen
will, in diesen Schwindel einzulassen. –
Ich hatte natürlich die Verpflichtung, den edlen Schily bekneipt zu
machen – _il n’y avait pas moyen à y échapper_.[1] Als er etwas bekneipt
wurde und ich mit einem dritten Deutschen, Vetter von Charles,
debattierte, schrie er in einem fort, obwohl sehr gutmütig: Glauben Sie
das ja nicht, der Engels glaubt an nix, an gar nix glaubt der Engels,
die Kerls von der Neuen Rheinischen Zeitung glauben alle nix, kein
Mensch kann aus ihnen klug werden. Gar nix glaubt der Engels! Ich sagte
ihm natürlich, die Kerls von der Neuen Rheinischen Zeitung fänden
dagegen nicht die geringste Schwierigkeit, aus seinesgleichen sofort
klug zu werden. Heute morgen ist der Brave unter biederem Händedruck
wieder nach Liverpool gesegelt, und heute abend wird die Übersetzung
fertig gemacht. Die Sache hält mich aber furchtbar auf, da ich alle
etwas schwierigen Stellen ohne Ausnahme neu übersetzen muß – Pieper
hilft sich da jedesmal durch buchstäbliche Übersetzung, wobei reiner
Unsinn entsteht. Einzelne Stellen sind übrigens fast unmöglich zu
übersetzen.
Ich will indes alles aufbieten, heute abend fertig zu werden, so daß Du
sie morgen erhältst.
Dein F. E.
Wenn irgend möglich schicke ich Dir dieser Tage noch ein Pfund.
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[1] Dem war nicht zu entgehen.
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