Lieber Frederic!
Gleichzeitig mit diesem Briefe erhältst Du eine kolossale Sendung von
Amerika. Ich habe heute auch einen Brief von Cluß erhalten, von dem ich
Dir unten Auszüge gebe, den ich aber bis nächste Woche noch brauche.
Dronke ist _sain et sauf_[1] hier eingetroffen. Er gefällt mir besser,
als ich gefürchtet hatte. Er ist gewachsen und auch in die Breite
gegangen. Dadurch hat er an Aplomb gewonnen. Einstweilen kneipt er bei
Anschütz, der ihn mit offenen Armen empfangen hat. Er wird hier ein
kleines Geschäft anfangen, da er von Paris den Auftrag hat, hier
Zigarren- und Moneytaschen zu verkaufen. 10 Prozent Gebühren. Und durch
Anschütz kommt er gleich in die nötigen Verbindungen für diesen Trade.
Von ihm habe ich erfahren, daß der „brave“ Techow eine Charakteristik
über uns in die Schweiz geschickt, worin er weidlich schimpfte, speziell
über Dich. Die Militärs haben einen Konkurrenzneid gegen Dich. _Et je
pense_,[2] daß Du eines Tages _leurs pressentiments_[3] rechtfertigen
wirst. Außerdem: Schily verlangte von Genf, die Herren sollten sich mit
uns ausgleichen. Darauf erfolgte ein Gutachten, gezeichnet: Willich,
Techow, Schapper, Schimmelpfennig, worin es unter anderem hieß: 1. habe
man vollständig mit dieser ganz machtlosen Partei gebrochen; 2. seien
Polizeispione unter uns, die alles der preußischen Regierung anzeigten.
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Das Memorandum über Deutschland wirst Du erhalten.
Aus dem Clußschen Briefe folgendes:
Hutzel (zu unterscheiden von Hutzelwitt, Freund von Cluß, bei dem
Kinkelkongreß zu Cinncinnati als Garant anwesend) schreibt an Cluß unter
anderem: „Kinkel wollte mich durch Gemeinheiten gegen Marx und Engels
niederschmettern. Was ich wollte, ist mir gelungen. Ich brachte ihn so
in die Enge, daß ich ihn auf lange im Sacke habe. Er wollte sich
sicherstellen dadurch, daß er mich um mein Ehrenwort hat, über den
Vorfall zu schweigen und ihm ‚keine Stänkereien‘ durch eine Publikation
zu bereiten. Ein gewisser Tellering schimpft ‚wie ein Rohrspatz in einem
Briefe an Anneke‘.“
Weiter schreibt Cluß selbst: „In New York in der kostbaren Versammlung,
deren Rapport ich in meinem letzten Briefe sandte, haben sich die sehr
zahlreichen Turnvereine separat konstituiert und sich für meinen Protest
und Weydemeyers Artikel gegen das Memorial von Kinkel erklärt.“
Unter den Sachen, die ich Dir zuschicke, findest Du den Entwurf einer
Reklame für die Bilder und [das] Schlachtenberichtwerk vom alten
Szerelmey. Er wünscht es etwas ausgepatscht und ins Englische als
Reklame verarbeitet, wofür er jedem von uns ein Exemplar des Werkes
zusagt. _Je crois que ça vaut la peine de faire un petit Puff._[4] –
_Mais que dis-tu, mon cher_,[5] daß Ruge in dem Dir überschickten Janus
sich den Kommunismus als jüngstes Produkt seines „humanistischen
Denkens“ anzueignen sucht, und wie! _Mon Dieu!_
Hast Du den Hahnenkampf zwischen Harney und Jones gelesen? Sonst schicke
ich Dir ihre wechselseitigen Philippiken. Beide, der eine freiwillig,
der andere gezwungen, steigen hier auf den Standpunkt der deutschen
Emigrationspolemik herab.
Dein K. M.
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[1] Heil und sicher.
[2] Ich denke.
[3] Ihre Ahnungen.
[4] Ich glaube, das lohnt der Mühe, eine kleine Marktschreierei zu
machen.
[5] Aber was sagst Du dazu, mein Lieber?
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Manchester, 1. Mai 1852.
Lieber Marx!
Inliegend 30 Schilling Post Office Ordre, alles, was ich für den Moment
entbehren kann. Du wirst das Ding zwar morgen des Sonntags wegen nicht
einkassieren können, aber wenigstens weißt Du, daß Du es hast. Sollte es
mir im Laufe des Monats möglich sein, eine zweite derartige Sendung
abzustoßen, so weißt Du, daß es jedenfalls geschieht, aber bis jetzt
kann ich das noch nicht beurteilen.
Daß der Kleine eingesprungen ist und sich herausgemacht hat, ist sehr
schön, und daß er an Anschütz vorderhand _a friend in need, a friend
indeed_[1] gefunden, ist auch etwas wert. Im Laufe des Sommers muß er
mich mal besuchen, wenn ich erst meinen Alten hier gehabt habe.
Den Brief von Cluß nächste Woche zurück. Die Geschichte für Szerelmey
werde ich machen.
Dein F. E.
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[1] Ein Freund in der Not, ein wirklicher Freund.
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Manchester, 4. Mai 1852.
Lieber Marx!
Inliegend den Clußschen Brief zurück. Die Jonesschen Artikel habe ich
hier, dagegen nicht die von Harney, die Du mir gelegentlich schicken
kannst, damit man beide Seiten kennen lernt und Vater Harney in seiner
neuen Rolle sieht ....
Das Herkommen meines Alten schiebt meine Danaschen Pläne natürlich um
acht bis vierzehn Tage auf.
Wie mir Ebner schreibt, steht er wegen Deiner Ökonomie noch immer mit
Löwenthal in Unterhandlung, der sich in Brüssel etablieren will und
einstweilen noch Associé im Frankfurter Geschäft bleibt.
Wie kommt Freiligrath mit meinem Schwager voran? Antworte mir wegen
Pindar, _c’est une bête ennuyeuse et assez confuse_.[1] Ist er im
B[un]d?
Schreibe bald.
Dein F. E.
Bei Paketen, die nicht durch die Post gehen, schreibst Du besser statt
der alten Nr. 70 beide, die alte und neue Nummer auf die Adresse, so:
Nr. 44/70 Great Ducie Street, Strangeways, Manchester.
Die Geschichte für Szerelmey womöglich morgen.
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[1] Das ist ein langweiliges und ziemlich konfuses Vieh.
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