Lieber Engels!
Ich komme spät, aber ich komme. Den Aufschub wirst Du aus folgender
Geschichtserzählung Dir erklären ....
Kloses Frau, lang kränkelnd, abzehrend im Hospital, wird von dem
Hundepack entlassen gerade im Moment der letzten Krise, stirbt
vorgestern in seinem Hause. Nun kein Centime da, Begräbniskosten usw.
Freiligrath konnte nichts tun, da er eben alle seine Bekanntschaften
erschöpft hatte, um Heilbergs Frau und Kind nach Breslau
zurückzufördern, ihn selbst am Leben zu halten und schließlich ins
Hospital zu fördern. So fiel die Sache auf mich und machte unsägliche
Laufereien, bis sie ins reine gebracht war. _Maintenant_[1] ist wieder
Ruhe!
Du wirst von neuen Verhaftungen in Paris gelesen haben. Die Tölpel
(diesmal Ruge-Clique) mußten natürlich eine Scheinkonspiration wieder
von neuem auf die Tapete bringen. Ihr Korrespondent in Paris, wie mir
schon vor geraumer Zeit mitgeteilt war, _Engländer_, notorischer
Polizeiagent (in Paris), deponiert natürlich jeden ihrer Briefe sofort
im Office. Nicht zufrieden damit, schickt die französische Polizei Simon
Deutsch her, um dem Panzerum die Würmer aus der Nase zu ziehen. L[ouis]
N[apoleon] bedarf unter allen Umständen einer Konspiration.
Ein Hauptagent der Polizei ist bestochen. Zwei Generale sollen gewonnen
sein. Nemours war selbst vor vierzehn Tagen in Paris. Große Summe zur
Verbreitung von Pamphleten gegen L. N. verausgabt.
Der Hund Cherwald hat den Preußen noch den Pfänderschen Brief an ihn
ausgeliefert.
_Au revoir._
Dein K. M.
Von Weydemeyer keine Spur. Bonaparte wird wohl eher in Amerika sein als
meine Broschüre über ihn in Europa. Wenn möglich, schicke mir bald einen
Artikel für Dana.
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[1] Jetzt.
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Manchester, 6. Juli 1852.
Lieber Marx!
Ich sitze hier bis über die Ohren in der Arbeit. Vor mir liegen jetzt
noch elf Geschäftsbriefe, die ich heute noch schreiben muß, und es ist
gleich 7 Uhr. Ich will indes womöglich noch heute, spätestens aber
morgen abend einen Artikel für Dana machen.
Ich habe gerade den Herrn Görgey vor. Wir haben damals aus den
österreichischen Berichten den Gang des ungarischen Krieges in der Neuen
Rheinischen Zeitung famos richtig geraten und glänzend, aber auch
vorsichtig, richtig prophezeit. Das Buch von Görgey ist hundsgemein, so
etwas klein Neidisches, infam _mesquin_ Borniertes existiert nicht mehr.
Das Militärische ist gut, Görgey, wie er leibt und lebt, der talentvolle
Exleutnant, der sofort General wird und dem der Kompagniedienst und das
elementartaktische Detail noch als Eierschale überall anklebt. Die
Ungarn, die behaupten, Görgey hätte das nicht schreiben können, sind
_Esel_. Das echt Görgeysche und das österreichische Element sind im
Buche so leicht zu unterscheiden, wie im Chenu die beiden heterogenen
Elemente. Als Quelle ist das Buch – mit Vorsicht – aber sonst sehr gut
zu gebrauchen. Die boshafte Borniertheit des Kerls geht so weit, daß sie
ihn dazu treibt, sich selbst zu blamieren, wie durch die Geschichte von
der Waizener Proklamation, worin er Kossuth vorwirft, in der
Wirklichkeit gescheiter gewesen zu sein als in seinen bombastischen
Reden, und durch die ganze unbeholfene Darstellung, die den Verfasser
sich immer wider Willen kompromittieren läßt. Diese Borniertheit läßt
Görgey nie zu einer wirklichen Charakterisierung irgend eines Kerls
kommen, doch sind nette Züge und einzelne Glossen drin über Kossuth und
die meisten anderen. Trotz dieser Borniertheit der Boshaftigkeit war
Görgey – man sieht es überall – doch allen überlegen – was sind also die
anderen erst für Kerle!
Über den ungarischen Krieg schreibe ich jedenfalls.
Dein F. E.
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