Lieber Engels!
Lupus hat von Köln, wie er mir selbst schreibt, einen englischen Paß und
Reisegeld für sich und Dronke erhalten. Dronke hat den Kölnern auch
einen Aufsatz über die italienische Revolution zugeschickt.
_Mais ce qu’il y a de drôle_,[1] Dronkens Unterschrift steht positiv –
abgedruckt in Louis Blanc – unter der Adresse an das damalige Komitee
zur Feier der Februarrevolution. _Nous lui demanderons des
éclaircissements sur ce fait étrange. Dans le meilleur cas, ce n’est pas
un trait d’esprit de la part de ce gnome._[2]
Becker hat seine Setzerei und Druckerei nach Verviers verlegt, und es
scheint nicht, daß die Regierungsverfolgungen ihm Schaden tun. Ein Heft
von meinem Zeugs ist hierher gelangt, aber nur ein Exemplar.
Das hiesige zentraldemokratische deutsche Komitee hat sich hier
aufgelöst zur selben Zeit, wo der große Karl Heinzen ihm „militärischen
Gehorsam“ ankündigt. Der süße Kinkel, wegen seinen dramatischen
Vorlesungen für respektable Cityleute – 12 Vorlesungen für 1 Guinea: der
Süße schickt diese Billetts durch ein Komitee (worin Oppenheim von
Berlin) an Gott und die Welt, hat ungefähr 300 Hörer – darf sich
natürlich nicht kompromittieren und hat sich zurückgezogen. Ebenso Haugh
sich überworfen. Ruge, dessen Finanzen sehr zerrüttet scheinen, hatte
vor, sich eine Daguerreotypanstalt zu kaufen und als Daguerreotypist das
Land zu durchziehen.
Weerth schreibt mir heute im höchsten Maße malkontent: die langen Nasen
und das Rauchfleisch ennuyieren ihn. Außerdem, sagt er, drohe ihm „eine
glänzende Lage“ – Heirat? Aber er sei zu alt, um Philister zu werden. Du
kennst unseren Freund Weerth. Er ennuyiert sich rasch, und am
schnellsten, wenn er sich bürgerlich behaglich findet. Sein Freund Campe
sagte ihm, verdrießlich auf die Makulatur zeigend: „Alles zieht, aber
nichts schlägt durch!“ Und das sei der allgemeine Zustand in
Deutschland.
Hier wimmelt’s von _people_ aller Art. Ich glaube nicht, daß es mich
belästigen wird _in any way_.[3] Denn was von den Industriellen liberal,
radikal oder auch nur neugierig ist, das wird mit großer Aufmerksamkeit
eingefangen bei Göhringer oder von der Kinkelclique und dann gleich mit
Skandal über uns beide gefüttert. _Tant mieux pour nous!_[4]
Die ganze Woche ist die Bibliothek geschlossen gewesen. Von dem roten
Narren erfährt man nichts mehr.
Daniels schreibt mir, daß sie nirgends besser repräsentiert sind, als in
Berlin, und dort zwei „Talente“ und „Gentlemen“ zur Disposition haben,
die sehr tätig seien. – Das Foucaultsche Experiment mit dem Pendel wird
hier im polytechnischen Institut gezeigt.
Den gesagten Brief an Daniels werde ich morgen besorgen. Schramm hat es
_mirabile dictu_ zu einem _season ticket_[5] gebracht.
Heinzen hat in seinem Schmutzblatt auch wieder mit seinem „_native_“[6]
Dreck geworfen, der _malheureux_.[7] Der Kerl ist so dumm, daß Schramm
für Geld unter dem Namen „Müller“ bei ihm korrespondiert und lauter
unpassende Allotria, wie den Blanquitoast usw., in seinen Zeitungskram
einschmuggelt.
Willich begegnete vor einigen Tagen dem Bamberger, den er früher einmal
gesehen hatte. Kam auf ihn zu. Drückte ihm die Hand [und sagte]: „Ich
war drei Wochen sehr krank. Konnte das Haus nicht verlassen. Die
Revolution marschiert famos. Namentlich hier in London sind wir sehr
tätig. Zwei neue Filialvereine gestiftet. Schapper wirkt ungeheuer.“
Ein andermal mehr. Nächste Woche werde ich mich auf der Bibliothek
ernsthaft für Deine Quellen zu Louis Blanc umsehen.
Dein K. Marx.
Meine Frau läßt bestens grüßen. Sie war wütend, daß der N. uns so
zudringlich gleich auf den Hals kam.