13. Juli 1852.

Lieber Engels!

Einen Artikel über die Wahlen habe ich nicht geschrieben, weil nach

meiner Ansicht erst das Gesamtresultat abgewartet werden muß. Es scheint

mir nach dem, was ich bisher gesehen, daß auf fünf bis sechs Stimmen,

zum Vorteil der Whigs, das alte Parlament mit Haut und Haar wieder

auferstehen wird. Die Kerls sind in einem _cercle vicieux_,[1] wo sie

nicht herumkommen. Die einzigen, die bis jetzt bedeutend verloren haben,

sind die Peeliten. – –

Der große Techow nebst Madame Schmidt-Stirner wandern nächste Woche nach

Australien. Aber was Dich tiefer kränken wird, „Dr.“ Damm wirst sich

nicht minder auf _australian golddigging_.[2] Noch einige Monate

Frieden, und unsere Weltumwühler wühlen alle im australischen Dreck nach

dem Drecke.

Meine Frau ist sehr leidend, magert ab und hustet. Indes erklärt der

Doktor die Sache für nicht gefährlich und hat ihr außer Medizin

verordnet, viel Porter zu trinken.

Wenn es Dir möglich ist, bis Freitag noch einen Artikel zu schicken,

werde ich versuchen, die an Dana dann zu fordernden 5 Pfund bei Johnson

zu eskomptieren. –

Dein K. M.

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[1] Fehlerhaftem Zirkel.

[2] Goldgraben in Australien.

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Manchester, 15. Juli 1852.

Lieber Marx!

Hast Du vor zwei bis drei Tagen den Artikel im Morning Herald über die

verschiedenen Parteichefs der Opposition gelesen? Er kann nur von

Disraeli selbst geschrieben sein. Das: _And now stand forth, thou man of

„unadorned eloquence“,[1] Richard Cobden_, ist famos. Master John Bright

wurde darin ganz richtig als der einzig gefährliche Kerl erkannt, obwohl

die Herren sich über den Graham auch Illusionen machen. Dieser

gewissenlose alte _ambitieux_[2] ist gerade jetzt den Herren Tories sehr

gefährlich.

_Bon voyage_[3] den patriotischen Goldgräbern! So bekommt der Name

„Wühler“ doch endlich seine wahre Bedeutung und seinen Inhalt.

Gerade jetzt, da, wie ich höre, der Prozeß am 28. vorkommt, ist es

wichtig, mehrere sichere Verbindungen mit Köln zu haben. Wüßten wir nur,

wie weit man sich auf B[ermbach]s Tätigkeit verlassen kann. Die Briefe

könnte man ihm _via_ Bradford schon sicher zuspedieren. Wüßten wir, daß

Weerth in Hamburg, so wäre die Sache abgemacht. Ich schreibe deshalb

noch heute an Strohn. Zu gleicher Zeit ist im Notfall sogar Naut zu

benutzen. Dieser nämlich, von Emanuels abgegangen, Agent für ein kleines

Bradforder Judenhaus, hat mir einige militärische Sachen bei einem

Kölner Antiquar gegen alle Erwartung _äußerst prompt_ besorgt; das

Rätsel löst sich aber, wenn Du hörst, daß er Agent für Ermen & Engels

werden will und mich außerdem ersucht hat, ihm für ein hiesiges

Twisthaus die Agentur zu verschaffen. Ich verspreche ihm alles und

empfehle ihn meinem Alten. So kann man sich, für die Dauer dieser

Unterhandlungen, auf seine Exaktitude verlassen.

Die mir von Naut besorgten Militaria – offenbar die Bibliothek eines

abgedankten Artillerieoffiziers – kommen mir sehr gelegen, und zwar

besonders, weil sie sich hauptsächlich auf die _niedere_

Militärwissenschaft beziehen, den eigentlichen Dienst usw. Das fehlte

mir gerade. Dazu famose Sachen über Fortifikation usw. Ich werde bald so

weit sein, daß ich auch vor dem Publikum riskieren darf, ein

independentes militärisches Urteil zu haben.

Inliegend der Artikel für Dana. Ich werde jetzt rasch zum Schlusse

arbeiten; mache aber auch etwas über England. Schlagen wir 3 Pfund pro

Woche aus dem Kerl heraus, so müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn wir

es nicht dahin brächten, daß Deine Frau noch vor Ende dieses Sommers

einige Zeit aufs Land geht – das wird ihr besser helfen als aller

Porter. Jedenfalls freue ich mich zu hören, daß ihr Unwohlsein nicht

gefährlich ist.

Laß mich nur noch ein Jahr Militaria ochsen, und die

Demokraten-Leutnants sollen sich doch höllisch wundern.

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 106 / 196 题