Lieber Engels!
Ich lege Dir hier ein: 1. Auszug des Briefes von Cluß (aus Washington)
an Wolff; 2. Brief von Pieper aus Brüssel.
_Ad_ Nr. 1 hat Lupus vergessen, zwei Data noch auszuziehen, die Dir
nicht uninteressant sein werden. _Erstens_: Der Artikel „Revolution und
Konterrevolution in Deutschland“ ist _deutsch_ in der New Yorker
Abendzeitung erschienen, in verschiedene Blätter übergegangen und hat
Furore gemacht. Cluß schreibt nicht, ob dies Übersetzung aus der Tribune
ist oder nicht. Ich habe deswegen direkt an Dana geschrieben.
_Zweitens_: Herr Wiß, das Hauptinstrument Kinkels, hat öffentlich
erklärt, daß er „ökonomisch“ unsere Ansichten teile. Du siehst, wie sie
operieren.
Was Herrn Tupman [Pieper] betrifft, so erwähnt er weder unseren Brief
aus Manchester, noch einen späteren Brief, den ich ihm von hier aus
durch meine Frau schreiben ließ.
Was aber nun die _Kölner_ betrifft, so ist es System der gemeinen
Emigrationsschweine, die ihre Rüssel in der ganzen Preßkloake haben,
gegen diese Sache _la conspiration du silence_[1] zu beobachten, um nur
ja ihrer eigenen Wichtigkeit keinen Abbruch zu tun. Dem muß jetzt
entgegengewirkt werden. Ich habe Briefe heute nach Paris geschickt gegen
die preußische Justiz, um die Sache in die dortige Presse zu bringen.
Lupus hat die Artikel für Amerika und Schweiz übernommen.
_Maintenant_[2] mußt Du mir eine englische Geschichte schmieden, nebst
einem Privatbrief an den Editor[3] der Times, wohin die Sache
versuchsweise geschickt werden muß. Wenn die Times, die jetzt ihre
Popularität wieder aufzufrischen sucht und sich sicher geschmeichelt
findet, wenn sie als einzig einflußreiches Journal auf dem Kontinent
behandelt wird, die ohnehin preußenfeindlich ist, wenn die Times sich
der Sache annähme, könnte man nach Deutschland hin wirken. Hervorzuheben
wäre die Lage des Justizwesens überhaupt in Preußen.
Gelingt dieser Versuch nicht, der auf keinen Fall schadet, so schreibst
Du von Manchester direkt an den Sun. Erhält er die Sache _vor_ der
Times, so würde diese sie auf keinen Fall mehr annehmen. –
E. Jones hat Kossuth – mit Benutzung meines Briefes – _sans
miséricorde_[4] angegriffen. „_I tell him, that the revolutions of
Europe mean the crusade of labour against capital, and I tell him they
are not to be cut down to the intellectual and social standard of an
obscure semibarbarous people, like the Magyars, still standing in the
halfcivilisation of the 16th century, who actually presume to dictate to
the great enlightenment of Germany and France, and to gain a false won
cheer from the gullibility of England._“[5]
Apropos. Ich hätte bald ein Wichtiges in der Chronique scandaleuse
vergessen. Stechan, Hirsch, Gümpel usw., kurz, die aus Deutschland
gekommenen Arbeiter haben sich bei mir ansagen lassen. Ich werde sie
heute empfangen. Sie haben sich schon bedeutend mit Schapper und Willich
überworfen. Stechan hat offen den Dietz als Spion denunziert vor dem
Arbeiterverein, und obgleich einige Stimmen schrien, er sei Agent von
Marx, dennoch die Niedersetzung einer Kommission bewirkt, worin aber die
Freunde und Protektoren des Dietz-Schapper und Willich die Hauptrolle
spielen. Durch diese Leute werde ich jedenfalls neue Krisen in der
elenden ... Herberge hervorrufen.
Gleichzeitig zeige ich Dir den Empfang der drei Pfund an.
Salut.
Dein K. M.
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[1] Die Verschwörung des Totschweigens.
[2] Jetzt.
[3] Schriftleiter.
[4] Erbarmungslos.
[5] „Ich erkläre ihm, daß die europäischen Revolutionen den Kreuzzug
der Arbeit gegen das Kapital bedeuten, und ich erkläre ihm, daß sie
nicht auf das geistige und soziale Niveau eines obskuren,
halbbarbarischen Volkes, wie die Magyaren, heruntergedrückt werden
können, die noch in der Halbzivilisation des sechzehnten
Jahrhunderts stecken und sich tatsächlich einbilden, [sie könnten]
die große Erleuchtung Deutschlands und Frankreichs kommandieren und
der Leichtgläubigkeit Englands ein erschwindeltes Hoch ablocken.“
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