Lieber Marx!
Meine paar Zeilen von vorgestern wirst Du erhalten haben. Wenn Weerth
das Nötige nicht gleich auftreiben kann, so will ich sehen, daß ich
übermorgen oder spätestens Montag die Sache ins reine bringe. Im Notfall
wirst Du jedenfalls die Geschichte bis Dienstag hinhalten können.
Inliegend den Brief von Meister Pieper zurück. Der Heine scheint ihm
sehr gelegen zu kommen, um die anstandsgemäßen vier Seiten voll zu
machen. Ich hoffe, Du wirst ihm wegen des Proudhon einen zur Tatkraft
anspornenden Brief geschrieben haben, denn wenn er erst wieder hier ist,
so hörst und siehst Du vom Manuskript für die erste Zeit kein Wort mehr.
Wegen Löwenthal widersprechen sich Pieper und Ebner sehr, jedenfalls ist
aber dem letzteren mehr zu trauen. Ich glaube, was das Anfangen mit der
Geschichte der Ökonomie betrifft, wovon Pieper spricht, daß wenn
Löwenthal dies wirklich vor hat, Ebner ihm am besten Schwierigkeit
macht; es ginge nicht, Deinen ganzen Plan umzuwerfen, Du habest schon
angefangen, die Kritik auszuarbeiten usw. Sollte es aber nicht anders
gehen, so müßte Löwenthal eben sich für zwei Bände verpflichten, und Du
würdest diesen Raum auch nötig haben, teils wegen des zu antizipierenden
Kritischen, teils um die Geschichte bei dem am Ende doch keinenfalls für
Londoner Kostenpreise berechneten Honorar für Dich einigermaßen rentabel
zu machen. Dann kämen als dritter Band die Sozialisten und als vierter
die Kritik – _ce qu’il en resterait_[1] – und das vielberühmte
„Positive“, das, was Du „eigentlich“ willst. Die Sache hat in dieser
Form ihre Schwierigkeiten, aber sie hat den Vorzug, daß man das
vielverlangte Geheimnis erst ganz am Schlusse sagt, und erst nachdem die
Neugier des Bürgers durch drei Bände hindurch in Atem gehalten wird, ihm
enthüllt, daß man keine Morrisonpillen fabriziert. Für Leute von einigem
Verstand werden die Andeutungen der ersten Bände, der Anti-Proudhon, das
Manifest genügen, um sie auf die richtige Fährte zu leiten; der Kauf-
und Lesemob wird sich für die Geschichte usw. nicht mehr interessieren,
wenn er das große Mysterium schon im ersten Bande enthüllt bekommen hat;
er hat, wie Hegel in der Phänomenologie sagt, „Die Vorrede“ gelesen, und
da steht ja das Allgemeine drin.
Du tust gewiß am besten, mit Anstand, aber bei irgend akzeptablen
Bedingungen jedenfalls mit Löwenthal abzuschließen und das Eisen zu
schmieden, weil es warm ist.
Die Hauptsache ist, daß Du erst wieder mit einem dicken Buche vor dem
Publikum debütierst, und am besten mit dem unverfänglichsten, der
Historie. Die mittelmäßigen und lausigen Literaten Deutschlands wissen
sehr gut, daß sie ruiniert wären, wenn sie nicht zwei- bis dreimal des
Jahres mit irgend einem Schund vor dem Publikum erschienen. Ihre
Zähigkeit hilft ihnen durch; obwohl ihre Bücher wenig oder nur
mittelmäßig ziehen, glauben schließlich doch die Buchhändler, sie müßten
große Männer sein, weil sie in jedem Meßkatalog ein paarmal vorkommen.
Dann ist es auch platterdings nötig, daß der Bann gebrochen wird, der
durch Deine lange Abwesenheit vom deutschen Büchermarkt und durch die
spätere Angstmichelei der Buchhändler entstanden ist. Ist einmal erst
ein oder zwei Bände lehrreicher, gelehrter, gründlicher und zugleich
interessanter Sachen von Dir erschienen, _alors c’est tout autre
chose_,[2] und Du pfeifst den Buchhändlern was, wenn sie niedrig bieten.
Es kommt noch das dazu, daß Du diese _Geschichte_ nur in London machen
kannst, während Du Sozialisten und Kritik überall machen kannst. Es wäre
also gut, wenn Du die Gelegenheit jetzt noch benutztest, ehe die
Crapauds irgend einen Blödsinn machen und uns wieder auf das _theatrum
mundi_[3] versetzen.