Lieber Engels!
Einen Artikel über die Wahlen habe ich nicht geschrieben, weil nach
meiner Ansicht erst das Gesamtresultat abgewartet werden muß. Es scheint
mir nach dem, was ich bisher gesehen, daß auf fünf bis sechs Stimmen,
zum Vorteil der Whigs, das alte Parlament mit Haut und Haar wieder
auferstehen wird. Die Kerls sind in einem _cercle vicieux_,[1] wo sie
nicht herumkommen. Die einzigen, die bis jetzt bedeutend verloren haben,
sind die Peeliten. – –
Der große Techow nebst Madame Schmidt-Stirner wandern nächste Woche nach
Australien. Aber was Dich tiefer kränken wird, „Dr.“ Damm wirst sich
nicht minder auf _australian golddigging_.[2] Noch einige Monate
Frieden, und unsere Weltumwühler wühlen alle im australischen Dreck nach
dem Drecke.
Meine Frau ist sehr leidend, magert ab und hustet. Indes erklärt der
Doktor die Sache für nicht gefährlich und hat ihr außer Medizin
verordnet, viel Porter zu trinken.
Wenn es Dir möglich ist, bis Freitag noch einen Artikel zu schicken,
werde ich versuchen, die an Dana dann zu fordernden 5 Pfund bei Johnson
zu eskomptieren. –
Dein K. M.
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[1] Fehlerhaftem Zirkel.
[2] Goldgraben in Australien.
171
Manchester, 15. Juli 1852.
Lieber Marx!
Hast Du vor zwei bis drei Tagen den Artikel im Morning Herald über die
verschiedenen Parteichefs der Opposition gelesen? Er kann nur von
Disraeli selbst geschrieben sein. Das: _And now stand forth, thou man of
„unadorned eloquence“,[1] Richard Cobden_, ist famos. Master John Bright
wurde darin ganz richtig als der einzig gefährliche Kerl erkannt, obwohl
die Herren sich über den Graham auch Illusionen machen. Dieser
gewissenlose alte _ambitieux_[2] ist gerade jetzt den Herren Tories sehr
gefährlich.
_Bon voyage_[3] den patriotischen Goldgräbern! So bekommt der Name
„Wühler“ doch endlich seine wahre Bedeutung und seinen Inhalt.
Gerade jetzt, da, wie ich höre, der Prozeß am 28. vorkommt, ist es
wichtig, mehrere sichere Verbindungen mit Köln zu haben. Wüßten wir nur,
wie weit man sich auf B[ermbach]s Tätigkeit verlassen kann. Die Briefe
könnte man ihm _via_ Bradford schon sicher zuspedieren. Wüßten wir, daß
Weerth in Hamburg, so wäre die Sache abgemacht. Ich schreibe deshalb
noch heute an Strohn. Zu gleicher Zeit ist im Notfall sogar Naut zu
benutzen. Dieser nämlich, von Emanuels abgegangen, Agent für ein kleines
Bradforder Judenhaus, hat mir einige militärische Sachen bei einem
Kölner Antiquar gegen alle Erwartung _äußerst prompt_ besorgt; das
Rätsel löst sich aber, wenn Du hörst, daß er Agent für Ermen & Engels
werden will und mich außerdem ersucht hat, ihm für ein hiesiges
Twisthaus die Agentur zu verschaffen. Ich verspreche ihm alles und
empfehle ihn meinem Alten. So kann man sich, für die Dauer dieser
Unterhandlungen, auf seine Exaktitude verlassen.
Die mir von Naut besorgten Militaria – offenbar die Bibliothek eines
abgedankten Artillerieoffiziers – kommen mir sehr gelegen, und zwar
besonders, weil sie sich hauptsächlich auf die _niedere_
Militärwissenschaft beziehen, den eigentlichen Dienst usw. Das fehlte
mir gerade. Dazu famose Sachen über Fortifikation usw. Ich werde bald so
weit sein, daß ich auch vor dem Publikum riskieren darf, ein
independentes militärisches Urteil zu haben.
Inliegend der Artikel für Dana. Ich werde jetzt rasch zum Schlusse
arbeiten; mache aber auch etwas über England. Schlagen wir 3 Pfund pro
Woche aus dem Kerl heraus, so müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn wir
es nicht dahin brächten, daß Deine Frau noch vor Ende dieses Sommers
einige Zeit aufs Land geht – das wird ihr besser helfen als aller
Porter. Jedenfalls freue ich mich zu hören, daß ihr Unwohlsein nicht
gefährlich ist.
Laß mich nur noch ein Jahr Militaria ochsen, und die
Demokraten-Leutnants sollen sich doch höllisch wundern.